Ausgabe 
7.6.1885 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

liche Außerachtlassung der bestehenden Controlvorschriften beim Schießen zurückzuführen ist, wodurch der betreffende Einjährige eine scharfe Patrone an Stelle einer Exercier- patrone in seiner Tasche zurückbehielt. Der Unterosficier sank aus nächster Nähe ge- troffen sofort tobt zusammen, während der Einjährige ebenfalls ohnmächtig vom Platze getragen werden mußte.

München, 1. Juni. Am 28. August v. I. wurde der Hundehändler Joseph Waibl bei einem Hundedressiren in Schwabing gebissen. Am 28. v. Ai., Nachmittags 43/4 Uhr, wurde nun Waibl im Gastzimmer zum Adalbertshof während eines Karten­spiels von der Wuth befallen. Derselbe zerbiß nämlich plötzlich die Spielkarten, stürzte aus dem Gastzimmer, lief über zwei Stiegen in seine Wohnung und rief beim Ein­treten in's Wohnzimmer seiner Frau zu:Hole gleich den Doctor, ich habe die Wuth !" Die Frau ging sofort nach einem Arzte und als sie nach einer Viertelstunde wieder nach Hause kam, sah sie, daß ihr Mann in der Zwischenzeit einen Theil des Bettgestelles in Stücken herausgebissen hatte. Auf ihr Hülferufen kamen beherzte Männer und Gensdarmerie und brachten den Wuthbefallenen in ein Nebenzimmer, schlossen dasselbe ab, holten sogenannte Stulpenhandschuhe und ein Fechtvisir, worauf sie dem Unglücklichen mit Anwendung von Gewalt das Visir aufsetzten, ihn an Händen und Füßen fesselten und in einer Tragbahre in das Krankenhaus brachten. Während der Nacht sollen sich die Wuthausbrüche einigemal wiederholt haben.

fWo liegt Loco?jUnserer Heranwachsenden Postbeanrten-Generation", so schreibt eine Wiener Zeitung,welcher man neben großer Höflichkeit auch eine gründliche Gelehrsamkeit im geographischen Fache nachrühmt, stellt eine uns vorliegende Corre- spondenzkarte ein glänzendes Zeugniß aus. Besagte Karte, welche von einer Hernalser Wäscherin am 28. April aufgegeben wurde, trägt in deutlichen correcten Schriftzügen die Adresse:Frau N. N., I., Hegelgasse 30. Loco" (am Orte). Der Beamte, welchem die schwierige Aufgabe zufiel, dieses Stück zu erledigen, hatte offenbar die Prüfung zum Postdienste mit ausgezeichnetem Erfolg abgelegt. Er sann einen Augenblick nach ' . . Loco! Loco! Loco! . . . und war mit sich sehr zufrieden, als ihm einfiel, daß Loco ein kleiner Ort in der südlichen Schweiz sei und warf die Karte in den betreffenden Postbeutel. Richtig pasfirte die Karte den Arlberg-Tunnel und gelangte in die Schweiz. Der Briefträger von Loco bemühte sich vergebens, in dem kleinen Orte eine Hegelgasse mit Frau N. N. aufzufinden, und da hier offenbar ein Schreibfehler vorlag, so wanoerte die Karte mit dem nächsten Zuge nach Locarno, wo man sich nach mehrtägigem, aber- erfolglosem Suchen entschloß, die Karte nach Lecco am Comer-See zu senden. Von hier aus reiste die Karte durch zahlreiche Ortschaften, deren Namen mitL" beginnt und mit0" endet, bis sie endlich, nachdem sie ein halbes geographisches Lexikon von Ritter absolvirt hatte, bedeckt mit Poststempeln in allen Farben, Formen und Größen, als unbestellbar nach Wien zurückgeschickt wurde. Hier fand sich zum Glück ein weiser Mann, welcher den verschämten Vorschlag machte, man möge die Karte in die hiesige Hegelgasse schicken, weil vielleicht unter der BezeichnungLoco" Wien verstanden sein könnte. Diese kühne Combination wurde in der That zur Ausführung gebracht und so gelangte die Karte nach einer mehrwöchentlichen Rundfahrt durch die bekanntesten Schweizer Sommerfrischen in die Hände der Frau N. 9L Der Vorfall kann als eine Warnung für Alle dienen, welche gerne mit dem Gebrauche von Fremdwörtern etnat machen wollen."

Literarische H.

Die Wunder der Welt. Europa. Eine malerische Wanderung durch die Länder und Städte Europas, mit besonderer Rücksicht auf ihre geschichtliche Ent­wicklung, ihre culturhistorische Bedeutung und die hauptsächlichsten Merkwürdigkeiten von Land und Leuten. Von Adolf Brennecke. Vollständig in 15 Lieferungen Ml. Mit circa 180 Holzschnitten nach Zeichnungen hervorragender Künstler. Straßburg i. E. R. Schultz & Co. Verlag. 1885.

Die Zweite Lieferung des obigen Werkes beendet die Wanderung durch die Pyrenäen-Halbinsel und wendet sich dann zum südwestlichen Frankreich. Einer knapp­gefaßten Charakteristik Portugals schließt sich die Schilderung von Oporto, Coimbra und Salamanca an. Die Pyrenäenlandschaften werden von Maler und Schriftsteller

in der Großartigkeit ihrer Landschaft gezeichnet: die vielfachen Beziehungen der Pyrenäen- ftädte zu der Entwicklungsgeschichte des westlichen Europa, von der Römerzeit bis auf den heutigen Tag, geben Prof. Brennecke zu interessanten culturhistorischen Streif­zügen Veranlassung; der Verfasser versteht es, seine Leser in leichtverständlicher, fesselnder Form mit den Ergebnissen wissenschaftlicher Untersuchungen bekannt zu machen.' Gerade Frankreich, dessen Schilderung mit Seite 30 beginnt, scheint uns nach dem in Lieferung 2 vorliegenden Inhalt recht glücklich behandelt zu sein. Trotz der Menge der schon vorhandenen Werke bietet Adolf Brennecke uns in seiner Be­schreibung der Pyrenäenbäder, der französischen Großstädte, der Hafenplätze am Atlantischen Ocean und am Canal eine Fülle neuer Gesichtspunkte: namentlich das Kapitel über den Nationalwohlstand Frankreichs, über die Charakterfehler und die Vorzüge des französischen Volkes lassen in jedem Satze den kundigen Darsteller wahrnehmen, welcher offenen Auges la belle France kreuz und quer durchwandert und sich liebevoll, ohne jede Voreingenommenheit, in die Eigenart von Land und Leuten vertieft hat.

Mit Seite 46 beginnt die Schilderung von Paris. Eine geistvolle, auf historischen Studien beruhende Darlegung des Satzes:Paris ist Frankreich" eröffnet die Wanderung zu den hauptsächlichsten Stätten des vielgepriesenen, vielgeschmähten Centre du monde. Unter den Illustrationen des Heftes scheint uns dieRolandsbresche" am wirkungsvollsten. Die Architekturbilder aus Dieppe, Rouen, St. Malo und Quimper veranschaulichen trefflich das malerische Element in den Straßen der französi- sischen Mittel- und Kleinstädte.

nunmehr 1? Jahre so beliebte, trotz aller Nachahmungen unüber«

«CMv trosfene Haarwasser von C. Retter, München (staatlich geprüft u. begutachtet, welch, statt Oel od. Pomade tägl. gebraucht bestens zu empfehlen ist vkst. zu 40 4 u. Jl. 1,10 C. Merkel, Marktstraße 16, Gießen.526

Verzeichnis

der Mittelpreise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen vom Monat Mai 1885.

55

65

60

92

12

13

50

20

23

23

50

N

71

84

=

sc

Je 50 Kilogramm kosten:

Je Va Kilogramm kostet:

a

UI

20'50

2*25

9 CQ

9 50

O U

UZ

Submission.

Die zur Errichtung eines eisernen Hofthores der Psarrhofraithe zu Kirch» berg erforderlichen Maurer-, Schlosser­und Weißbinder-Arbeiten, veranschlagt zu 239 cX 60 H, sollen auf dem Wege schriftlicher Submission vergeben werden. Zeichnung, Voranschlag und Bedingungen liegen auf der Gr. Bürger­meisterei Ruttershausen zur Ein­sicht offen, woselbst auch die Offerten verschlossen und mit gehöriger Auf­schrift bis zum 10. l. M., Mittags 1 Uhr, francirt einzureichen sind.

Gießen, am 1. Juni 1885.

I. A.: Senßfelder, 4063 Bezirks-Bauausseher.

Offene Stelle für einen Arzt.

In der Kreisstadt Schotten in Oberheffen ist die Stelle eines Arztes erledigt und vom 6. Juli d. I. an wieder zu besetzen. Mit derselben ist ein fester Gehalt von 1000 «M. aus der Sparkasse dahier verbunden, wofür die Behandlung der Ortsarmen (ca. 150) und die Beaufsichtigung der Pflegekinder unter 6 Jahren (ca. 10) in 18 Gemeinden unentgeltlich zu leisten ist. Außerdem wird der Ein­tritt als Kassenarzt bei 2 Kranken­kassen (1 zu Schotten und 1 in 13 Landgemeinden mit je ca. 200 Mit­gliedern) gewünscht. Honorar hierfür je nach Vereinbarung mit letzteren, Bedingungen der Bewerber in dieser Beziehung möglichst gleichzeitig erbeten. Bewerbungen sind an den Unterzeich­neten zu richten, welcher auch zu jeder weiteren Auskunft gern bereit ist.

Schotten, am 1. Juni 1885.

Römer, 4124 Director der Sparkasse.

Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachrmg.

Während der Badesaison wird an jedem Sonntage, zuerst am 7. Juni er., ein Extra-Personenzug von Wildungen nach Wabern nach folgendem Fahrplan zur Beförderung gelangen:

Ortszeit.

Ab Wkldungen um 9 Uhr 40 M. Abends,

Wega 9 48

Mandern 9 55

Ungedanken 9 59

Fritzlar 10 12

Zennern 10 20

an Wabern 10 28

Ab Wabern Anschluß nach Cassel mit dem um 10 Uhr 41 M. Abends von dort weitergehenden, jedoch nur I. und II. Wagenklaffe führenden Courierzuge Nr 301 und in der Richtung nach Frankfurt a. M. mit dem um 11 Uhr 35 M. Abends weitergehenden Personenzuge, mit I. bis IV. Wagen­klasse, Nr. 306.

Zu dem Extrazuge werden Billets für die I. bis IV. Wagenklasse zum gewöhnlichen Fahrpreise verausgabt, auch sind zu demselben Retourbillets gültig.

Passagiere III. und IV. Klasse haben jedoch für die Benutzung von Schnell- und Courierzügen mit nur I. und II. Wagenklasse ab Wabern die erforderlichen Zusatzbillets zu lösen.

Cassel, den 4. Juni 1885.

Königliches Eisenbahn-Betriebs-Amt.

(Main-Weser-Bahn.) 4194

Einem geehrten Publikum Gießens und Umgegend theile ich ergebenst mit, daß ich mein

Schuh- und Stiefellager bedeutend vergrößert habe. Durch directen Bezug aus den ersten und besten Schuhfabriken Deutschlands bin ich in der Lage, das Beste und Solideste

tti allen Sorten SchuhNmaren von den Feinsten bis zu den Einfachsten zu wirklich billigen Preisen zu liefern. Hochachtungsvoll

Julius Buch,

Ecke der MauSburg und Wettergaffe.

NB. Reparaturen werden schnell und billigst ausgeführt. 3963

3160 Eine vollständige Ladeneinrich- 4199 Einen braven Jungen in die tnng ist billig zu verkaufen. Lehre sucht

Bahnhofstraße 26. P. Hottmann, Neuen Baue 6.

Dienstag d. 9. Juni b. I,

Nachmittags 2 Uhr, sollen auf hiesigem Ortsgericht die zum Nachlaß der Fräulein Münch gehörigen Immobilien: Flur Nr. Mtr.

XXVI 3121/10 417 Acker am untersten Riegelpfad, auf die Wiesen,

XXVI 3132/10 282 Grabgarten das., XXVI 314V10 349 Grabgarten das., XXVI 314Vw - 385 Hofraithe das., XXVI 315 52/100 25 Grabgarten, jetzt Straße das., meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 3. Juni 1885.

Großh. Ortsgericht.

4156__Lüdeking.

Ausverkauf von Kleineisenwaaren in dem W. Seibert'W

Laden, Marktstraße 21.

Es wird besonders auf Be- schlage und Werkzeuge für Schreiner, Glaser, Schlossen Tapezierer rc. aufmerksam ge­macht, sowie auf Werkzeug- u. Laubfägekasten, Laub­sägeholz , Kohleneimer, Schippe« und Spaten, Pflugscharen, Eggezinkev, Außkratzeisen, Oefen, eine Parthie Stahl rc.

SFerdL Hoffmann*

3955 Concursverwalter.

Jeikgeöotenes.

Louis Wittich H-, Laaer in wasserdichten Wagen-, Wag- gon. und Pferdedecken (mit FiniE Aufschrift) zu Fabrikpreisen.

bekannt unter d Occidit, qui m von dem Erfinder'

Destillat«

H. UNDERBERG

am Rathh

in Rheinberg

K. K. Hoflii

Inhaber vieler Pr Ein Theelöffel voll Boonekamp of |

genügt für ein G1& Zackerwasser. Pure l genossen, wirkt er blutreinigend und nei

s ^G-Bl

0HEK

of

T AJ

i

0 v

M d p

®

Gegründet I 20 Preis-#6 Neueste Auszeit) Amsterdam 1883. 1

Calcutta M Empfehlenswert!! für Nichts ist so ange und erquickend in der 1 zeit, auf Beben und . Zuckerwasser, Selters­wasser mit

«*othenb«

s5Qj{. W

® 5 LiKm

to«8eit «tm

ä jebeth

LiUigjl ««b 3429

Kaff,

in Packeten ä 91/,

14 u

V6rsend=t gegen Na

1916 ________

pWaldlfiers ,an ipa'VallMr,25) Z®