Ausgabe 
11.10.1885 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Ur. S37 Erstes Blatt. Sonntag den 11. Oktober

ISS»

i eßen er Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

«'-r-an: Schul st raße 7. Erscheint tätlich mit «u-nastrne des Mont««». öb? öc'oyn MM

Amtlicher Theis.

Gießen, am 8. October 1835. Betreffende Die Ableistung des Verfaffungseides.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Die Ableistung des Verfassungseides der seit Mai d. I. ausgenommenen Ortsbürger, sowie derjenigen Großh. Hessischen Unterthanen, welche sich, ohne Ortsbürger zu werden, seit der bemerkten Zeit verheirathet haben, soll wie folgt stattfinden, nämlich derjenigen aus den in dem Amtsgerichtsbezirke Gießen liegenden Gemeinden

Montag, den 9. November l. I., Vormittags 9 Uhr, in dem Regierungsgebäude zu Gießen,

derjenigen aus den in den Amtsgerichtsbezirken Grünberg und Homberg liegenden Gemeinden

DienStag, den 10. November l. I., Vormittags 9 Uhr, in dem Rathhause zu Grünberg,

derjenigen aus den in den Amtsgerichtsbezirken Lich und Butzbach liegenden Gemeinden

Donnerstag, den 12. November L I, Vormittags 9 Uhr, Sn dem Rathhause zu Lich

und derjenigen aus den in den Amtsgerichtsbezirken Hungen, Nidda und Laubach liegenden Gemeinden

Montag, den 16. November 1. I., Vormittags 9 Uhr, in dem Rathhause zu Hungen.

Sie wollen die betreffenden Personen hiernach vorladen und daß dies geschehen, unter Namhaftmachung der Vorgeladenen anzeigen oder berichten, daß Niemand vorzuladen war. Halten sich dergleichen Personen auswärts auf, so ist der Aufenthaltsort anzugeben.

_____Dr. Boekmann.__

Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Halstuch, 1 Handschuh, 1 Regenschirm, 1 Frankfurter-Pserdemarkt-Loos, 1 Meffer, 1 Paar Mllitär-Hand­schuhe, eine Vorspannwaage.

'Zugelaufen: 1 Dachshund.

Gießen, am 10. October 1885. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Deutschland.

Berlin, 9. October. Die Kaiserin hat durch die Admiralüät dem Cornits für die Hinterbliebenen der BesatzungAugusta" 1000 «A mit der Bestimmung für besouder« Hülssbedürstige dieser Hinterbliebenen überwiesen.

Oesterreich.

Wien, 9. October. DieNeue Freie Presse" versichert, von compe- tenter Seite die bestimmte Mittheilung erhalten zu haben, daß die Nachrichten, wonach die Pforte die Union Bulgariens und Ost»Rumeliens, wenn auch nur im Principe angenommen hätte, vollständig der Begründung entbehrten.

Rußland.

Petersburg, 9. October. DasJournal de St. Petersbourg" ist ermächtigt, die Konstantinopeler Nachrichten hiesiger Blätter, daß die Gesundheit des Sultans zu wünschen lasse, daß unter der Bevölkerung Konstantinopels eine Mßstimmung herrsche und dort ein Complot angezettelt werde, aus das For­mellste zu dementiren und hinzuzusügen, daß der Sultan fortdauernd sich einer ausgezeichneten Gesundheit erfreue und die übrigen erwähnten Nachrichten reine Erfindung seien.

In Betreff der Depesche aus Philippopel, wonach dort durch öffent- rliche Anschläge die Annahme der Personalunion zwischen Bulgarien und Rume- lien durch den Sultan bekannt gemacht worden sei, sagt dasJournal de St. Petersbourg":Wenn eine öffentliche Bekanntmachung wirklich stattge- .funden habe, scheint es uns, daß man sich zu sehr beeilt hat, eine Entscheidung des Sultans zu präjudiciren, welcher sich in dieser Angelegenheit an die Mächte gewandt hat."

Der russischenPetersb. Zeitung" zufolge ist in der Reichs-Controle eine SpecialCommission gebildet zur Revision aller Bahnlinien der Großen Russischen Gesellschaft, wozu auch Repräsentanten des Verkehrs-, Landwirth- schasts- -und Finanz-Ministeriums hinzugezogen werden.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Correspondenz - Bnrea«.

London, 9. October. Der Marquis of Hartiugton wies in einem liberalen Meeting zu Bury darauf hin, daß er nun 21 Jahre Mitglied des Unterhauses gewesen fei und der Augenblick herannahen dürfe, wo er die Frage des Rücktritts aus dein öffentlichen Leben ernstlich in Erwägung nehme.

Neuter's Bureau meldet aus Tamatave (Madagaskar) vom 26. September: Zwischen den Hovas und den Franzosen hat ein Gefecht ohne entscheidendes Resultat <m der Passandava - Bai stattgesunden. Die Franzosen verloren 21 Todte und Ver­wundete. die Hovas 200.

Philippopel, 9. Oktober. Konstantinopeler Nachrichten zufolge ist die bul­garische Deputation von dem Großvezir und anderen Ministern empfangen worden. Es ist Grund zur Annahme vorhanden, daß die bulgarische Frage eine friedliche Wendung nimmt, doch werden die Rüstungen einstweilen noch fortgesetzt.

Meldung des Reuter'schen Bureaus.j Mehrere bulgarische Officiere sind aus Rußland zurückgekehrt und verschiedenen HeereStheilen zugetheilt worden. Die neugebildeten Bataillone und sämmtliche Freiwilligen-Corps leisteten heute dem Fürsten Alexander den Fahneneid.

Nisch, 9. October. Emigranten aus Bulgarien nahmen eine Position am Blangberg und der Vrskakaska ein, von wo sie raubend und plündernd vorgehen. Die Gensdarinerie hat Befehl, dieselben zu umzingeln.

Gestern traf hier der türkische Gesandte ein behufs Ucbergabe seines Ab- berufungsschreibens.

Rom, 9. October. Cholerabulletin von gestern. Provinz Palermo 118 Er­krankungen, 69 Todesfälle. Hiervon in der Stadt Palermo 103. resp. 58, in den Pro­vinzen Massa, Modena, Parma, Reggio Emilia, Rovigo 16, resp. 10.

London, 9. Oktober. Die Abendblätter beziffern den gestrigen Feuerschaden auf 120,000 bis 150.000 Lstr.

Bukarest, 9. Oetober. Bei dem Brande in Jassy sind durch Mauereinsturz von den Löfchtruppen 1 Capitän und 4 Mann getödtet, 3 Officiere und 28 Mann ver­wundet worden.

Constantine, 9. October. Anläßlich des dem hier gewählten opportunistischen Deputirteu gestern Abend gegebenen Bankets sammelte sich ein Haufen von Intran­sigenten vor dem Hause und schleuderten Steine gegen dasselbe. Das Militär stellte die Ordnung wieder her und nahm einige Verhaftungen vor.

Lokales.

Gießen, 10. Oktober. sStadtverordnetensitzung vom 8. Oktober, Nachmittags 4 Ilhr.j Es waren erschienen: Herr Bürgermeister Bramm, die Herren Bei­geordneten Keller und Heß, sowie die Herren Stadtverordneten Bai st, Gail, Georgi, Grüneberg, Dr. Gutfleisch, Hoch, Hornberger, Kauf, Lüdeking, Aug^Noll, Scheel, Schopbach, Simon, Vogt und Wortmann.

Von den zur Versteigerung vorgesehenen drei Bauplätzen an der Grün­bergerstraße soll jeder 20 Meter Front und halbe Tiefe bis zur nächsten Quer­straße haben.

Der am 7. d. M. stattgehabten Verpachtung der Keller unter dem Schul­hause an der Schillerstraße wird Genehmigung ertheilt.

Die Abfuhr des in der Nähe der Stadt angesammelten, für die städtischen Wiesen bestimmten Düngers soll nach dem vorgelegten Voranschlag vergeben werden.

Das Baugesuch des Jacob Helfend ein wird nicht beanstandet und die Baulinie für die Licherstraße genehmigt.

Als Preis für das von Maurermeister Georg Pfaff von Launsbach als Bauplatz an der Licherstraße erbetene Gelände an der Licherstraße werden 3 v4L pro Qu.-Meter festgesetzt.

Auf das Gesuch des Konrad Atzbach dahier um Ermäßigung des früher bestimmten Preises für die Gewimmng von Sand im Stadtwald wird nicht ein­gegangen.

In der Verhandlung über Aenderung resp. Modernisirung des Gießener Stadt Wappens wurde beschlossen, dasselbe, wie es in den letzten 50 Jahren dar- gestellt wurde, unverändert zu lassen. Dieses Wappen besteht aus einem weißen resp. silbernen, altdeutschen (Balken-) G auf blauem Grunde mit durchspringendem rothem Löwen; dieser hat eine goldene Krone, doppelten Schweif und schwarze Flügel; über dem G befindet sich die sogen. Städtekrone, hier als Ring­mauer mit 3 Thürmen und zwischen je 2 Thürmen ein Lorbeerbaum. Eine frühere Neuerung des Wappens, welche auch längere Zeit vor dem land- wirthschaftlichen Feste 1858 im Gebrauche war, stellte ein einfaches lateinisches G mit durchspringendem Löwen dar, beides in horizontaler Richtung roth und weiß gestreift, oder ein springender Löwe, in seinen Vordertatzen dieses G haltend und ebenso gestreift; dieses letztere stellt auch die Wetterfahne auf dem Thurme der Stadt­kirche dar.

Die Aufnahme der Hammstraße in den Bauplan wird bis an bie von der Bau­commission vorgeschlagene Stelle die früher projectirte Unterführung des Bahn­damms genehmigt.

Sodann wurde die Berathuug über das Local-Reglement zur allgemeinen Bali­ordnung zu Ende geführt, nachdem noch ein Zusatz, Antrag des Herrn Stadtverord­neten Batst, angenommen wurde. Die Veröffentlichung desselben wird wohl dem­nächst erfolgen.

Gießen, 9. October. Am vergangenen Samstag, 3. October, feierte der hier wohnende pensionirteHerr Pfarrer Dr. philos. Haupt seinen 80. Geburtstag. Unter den vielen Glückwünschen, welche demselben von nah und fern zukamen, war ihm gewiß einer der werthvoüsten der, daß die hiesige theologische Fakultät ihm die Würde eines Doctors der Theologie honoris causa erteilte. Wenn diese Thatsache an sich Herrn Pfarrer Haupt schon zu großer Ehre und Freude gereichen muß, so wird sie in ihrem Werthe noch bedkiltend gesteigert durch die Ausdrücke, mit welchen das Doctor^