Ausgabe 
11.2.1885
 
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Rr. g» Mittwoch den 11. Februar 168*

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzei-eblatt für dm Kreis Gießen.

Erscheint tLgltch mit »«nähme M Montag»

Berte* t Schulstrahe 7.

Betreffend:

Preis vrerteljLhrlich 2 Mart 20 Pf. mit «rmgerlichn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

I Gießen, am 7. Februar 1885.

Da« Landgeftül. insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestutrbeschäler in 1885.

Telegraphische Depeschen.

Wolff s telegr. Eorrespondenz-Burea«.

Berlin, 9- Februar. Das Abgeordnetenhaus erledigte et« Reihe Vofit ontn des HavdelSetatS unser ändert. Die Ueberwetsuvg techÄsch« Un ^nzweckmätz'g

das Handelsministerium wurde von Goldschmidt und dückteman HmweiS

bekämpft, von dem UnterstaatSsecretär Möller, ^heimeraih Lüd^S mit vmweis gerechtfertigt, daß dadurch die Verwaltung des keLalschea Urtterr^ch g^^menhang waltung anderer Gewerbe und Handelszweige in unmitt Provinzial-

kommen. Die E.llrichtung von Gewerbekommern und der. .... ^naefoLien. Der dehörden werden von Büchtemann, Meyer und Windthorst & Gewerdtk^mmern UnterstaatSsecretär Möller erwidert, die R-gteru-g, wM w einen wirthschaftlichen Beirath zu habe» uud nEed fich Mr »- w P v

vinziallandtage, weil die Wahl durch einzelne Sewerbtt en- z^u i« J nJ0R atranlaffen würde, gtfltn bie :OTSHer s-d? «ntf«Steben Gewerbekammern verletze die Reckte des l.avorogv, v Nervst cktuna aus-

und sagte, mit der Einrichtung von fi nich7 «üW E n

'rügt, bte e«l«tanBnterbletbe wo brr »?«nirt£«

SäS'ÄäVSÄ. w* «!«-. «... Dtttinina«»orlagc. ©entrel« «rtere bt l3«e au»$one«

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Politische U-berficht.

GieOe«, 10. Februar.

Die Verhandlungen de» Reichstages vom Donnerstag und Frei­tag boten nicht» wesentlich Interessante» dar und können wir un» daher in Nnserem Resumä kurz fassen. ' Am erstgenannten Tage genehmigte das Haus zunächst die Vorlage, betr. die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Vermal- tuna de» Reichsheere», der Marine und der ReichS'Eisenbahnen, und verwies hierauf die Vorlage über den Reichsbeitrag zu den Kosten des Bremer An» fchlusse» au das Zollgebiet nach einer Debatte, in welcher sich alle Redner sympathisch zur Vorlage äußerten, an eine besondere Commission. In erster und zweiter Lesung wurde sodann der Gesetzentwurf, betr. die Abänderung de» Tabaksteuer-GesetzeS, angenommen uno der Rest der Sitzung durch eine ziemlich .animirte Wahlprüfungs-Debatte auSgesüllt. Die folgende Sitzung war aus» r.admSmeije zu einemSchwerinstage" gemacht worden; zunächst erregten eine Anzahl von Petitionen um Ernennung eines Reichscommiffariu» für die Ant­werpener Weltausstellung und Subventionirung der deutschen Aussteller aus ReichSmitteln eine längere Debatte, in deren Verlauf Staatssecretär v. Bot- t ich er darlegte, daß die Reserve, welche sich die Reichsregierung in Bezug auf da» Aussteüungswefen auserlegt habe, vollständig durch die Verhältnisse gerecht- fertigt sei. Internationale Ausstellungen könnten nur nach längeren Zwischen- räumen und vorhergegangener Verständigung der Regierungen nutzbringend wirken. Im vorliegenden Falle müsse sich die Reichsregierung im Interesse der Reichssinanzen sowohl, wie auch der Aussteller selbst daraus beschränken, den­selben ihren gesand^chastlichen und consularischen Schutz angedeihen zu lassen. Das Haus nahm schließlich den CommisssonS-Antrag, über die betr. Petitionen zur Tagesordnung überzugehen, an. Die nun solgende und lediglich vom juristi­schen Standpunkte au» interessante Debatte über den Antrag Porsch, betr. die Abänderung de» $ 370 der Strasproceß-Ordnung, endete damit, daß das Haus beschloß, die zweite Berathung des Antrages im Plenum vorzunehmen. Schließ­lich fand der Antrag Payer, der Reichstag wolle die Erwartung aussprechen, daß dem Reichstage in der nächsten Sesfion endlich eine Vorlage über eine durch­greifende Ermäßigung der Gerichtsgebühren gemacht werde, einstimmig An­nahme. Am Samstag beschäftigte stch der Reichstag nur mit kleineren Sachen.

Das preußische Abgeordnetenhaus überwies am Freitag den Gesetzentwurf über den weiteren Ausbau des Staatsbahn-Retzes in erster Lesung an die Budget-Commission behufs Vorberathung der Vorlage.

Die Hinrichtung der vom Reichsgericht zum Tode verur- theilten Hochverräther Reinsdorfs und Küchler hat am Samstag srüh statt- gefunden Dagegen ist ihr gleichfalls zum Tode verurtheilt gewesener Genosse Rumpsch vom Kaiser zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt worden.

Die Reichsregierung hat ein neues Weißbuch über bie deut- fchen Interessen in der Sudsee'veröffentlicht, welches die Annexionen auf Neu- Guinea und den deutsch-samoanischen Staatsvertrag betrifft. Es geht Hieraus hervor, daß England, trotz oer ihm bekannten Absichten Deutschlands auf die Nordostkuste von, Neu-Guinea und trotzdem, daß das Cabinet Gladstone erklärt Hatte, da» britische Protectorat auf den südlichen Theil von New Guinea zu beschrsnken. gesonnen ist, auch fo DlorbofUüfle dieser Insel zu annectiren. Wird diese Annexion wirklich durchgesührt, dann würde sich eine bedenkliche Collision der deutschen und der englischen Interessen in der Südsee ergeben; e« ist in­dessen wahrscheinlich, daß die englische Negierung auch in dieser Angelegenheit zuletzt den Rücktritt antreten wird, zumal ihm jetzt die egyptischen Verlegenheiten über den Kaps zujammenschlagen-

Die Nothlage der arbeitenden Bevölkerung in den größeren Städten Kmnkreichs wat am Donnerstag Gegenstand einer Debatte in der französischen Depuiirtenkammer, zu welcher ein bezüglicher Antrag des ultra- radikalen Pariser Abg. Revillion Anlaß gab. Derselbe bezweckte im Grunde weiter nicht», als bie Arbeiter zu Empfängern von Staatsalmosen zu machen und mar es Herrn Waldeck-Rousseau, dem Minister des Innern, nicht schwer, das Widersinnige und Illusorische her intransigenten Anträge nachzu- weisen. Dem von Revillion beantragten Arbeiter-Kredit von 25 Millionen wurde denn auch nur ein Begräbmß in der Commission zu Theil, dagegen sand eui zweiter Antrag desselben Deputirten auf die sofortige Inangriffnahme der öffentlichen Arbeiten Annahme.

Von Seiten Portugal» wird ein Schritt gemeldet, der geeignet ist, das mühsame Werk der Berliner Congo-Conserenz wieder über den Haufen zu werfen. Nach einer Mittheilung de»Reuterfchen Bureau»" au» Loanda be­setzten die Portugiesen bie Congo-Mündungen und stationirten daselbst vier

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die «rotzherzoglichen Bürgermeistereien des «reiseS.

Dujananr von Ihnen, welche noch im Rückstände sind, erinnern wir an Erledigung unserer Verfügung vom 16. v. MlS. binnen acht Tagen. Dr. Boekmaun. ____

Kriegsschiffe. Die holländischen und anvere Handelshäuser protestitten dagegen; die englischen KriegsschiffeForward" und .Rapid" sind ,ur Stelle. Durch die Besetzung der Congo-Mündungen würde Portugal den Interessen aller an­deren in der Congo-Frage beteiligten Mächte dlrect entgegentreten und ist nicht zu bezweiseln, daß diese Verletzung de» Völkerrechtes einen gemeinsamen Protest der Mächte nach sich ziehen wird.

Die italienischen Annexionen am Rothen Meere drohen Italien zunächst in einen diplomatischen Conflict mit Egyten und der Psorte zu bringen. Namentlich letztere fühlt sich jetzt plötzlich al» Souverain am Rothen Meere und hat bei den Mächten gegen die Besetzung von Beilul, Maffooah rc. protchirt und zugleich Italien zur Zurückziehung seiner Truppen au» dem Rothen Meere ausgefordert. Daran denkt aber Italien natürlich gar nicht, denn es hat der Psorte ebenso höflich al» entschieden geantwortet, daß e» zwar die souverainen Rechte de» Sultan» achte, daß ober die Occupatio» einiger Punkte am Rothen Meere durch die gebieterische Rothwendigkeit veranlaßt wor- den sei, die nach Zurückziehung der egyptischen Garnisonen verlaffenen Ort- schäften zu sichern. Letztere ist aber nicht» weniger al» freiwillig erfolgt. Au» Beilul wird z. B. gemeldet, daß die Italiener Die egyptischen Soldaten entwaff­nete und auf einem Dampfer nach Maffooah schickten, erst unterwegs echtesten letztere ihre Waffen wieder; der egyptische Befehlshaber proteftirt» schriftlich gegen diesen Vorgang. Er verlautet, daß die Italiener auch Mader und Haftla besetzen wollen.

Darmstadt, 9. Februar. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnäbigft geruht:

Am 28. Januar den Oberförstern Wilhelm Königer zu Richen, Alfred Preuschen dahier, Ernst Klipstein zu Laubach, Hermann Georgi zu Gießen, Philipp Löwer zu Nieder-Ramstadt, Karl Klip stein zu Groß-Gerau, Karl Jrle zu Heppenheim, Jakob Seeger zu Lörzenbach, Karl Traut wein zu Seligenstadt, Ernst Schleuning zu Bingen, Dr. Rudolph Prätoriu» zu Langen, Wilhelm Bott zu Höchst, Hermann Theobald zu Jugenheim, Emst Morneweg zu Groß-Bieberau den Charakter als Forstmfpector zu ver- leihen und denselben das Tragen der Uniform der Forstmeister zu gestatten.

Darmstadt, 9. Februar. Se. Königl. Hoheit oer Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 7. d. Mts. dem Major z. D. Winter, seicher im 2. Großh. Jnsanterie-Regiment (Großherzog) Nr. 116 da» Ritter­kreuz 1. Klasse mit der Krone des Verdienstorden» Philipp» des Großmuthigen zu verleihen geruht.

Darmstadt, 7. Februar. Nach einem Ausschreiben des Großh. Finanz- Ministeriums an die unterstellten Behörden ist eine Entschließung Sr. Königl. Hoheit ergangen, daß älteren Großh. Obersörstern, welche einer Auszeichnung würdig sind, durch höchste Verfügung der Charakter als Forstinspectoren mit dem Rechte, die Dienstuniform der Forstmeister zu tragen, verliehen werden kann. Er ist hierdurch die für die höheren Localbeamten der anderen Dienstzwerge überall bestehende, im Forstsache aber seither fehlende Möglichkeit der Erlangung des Rathsranges auch für die Lokal-Forstbeamten geschaffen worden. In An­wendung dieser Allerhöchsten Entschließung ist zunächst die Verlechung de- ge­dachten Titels an eine größere Anzahl von älteren Großh. Oberförstern erfolgt.