Rr. 32
Samstag den 7. Februar
1888
Bureau: Schulstraße 7.
Erscheint tüßfiA mit -u-nodme be* Montag».
Preis vierteljährlich 2 Wart 20 Pf. mit Brinqerlichn. DunL bie Pott bv^oom vierteltäbrltd) L Mark M) Pt.
Amtlicher
H 8 eil.
Bel ressend - Die Correspondenz mit Deutschen Eonsulalen in den Niederlanden. Gießen, am 4. Aebruar 1885.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
Krochberivaliches Polizeiamt Gießen, sowie an die Großhcrzoglichen Bürgermeistereien des Kreises,
mit Ausnahme von Gießen.
Wir beauftragen Sie, in allen Fällen, in welchen Sie sich veranlaßt sehen sollten, auf eonsrllarischem Wege in den Niederlanden eine Auskunst cin- •imefrn oder um Veranstaltung von Nachforschungen sowie um Vornahme von Amtshandlungen nachzußlchen, Ihre deLlallirgen Anträge uisotern cts nch uui 'anOen einerem Interesse ober solche handeln sollte, welche sich ntcht au den 2t«rsbc;.rk emes ein,einen Gon,u,at» m den Niederlanden " 'nk um" w cke dcr WAterbesorderung an da. Ka.ser,.cb deutsch. General insular zu Rotterdam zu ncht-n
Ur. Boekmann. __________________
Politische Ueberficht.
Gießen, 6. Februar.
Die Special-Berathung besEtats berReichSvost- und Tele- arapbcn-Verwaltung, in welche der Reichstag am Dienstag eintrat, hat zunächst wieder einmal eine lange Erörterung über die viel ventilirte Frage der Sonntagsruhe der Postbeamten gebracht. Wie erinnerlich, ist vom Reichstag schon früher eine Resolution angenommen worden, deren Tendenz dahmginy, die Postbeamten vom Sonntagsdienst so viel als möglich zu befreien und die Reichs« postoerwaltuiig hat dieser Tendenz auch insofern entsprochen, al- jetzt — wie Staats stc/etär Dr. Stephan im Laufe der Debatte hervorhob — 82 pCt. Bramle und 71 Unterbeamte Sonntags „frei" haben. Wer von den postalischen Verhältnissen nur etwas versteht, wird zugeben müssen, daß die Erreichung dieses Resultats bei dem Ungeheuern Verkehr, den die Post tagtäglich'zu bewäl- lißtn hat, keine Kleinigkeit war und daß das Möglichste hiermit geleistet worden ist. Auf Seiler der Gegner des postalischen Sonntagsvienstcs will man ober .nmer weüer gehen, indem der Cintrums-Abgeordnete Dr. Lingens in der LienStagS-Sitzung eine Resolution eingebracht hat, nach welcher Waarenproben, Drucksachen, Packele. Geld- und Werthsendungen, sofern sie nicht durch Eilboten »u bcst'.llen sind, von den dienstlichen Behandlungen an Sonn- und Feiertagen ganz ausgeschlossen sein sollen. Es liegt aus der Hand, welche Schädigung diese Best mmung in erster Linie für die Interessen des Handels- und Gewerbestandes nach sich ziehen müßte und StaatLsecretär Dr. Stephan wies denn auch in treffendster Weise daraus hin. wie die Ausführung dieser Resolution ganz unmöglich fein würde, da von der in ihr enthaltenen Beschränkung jährlich circa 50 Millionen Postsendungen betroffen werden würden. Den Ausführungen des Staalssccretai» Dr. Stephan schloß sich von freisinniger Sette Abg. Baumbach an, wobei er zugleich die sympathische Stellung seiner Partei gegenüber der Entlastung der Postbeamten bekundete, während conservatioerseitL Abg. Stöcker der postalischen Sabbathsfeier entschieden das Wort redete. Dazwischen zog sich eine ziemlich animirte Controoerse hin. einmal zwischen dem StaatSsccretar Dr. Stephan und dem Abg. Liebknecht über ein dem Letzteren aus der Schweiz zugegangenes eröffnetes Kreuzband, das andere Mal zwischen den Abgg. Stöcker und Singer wegen der Sonntagsarbeit bei jüdischen Arbeitgebern. Die Abstimmung über die Resolution Lingenü wird in dritter Lesung erfolgen; schließlich wurden sämmtliche Positionen der Ausgaben bis Tit. 30 nach den Commisfions-Anträgen bewilligt.
Mit besonderem Interesse sieht man in den weitesten Kreisen den ferneren Verhandlungen des Reichstages über die geforderte neue Directorstelle im auswärtigen Amte und über die Postdampfer-Vorlage entgegen. Die Entscheidung bezüglich de» so berühmt gewordenen Directorpoften» dürste gleich zu Anfang brr in den nächsten Tagen beginnenden dritten EtatSle'ung fallen und wenngleich sich mittlerweile die Anschauung Bahn gebrochen hat, daß die Position diesmal werde bewilligt werden, so sieht man doch bei der Sensation, welche der erste ablehnende Beschluß des Reichstages weit über die Grenzen Deutschlands hinaus erregte, der weiteren Verhandlung mit begreiflicher Spannung entgegen. Kaum geringer ist aber auch da» Interesse, welches allseitig bem ferneren Schicksal der Postdampfer - Vorlage gewidmet wird. Bekanntlich ist dieselbe in sehr zerzauster Gestalt aus der ersten CommissionS-Berachung heroorgegangen, indem nur die ostasiatiscde Linie bewilligt wurde und bei der definitiven Abstimmung lehnte schließlich die Commission das ganze Gesetz mit 14 gegen 7 Stimmen ab. Wir wollen hier unerörtert lasten, welche tactischen Winkäzüge und Parteitniffe die Vorlage zu Fall gebracht haben; jedenfalls würde aber von her Ration ein ablehnendes Votum des Reichstags-Plenums ober auch nur eine Verstümmelung ber Vorlage mit denselben Empfindungen ausgenommen werden, wie der bekannte Beschluß vom 15. December v. Js. Die Postdampfer-Vorlage steht in ursächlichem Zusammenhänge mit der Colonialpolitik der Reichsregierung, denn bie australische und die afrikanische Linie stehen in unmittelbaren Beziehungen zu den deutschen Erwerbungen in der Südsee und an den Küsten Amkas und die Ablehnung dieser Limen würde den Verkehr der neuen deutschen Kolonien mit der Heimath geradezu unterbinden.
Die „Liberale Cor respondenz" hatte die Mittheilung gebracht, daß nach der Erledigung des Etats, ber Postbampser-Lorlage. Der Zolltarif- Novelle und event. auch ber Vorlage über die Ausdehnung der Unfallversicherung auf bie Transportgewerbe ber Schluß ber Reichstagsfitzung erfolgen werde.
Hieraus war von freisinniger Seite bie Schlußfolgerung gezogen worden, daß danach die Reichsregierung weder auf bas Zustandekommen des Gesetzes wegen Ausdehnung ber Unfallversicherung auf bie Landwirthschast. noch aus da» Post- fparkassengesetz Werth lege. Ein Entrefilet der „Roidd. Allg. Ztq." weift jedoch bezüglich der letzteren Vorlage diese Unterstellung, als auf bösem Willen oder auf totaler Unkenntniß der Verhältnisse beruhend, entschieden zurück. „Die hohe socialpolitische Bedeutung des Entwurfs", schreibt das officiöse Blatt, „wUche auch von dem Regierungs-Vertreter im Reichstage lebhaft betont ist, läßt die Regierungen nach unseren Informationen nicht nur eine vollständige Bcrathung, sondern auch ein Zustandekommen des Gesetzes in dieser Session dringend wünschen."
Der schwere Kampf, den das Deutschthum im habsburgischen Kaiser- stoäte seit Beginn ber „Aera Taaffe" gegen da» übermächtige Vordringen dr» Slavenlhumß zu führen gezwungen ist, hat unter ben liberalen Deutfch-Oester- rejchern den Gedanken entstehen lasten, einen Rational-Congteß der Deutschen O st.erreichS nach Wien einzuberufen. In Hinblick aus bie nicht mehr fernen Neuwahlen zum Reichstage ist es allerdings nothwendig, daß sich die Deutschen über ihre nationalen Forderungen klar werden und diesen Zweck würde ein Rational-Congreß jedenfalls erfüllen. Heute schon ist es hohe Zeit, kräftig ein* zugreisin, in Die mitunter unklaren Verhältnisse auf deutschliberaler Seite Klärung zu bringen und für Die sehr vernachlässigte Detailarbeit zu den Wahlen Vorsorge zu treffen. Mit den Schlagworten, man müsse eine „schärfere Ton- art" anscklagen, baß „nationale Moment kräftiger betonen", ist für das Deulsch- tbum in Oesterreich kein positives Programm gefunden, für welches es in den Wahlkampf eintrete. Die deutschen Führer müssen gehört werden, sie mögen bestimmt ihre Anschauungen kundthun und darlegen, was für die nächste Zukunft nothwendig fei. Richt überall ist man zu solcher nationalen Wehrhaftigkeit gelangt, wie in Deutschböhmen, die Bewohner der deutschen Alpenprovinzen, selbst die. welche zur liberalen Hache stehen, schwanken und wissen nicht, ob es heute mehr geraten sei, das nationale oder das verfassungstreu-liberale Moment hervorzuheben. Die Klärung auf einem allgemeinen deutschen Congresse in Wien thäte darum sehr noth.
Die Nachrichten über die militärischen Operationen ber Franzosen in Ostasien beginnen jetzt wieber etwa» rascher zu fließen. Au» Tongking wird der Beginn des Vormarsches de» Erpebitions-Corp» unter Ge neral Brwre oe l'Jsle gegen bie Festung Langson an ber chinesischen Grenze gemeldet und von Formosa liegt eine telegraphische Meldung über eine größere Action beß Admiralß Courbet vor. Derselbe ließ mit 1500 Mann unb 4 Geschützen mehrere, bie französischen Positionen bebrohende, Außenwerke von Keelung am 25. Zanuar angreifen; nach hartem Kampfe, in welchem die Angreifer 9 Tobte unb 53 Verwunbete verloren, gelang bie Wegnahme ber Positionen, bem weiteren Vorbringen Der Franzosen gebot aber eine steile unb stark be festigte Hochfläche einstweilen Halt. Abmiral Courbet selbst erkennt an, baß da» Feuer der Feinde» ganz vorzüglich war und so wird wohl, ehe bie vollständige Einnahme von Keelung erfolgt fein wirb, Admiral Courbet sich noch auf em» pfinblrche Verluste gefaßt machen müssen. ______ _______
Darmstadt, 5. Februar. Die „Darmst. Ztg." veröffentlicht baß N^- stehenbe: Oeffentliche Blätter bringen die gerüchtweise Mittheilung, baß Se Königliche Hoheit ber Großherzog „burch eine Vertrauensperson habe anfragen lassen, unter welchen bestimmten Bedingungen ber rettgiöle Fruwe zwischen feiner Regierung unb bem Vatikan wieder hergestellt werden tonne^urch zugleich feine Gesichtspunkte dem päpstlichen ©taatflfecreta^^ bracht habe." Wir sinb ermächtigt, biefe Mitthellungen als vollständig aus ber mib Cftbeim " tsiAdenm kosten io erdotuna deS von demselben Abgeorduetw den Staat dnaeretebt. ES m dies eme 2ü5icDcryviuuy
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