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Beilage ;u Ur. 104 desGießener Anzeiger".

Arbeitskalender

für den Gemüse-, Obst- und Blumengarten.

Mai.

So lange Eis und Schnee die Erde bedecken und kalte Winde heulen, sütd wir zufrieden mit getrockneten und eingemachten Gemüsen und Früchten, nach Kellerlust riechenden Kartoffeln u. s. w. Sobald aber die Erde dasFrühlingskleid" über ihren Körper zieht, so herrlich grünend, blühend rmd duftend, daß sie damit allen auf ihr lebenden Geschöpfen die Köpfe und Köpfchen verdreht, so erwachen im Herzen der Menschen auch unsagbare Gefühle nach frischem Gemüse, nach Spargel, Salat und dergleichen, und es wird daher jeder Gemüsegartenbesitzer wohl vorgesorgt haben, daß fein Garten im Wonnemonat vollständig ist und alle Beete besetzt sind.

Mit der warmen Witterung, nach anhaltendem Regen wird das Unkraut üppig emporschießen, es ist daher Sorge zu tragen, daß dasselbe sofort entfernt wird. Ge­müse muß behackt und bei großer Trockenheit begossen werden. Ein schwacher Jauche- grch bei trüben Tagen und nachheriger Guß mit reinem Wasser ist angezeigt. Wer Spargel hat, fängt an zu stechen. Bei jungen Anlagen lasse man den ersten Trieb stehen und steche die späteren; es ist überhaupt schädlich, vor drei bis vier Jahren nach der Anlage Spargel zu stechen. Ist im April der Winterkohl, Blätter- und Braun­kohl nach nicht bestellt, so wird er vor Mitte Mai gefäet, ebenso macht man nochmals, um während des Sommers frische junge Gemüse zu haben, Aussaaten von frühem Kohlrnbl, Salat, Carotten, Spinat, Erbsen u. s. w. Rach den gefürchteten drei Eis­männern fängt man mit der Bohnenaussaat an, die man nach 8 bis 14 Tagen noch­mals legt; sind die jungen Pflänzchen der Bohnen heraus und tritt starker Frost ein, so ist es besser, nochmals zu legen, da man von Saaten, die durch Frost gelitten, nichts erzielt. Auch Herbst- und Winterrettig sind zu säen. Ebenso wird zu wiederholtem- mal zu verschiedenen Zeiten auch Kopfsalat gefäet, um auch dieses Gemüse stets frisch zu haben. Alle früher gemachten Aussaaten müssen durchjätet und behackt werden. Da voraussichtlich in den kommenden beiden Monaten Beete frei werden, so ist Sorge zu tragen, daß diese Beete wieder bebaut werden können; man säe frühen Wirsing und Kohlrabi.

Gegen Ende Mai säe man Rapontica und Winter-Endivien, nicht zu viel, nur was man braucht, da beide Sorten leicht im Sommer schießen. Mitte und gegen Ende Mai siirbt das Kraut der Rübe ab, ein Zeichen, daß dieselben reif sind, weßhalb sie gezogen werden können, und verwende man die großen für die Küche, t)ie kleinen zum Wiederpflanzen. Alle höher ivachsenden Erbsensorten müssen Reifer erhalten. In Mistbeeten und Töpfen gezogene Gurken, Melonen, Zier- und Speisekürbisse werden in's Freie oder in leer gewordene Mistbeete gepflanzt. Da es in diesem Manat des Nachts immer noch frieren kann, so halte man zum Schutze dieser Culturen Töpfe in Bereitschaft; die Mühe wird reichlich gelohnt.

Ist der Mai trocken, so müssen alle Gemüse nachhaltig begossen werden. Bei Erbsen und Stangenbohnen breche man die obersten Spitzen der Pflanzen mit den erften Blüthen ab, man erzielt dadurch früheren und gleichmäßigeren Ertrag. Im Erd­beerguartier sind die ersten Ranken zu entfernen und die blühenden Pflanzen bei trockenem Wetter stark und durchdringend zu begießen.

Im Blumengarten werden die Saaten von Sommerblumen bereits so kräftig sein, daß sie in's freie Land geflanzt werden können, am besten bei trüben regnerischen Tagen. Drängt das Auspflanzen, so müssen die Beete vor dem Pflanzen tüchtig durch­gegossen werden. Bei recht warmer Witterung werden alle schnell keimenden Sommer­gewächse, wenn dies nicht schon früher geschehen ist, gefäet. Sind keine Nachtfröste mehr zu befürchten, so können die Zimmerpflanzen in's Freie kommen und die kalten Gewächshäuser von ihren Schätzen entleert werden; man achte stets darauf, daß alle diese Pflanzen, die zu Gruppen zusammengestellt werden, recht luftig stehen und senke oie Topfe bis etwas über die Hälfte in's Land ein. Georginen, Gladiolen und andere

Blumenzwrebelil sind, wenn dies nicht schon geschehen, zu legen. Topflilien sind gleich- bQnuVn * rcte £ < 511 Punzen. Decorationsgruppeu von Emmas, Riesenhanf und Mars werden angelegt Sämlinge von Topfnelken in Töpfe oder in's freie Land ge- pflanzt. Des Abends sind alle Pflanzen ;u begießen. Man jäte fleißig und luudc alles Rothwendlge und Hochwachsende an Stäben auf. Die Rasenplätze sind alle vier- zehn Tage zu mähen und nach dem Mähen zu walzen und zu begießen. Hat man Eoieu und Goldlack in Töpfen von der Juni-August-Aussaat, so werden diese letzt blühen, hat man abgeblühte Erocus- und Tulpenbeete, so sind dieselben umzu­graben, Die Zwiebeln sind herauszunehmen, zu trocknen und an einem trocknen Orte aufzubewahren. Dre Beete werden sofort mit Sommergewächsen, als Levkojen, Astern bepflanzt, um tm Sommer und Herbst blühende Gruppen zu haben.

, . Obstgarten Fortsetzung des Rindenpfropfens bei Kernobstwildlingen. Bei

dm rm Vorjahre veredelten Bäumchen sind, wenn die Edelreiser kräftig wachsen, die wilden ^.rrebe unter denselben wegzubrechen, bei schwachen Stämmen einige zur Ver­stärkung derselben zu schonen. Bei den veredelten Bäumen ist der Verband zu lüften und nach zu entfernen. Die Edeltriebe sind an dem beini Abschneiden des Wildlings verbliebenen Stumpfe anzuheften. Kümmerlich wachsende ältere Bäme sind mriverdünnter Zauche zu begießen, sonst ist aber von aller Baumdüngung abzusehen. Sind die Reben nicht schon angeheftet, so muß dies jetzt geschehen. Am Zapfen läßt man nur die stärksten Triebe als künftige Tragreben stehen und bindet sie in schräger Richtung auf. 0

Vermischte-.

,,e;r Offenbach, 2. Mai. [VHI. Verbandsschießen.) Gestern Abend 6 Uhr

hielt das Eentraleomit^ für das VIII. Verbandsschießen unter Vorsitz des Herrn Huppe m dem oberen Saale derBavaria" wiederum eine Sitzung ab, in welcher zunächst

von der,Baucommission aufgestellte Budget, zu welchem Herr Baurath Raupp die nothlgen Erläuterungen gab, geprüft und genehmigt wurde. Die von dem Baucomit6 ln Uebereinstimmung mit der Finanzcommission geforderte Summe für Festhalle ( - Meter groß), zwei Bierhallen, Gabentempcl, Decorationen rc. rc. beziffert sich aus 19,872 Mark. Besonders erwähnenswerth ist, daß die Festräume, sowie der ganze Festplatz, mit elektrischem Licht beleuchtet werden sollen, ivodurch der Platz, in den be- kaniitlich auch der naheliegende Weiher einbezogen ist, bei gutem Wetter einen geradezu feenhaften Anblick gewähren wird. Herr Elemens Knipp berichtete hierauf über die bisherige Thatigkeit des Wirthschaftscomitäs. Ein von ihm vorgelegter Vertrag mit dem Kapellmeister Herrn Kern in Mainz, der durch feine Concerte in der Schlosser- schen Liegenschaft noch in bestem Andenken steht, wurde einstimmig genehmigt. Die Kapelle ist 42 Mann stark. Außer der Mainzer Militärkapelle wird unsere Feuerwehr­kapelle und wahrscheinlich noch ein drittes Musikchor concertiren. 3ur Uebernahme der Festwirthschaft haben sich bis jetzt sechs Wirthe gemeldet; Abschluß ist noch nicht "'folgt. Die Platzcommission, über deren Thätigkeit Herr Weber Bericht erstattete, hat bereits 850 Mark an Platzmiethe von Schießbuden-, Carrousselbesitzern rc. vereinnahmt Die Eommisston rechnet auf eine Einnahme von mindestens 2600 Mark. Herr Seid wurde zum Ankauf von 60 Bechern, 30 für Stand- und 30 für Feldscheibe", wie sie das Schleßcomit^ ausgesucht und wie sie der Versammlung vorgezeigt wurden er- machtlgt. Die Becher sind sehr schön und repräsentiren einen ganz ansehnlichen Werth. Zrim Schluß wurde bestimmt, daß, sofern nicht häufigere Sitzungen nöthig werden Mn^O'restag, Abends halb 9 Uhr, eine Sitzung des Eentralconütäs stattfinden soll Mit lebhafter Freude wurde die Mittheilung begrüßt, daß die Stadtverordneten-Ver- sammlung am Donnerstag Abend einstimmig einen Preis im Werthe von 500 Mark für das Verbandsschießen bewilligt hat. Derselbe besteht in einem Tisch und sechs Suchten, dre ein Product heimischen Kunstfleißes sein und thatsächlich einen weit höheren Werth, als oben bezeichnet, haben werden. Herr Director Schurig wird seine Kunst, die Pyrographie, dabei wieder zu besonderer Ehre bringen.

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Allgemeiner Anzeiger.

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Wir machen aufmerksam auf § 49 des Krankenkassengesetzes, betr. An­meldepflicht der Arbeitgeber, und theilen gleichzeitig mit, daß unser Kassenbote non jetzt an bei den Beiträgeerhebungen stets Anmeldeformulare zum Aus- Wen bei sich führt, sowie daß solche auch bei Herrn Conrad Stein- häufer. Weidengaffe, unentgeltlich zu haben sind.

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