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Sonntag den 6. December
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Univerfität- - Chronik.
Bonn. Nach dem im Druck befindlichen amtlichen Pcrsonal-Verzeichniß der hiesigen Universität stellt sich der Besuch der letzteren für das laufende Wintersemester wie folgt: Es sind immatrikulirt 1070 Studirende, und zwar in der katholisch-theologische« Fakultät 81, in der evangelisch - theologischen 98, in der juristischen 231, in der medicinischen 267, in der philosophischen 393. Als Hospitanten sind zum Hören von Vorlesungen zugelassen 34 Personen, mit welchen sich die Gesammtzahl der Hörer auf 1104 stellt. Der starke Abgang am Schluß des vergangenen Sommersemesters (454) hat einen, wenn auch nur ganz geringen Rückgang (um 10) in dem Besuch der Universität gegen das vergangene Wintersemester herbeigeführt, welches mit 1080 Studirenden bisher das besuchteste mar. Außer den 698 Rheinländern, welche die heimathliche Universität bezogen haben, sind von den benachbarten Provinzen Westfalen und Hessen- Nassau die meisten Studirenden der rheinischen Hochschule Angeführt worden, und zwar 124, bezw. 41. Ihnen zunächst von den preußischen Provinzen kommt Brandenburg mit 26, Sachsen mit 19, Schlesien mit 16 und Hannover mit 14. Am spärlichsten ist Ostpreußen mit 2 und Hohenzollern mit 1 Studirenden hier vertreten. Die übrigen deutschen Staaten haben 51 Zöglinge für die Bonner Hochschule gestellt, davon Hamburg 12, Baden, Braunschweig, Elsaß-Lothringen und Mecklenburg je 5, das Königreich Sachsen 4. An Ausländer besuchen die Universität 11 Amerikaner, 8 Engländer, 7 Luxemburger, 6 Böhmen, 4 Franzosen, 4 Russen, 4 Schweizer, aus Steiermark, Mähren, Ungarn, Galizien, Griechenland, Norwegen, Spanien und der Türkei je 1, aus Asien (Armenien) 2.
— Professor Dr. Bassermann in Heidelberg hat eine Berufung als Hofprediger und Generalsuperintendent in Gotha abgelehnt.
— Der Orientalist Professor Dr. Ahl wardt zu Greifswald ist für längere Zeit beurlaubt worden, um in Berlin die neu eingetroffenen Sanskrit-Schriften zu prüfen und zu ordnen.
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Heidelberg. sEs gibt keine Kinder mehr.j Als ein Zeichen der fortschreitenden Cultur, so berichtet die hiesige amtliche Zeitung, also jedenfalls eine vorzügliche Quelle, könnte die Thatsache dienen, daß kürzlich beim hiesigen Bezirksauite ein Heidelberger Junge von 12—13 Jahren sich einfano mit dem Verlangen, ihm ein „Statut über Kindererziehung" zu behändigen. Auf Befragen wurde solches von dem künftigen Staatsbürger dahin erläutert, er wisse. daß es gesetzliche Bestimmungen darüber gebe, wie die Eltern ihre Kinder zu behandeln hätten. Das Bezirksamt war leider nicht in der Lage, dem Wunsche dieses überreifen Jungen stattgeben zu können, worauf derselbe auf die Belehrung, daß unter Umständen — wie sie hier vorzuliegen scheinen — eine Hauptoerpflichtung gewissenhafter Eltern in der richtigen Anwendung des Stockes bestehe, eiligst die Flucht ergriff.
— In einem Berichte über die Hinrichtung Lieske's in den „Hess. Blättern" hieß es: „Der Scharfrichter Krauts erschien auch bet dieser Gelegenheit wieder in schwarzem Frack und weißer Halsbinde, wie er jedesmal bei Ausübung seiner Amtshandlungen thut. Angesichts dieses darf man wohl fragen, wie lange diese Gesellschafts-Toilette noch aufrecht erhalten werden soll, nachdem sie thatsächlich die moderne Henkerstracht geworden ist." Gegen den Frack als Gesellschafts-Toilette ist schon Manches gesagt worden; von dieser Seite aber hat man die Sache wohl noch nicht betrachtet.
Schillingsfürst, 1. December. Jüngst war von Frankfurt a. M. aus in verschiedenen Zeitungen ein kleines Kind zum Verschenken ausgeschrieben. Herr Pfarrer Poschel von hier bewarb sich um das seltene Geschenk, um es in dem von der Fürstin Hohenlohe dahier gegründeten Waisenhaus unterzubringen. Das Kind wuroe vor einigen Tagen in Frankfurt der Bahn übergeben. Es hatte vorn ein Täfelchen mit der Aufschrift: „An Herrn Pfarrer Pöschel in Schillingsfürst „Frankenheim". In Ansbach nahm sich Herr Oberst Fürst, der gerade am Bahnhof war, liebreich der Kleinen, ein nettes Mädchen, an und sandte dieselbe dann hierher. Gleich am zweiten Tage fand eine hiesige Kaufmannsfamilie, die kürzlich ihr einziges Töchterchen durch Diphtheritis verloren, daß das fragliche Mädchen Ähnlichkeit mit ihrem verstorbenen Kind habe und nahmen dasselbe an Kindesstatt an. Die Kleine ist nun in einem sehr guten Hause und hat so wahrscheinlich ihr Glück gemacht.
— sEin Weihnachtsgeschenks „Das Weihnachtsfest ist wieder vor der Thür, das Fest der werkthätigen Liebe, an welchem Jedermann darnach trachtet, den ihm Nahestehenden eine Freude zu machen. Und wie uns Niemand näher steht, als die Glieder unserer Familie, so sind es auch unsere Frauen und unsere Kinder, denen sich diese Liebe vor allen Andern zuwendet.
Wie können wir aber diese Liebe besser bethätigen, als indem wir für ihre Zukunft sorgen und bestrebt sind, diese Zukunst auch für den Fall sicherzustellen, daß ein früherer oder späterer Tod uns von ihnen scheidet.
Man wende nicht ein, daß die Erinnerung an diese Trennung das Helle Licht der Weihnachtskerzen trüben würde. Wir sind Alle sterblich, das weiß ein Jeder; Niemand aber weiß, wann sein Stündchen kommen wird und deßhalb mag ein Jeder sein Haus bestellen, damit ihm nicht, wenn unerwartet bald der Tod anklopfen sollte, der Abschied erschwert wird durch die bittere Sorge, was wird aus den Deinen werden. Die Lebensversicherung überhebt uns dieser Sorge, sie gewährt uns die Beruhigung, auch über den Tod hinaus die Zukunft unserer Lieben sichergestellt zu haben, und die Police, welche uns diese Beruhigung verschafft, sollte uns die Freude darüber stören, daß wir heute noch unter ihnen weilen, heute noch ihre Freude theilen, noch in der Lage sind, für sie zu arbeiten und die Sorge von ihnen fcrnzuhalten? — Gewiß nicht, versuch's, lege eine Lebensversicherungs - Police auf den Weihnachtstisch Deiner Gattin, und wenn beim Anblick dieses Beweises Deiner vorsorglichen Liebe ein Schatten über ihr Antlitz gleiten sollte, die Zeit wird kommen, wo sie diese vorsorgliche Liebe segnet."
Mit diesen Worten wendet sich die Lebensoersicherungs-Gesellschaft zu Leipzig in einem uns vorliegenden hübsch ausgestatteten Prospect auch in diesem Jahre an das Publikum, um dasselbe aus Anlaß des bevorstehenden Weihnachtsfestes zur Versicherung des Lebens einzuladen.
Wir müssen gestehen, daß der Vorschlag, eine Lebensversicherungs - Police auf den Weihnachtstisch zu legen, unsere volle Sympathie hat und wünschen oaher von Herzen, daß dieser Gedanke in weiten Kreisen den verdienten Beifall und recht oft die erstrebte Verwirklichung finden möge.
— sEin neues Schlafmittels An der medicinischen Klinik zu Gießen sind, wie der „T. R." geschrieben wird, unter Leitung von Professor Riegel höchst in- leressante Untersuchungen über neuere Schlafmittel vom Assistenzarzt Dr. Sticker vor- geuommen worden. Bekanntlich haben die bisher bekannten Schlafmittel, das Morphium, Chloralhydrat und Bromkali, mannigfache Uebelstände, die ihre Anwendung in manchen Krankheiten und bei manchen Personen ausschließen. Das soll nun bei
dem wichtigsten der neueren Mittel, dein Urethan, durchaus nicht der Fall sein. Das Urethan, ein dem Harnstoff chemisch verwandtes, aber aus appetittlicheren Stoffen dargestelltes Mittel, ist nach Dr. Sticker's Bericht in der „D. Med. Wochenschr." von nicht unangenehmem, an Paraffin erinnerndem Geschmack, wird zu mindestens 1 Gr. gegeben, schadet aber auch in Gaben bis zu 4 Gr. nicht im Mindesten. Seine beste Wirksamkeit soll es bei einem ganz modernen Uebel, der nervösen Schlaflosigkeit, entfalten, aber auch bei jener Schlaflosigkeit, wie sie im Gefolge von schwächenden Krankheiten auftritt. Beruht jedoch die Schlaflosigkeit auf starken Schmerzen, so ist es weit weniger wirksam als das Morphium. Indessen selbst mit dieser Einschränkung wäre es, wenn weitere Versuche an großen Krankenhäusern diese Beobachtungen bestätigen, von großem Werthe, zumal es keinerlei „Katzenjammer" am nächsten Morgen zurückläßt, wie es leider die anderen Mitteln thun. Bemerkt sei noch, daß die ersten Versuche mit Urethan an Thieren von Schmiedeberg, an Menschen von R. v. Jaksch vor- genommcn worden.
— Eine Tellerwaschmaschine arbeitet nach den „N. Erfind, u. Erf." mit großem Erfolge in der Küche des Pariser Restaurateurs Marquery. Dieselbe reinigt 8 Teller mit einem N(ale gründlich. Der von dem Arbeiter in die Maschine gesteckte unreine Teller wird sofort am Rande von einem dreizackigen Greifer gepackt und in kochendes Wasser getaucht, worin er eine Weile verbleibt und dabei tüchtig gerüttelt wird, damit sich die Fetttheile ablösen. Der Teller geräth alsdann von selbst unter Bürsten, die ihn energisch bearbeiten, und gelangt danach in fortwährend erneuertes kaltes Wasser, wo er von allen Unreinigkeiten vollends befreit wird. Derselbe Arbeiter ergreift ihn endlich mit der linken Hand und steckt ihn in die Abtropf-Vorrichtung. Die Maschine wäscht an 4000 Teller täglich ab und bietet den großen Vortheil, daß das Geschirr stets von frischem Wasser bespült wird, niemals aber mit einem bereits gebrauchten Spülwasser in Berührung kommt. Auch zerbricht sie im Gegensatz zu den meisten Dienstmädchen nichts.
Literarisches.
Vitus Graber: Die äußeren mechanischen Werkzeuge der Thiere. (Das Wissen der Gegenwart 44. und 45. Band.) Leipzig: G. Freytag. — Prag: F. Tempsky. 1886. 224 und 224 Seiten 8°. — Mit 144 und 171 in den Text gedruckten Abbildungen. — Preis pro Band 1 JL = 60 fr. — Die Betrachtung künstlicher erzeugter Werkzeuge in ihren Abarten und Modificationen, in ihrer Zusammensetzung und ihren Bestandtheilen, die sorgfältige Beobachtung, wie Stück für Stück eines derartigen Apparates seinen besonderen Zweck hat, den es je nach dem Grade der in der Herstellung erzielten Vollkommenheit genau oder minder genau erfüllt, ist gewiß sehr lehrreich und interessant. Bedenkt man nun, daß alle künstlichen Werkzeuge culturaeschichtlich nichts anderes sind als mehr oder minder gelungene, im Laufe der Zeit wobl auch verbesserte Nachbildungen natürlicher, dem Menschen oder dem Thier mit in's Leben gegebener „Instrumente", nur viel complicirter und, was Intensität anbelangt, leistungsfähiger, so hat ein Werk, welches in geschickter, populärer Weise eingehend die natürlichen Außentheile oder Anhänge der Thiere behandelt, mit denen diese auf die Außenwelt einwirken und sich sie dienstbar machen, vollen Anspruch auf allgemeine Beachtung. Und dies um so mehr, als es sich hierbei zeigt, daß sich in der „Rüstkammer" der Thiere Dinge finden, von so wunderbarer Zweckmäßigkeit, von so außerordentlich wirkungsvoller Beschaffenheit, daß es dem menschlichen Geiste sehr schwer fallen wird — wenn es ihm überhaupt je gelingen sollte — mit dem ihm zu Gebote stehenden Material Aehnliches zweckentsprechend zu construiren. Kein Mechaniker kann bis jetzt beispielsweise so feine Schneide- und Stechwerkzeuge erfinden, wie sie sich zn Tausenden dem Naturforscher bei seinen mannigfachen mikroskopischen Untersuchungen zeigen. Professor Graber hat sich nun mit dankenswerther Mühe und Sorgfalt der schwierigen Aufgabe unterzogen, das innere Getriebe, den bewegenden Mechanismus- der wichtigsten thierischen Werkzeuge, ihre Construction und Thätigkeit dem gebildeten Lesepublikum aufzuweisen. Seine Arbeit gliedert sich in zwei Haupttheile; in dem ersten werden die äußeren mechanischen Werkzeuge der Wirbelthiere, in dem zweiten die der Wirbellosen behandelt. So durchwandert der gelehrte Verfasser das ganze ungeheuere Gebiet der Zoologie; äußerst anschaulich schildert er, bei dem vorzüglich Markanten länger verweilend, die wunderbare Zweckmäßigkeit der einzelnen Theile. Ueberall begleiten instructive Abbildungen die betreffenden Auseinandersetzungen. Bei den Wirbel- thieren erfährt unter Anderem der Mechanismus der Kieferzange, ihre Ausrüstung, die Beschaffung der anderen Mund- und Kopf-Werkzeuge besondere Behandlung: ebenso wird die Bedeutung der paarigen Stammgliedmaßen in ihrer Eigenschaft als Greifwerkzeuge resp. Mittel der Ortsoeränderung genau nachgewiesen. Hochinteressant ist die zweite Abtheilung des Buches, die sich mit den Urthieren, Hohlthieren, Stachelhäutern, Würmern, Weichthieren und Gliederfüßlern beschäftigt. Ueberall zeigt sich ein umfassendes Wissen, ein liebevolles Eingehen auf den Gegenstand und eine wohl- thuende Wärme und Frische des Vortrages. Es steht zweifellos fest, daß diese musterhafte Leistung des Verfassers das sich mit Recht immer mehr steigernde Interesse an den Ergebnissen der so weit vorgeschritkenen modernen Naturforschung nachhaltig beschäftigen wird.
»Was sollen wir lesend — Diese Frage taucht bei den jetzt immer länger werdenden Winterabenden in Familienkreisen immer häufiger auf. Wahrlich, an Auswahl fehlt es auf dem Gebiete der Unterhaltungsliteratur nicht. Aber einmal hat Der auch die Qual, der die Wahl hat, und zweitens steht der Preis der allermeisten Unterhaltungsschriften mit den Mitteln des Lesebedürftigen oft nicht recht im Einklang. Diesem Verhältniß, oder vielmehr Mißverhältniß, sucht Nonnemann's „Was Ihr- wollt!" Rechnung zu tragen, ein Unternehmen, welches außerdem — und in unserer Aera der Schundliteratur möchten wir ganz besonders darauf Gewicht legen — von. den edelsten und sittlichsten Motiven beseelt und durchdrungen ist. „Was Ihr wollt!" erscheint für den Spottpreis von 1 JL vierteljährlich in vierzehntägigen Heften, welche- zwei Nummern, je einen Bogen stark, enthalten und bieten reichen Lesestoff aus allen Gebieten des Wissens und der Unterhaltung. Außerdem enthält jede Nummer „Sociale Plaudereien", welche die einschneidensten Lebensfragen in populärster Form behandeln, ohne darin natürlich das leidige Gebiet der Politik zu berühren. Schließlich bemerken wir, daß „Was Ihr wollt!" durch ein Preisausschreiben von 200 JL für die beste Novelle aus dem Arbeiter-, Handwerker- und „kleinen" Beamtenleben wohl deutlich kund giebt, daß es so recht ein Blatt für's Volk sein will, das sich uns hier bietcl. Wir laden daher recht warm zum fleißigen Abonnement auf diese gediegenste aller Wochenschriften ein."
Herzogi. Baugewerkschule Holzminden,
damit verbunden Maschinen-,Mühlenbau- u. MüllerSchule.
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