Truppenabtheilung eine Tagereise östlich von Chu vollständig. Details fehlen noch. Die Truppen-Transporlschiffe „Chandernagor" und „Cherilon" sind heute früh mit Truppen in Haiphong eingetroffen.
Belgrad, 4. Januar. Die Skupschtina ist zum 11. Januar einbe- rufen und gleichzeitig bis zum 27. Mai vertagt.
Ein Erinnerungsblstt
»um 100jährigen Geburtstage von Jacob Grimm
(4. Januar 1885.)
.Wenn der Leib in Staub zerfallen, Lebt der große Name noch"
In allen deutschen Gauen und noch wett über die Grenzen derselben hinaus, wo wahre Meuschenblldung und echte Menschenfreunde wohnen, rüstet man sich dermalen, um die erste SScular-Geburtstagsfeter eines großen und bedeutenden MavneS würdig zu begehen; eines solchen, der sich durch seine Wirksamkeit tm Leben ein Anrecht erworben hat, daß die Nachwelt seiner dankbar gedenke.
A rch diese Zeilen sollen an dem 100jährigenGrburtsfeste von Jacob Grimm, der vor allen Dingen dem deutschen Lehrerstande von Bedeutung war, einige lose Blätter zu einem nie verwelkenden Jmmortellenkcanze bilden.
Am 4. Januar 1885 sind eS 100 Jahre, daß Jacob Grimm in Hanau geboren wurde, während sein Bruder Wilhelm um 1 Jahr jünger ist Beide Brüder ver- brachren ihre Kindheit in Hanau und dem bei Hanau gelegenen Städtchen Steinau, bezogen 1798 das Lycrnm in Kasfl und blieben dort, mit Ausnahme der Marburger Studienjahre und eines wiederholten Aufenthaltes des Jacob Grimm in Parts, bis zum Jahre 1829, wo sie als Professoren und Bibliothekare nach Göttingen berufen wurden.
Als aber 1837 in Hannover Ernst August zur Regierung kam, daS Staats» grundges'tz von 1833 aufhov und von den Beamten den Huldigungseid auf Grund der ständischen Verfassung von 1819 verlangte, weigerten sich die Brüder Grimm mit fünf anderen Professoren (Dahlmann, Gerotnus, Ewald, Albrecht und Weber) mannhaft, denselben zu leisten. Sie wurden abgesetzt, Jacob Grimm sogar mit Dahlmann und Gervinns, wegen Veröffentlichung ihres Protestes, aus dem Lande verwiesen. Die Brüder kehrten nach Kasffl zurück, erhieltn aber 1840 einen ehrenvollen Ruf nach Berlin, wo sie Mitglieder der Akademie der Wissenschaften werden sollten. Sie folgten dem Rufe und blieben in der preußischen Hauptstadt bis zu ihrem 1859 (Wilhelm) und 1863 (Jacob) erfolgten Tode.
Ihre unermüdliche Tätigkeit erstreckte sich vor Allem auf die Erforschung der deutschen Lpracke. Epochemachend war bte von Jacob Grimm 1819 herausgegebene «Deutsche Grammatik". Durch dieses Werk wurde die deutsche Sprachlehre auf eine ganz neue Grundlage gestellt. Während AdAung, der vor Grimm daS höchste Ansehen als Sprachforscher hatte, nur bte Sprache als muftergilttg anerkannte, beren sich bte Schriftsteller zvischen 1740-1760 tm engen Anschluß an ben obersächsisch-metßntschen Dtalect bedient hatten, zeigte Jacob Grimm, wie die Sprache in der Vergangenheit in beständiger Entwicklung und Umgestaltung gewesen sei und wie man ihrer weiteren Ausbildung auch in dec Zukunft keinen Stillstand gebieten könne. Dadurch wurde er der Begründer der historischen Grammatik und der Schöpfer der deutschen Philologie. Welche Riesenarbeit gehörte dazu, bte neuhochdeutsche Sprache der Gegenwart als erster mit den noch fast unbekannten Sprachen des früheren und späteren Mittelalters (althochdeutsch und mittelhochdeutsch), mit den niederdeutschen, angelsächsischen, skandinavischen rc. Dialecten verschiedener Zeiten zu vergleichen und daraus die Gesetz; der Sprache abzuleiten! Aber Jacob Grtmm besaß alle Erfordernisse für eine solche Leistung: Die geistige Schmiegsamkeit, die feine Empfindung, den Scharfsinn und die Ausdauer des Forschers, der rastlos sein Ziel verfolgt.
Andere Werke ergänzten die Grammatik, namentlich Jacobs „Geschichte der deutschen Sprache" und daS von beiden Brüdern gemeinsam herausgegebene „Deutsche Wörterbuch", das sich zur Aufgabe stellt, für jedes deutsche Wort die Entwicklung von Form und Bedeutung nachzuwetsen, eine Aufgabe, die von den Gebrüdern Grimm bis zum Worte „Frucht" geführt, seit ihrem Tode von anderen Forschern fortgesetzt (Heyne, Hildebrand, Loxer rc.), aber noch lange nicht beendet ist. Die Riesenarbeit ist ftft bis zum N gediehen, G und M sind noch gar nicht vollständig. Es werden demnach noch viele Jahre hingehen, bis dieses großartige Werk deutscher Sprachforschung wird zu Ende geführt sein. Die drei ersten Bände erschienen noch zu Jacob GrimmS Lebzeiten. Daneben lieferte der letztgenannte die „Deutsche Mythologie", welche die religiösen Vorstellungen der alten Deutschen so gründlich nachweift, daß biS heute nichts von Belang hinzugekommen ist. Ferner die „Rcchtsalterthümer", welche die früheren Rechtsauschauungen des deutschen Volkes darlegen.
Wilhelm Grimm hingegen wendete sich besonders der Poesie des deutschen Mittelalters in zahlreichen Werken zu und lieferte in der Bearbeitung der deutschen Heldensagen ein ausgezeichnetes Buch.
Alle diese Werke sind hauptsächlich nur für Gelehrte und die Volksschule hat nur indirecten Nutzen von ihnen. Recht eigentlich aber für das Volk und besonders für bte Kinder sind bte allbekannten „Kinber- unb Hausmarchen" von Gebrüder Grimm. Aus der lebendigen Volksüberlieferung treu aufgefaßt und treu wiedergegeben, wissen sie den Volkston recht zu treffen, mit Naivetät und Anmuth zu erzählen, sinnigen Humor mit tiefem Gemüth zu verbinden. Ebenso werthvoll und reichhaltig tst die von denselben 1816 herausgegebene Sammlung deutscher Sagen.
Wer heute die Vorrede zum 1. Band des Wörterbuchs von Jakob Grimm am 2. März 1854 geschrieben, liest, wird sich lief ergriffen fühlen von der Vaterlandsliebe, bte thn in so hohem Grade beseelte: „Deutsche geliebte Landsleute, welches Reiches, welches Glaubens Ihr seid, tretet ein in die Euch allen aufgethave Halle Eurer angestammten uralten Sprache. Lernet und heiligt sie und haltet an ihr, Eure Lebenskraft und Dauer hängt in ihr. Noch reicht sie über den Rhein in daS Elsaß bis nach Lothrmgen, über die Eider tief in Schleswig-Holstein, am Ostseegestade hin nach Riga und Reval, jenseits der Karpathen bis nach dem Gebiete der Sachsen in Siebenbürgen. Auch zu Euch, Ihr ausgewanderten Deutschen, über daS salzige Meer wird gelangen dies Buch und Euch wehwüihige liebliche Gedanken an die Heimathsprache ergeben ober befestigen, mit der Ihr zugleich unsere und Eure Dichter hinüberzieht, wie die englischen und spanischen in Amerika fortleben."
Auch die Worte, welche Jacob Grimm 1846 auf der 1. Germanistenverfammlung zu Frankfurt a. M. sprach, woselbst er auf Vorschlag L. Uhlavd's zum Vorsitzenden erwählt wurde, über Vaterlandsliebe unb Duldsamkeit sollten jedem Deutschen hehr unb wichtig bleiben; sie lauten: „Fern von unserer Zusammenkunft sei jener Unterschieb zwischen Nord- unb Sübbeutschen, ben man einen thörichten, bte Gemüther verletzenben nennen barf. Kein solcher Unterschieb kann hier bei un§ auftauchen. Ebenso wenig darf hier in unserer Versammlung etwas einfliefeen von jenem unseligen Glaubenshader, der in unserer Zeit die Menschen verwirrt und von einander abwendet. Unsere Vorfahren sind Deutsche gewesen, ehe sie zum Christenthum bekehrt wurden; e8 ist ein älterer Zustand, von dem wir auSgehen müssen, der uns untereinander in ein Band vereint hat, daS durch die Scheidung der Katholiken und Protestanten nicht zerrissen werben barf. Gott läßt feine Sonne über alle Menschen leuchten, er will sie nicht einander gegenüberstellen, wie von denen zuweilen geschieht, die uns Gottes Wort verkünden. Kein Glaubensspalt darf ein großes Volk, das sich wieder eins fühlt unb aufrecht erhalten will, veruneinigen.
Unb als Jacob Grimm im Jahre 1847 auf ber 2. Germanistenversammlung zu Lübeck abermals das Präsidium führte, antwortete er auf einen auf ihn ausgebrachten Trinkspruck, tu der er als Herrscher in drei Reichen, dem des Rechts, der Sprache und der Geschichte gefeiert wurde, in tiefster Bewegung in folgenden Schlußworten: Ueber mich wird bald GraS wachsen. Wird bann meiner noch gedacht, so wünsche ich daß man von mir sage, waS ich selbst von mir sagen barf, daß ich niemals in meinem Leben etwas mehr geliebt habe als daS Vaterlanb."
Der 100jährige Geburtstag Friebrich Sckiller'S (1859) liefe Jacob Grimm in der Berliner Akabemie mit einer großartigen Rede zum Gedächtnife Schiller'S a«f< treten, worin er einen Vergleich zwischen Göthe unb Schiller anstellte. Angelanat bei dem Wunsche, bas Schillerfest möge auf Deutsche unb Ausländer den rechten Eindruck machen, rief er aus: „Glocken brechen ben Donner unb verscheuchen ba8 bange Unwetter. Ach, könnte auch an hehren Festen alles fortgelSutet werben, waS der Einheit unseres Volkes entgegenstemmt, deren eS bedarf und bte es so sehnlichst degehil!"
Am 16. Dkcember 1859 starb Wilhelm Grimm; Jacob Grimm ward durch dm Tod seines Bruders aufs Schm-rzlichft- berührt, dennoch ertrug er den harten Schlag mit der Ruhe etneS äßdtweifen. Seine Lieben schieden nach und nach aus diesem Leben, er fühlte sich vereinsamt. Ais ihm im Frühjahr 1863 die Nachricht von dem Tode seines BruderS Ludwig, der Maler unb P of ffor an der Akademie ju Kofiei war, zukam, sprach er wehmütig: »Nun bin ich nur noch ganz allein da. Im Herbste 1863 lähmte ein Schiagamall feine rechte Seite unb raubte ihm die Sprache, eS war am Abend dkS 20. September 1863, als er seine Augen für immer schloß.
Beide Brüder ruhen auf dem Maibäi-Kttchhof in Berlin nebeneinander.
So ist kein Zweifel, bafe die Gebrüder Gr>mm um die Erforschung der deutschen Sprache und daS Verständniß deutschen Geistes und deutscher Sinnesart sich die arofeten Verdienste erworben haben. Daher z ernt e8 sich wohl, daß da« deutsche Volk diesen Männern seine Dankbarkeit und Anerkennung beweise. Denn so lange Deutschland seine großen Männer nicht vergißt, so lange ist es um feinen Genius gut bestellt. Und im Vertrauen darauf hat man denn auch beschlossen, in Hanau, als dem Geburtsorte der Brüder, ein würdiges Denkmal zu errichten. Deshalb bleibe aber auch fein ge- bildeter Deutscher mit seiner Gabe zu demselben zurück. z(m
G., 3. Januar 1885. GAG. (M. Z.)
Vermischtes.
- (Geistesgegenwart j Im Jahre 1848 empfing Lamartine im Pariser Stadthause eine Deputation von, wie sie sich damals nannten, Vrsuoiennes, Weibern aus dem Volke, welche große Sehnlichkeit mit ben Tricoteusen ber großen Revolution und ein sehr gefährliches Aussehen hatten. Diese Banbe von Megären war in sein ArbeitS- zimmer gedrungen. Er trat ihnen entgegen unb fragte nach ihrem Begehr. „Bürger , sagte eine von ihnen, „der Club der VefuvicnneS hat beschlossen, eine Deputation an Dich zu senden, um Dir die volle Bewunderung auszusprechen, welche Du ihnen ein- flößest. Wir sind hier fünfzig an der Zahl und tm Namen ber Anderen haben wir ben Auftrag — D^ch zu küssen." — „Schön waren st- nicht," sagte Lamartine spater, wenn er auf diesen Vorfall kam, „es wäre schlimm gewesen, sich von ihn.en küssen zu lassen." Da hatte der Poet eine jener Inspirationen, wie sie nur ihm zu Theil wurden, er tritt ihnen näher und sagi: /-Bürgerinnen, ich danke Euch für die Gefühle, welche Ihr mir ausgedrückt habt, aber ich muß Euch sagen, Patrioten wie Ihr, sind keine Weiber mehr, bas sind Männer, Ehrenmänner. Unter Männern aber küßt man nicht, sondern man drückt sich die Hand " Unb auf diese Weise entging ber Präsident ber provisorischen Regierung 50 Umarmungen, bie seiner vornehmen unb delikaten Natur sehr widerwärtig gewesen sein würden.
— Wiener Blätter berichten: In der letzten MonatSoersamrnlung der Anthropologischen Gesellschaft hielt Professor Dr. Woldrich einen Vortrag über die letzten diluvialen Funde bet Prerau in Mähren, aus welchen sich bte Existenz ber vorsünd- sluthlichen Menschen in jenem Gebi-t mit unzweifelhafter Sicherheit ergibt. Bekanntlich kommen Funbe diluvialer Thierknochen, seitdem Graf Wurmbrandt tm Jahre 1873 den ersten derselben gemacht hatte, in den Kronländern Oesterreichs verhältnißmäßig oft vor, doch lenkte der bei Prerau gemachte schon in seinen ersten Anfängen vor drei Jahren die Aufmerksamkeit der Forscher tn hervorragendem Grade auf sich, nicht nur wegen der Reichhaltigkeit, sondern auch wegen der wtsienschaftlichen Bedeutung seiner Objecte. Bei Plamrung eines Obstgartens an einem Hügel stieß man in mäßiger Tiefe unter verschiedenartigen Erd- unb Sanbschichten auf eine Schicht dunkler Kulturerde, die, wie sich bald herauSstellte, ganze Lager von Knochenresten tn sich barg. Durch zeitige Dazwischenkunft intereffirter Personen, namentlich dcs Dr- Wampe!, wurden dann tn jüngster Zeit die Ausgrabungen systematisch betrieben unb ganze Wagenladungen der interessanten Fundstücke konnten so gesammelt und dem OlmÜtzer Museum überwiesen werben. Es siab vornehmlich Knochen- und Zahnthetle von Rhinoceroß und Mammuth, ferner von Höhlenbären, vom grmttmn Bären, von v-r- schredenen Fuchsarten, dem Hasen, aufeerbem vom Pferd unb Rrnb. Wichtiger aber alS all' bieS sind die Funde an Geräthen unb Waffen aus Feuerstein, die, tn Gemeinschaft mit ber Thatsache, bafe die Knochen getrennt lagern — an ber einen Stelle fand man beispielsweise nur Schädel, an der anbern nur Schenkelknochen, an der dritten nur Ripp n — unb bafe ein Thcrl dieser Knochen von Menschenhänden bearbeitet ist. ben vorsündfluihlichen Menschrn nachweisen. Zum Uebciflufe wird dieser Nachweis auch noch durch das Vorkommen von Holzkohlen in ber erwähnten Erbschichte unterstützt, so bafe ber Funb bei Prerau mit Recht als einer ber für bte Forschung wichtigsten ber neueren Zeit bezeichnet werben kann.
— („Olli, oui, oni.u) Ein Pariser Correspondent schreibt bet „N. Fr. Pr." „Das nachfolgende Geschichtchen, welches schon viele Lmte, am allermeisten aber den Uh b:r und Helden desselben, erlustigt bat, genützt den schStz«nswerth?n Vorzug, sich tn Wirkstchkiit zugetragen zu haben. Zeit: die Gegenwart; Ort der Handlung: daS „Grand Hotel". Ein Herr tritt tn das an di- Spielsäls grenzende Vestibüle und sieht sich befremdend um. Sofort eilt ein Kellner auf ihn zu und fragt ihn ehrerbietig, natürlich auf französisch: „Gehören Sie, mein Herr, vielleicht zur Gesellschaft?" „Oui, oui, oui!“ „Ah, sehr gut. Bitte, nur ben Rock abzulegen und mtr zu folgen." Der Frembe wirb tn einen Seitensaal geleitet, worin zahlreiche Tffchgenossen tm Begriff stehen, ein auserlesenes Dtner zu beenben unb in heiterster Stimmung zum Champagner überzugehen. — „Wünschen Sie, mein Herr," fragt ein großartiger Kellner, dessen Weste womöglich noch mehr ausgeschnitten ist. c!8 die seiner Collegen, „bafe Ihnen ba8 ganze Diner nachserist-t werde?" — „Oui, oui, oui? — „Sehr gut. Paul, Suppe!" Der Fremde läßt sich, bet Gott, N'.cht bitten. So einen Appetit hatte man schon lange nicht gesehen. Gericht auf Gericht findet bet ihm eine ebenso rapide al8 gründliche Werthschätzunu- So tücht g haut er ein, bafe er ben gelben Neid eines blassen Herrn erregt, dessen G-sicht in Folge eines ohnmächtigen Kampfes mit einem bösartigen Mageukatarrh eine wahre Duldermiene angenommen hat. „Kennen e>le", neigt der Verdauungs - Märtyrer sich zu feinem Nachbar, „den Herrn dort, der fo tapfer ißt?" — „Ich? Meiner Seel, nein; er sieht gar nicht wie ein Franzose aus." Der Unbekannte tntriguirt bald alle Tafelgenossen. Einer fragt den andern, alle sixiren ibn,; keiner aber weife etwas von tbm. DaS stört den Fremden gar nicht- Ohne sich umzusehen, arbeitet er unermüdlich auf die Speisen los. Der Präsident der Gesellschaft will endlich wissen, wer der geheimnißvolle Gast doch sei. „Fragen Sie", ersuchte er ben Maitre d’hötel, „freundlichst um den Namen jenes Herrn. — „Bitte um Entschuldigung," wendete sich der Maitre d’hötel an den Fremden, „hier herrscht doch kein Jrrthum; Sie gehören sicherlich zur Gesellschaft?" — „Oui, oui, oui!“ — „Wen darf ich also in's Buch einschreiben?" — „Oui, oui, oui!“ — „Bitte also?" — „Oui, oui, oui!“ — Pause. — Der Maitre d’hötel weife nicht mehr, wie er fragen soll. „Wen darf ich," wiederholte er, „eintragen? ... — (Im schönsten Wienerisch): „Sie entschuldigen'S, lieber Freund, aber ich versteh' kein Wort französisch!" — Glücklicherweise versteht der Maitre d’hötel Deutsch. „Ah so! Sie sind also gar nicht Mitglied ber Gesellschaft, bie hier alle Monate ihr wtimeS Diner ab- hält?“ — ^Jch? Keine Spur." — „Da durften Sie hier nicht eintreten." — -Ja, ich wollte auch blos an der Table d’höte speisen " — „Die ist aber nicht hier, sondern drüben im großen Saale. Da bitte ich, sich nur hinzubemühen und Ihr Billet zu losen. — „Ich danke, ich habe wirklich genug gegessen." — „So?" — -Ja-" — Nahm seinen Hut und ging wohlgemuth von bannen. Sage man noch, bafe man in Paris nicht billig leben und ohne Sprachkcnntnife nicht gut sott- kommen könne.
Theater.
sBenefiz.) Die morgige Vorstellung bringt uns^um Benes^"^Herren Halm und H en brich die Aufführung des ersten Theils der Tragödie Faust". Wie bereits erwähnt, erhält diese Vorstellung einen besonderen Reiz dadurch, bafe die von Linb- pratatoer jum Goethe scheu Faust componirte Musik (durch bedeutend verstärktes Orchester) gleichzeitig zur Aufführung kommt. Diese Musik besteht pro primo aus einer Ouver« ^r!s'Kleicken^M ““ prä(*tf0c Instrumentation und bedeuiungsvolle Charakteristik
Gleichen sucht, — pro seoundo aus mehreren Melodramen, die den Goetbe- schen Text gleichfalls in höchst charakteristischer Weise begleiten und pro tertio auS
Akten, die eine äußerst reizvolle, intereffante Verbindung zwischen ben einzelnen Akten, bezw. Bildern Herstellen und den Zuschauer in der gehobenen Stimmung, bie: bie erhabene ©4öofung unfereS Dichterfürsten erzeugt, erhalten. Traob Aeh/ b"nÄnben .« Wn!


