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Beilage ;u Nr. 262 desGießener Anzeiger".

UniverfitätS - Ehronik.

T f 6üt lich für Geschichte Dr. Ignaz Zastrow mit einer Vor-

kfunö überNitzsch s Geschichtschreibung und ihre Bedeutung für die Wissenschaft vom Staate" als Privatleistung habilitirt.

,. ~ .Oe. Ewald, Privatdocent in Straßburg, ist als Professor der Physiologie an Die Universität Santiago in Chile berufen worden.

Vermischte-.

Berlin, 3. November. Eine Versammlung der Mäntelnäherinnen, welche gestern im Etablissement Sanssouci stattfand, brachte die Uneinigkeit, die bereits unter den Frauen selbst herrscht, zum vollen Ausdruck. Die Verhandlungen nahmen einen so turbulenten Verlauf, daß sogar eine längere Vertagung nöthig wurde, um der poli- zeiliclien Auslösung zu entgehen. Schon bei der Wahl des Bureaus traten Gegensätze zu Tage. Die Anhängerinnen der Fachcommission blieben in der Minorität. Frau Stägemann und zwei andere Mitglieder des Arbeiterinnen - Vereins wurden mit dem Aorsltz betraut. Im einleitenden Referat verwahrte sich Frau Rosa Büge erregt gegen die in der letzten Schneideroersammlung erhobenen Vorwürfe. Man wolle keine Revolution, sondern nur den^Lohn für die Arbeit. Der Stein sei nun einmal in'S

Rollen gekommen und alles schimpfen der Schneider werde daran nichts ändern. Mit thranenden Augen erklärte sie zum Schluß, daß ihr leidender Zustand sie wohl zwingen werde, von der Leitung der Bewegung zurückzutrelen, man solle aber standhaft bleiben: ste hoste, daß schließlich auch die Regierung die Frauen in ihren Bestrebungen unter; wnnjerk. Es entspann sich nun eine erregte Debatte, in der namentlich auch die Fuhrennnen der Bewegung, die Damen Stägemann und Consorten, heftig an­einander geriethen. Auch Fräulein Wabnitz, welche jüngst erst wegen ihres Läster- mundes zu 4 Wochen Gefängniß verurtheilr wurde, nahm wieder einmal das Wort, um für das Recht der Frauen auf Arbeit einzutreten und den Meistern den Vorwurf machen, daß sie selbst ungeeignete Kräfte heranzögen. Als endlich sowohl Herr Martin Mever, der die Versammlung alsRadauversammlung" characterisirte, als mich Schneidermeister Maas zu gleicher Zeit in die Diskussion elngriffen, erreichte der Tumult eine solche Höhe, daß die Verhandlungen vertagt werden mußten. 9tur mit -Umbe fonnte die Ruhe wieder hergestellt werden. Die Debatte wendete sich nunmehr vor Allem gegen die Innung, als deren Vertheidiger wieder Herr Maas auftrat. Schon nach Kurzen! war die Diskussion wieder vom sachlichen Gebiet abgewichen, Streitobject wurde jetzt das Geld, und zwar der Ertrag einiger Tellersammlungen, welchen der Arbeltennnen-Verein für sich in Anspruch genommen, statt ihn der Mantelnäherinnen- Bewegung zu^Gute kommen zu lassen. Die Angriffe richteten sich namentlich auch -egen Frau stägemann, der man überhaupt vorwarf, daß sie gar keine Arbeiterin sei, sondern bis vor Kurzem einGrünkramgeschäft" betrieben habe. Nachdem noch Schneider Eurth die ganze Bewegung als eine unreife Pflanze characterisirt hatte, wurde die Versammlung um Mitternacht ohne positives Resultat geschlossen.

Karlsruhe, 3. November. Gestern hat sich hier ein gräßliches Unglück er= eignet, über welches derN. Bad. Landesztg." geschrieben wird: Vor einem Neubau in der Leopoldstraße wird die GaS- ober Wasserleitung gelegt und arbeiteten da circa 4 m Uef zwei Männer, als plötzlich durch einen bis jetzt noch unbekannten Grund der

Sand über den beiden Männern zusammenstürzte und dieselben verschüttete. Sowohl 2?r ctc welcher nach ca. 20 Minuten angestrengtester Arbeit ausgegraben

war, ist tobt, als auch der andere, welcher erst gegen 9 Uhr an die Oberfläche befördert D^r erstere, Jacob Grether von Neureuth, ist Vater von 8 Kindern, ein Sohn aroeitete gleichzeitig mit dem Vater an dem Neubau und mußte so Zeuge des schreck- nchen Unglücke sein. Der andere Arbeiter heißt Burkhard und ist aus Mörsch, zwanzig ^/lyre alt, ledig und sollte in 8 Tagen zum Militär einrücken. Wie es heißt, seien i^^^hlgen Vorsichtsmaßregeln bei dem Graben nicht außer Acht gelassen worden und ist daher der Grund dieser Katastrophe noch nicht aufgeklärt.

, c~ .fVonIda in Kamerun!"^ , Der deutsche Gouverneur in Kamerun hat nam Dort sowohl seine Köchin Ida T., wie seinen kleinen peruanischen Diener Sebio mugenommen. Die Erstere hat nun an eine Freundin einen Schreibebrief gerichtet, IDU folgendes mittheilen:--Vierzehn Tage hier, da hatten wir alle

oas Fieber, erst Herr Puttkamer, dann der Gouverneilr, dann ich, dann Sebio. Wir glücklich überstanden. Die Hitze ist nicht so groß, wie man in -i)euttchland sagt, hier läßt sich ganz gut leben. Ungeziefer und Thieie sind hier auch Pb* ducken gar nicht. Ameisen habe ich bis jetzt nicht gesehen. Nur am

^len Sonntag haben die Schwarzen auf unserem Hofe eine große Schlange gefangen, Tie Schwarzen sind nicht so böse. Wenn ich auf unserem Balkon sitze, kommen sie heran und sagen: ,Guten Tag, Mami!" und wenn ich frage:Was wollt Ihr?" io sagen sie:Wir kommen, Dich zu sehen!" Denn Viele glauben, ich bin dem Gouverneur seine Frau. Wann sie gehen, küssen sie mir die Hand. Die Männer hier und Frauen gehen ganz nackt, nur mit einem Lappen um die Hüften. Die Frauen^sind faul und häßlich und stehlen auch. König Bell ist auch hier gewesen mit Kiner Frau. Der König trug einen grauen Hut und einen schwarzen Rock, der war äu groß, keine Hosen, keine Stiesel. Die Frau hatte nur ein Tuch um die Wen unb einen Hut auf. König Bell hat 30 Frauen und so viele Kinder! Wir haben hier ein kleines Haus, ein großes und vier kleine Zimmer. Die Küche ist unten. Viel zu lhun habe ich nicht. Wir haben einen schwarzen Koch, der sehr gut kochst sechs Diener und einen Mann für die Wäsche. Wir haben auch einen kleinen Garten, Schweine, Hühner, Enten, Tauben, Hunde, Katzen, Affen; aber frisches Fleisch, % ll, Brod, Milch, Gemüse, alles das haben wir iiidjt. Ziegen ist unser Hauptessen und bann was wir von Hamburg mitgenommen haben. Wenn ich mal ausgehen will, dann sage ich meinen vier schwarzen Jungen, sie sollen das Boot fertig machen. Ich Boot und vier Ruderer für mich aber fein und bann fahr ich zn E. Wörmann, da sind die Sachen, die ich kaufe. Das ist mein Vergnügen. Ich bin hier allein weiß (b. h. die einzige weiße Frau). Sie können sich wohl denken, wie die Leute mich ankucken."

~ In neuerer Zeit zeigt sich in den englischen ärztlichen Fachzeitschriften eine Erscheinung, die auch in Deutschland bekannt zu werden verdient. Die verbreitetsten medicinischen Journale, so zum Beispiel das British medical Journal, die Medical Times, der Prostitioner, der London medical Record u. s. w., beschäftigen sich eingehend mit dem Friedrichshaller Bitterwasser und betonen dessen durch seine jetzige Füllungs-Methode noch gesteigerten Vorzüge. In Folae dessen ist der Export dieser deutschen Mineralquelle nach den englisch redenden Länoern in erheblichster Weise im Steigen begriffen und hat unerwartet große Dimensionen angenommen.

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Angebote hierauf wollen längstens bis zum 20. November l. I. bei unterzeichneter Bürgermeisterei, welche jede gewünschte Auskunft er- theilt, eingereicht werden.

Climbach, den 3. November 1885. Großh. Bürgermeisterei Climbach.

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