Ausgabe 
8.3.1885 Zweites Blatt
 
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Sonntag den 8. März

1868

Drittes Blatt

Rr 87.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MonlagS.

»wrtant Schulstraße 7.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit BringerUch«. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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leyener Anzeiger

Amts- und Anzeigebtatt für den Kreis Gießen.

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E-trse 80 Pfg. tterbekasfe. taz» ä1/, Uhr: .mmlung Seltersweg.

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e. ein Unbeschollenheilszengmtz, welches für Zöglinge von höheren

2.

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4.

Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor vollen­detem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Zakres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebens­jahr vollendet. Der Nachweis der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zu« 1. April des- fetten Jahres zu erbringen.

Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Actensormat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird.

Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:

a. Geburtszeugniß;

b. ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Er­klärung über BereiLwilligkeit und Fähigkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen;

Schulen (Gymnasien, Realschulen, Progymnasien und höheren Bürger­schulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist;

d. das Schulzeugnitz.

Sodann wird noch besonders bemerkt:

Zu pos. b: daß in dem Einwilligungs Attest die Erklärung des Vaters oder Vormundes, in der Lage zu sein, den Freiwilligen während des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen darf.

Zu pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugnisse für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschrcken unb Reifezeugnisse für die Prima der Gymnasien und Realschulen L .örb., sämmtlich nach dem Schema 17 zur Ersah-Ordnun- (L Theil der Wehr-Ordnung vom 28. Septbr. 1875 Reg.-Bl. Rr. 55 von 1875) ausgestellt sein müssen.

Im Uebrigen wird auf die Bestimmungen der §§ 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Ersatz-Ord. verwiesen. Großhenogliche Prüfungs-Commission für'einjährig Freiwillige.

Der Vorsitzende:

Gros.

1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs-Commisfion nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen Aestellnngspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat.

Betreffend: Die Rnchsuchung der Bcrechügung zum einjährig freiwilligen Dienst auf Grund von Schulzeugnissen.

Bekanntmachung.

Diejemgen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden.

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Ziele unserer Colonialpolitik.

Je mchr sich die colonial-politiichen Bestrebungen ihrer gesetzgeberischen unb praktischen Verwirklichung nähern, desto mehr gerathen auch die Erörterungen, welche von Freunden unb Gegnern an dieses Thema geknüpft werden, in eine scheinbare Ver­wirrung. Materiell- Interessen, Parteitakt>k, berechtigte Vorsicht und reine Begeisterung erheben ihre Stimmen, und die Parteitaktik benutzt als Anhänger der Regierungspläne die nationale Begeisterung, wie sie als G-gner des Kanzlers die Argumente der be» rrchrigten Vorsicht übertreibt und m ßdraucht, um auf solche scheinbar loyale Manier zwar nicht der Colonialpolitik als solcher, so doch den gegenwärtigen in Verhandlung stehenden Maßnahmen zu dieser Hmdernffse aller Art rntgegenzusteSen. Die gleich­zeitige Vorbringuna technischer, wirthschaftllcher und politischer Gesichtspunkte kann nur zu leicht die öffentliche Meinung verwirren. Sie erzeugt auf her einen Seite über­große Hoffnungen, welche tm Falle des Fehlschlagens zur Enttäuschung, zum Mitz- ittiuen führen können. Sie erzeugt auf der andern Seite ungerechtfertigte Bedenklich- feiten, durch welche die Energie und Kraft des deutschen Vorstoßes auf dem Gebiete deö Welthandels der Gefahr einer dederklichen Abschwächung ausgesetzt werden.

Aus diesem Grunde ist es sehr wichtig, zu unterscheiden zwischen den materiellen »nb politischen Interessen unserer Colonialpolittk einerseits und der direct noch unbe-- thetligten Masse der Bevölkerung. Offenbar folgt die nationale Begeisterung Dem Firsten Bismarck auf seinen neuen Wegen und diese gewichtige Aeußerung her öffent­lichen Meinung hat bei der entscheidenden Abstimmung im Reichstag zu Anfang dieser Woche ihr volles Echo gesunden, indem die colonialen Creditsorderungm eine fast ein­stimmige Annahme fanden- Dftse Begeisterung aber gwt den Männern, welche zum directen Handeln berufen find, den Muth der Pflichterfüllung, die Hoffnung des Er- solgrs und die Autorität, jede Ueberhaftung mit allen gefährlichen Enttäuschungen ab- zvwehren. Diese Begeisterung nähert das Swnen und Trachten der Massen wie der Einzelnen den Kreisen der directen Jntertsscnten, sie schafft die materiellen und morali­schen Hülfsquellen für d e Arbeiten der Gegenwart und sie bereitet aus der Saat von heute die Voraussetzungen für eine künftige Ernte.

Völlig anders steht e8 um die Behandlung der Colonialpolitik in jenen Kreisen, welche heute schon direct an Colonialunternehmungen und an dem ganzen Apparate, welcher zu diesem Zwecke bereit gestellt werden soll, betheiltgt find. Hier wird gerechnet, «wogen und noch einmal gerechnet. Das Gewicht und die Macht der bereits in den Bereich der Colornalvolitik gezogenen Jntereffen darf keineswegs übersehen werden. Hamburg bat die Führerrolle sich anzuetgnen vermocht und Bremen sieht, wenn auch »icht mißgünstig, so doch recht geschärften Auges und nicht ohne Besorgniß für die eigene Geltung der Entwicklung der Dinge zu. Die im Aufblühen begriffene Rhederei hat mit dm bedeutenden Capitalien, welche sie repräsentirt, bet Neu-Eröffnung und Subventionirung von Dampferlinien nicht bloS zu gewinnen. Wenn die unrechten Mittel ergriffen würden, wenn der Concurrenzkampf nicht blos gegen daS Ausland, sondern bewußt oder unbewußt gegen unabhängige deutsche Rheder eröffnet würde, wenn durch eine lleberproduction im Schiffbau die Gefahren einer Kcrse ober des Unterbietens bet Frachtsätzen heraufbeschworen würden, so würde die Rhederei damit her Möglichkeit von Verlusten auSgesetzt, die gerade in der Periode jugendlicher Neu- Sntwicklung nicht ohne Besorgniß für die Kraft der gesammten Thätigkeit auf diesem Felde betrachtet werden könnm. Unternehmungen, welche, wie der ^Norddeutsche Lloyd", bisher selbstständig auftraten und in freier Concurrenz ihre Rechnung sanden, sähen sich vielleicht an das Wettbewerben mit neuen Rhedereien gestellt, für welche möglicher Weise die Vergünstigung der Reichssubvention bestimmt ist und von denen sie besorgen, daß diese nicht Mo§ die neuen Seewege unb Frachten, sondern auch die Mten Verbindungen zu ihrem Nutzen verwerthen werden.

In jene leidenschaftliche Erörterung, ob Triest ober Genua Kopsstation für die «stivdischen Linien der deutschen Postdampfer sein soll, tönten recht vernehmlich die Stimmen deutscher und nichtdeutscher Eisenbahn-Jntereffenten herein, je nachdem die Steigerung deS Frachtenverkehrs auf der Gotthardbahn und ihren Zufuhrstraßen oder auf anderen Concurrenzlinten gehofft, befürchtet wurde. Auf solche Weise erscheint eine

schwere Menge von Privatinteressen heute schon in den Bannbereich der Colonialpolink gezogen unb die Stimmen, welche alle diese Interessen wecken, find vollauf berechtiat, als Vertreter privater Interessen, die geschont, berücksichtigt, gefördert sein wollen. Alle jene Stimmen haben Anspruch auf Geltung, und es gehört mit zu den schwierigen, verantwortungsvollen Aufgaben der Reichsregierung, daß sie die Gesammtheit jener bereits berührten Jntereffen im Einklänge erhalte mit den Plänen und Arbeiten der neu eröffneten Zukunft. Die deutsche Rhederet, die deutschen Hafenstädte, die deutschen Bahnen und ihre Anschlußltnien, der bereits bestehende deutsche Handel nach den Colonien und die von jenen abhängende Industrie sie alle drängen geschäftig um die Bureaus, in denen das Neue geplant wird und verlangen ihr Theil an den Hoffnungen, Gewinnsten. an den Arbeiten ober zum Mindesten die Bedachtnahme auf bis Gebiete, in denen sie bisher schon geherrscht, gehandelt und sich bereichert Haden. Viele hoffar zu gewinnen, Viele fürchten zu verlieren und ihnen allen gerecht zu werden ist eine Arbeit, welche viel mehr der sorgfältigen Ueberlegung, als der Begeisterung bedarf. Hier ist mit Reden, mit Abstimmungen und allen den parlamentarische Mitteln nichts gethan. Das ist Sache der Ausführung durch die Behörden und die Interessenten. Man wird sich in den Fragen der Ausführung bequemen müssen, an dem Vertrauen zum Reichskanzler und seinen Organen festzuhalten, die Gegenwart als eine Zeit der Aussaat zu betrachten unb zu warten, bis die berufenen und erprobte« Führer der Colovisirungsarbett die Nation, ihren Handel, ihre Industrie und ihre Arbeitskräfte zur Ernte berufen.

Vermischte-.

St. Goar. Frau Anna Maria Caspary von hier feierte am 3. März ihren hundertjährigen Geburtstag. Geistig frisch, kann dieselbe auch noch leichte Hausarbeit verrichten. Frau Caspary hat 47 Nachkommen, welche zusammen 1168 Jahre zählen. _

sNagclpfleg^ WieFürs Haus" mittheilt, gibt eS in Newyork ein In­stitut für bie Behandlung der Hände unb Dandy unb Modedame halten es für ihre Pflicht, sich wöchenilich zwei bis dreimal die Fingernägel pflegen zu lassen. Der objr die Ankommende nimmt in einem Lehnstuhle Platz, an dem ein T schchen angebrachl ist, auf welchem Bürsten, Kämme, Krüge, Schwämme, Feilen und andere Gegenständ- liegen. Zuerst werden die F.ngersp'tz-n in Eau de Cologne geweicht und nach ein ger Zeit abwechfelnd mit Salbe und Puder gerieben. Nun folgt das Abpoltten, Fe len unb Formen. Nach einer Stunde ist derPatient" fertig und bezshlt 1 Dollar 4 hat aber das Bewußtsein, schön gepflegte Fingernägel zu besitzen-

- Ein neues furchtbares Sprengmittel, dessen Kraft die- d-S Dyaamtts um bas Dreifache übertrifft, aber bei ber Handhabung nichtJalb fo^efäbrltd) fein foU, bat ein New-Yorker Chemiker erfunben. Derselbe machte kürzlich den Bergen bet Huu- tingon in Pennsylvamsten mit seinem Stoffe Versuche, über

wird: Bei dem ersten Versuche wurde ein am Fuße des

Felsblock, dessen Inhalt auf 85 Tonnen berechnet war, bis in eine Trefe von 6 Fux a«gebohrt; in das Bohrloch wurde eine mit dem neum Sprengmittel ^.^^o-Petrolin nennt es der E.sindcr - gefüllte Glasröhre von *0 Zoll Länge und /g Zoll Sch­ute ssrr gebracht, von ihr aus verlief die Zündschnur bis vor dieOeffnung des Bohr­loches unb letzteres würbe sodann auf die gewöhnliche Weise mittelst Erde geschlossen, ohne baß auf die Dichtigkeit und Festigkeit der Verfchlu^asse besonderen Werth^ges legt ward. Die Explosion ging mit ungewöhnlich lautem Knalle vor sich, die ganze obere Hälfte beS Felsdlockes würbe in Sprengstücke zerschmettert von denen keines größer war, als eine Faust; die untere Hälfte war ^Bruchstücke ^verschiedener Größe auseinander gerissen und der ganze Block war nach unten und settwärtS in den cKelf?n hinein bis auf mehrere Fuß von seiner Umgebung gelost. Die kleineren ©prene^ stücke wmen bis auf e7ne MeL im Umkreise geflogen. Eine gesunde Eiche die acht Fuß über dem Boden einen Durchmesser von drei Fuß hatte, wurde in dieser Hohe biS auf daS Mark angebohrt, in das Bohrloch wurde eine kleine Glaskugel mit Nitro. Petrolin gebracht und entzündet, ohne daß das Bohrloch geschlossen wurde. Der ganze