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Philippopel ab. Oesterreich, Deutschland und Rußland wiesen ihre Consuln in Philippopel an, den türkischen Delegirten zu unterstützen.

In der gestrigen Conferenzsitzung unterbreitete Said Pascha zur Unter­schrift den Botschaftern eine kurze Darlegung über die Verhandlungen der vorherge­gangenen Sitzungen, worin die Vertreter der Mächte das Recht der Türkei, Truppen nach Rumelien zu senden, anerkennen. White bemerkte, Niemand bestreite dieses Recht, es wäre jedoch besser gewesen, vor Entsendung eines türkischen Delegirten eine ge­mischte Untersuchungs-Commission nach Rumelien zu schicken. White erklärte, er sei außer Stande, diese Erklärung zu unterzeichnen. Die Pforte ist entschlossen, die Be­schlüsse der Conferenz zu Gunsten der Herstellung des Status quo auszuführen.

Pirol, 3. Decbr. Ein amtlicher bulgarischer Bericht über die Kämpfe bei Pirot am 26. und 27. November besagt: Die Bulgaren marschirten am 26. Novbr. von Zaribrod in drei Kolonnen ab, zwei über die Anhöhe und eine in der Ebene auf der Chaussee nach Nisch. Sie befanden sich fünf Kilometer von der Stadt Virot ent­fernt, als die Serben, welche auf den Anhöhen, sowohl links wie hinter uno vor der Stadt aufgestellt waren, das Feuer um 4 Uhr eröffneten. Gegen 6 Uhr Abends drangen einige Kompagnien des bulgarischen Centrums im Bajonettkampf in die Stadt, wurden aber bis zum Eingänge der Stadt wieder zurückgeworfen, wo sie ihre Stellungen behaupteten. Um Mitternacht griff eine Abtheilung des linken Flügels der Bulgaren die südlichen, von den Serben verlassenen Anhöhen an und um 1 Uhr Morgens be­setzte der rechte Flügel die nördlichen Anhöhen von Pirot, während das Centrum sich vor der Stadt entwickelte. Die linke Kolonne griff die Serben in dem Dorfe Barilchi- ftoctz welches auf einem Hügel liegt, an und es kam dort zu einem sehr blutigen Treffen. Im Laufe des Tages wurde der Hügel von den Bulgaren zweimal genommen und zweimal von den Serben wiedergewonnen. Endlich mit Einbruch der Nacht mn- ging der äußerste linke Flügel der Bulgaren den rechten serbischen Flügel, welcher auf der Chaussee nach Nisch zurückgewichen war und dabei von dem rechten bulgarischen Flügel, von der Flanke und vom Rücken aus beschossen wurde. Während dessen hatte das bulgarische Centrum Pirot mit dem Bajonett genommen und den Feind auf dem Wege nach Knjashevatz vor sich hergetrieben. Der Einbruch der Stacht gestattete die Verfolgung nicht, wie aber von der Kavallerie eingehende Rapporte melden, flohen die Serben gegen Ak Palanka und Knjashevatz. Der Bericht erwähnt dann der Ankunft des Grafen Khevenhueller und hält trotz der gegentheiligen Versicherungen der Serben die Behauptung aufrecht, daß diese Widdin nach der Einstellung der Feindseligkeiten angegriffen haben- Hierbei wird auf einen flagranten Widerspruch zwischen einer derartigen Behauptung und dem offiziellen Bericht des Generals Milovanovitch hinge­wiesen, welcher die Regierung^wegen des Angriffs der Serben auf Widdin entschuldigt und damit erklärt, daß die Serben die Nachricht von der Einstellung der Feindselig­keiten zu spät erfahren haben. Der Bericht sagt ferner, Khevenhueller habe versichert, daß seit seinem Eintreffen die Feindseligkeiten einzustellen befohlen sei. Der Bericht konstatirt schließlich die Thatsache, daß in den Kämpfen bei Pirot die Serben auf der ganzen Linie geschlagen und in eiliger Flucht auf Bela Palanka und Knjashevatz zurück­geworfen seien, wie sich dies auch aus dem serbischen Bericht ergebe. Der Beginn der Unterhandlungen sei auch nicht von einem bulgarischen Parlamentär ausgegangen, sondern der Vermittlung des Grafen Khevenhueller zu danken.

New-Nork, 3. Decbr. Eine Depesche aus Panama meldet, daß Nachrichten aus Lima zufolge, General Iglesias sich ergeben hat. General Eusebio Sanchez ist provisorisch zum Präsidenten ernannt. Eine weitere Depesche aus Lima von gestern Nachmittag 3 Uhr meldet, daß Alles geregelt und eine Kommission ernannt sei, welche den Oberbefehl über die Armee übernehmen und die Wahl-Kollegien zur Vornahme von Wahlen für einen neuen Kongreß einberufen soll. Es ist eine allgemeine Amnestie proklamirt worden.

Vermischtes.

][ Darmstadt, 3. December. Die bei dem hiesigen Comitö für die Ver­wundeten und Kranken der bulgarischen Armee eingegangenen Gaben an Geld repräsen- tiren bereits die stattliche Summe von 34,000 X. In gleich erfreulicher Weise schreiten die Sammlungen von Kleidungs- und Wäschestücken fort. Der zweite Transport soll Anfangs der nächsten Woche von hier nach Sofia abgehen. Ein Hauptmann der hiesigen Garnison mußte wegen Wahnsinn von der Führung der Compagnie susvendirt werden. Nachdem derselbe bereits früher einmal längere Zeit unter dem Bakstie des Verfolgungswahnes gestanden und anscheinend in der Landesanstalt Heppenheim Heilung von seinem Leiden gefunden hatte, ist nunmehr bei ihm der Größenwahn ausgebrochen. Das traurige Factum soll im ursächlichen Zusammenhang stehen mit einer kleinen Erbschaft, die dem Kranken zugefallen ist. Er ist abernmls in die An­stalt zu Heppenheiin verbracht worden. Unserer guten Gesellschaft ist seitens zweier Marsjünger ein Aergerniß gegeben worden. Dieselben sind nämlich beschuldigt, in einem der letzten Reunions, welche in derVereinigten Gesellschaft" abgehalten wveden, zwei auswärtigeDamen" eingeführt und in das Fremdenbuch als Gäste ein­getragen zu haben. Der Vorstand hat sich der Sache angenommen und bereits mehrere Sitzungen abgehalten, um den Sachverhalt klarzustellen.

Marburg, 1. December. Die hiesigen Bauhandwerker hielten kürzlich unter dem Vorsitz des Landes-Bauinspectors Herrn Brüning eine zahlreich besuchte Ver­sammlung, zu welcher auch die Herren Abgeordneten Schreiber und Dr. Grimm ein­geladen und erschienen waren. Gegenstand der Verhandlung war die neuerdings im Submissionswege geschehene Vergebung der Fundamentirungsarbeiten zum Neubau des Physiologischen Institutes seitens der Universitätsbehörde resp. des Cultusministeriums. Gin auswärtiger Unternehmer hat diese Arbeit erhalten, ebenso wie auch in: vergangenen Sommer die Weißbinderarbeit an der neuen Medicinischen Klinik an einen Auswärtigen vergeben wurde, während betreffende einheimische Handwerker trotz erheblichen Minder­gebotes übergangen sind. Was die maßgebende Stelle für Gründe bei ihrem Ver­fahren geleitet hat, ist zur Zeit nicht bekannt. Um s» bedauernswerther ist es daher, Haß man von gewisser Seite den Bauhandwerkei n einreden möchte, daß für die Uni­versitätsbehörde politische Parteirücksichten bei der Vergebung der Arbeiten die Haupt­sache gewesen sei. Herr Maurermeister W. Dunker, der bei den Fundamentirungs­arbeiten 3000 X weniger gefordert hatte, soll nun einfach deshalb nicht berücksichtigt lein, well er der conservativen Partei angefoört Die Versammlung beschloß eine Petition an das Staatsministerium, daß das Cnltusmüüsterium künftig auch der Submissionsordnung vom 17. Juli d. I. unterstellt werden möge. Schließlich empfahl der Abg. Dr. Grimm die Errichtung von Handwerkerinnungen, die allein im Stande seien, solchen Uebelstanden abznhelfen. Die offenkundige Thatsache jedoch, daß hierorts

liberale Handwerker bei conservativen Behörden nicht berücksichtigt zu werden pflegen, vergaß man leider zu erwähnen. (Fr. I.)

Tübingen, 30. Nov. Gestern Nachmittag wurde durch denStationscomman- danten ein angeblicher stud. phil. aus Bayern wegen mehrerer hier verübten Schwindeleien verhaftet. Derselbe fand sich vor etwa 3 Wochen hier ein, gab sich fälschlich für einen Pfarrerssohn und Corpsstudenten aus, logirte sich in einem der ersten Gasthöfe ein, lebte daselbst wie auch in anderen Wirtschaften flott, ohne etwas zu bezahlen, machte mehrere Darlehen und entnahm in einigen Geschäftshäusern Maaren ebenfalls auf Borg, immer aber mit der Vertröstung, daß er in nächster Zeit bedeutende Wechsel erwarte. Die Verhaftung erfolgte demSchw. Merk." zufolge auf eingetroffene Nach­richten hin, daß derselbe auch in anderen Universitätsstädten ähnliche Schwindeleien verübt hat.

Theater.

V Gießen, 4. December 1885.

Heute Abend wird Fräulein Magda Jrschick zum letzten Male auftreten und zwar als Margarethe in dem Lustspiel:Die Märchen der Königin von Navarra" von Scriba und Legouvö.

Wir machen um so mehr auf die Vorstellung aufmerksam, da sich wohl nicht sobald wieder die Gelegenheit bieten dürfte, eine Künstlerin von der Bedeutung einer Magda Jrschik hier zu sehen. Die Dame hat einen Gastspiel-Cyclus in Düsseldorf abgeschlossen, welcher bereits am Sonntag beginnt und ist es daher das unwiderruflich letzte Auftreten in Gießen, welches heute Abend stattfinden soll. a

Handel and Verkehr.

VI.

Gießen, 3. December. lieber die Errichtung einer Haltestelle zwischen den Stationen Gießen und Lang-Göns der Main-Weser-Bahn urtheilt der Jahresbericht, der hiesigen Handelskammer:

Die benachbarten Gemeinden Großen-Linden, Leihgestern, Hörnsheim und Hochelheim richteten an den Minister der öffentlichen Arbeiten in Berlin ein Gesuch um Errichtung einer Haltestelle der Main-Weser-Bahn zwischen den Stationen Gießen und Lang-Göns und unterbreiteten dasselbe der Kammer zur Unterstützung. Da eine Berücksichtigung des Gesuchs auch von Interesse für den Handelsstand der Stadt Gießen war, so befürwortete die Kammer in einer entsprechenden Eingabe an den Herrn Minister die Petition der Gemeinden. In den Gründen dieser Petition war der günstige Einfluß hervorgehoben worden, den die gewünschte Verkehrserleichterung auf die moralische und wirthschastliche Entwicklung der Gemeinden ausüben würde. Wir konnten diesen Gründen nur beistimmen. Die nach Hunderten zählenden Arbeiter aus fraglichen Orten, welche in hiesigen Fabriken lohnenden Verdienst finden, büßen durch die Anstrengungen des weiten Weges, den sie zu Fuß zurücklegen müssen, einen beträcht­lichen Theil ihrer Arbeitszeit und ihrer Arbeitskraft ein. Insbesondere geht ihnen Arbeitszeit verloren für ihre notwendigen häuslichen Beschäftigungen und landwirth- schaftlichen Nebengewerbe, und der verminderten Arbeitskraft entspricht eine geringere Leistungsfähigkeit, wodurch zugleich der Arbeitgeber benachtheiligt wird. Für uns ist eine Verbesserung der Lage der petitionirenden Orte nicht nur im Interesse der Arbeit­geber von Bedeutung, sondern auch deshalb, weil alle anderen wirtschaftlichen Be­ziehungen der Gemeinden nach Gießen Hinweisen. Durch die nachgesuchte Bahnver-. bindung würde dem Absatz der landwirtschaftlichen und industriellen Producte der Gemeinden es finden sich daselbst eine größere Anzahl Käsefabriken, Cigarren­fabriken. Essig- und Liqueurfabriken, Backstein- und Kalkbrennereien u. s. w. ein außerordentlich günstiger Vorschub geleistet werden und würde dies nicht allein für die Petenten, sondern auch für die Stadt Gießen selbst, insbesondere durch die Einwirkung auf die Concurrenz, von großer Bedeutung sein.

Dem Gesuche wurde jedoch an maßgebender Stelle keine Folge gegeben._______

Für Bulgarien gingen ferner bei uns ein: Whist-Club Gießen 3 X Gemeinde Bettenhausen 10 X Jnsgesammt 16 X

Weitere Gaben nimmt die Exped. d. Bl. gerne entgegen.

Kirchliche MMzeigen Der Stecht Gietzerz.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

2. Adventssonntag, 6. December- Vormittags 9^2 Uhr: Pfarrer Schlosser. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr: Pfarrer Schlosser-

Montag, den 7. December, Abends 8 Uhr, Bibel stunde in der Kleinkinder­schule, 1. Johannesbrief Kap- 2. Pfarrer Dr. Naumann.

Donnerstag, den 10. December, Abends 7*/2 Uhr, Erbauungsftunde in der Kirche: David Livingstone, der Bahnbrecher in Afrika- Pfarrer Schlosser.

Am Sonntag, den 13. December, findet Beichte und heiliges Abendmahl un Nachmittagsgottesdienst, statt.

Die am 1. Adventssonntag für die hiesige Kirchenkasse erhobene Kirchenkollekte betrug 15 X 3

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 6. bis 12- December besorgt Pfarrer Schlosser.

Katholisch! Gemeinde.

w 2. Sonntag des Advents.

. 7 Uhr an Beichte- Um 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Com-

munlon- Um V2IO Uhr: Hochamt und Predigt- Um 2 Uhr: Adventsandacht.

Nach dem Gottesdienst wird eine Kollekte für die Bescheerung der armen Kinder unserer Gemeinde gehalten-

Gottesdienst in der Synagoge.

~ Freitag Abend 3» Uhr, Samstag Morgen 8* Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, Samstag Abend 45° Uhr. '

Allgemeiner Anzeiger.

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