Ausgabe 
8.2.1885 Zweites Blatt
 
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Nun, geehrter Herr, das sind solche Jünger Merkurs, die besser gethan hätten, das Handwerk als Beruf zu wählen, und deren Eltern rs nie zu verzechen ist, daß sie Ihr Ja und Amen z^. der verkehrten Wahl gegeben. Um nun so manchen Vater ad- zuhalteu von verkehrter Handlungsweise bet solch eminent wichtigem Schr.tr, ließ jch meinen Mahnruf ergehen. Nicht dem kaufmännischen Stande galt fr, sondern dem großen Publikum.

Aber noch eine Sette hat daSCommisfabriciren" gewissenloser Prtncipale.

Wenn man heute tagtäglich wehreremale durch eine Reihe von Straßen einer Großstadt wandert, wird man Gelegenheit zu bemerken haben, daß fort und fort neue ^Waarenlager" eröffnet werden. Und wenn man die neuen und glänzenden Firmen« schtlder sieht, die täglich über, neben und unter den Schaufenstern entstehen, wenn man die herrlichen Ausstellungen betrachtet, dte über Nacht, AladinS Märchenschloß gleich, austauchen, so muß der Uneingeweihte allerdings zu der Ansicht kommen, daß Handel und Wandel geht, daß der Niedergang deS Handels eitel Dunst und daß endlich dte tm Reichstag behauptete GffchäftSnolh Schwindel fei.

Wenn man nun aber dte Inhaber dieser vorgedachten Geschäfte betrachtet, so sind es zu einem hohen Proc-ntsatze sehr junge unerfahrene Leute, HandlungScommis, dte ketue Stelle hatten oder bekommen.

Ohne Mittel und ohne Kenntnisse etabliren diese dann Geschäfte und nach kurzer Zett guckt Frau Pleite zur Tbüre herein, während die Schwester derselben, Frau Sorge. Furchen auf dte Gesichter der Geschäftsinhaber zieht. Wenige Wochen später find Tbür und Fenster des neuen Geschäfts geschloffen, dte berrltchen Schilder wandern tu dte RumpUkammer, wenn sir der Exekutor nicht als Pfandobject noch verwerthen kann, und dte Lieferanten sind betrogen.

Das, geehrter Herr, sind dte Zeitbilder der Gegenwart. Wer wollte eg mir wohl verargen, wenn ich dagegen warne? Und endlich dann, wenn alle Warnungen ntdjtö helfen, Ist es nicht bester, wenn die Mißstände gegeißelt werden, 0I8 daß man ruhig zuschaut und sagt: »Sie mögen den ttef hineingefahrenen Karren selbst wieder herauöztehen?"

Jch glaube nicht, Verehrtester, daß der Volkswirth erst so lange warten muß; im Gegenthetl. helfen belehrende Worte nichts, muß dte Axt lief bet der Wurzkl angesetzt werden, und dann müssen sich selbst Etnzrlstände aggressive Wendungen oolkswtrih- schaftltcher Federn gefallen lasten. So werde tch eS halten, bis mein Arm zu schwach und mein Grift zu matt wird, dte Feder zu führen und zu leiten.

Für die thalsächliche Unterstützung meines Mahnrufes aber nochmals besten Dank. E. W.

Lokale-.

Gießen, 7. Februar. (Sitzung der Stadtverordneten vom 5. Februars Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herren Beigeordneten Keller und Heß, von Setten der Stadtverordneten die Herren: Batst, Gail, Georgt, vr. Gutfletsch, Haustein, Hornberger, Kauf, Petrt, Scheel, Schopbach, Simon, Vogt und Wortmann.

Ueberdie Ablösung der BettragSpfltcht der Ctoilgemetnde Gießen zu den Bedürfnissen der evangelischen Ktrche sind schon des öfteren Ver­handlungen zwischen den Vertreterschaften beider Thetle gepflogen worden und wurde im Laufe dieser Zett beschlossen, den seit dem 2. Juni 1833 btitrenben Vertrag, betr.

die BettragSpflicht der Cioilgemeinde Gieße« zu den Bedürfnissen der evangelischrn Kirche, aufzuheben und dieser Beschluß unter dem 20. September 1883 dahtn ergänzt, daß die Ablösung mit dem 22V2fachcn Betrage bt§ Jahresbeitrages der Stadt Gießen gescheh'. Dte dieser Berechnung zu Grunde liegenden Anhaltspunkte sind derart, daß als jährliche Bettragssumme der zehnjährige Durchschnitt aller ordentlichen Ausgaben, der zwanz'gjährtge hingegen aller außerordentlichen Ausgaben angenommen wird. Der Zuschuß cer Stadt Gießen an ordentlichen Ausgaben betrug während der Jahre 1874 dis mit Schluß des Rechnungsjahres 1883/84 35607.44 «AL, der Zuschuß an außer­ordentlichen Ausgaben innerhalb '20 Jahren 22 67317 «AL oder lnsgesammt durch­schnittlich 5303.25 «AL pro Jahr. Diese jährliche Bettragssumme, abgelöst mit dem 22Vrfachen Brtrage, entspricht der 4Vrprocentigen Verzinsung eines Capttals von 119 323.12 «AL, welches letztere dte Stadt an die K'rche«gemetnde zu zahlen hätte. In diesem Stadium lag bte Angelegenheit der Stadtverordneten-Versammlung vom 4- December 1884 vor und wuroe beschloffen, die specielle Berechnung zu vervielfältigen und den Herren Stadtverordneten zur nochmaligen Durchsicht zukommen zu lasten. In den inzwischen gepflogenen Verhandlungen wurde, vorbehaltlich der Genehmigung durch die Stadtoerordveten-Versammlung, festgesetzt, daß dte Stadtgemeinde dte Pflicht behält, Tburm, Uhr und Thürmerwohnung zu erhalten, dagegen der Ktrchengemetnde dte Verpflichtung zur Erhaltung der Glocken und des Glockenstuhles verbleibt. Fest­gesetzt wurde ferner, daß die Etgenthumßfrage hinsichtlich der Glocken und deS ThurmrS in suspenso bleibe. Herr Scheel wünscht, daß die Etgenthumsfrage mit gelöst werde und stellt den von Herrn Georgt erweiterten Antrag, die Angelegenheit an die gemischte Finanz- und juristische Commission, unter Zuziehung der Delegtrten deS Kttche«- vorstandes gehen zu lassen. Dieser Antrag wird abgelehnt. Nachdem festgestellt, daß aus der Berechnung de« Cantorgehaltes die vorerwähnte Summe von 119 323.12 «AL um 91.80 «AL gekürzt werden könne, wird beschloffen, dte Ablösung mit dem an dte Kirchenkasse zu zahlenden Betrage von 119 231.32 «AL zu genehmigen und die Beiträge auS den getstltchm Landkaffen und aus der Staatskasse birect an dte Ktrchengemetnde zu überweisen. Dte in Betreff der Unterhaltungspflicht an Thurm, Uhr, Thürmer­wohnung rc. aufgeftellten Bedingungen werden ebenfalls genehmigt mit den wetteren Anfügen, daß die Unterhaltung des Ktrchihurmdaches der Ktrchengemetnde zufällt und das Mitbenutzungsrecht der Glocken und des Thurmes der Civilgemetvde ge­wahrt bleibt..

Beschaffung von Jsoltrräumen. Nachdem beschloffen worden war, in Nähe der zu erbauenden Kliniken an der Frankfurter Straße Baracken zu erbauen, wurde Herr Stadtbaume.ster Sttef beauftragt, mit Herrn Professor Dr. Riegel sich ins Benehmen zu setzen. Dies ist erfolgt und liegen der Versammlung die diesbezüg­lichen Pläne zweier Projecte vor, wovon das eine auf 50.000 «AL, das zweite auf 25,000 AL veranschlagt ist. Ueber letzteres soll, unter nochmaliger Besprechung mit Herrn Profeffor Dr. Riegel, verhandelt, mit dem Bau der Baracken jedoch erst begonnen werden, wenn der Bau dec Kliniken genehmigt ist.

Mit der aus dem Baugesuch deS MetzgermeisterSHerrn Hermann Euler sich ergebenden Festsetzung der Baufluchtlinie der Mäusburg und der Wagengaffe soll Herr Geometer Buttron mit Anfertigung eines Situattonsplanes beauftragt werden.

Den Herren Christoph Rübs am en und Gg. Brömer wird je ein KleS- lagerplatz am linken Ufer der Lahn, Ersterem oberhalb, Letzterem unterhalb der Brücke, überlassen und zugleich beschlossen, Kteslagerplütze auf dem Schwetnemarkte überhaupt ncht mehr zu genehmigen.

Allgemeiner Anzeiger.

Holzdersteigerung.

Donnerstag den 12 Februar,

Vormittags von 9 Uhr an, sollen im hiesigen Walddistrikt Enten­pfuhl und Kirschbaum versteigert wer­den:

97 Stück Nadel-Stämme von 15 bis 44 Ctm. Durchmesser und 10 bis 21 Mr. Länge, zusammen 82 Festmeter.

51 Nadel-Derbstangen mit 5,35 Fstm-, 10 Nadel-Reisstangen mit 0,23 18 Nm. Nadel-Knüppel, u. -Stöcke, 24 Hundert Nadel-Reiserwellen.

Der Anfang ist im Distrikt Kirsch­baum.

Groß-Buseck, am 5. Februar 1885. Großh. Bürgermeisterei Groß-Buseck.

Stephan. 850

Holz-Versteigerung.

DienStag den 10. Februar, von Morgens 9 Uhr,

soll im O p p e n r ö d e r Gemeindewald, Distrckt Leinegrube Steinertsberg, nachverzeichnetes Holz versteigert wer­den:

101 Eichenstämme, von 1435 Ctm. Durchmesser und 611 Mtr- Länge,

270 Fichten- und Lärchenstämme von 1435 Ctm. Durchmesser und 618 Mtr. Länge,

300 Fichten-Derbstangen von 512 Mtr. Länge,

1475 Fichten-Stangen verschiedener Stärke, Bohnenstangen, Spalier­holz und Leiterbäume,

950 Nadelstämme, zu Grubenholz.

Donnerstag den 12. Februar 25 Rmtr. Buchen-Scheitholz, 20 Buchen-Knüppelholz,

220 Nadel-Knüppelholz,

105 Eichen- u. Nadelstockholz,

3500 Wellen Buchen- u. Nadelreisholz.

Zusammenkunft jedesmal Morgens 9 Uhr auf der Straße nach Albach, Stunde von hier.

Oppenrod, den 4. Februar 1885.

Großh. Bürgermeisterei Oppenrod.

Petri. 818

Cokes.

Gegenwärtiger Preis in der Gasfabrik: Stüökcokes .........Mk. - .95 pr. Ctr-,

dkußcokes für Stubenheizung. zerkleinert 1.05

Der Transport an das Haus erfolgt von der Gasfabrik aus bei Ab­nahme von mindestens 5 Centner, von Herrn Gunl Pistor auch in kleineren Quantitäten. 8

Kranken-llnterstiitzungs- und Sterbekasse-Verein.

(Eingetragene Hülfskasse.)

Montag, den 9. Februar, Abends 8 Uhr:

Generalversammlung

im Karl Heil'schen Locale.

Tagesordnung: Nechnungsablage,

Vorstandswahl, Vereinsangelegenheiten.

Die Rechnung liegt bei dem Präsidenten zur Einsicht offen. Die Mit­glieder werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen.

7'69____________________________________Der Borstand.

Dem geehrten Publikum von Gießen und Umgegend die ergebene An­zeige, daß ich mich mit dem Heutigen als

Musik-Lehrer

niedergelassen.

Jch ertheile Unterricht in Clavier, Violine mnd Gesang nach bester Lehrart mit durchaus practischer, leicht faßlicher Anleitung.

Anmeldungen nehme in meiner vorläufigen Wohnung Keck'sches Haus, Neuenweg 62, sowie Herr Bäckermeister August Guhr, Bahnhofstraße 12, entgegen.

Hochachtungsvoll 773

A. Frenzei.

Geschäfts Nebernahme.

Einem geehrten Publikum von Gießen und Umgebung diene hiermit zur Nachricht, daß ich unter Heutigem die Restauration der

Puschel sehen Bierbrauerei

übernommen habe.

Es wird mein eifrigstes Bestreben sein, meine verehrten Gäste durch beste Speisen und Getränke, sowie reelle Bedienung zufrieden zu stellen lind bitte ich um geneigten Zuspruch.

Hochachtungsvoll

836 P. Immel.

Fichtenstammholz- Verkmif.

Aus dem Albacher Gemeinde­wald (Gr. Hess. Oberförsterei Schiffen­berg) sollen ca. 230 Fstm. Fichtenstamm­holz aus einer Abtheilung auf dem SubmisfionSwege am

18. Februar dS. IS.,

Nachmittags 1 Uhr, im Amtslokale der unterzeichneten Stelle verkauft werden. Die Stämme haben einen Mittendurchmesser von 16 bis 44 Ctm. und eine Länge von 20 bis 23 Mtr. Die Abfahrt ist ohne Schwierigkeit zu bewerkstelligen. Entfernung von der Bahnstation Gießen 10 Klm., von den Bahn­stationen Lich und Groß-Buseck 5 Klm., bis dahin führt gute Staats­straße.

Angebote sind unter Aufschrift: Submission auf Fichtenstammholz" unter richtigem Verschluß an uns ein­zusenden.

Albach, den 3. Februar 1885.

Großh. Bürgermeisterei Albach.

Balser. 796

Aeikgeöotenes.

Zwei gut cingefabrene Chaisenpferde, 6jährige Stute und 15 jähriger Wallach, zu verkaufen. Wo? sagt die Expedition d. Bl. 764

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Friedr. Vogel, Wieseck, Nr. 282.