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Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen.
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Nr. 288 Zweites Blatt Donnerstag den 10. December G afr
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Bureau, Schulstr-ß- 7. Erscheint ^«>ich mit «nsnahme d°- «ont-gtz. °7-LLttch 2^^^"
Amtlicher Theit.
Bekanntmachung.
Als Gerichtstage für 1886 sind bestimmt: DienStag und Donnerstag. — Die GerichtSschreiberei ist täglich, mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, von Vormittag- 10—12 Uhr für die Rechtsuchenden geöffnet.
Lich, den 5. December 1885. Großherzogliches Amtsgericht Lich.
Langermann.
Politische Ueberfkcht.
Gießen, 10. December.
Der Reichstag hat stch am Samstag nach wenig erheblicher Sitzung, in welcher verschiedene Special-Etats genehmigt wurden, eine zwei-, oder, will man den Sonntag mit hinzurechnen, eine dreitägige Pause gegönnt. Dieselbe kommt zunächst den schon ziemlich zahlreich vorhandenen Commissionen zu Gute, dann aber ist ste auch für die nur im Plenum rhätigen Reichsboten — und das ist doch die größere Mehrzahl — sehr erwünscht, um sich für verschiedene den Reichstag demnächst beschäftigende Fragen vorzubereiten. So namentlich mit der von conservatioer Seite beantragten Einsührung fünfjähriger Legislatur- Perioden, welcher Antrag an diesem Mittwoch neben anderen Gegenstänoen auf der Tagesordnung des Reichstages stand. Bekanntlich ist hierzu von den Socialdemokraten ein Gegenantrag eingebracht worden, nach welchem es künftighin nur zweijährige Legislatur-Perioden geben soll. Es steht indessen zu hoffen, daß sich für diesen Antrag weiter Niemand begeistern wird, als eben die Herren Socialdemokraten selbst. Denselben würde eine alle zwei Jahre stattfindende Erneuerung des Reichstages allerdings sehr gelegen kommen, denn die Reichs- tagswahlen mit ihrer die Nation bis in ihre untersten Schichten aufwühlenden Erregung bilden das eigentliche Arbeitsfeld der socialdemokratischen Agitation.
Dr. St raß mann, der Vorsteher des Berliner Stadtverordneten- Collegiums, ist am Sonntag Mittag nach mehrwöchentlichem Krankenlager verschieden. Die Nachricht von dem Hinscheiden Straßmann's wird in weiten Kreisen der Berliner Bevölkerung Theilnahme erregt haben, denn der Verstorbene war ein durch und durch ehrenwerther Charakter und seines schwierigen Amtes an der Spitze der städtischen Vertretung Berlins hat er mit ebenso seltener Umsicht und Energie, wie mit Tact und Würde gewaltet. Auch bei Hofe wird sein Ableben aufrichtige Theilnahme erregen; noch ein paar Tage zuvor ließ sich der Kronprinz in eingehender Weise nach dem Befinden Dr. Straßmann's erkundigen.
Zu der schon so oft ventilirten Frage der hohen Gerichtskosten wird osficiös aus Berlin geschrieben: „Wenn von den Gerichtskosten und deren Höhe die Rede ist, so darf selbstverständlich nicht übersehen werden, baß diese einen nicht unerheblichen Theil der Staatseinnahmen bilden. Sie decken bei manchen Bundesstaaten einen ganz erheblichen Procentsatz der eigentlichen Staatsverwaltungs-Ausgaben. Eine Veränderung in dem Betrage des Auf- , kommens der Gerichtskosten würde daher nicht ohne Rückwirkung auf die Balan- | <irung des Etats der Emzelstaaten sein. Damit soll indeß keineswegs gesagt sein, daß eine Herabsetzung oer Gerichtskosten mit einer entsprechenden Verminderung des Gesammt-Auskommens an solchen gleichbeoeutend sein würde. In Preußen ist wenigstens der stetige Rückgang dieses Einnahmezweiges, welcher den Justiz-Etat so lange zu einem unerfreulichen gestaltete, zum Theil wenigstens | gerade auf die Höhe der Gerichtskosten und den dadurch bedingten Rückgang der Zahl der Rechtsstreitigkeiten zurückgeführt worden. Jedenfalls wird aber, bevor Entschließungen über die etwaige anderweite Bemeffung der Gerichtskosten gefaßt werden, auch der finanzielle Effect der Maßregel klargestellt sein müffen. Von Seiten des Reichsjustizamtes sind bekanntlich schon Erhebungen eingeleitet, I welche die Aufklärung des Sachverhaltes nach allen Richtungen bezwecken. Der Abschluß wird abzuwarten sein, bevor in der Sache selbst eine endgiltige Ent- ‘ scheidung eintritt."
Je mehr sich der englische Wahlkampf seinem Ende nähert, - desto deutlicher tritt es hervor, wie sehr die Conservativen in ihrem Wettlauf mit den Liberalen hinter diesen zurückbleiben. Jetzt beträgt Vieser Abstand schon 65 Stimmen und es erhellt, daß, da nur noch etwa 40 Wahlen ausstehen , die Conservativen die liberale Partei ufcter keinen Umständen mehr ein- i holen können. Schwankend ist das Verhältniß der letzteren gegenüber der Stimmenzahl der vereinigten Conservativen und Parnelliten. Während in voriger Woche sich in dieser Beziehung für die Liberalen schon eine absolute Majorität von 3 Stimmen ergab, haben einige neue Wahlsiege der irischen Partei diese Majorität wieder zweifelhaft gemacht und wird es eben von den noch außenstehenden Wahlen abhängen, ob die Liberalen im neuen Parlamente über die absolute Mehrheit verfügen oder ob die Parnelliten eine ausschlaggebende Stellung in demselben einnehmen werden. In den Londoner Regie- ! rungskreisen macht man sich denn auch bereits mit dem Gedanken eines Rücktrittes des Cabinets Salisbury vertraut, doch heißt es, letzteres werde auf alle [ Fälle noch bis zum Zusammentritt des neuen Parlaments aus seinem Posten | bleiben, da es demselben wichtige legislative Reformen zu unterbreiten gedenke.
In der Samstags-Sitzung der italienischen Deputirten- kämm er hat wieder einmal eine colonialpolitische Debatte stattgefunden. । Ministerpräsident Depretis erklärte im Verlause derselben, daß er nicht eine
erobernde, sondern eine commercielle Colonialpolitik verfolge und mit einet solchen stehe die Besetzung Massowah's nicht im Widerspruch. Der Ministet des Aeußern, Graf Robilant, betonte sein vollständiges Einverständniß mit dieser Erklärung und äußerte im Anschluß hieran, daß er der Politik seines Vorgängers Mancini zu folgen gedenke. Weiter hob er hervor, daß Italien das Beispiel Deutschlands bezüglich des Schutzes der commerciellen Unternehmungen seiner Reichsangehörigen nachahmen müffe und versicherte schließlich, daß Italien in Maffowah bleiben werde schon aus Rücksicht auf die nationale Ehre. Dies bestätigen auch neuerliche, von der Küste des Rothen Meeres eingelaufene Nachrichten, wonach sich die Italiener daselbst ganz häuslich einrichten. Der m Maffowah commandirende italienische General, Gane, hat auch die unmittelbare Leitung der administrativen Geschäfte übernommen, in Folge dessen der daselbst noch stationirte egyptische Unter-Gouverneur im Gefühle seiner Ueberflüssigkeit bei der Kairenser Regierung um die Erlaubniß nachsuchte, nach Egypten zurückkehren zu dürfen. Ein Theil der bisherigen egyptischen Garnison Massowah's- ist bereits nach Suez abgegangen.
Djevdet Pascha, der zum außerordentlichen türkischen Commiffar und Gouverneur von Ost-Rumelien ernannt worden ist, hat, entgegen früheren Nachrichten, die ihn schon in Philippopel eingetroffen sein ließen, Konstantinopel noch gar nicht verlassen. Es scheint, daß der Hauptgrund in dieser Verzögerung in der unklaren diplomatischen Lage zu suchen ist, denn der Sultan weiß noch immer nicht recht, ob die Entsendung Djevdet Pascha's nach Philippopel rückhaltlos gebilligt werden würde. Vielleicht hat auch die Depesche des Fürsten Alexander, in welcher derselbe den Sultan bat, die Abreise des neuen türkischen Gouverneurs für Ost-Rumelien bis nach Beilegung des serbisch-bulgarischen Conflictes zu verhindern, Eindruck in Stambul gemacht. Mit dem Aufschub der Reise Djevdet Pascha's stimmt es auch überein, daß die beiden, ihm nach der Hauptstadt Ost-Rumeliens vorausgegangenen, türkischen Delegirten dieselbe schon wieder verlassen haben. Lebib Effendi ist nach Konstantinopel zurückgereist und Gadban Effendi hat sich nach Sofia begeben, um hier als Agent der Pforte an Stelle Nihad's zu sungiren.
Vermischte-.
Mit jedem Jahre macht man um die Weihnachtszeit die Beobachtung, daß von Seiten der Ladeninhaber in decorativer Hinsicht mehr und immer mehr aufgeboten wird, um dem fast verwöhnten Publikum immer Neues und Schöneres zu bieten. Darum sei auch in diesem Jahr an unsere Leser die Bitte ausgesprochen, bei Einkauf ihres Weihnachtsbedarfs, wo es irgend angänglich, die am Orte wohnenden Geschäftsleute zu bedenken und nicht solche Gegenstände, welche daselbst zu haben sind, von auswärts zu beziehen. Sämmtliche Weihnachtsartikel führende Geschäfte sind mit reicher Auswahl versehen und verkaufen gute Waaren ebenso billig, wenn nicht der geringen Spesen halber noch billiger, wie anderwärts, so daß die Wünsche bezüglich oer auszuwählenden Gegenstände, sowie des Preises volle Befriedigung finden. Wer also in der Lage ist, zu Weihnachten Geschenke unter den Christbauin legen zu können, der möge am Orte selbst seine Einkäufe machen.
Berzeichniß
der Mittelpreise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen vom Monat November 1885.
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75
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50
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15
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