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— Der erste Staatsanwalt zu Ratibor erläßt eine amtliche Warnung an Gastwirthe und Schankwirthe, dem unmäßigen Schnapstrinken in ihren Lokalen m keiner Weise Vorschub zu leisten, da er in allen zu seiner Kenntniß gelangenden geeigneten Fällen die strafrechtliche Verfolgung eiiüeiten werde, Der erste Staats- anwalt nimmt dabei Bezug auf das Urtheil der ersten Strafkammer des Landgerichts zu Ratibor, wodurch ein Gastwirth wegen fahrlässiger Tödtung zu einer Gefangnrtz- strafe von drei Monaten verurtheilt worden, weil er in seinem Lokale innerhalb ganz kurzer Zeit eine so große Menge Schnaps einem Gaste verabfolgt hatte, daß der ^,od des Letzteren infolge der durch den unmäßigen ^chnapsgeiiuß herbelgefuhrten Ueder- füllung der Hirnblutgefäße nach wenigen Stunden eintrat. ^ta§ Reichsgericht Dieter Entscheidung beigetreten.
— [lieber das Baden.) Das kalte Baden ist für diese Jahreszeit dringend zu empfehlen. Dasselbe kann einem gesunden Menschen nie von Nachtheil sein, wenn es in der allein richtigen Weise benützt wird. Einer der hauptsächlichsten Verstoße beruht aber darauf, daß man fast allgemein noch von dem Wahne belangen i|t, man müsse sich, bevor man ins Wasser geht, erst an der Luft abniblen. Daß diese vermeintliche Baderegel so fest sitzt und so schwer auszurotten ist, darf nicht Wunder nehmen; sie ist zu sehr in Fleisch und Blut übergegangen, als daß man an ihrer Richtigkeit zu zweifeln wagte. Da sieht man beim die Badenden, nach dem sie sich völlig entkleidet, ohne Rücksicht auf den vorhandenen Luftzug auf dem Perron der Badeanstalt, welcher meist auch noch naß ist, herumtreten, bis sie anfangen zu frösteln und die Gänsehaut sie überläuft, und ipenn man fragt, warum sie nicht ins Wasser gehen, so antworten sie, sie müßten sich doch erst abkühlen. Es war eine der werthvollsten Errungenschaften der Kaltwasserkur, daß sie das alte Vorurtheu, alv müsse die Haut kalt sein, damit man ohne Schaden ein kaltes Bad nehmen könne, über den Hausen warf und zeigte, daß es gerade für schwache Staturen besser sei, wenn die Haut vorher noch warm ist. Dian sorge dafür, daß Lunge und Herz nicht diirch schnelles Laufen erregt sind und gehe, wenn mau sich darüber vergewissert, schnell ms Wasser und tauche sogleich unter. Zuvor erst die Füße naß zu «lachen, wie man vielfach sieht, ist ganz verkehrt. Was die Dauer des Aufenthaltes im Wasser betrifft, so hängt allerdings wesentlich davon der Nutzen ab, den das Bad für bie Gesundheit des Betreffenden haben kann und soll. Im Allgemeinen muß man sagen, daß schwächliche Individuen jedenfalls gut thun, wenn sie nur ganz kurze Zeit, vis 5, höchstens 10 Minuten im Wasser bleiben, weil sie sich sonst mehr schaden als nutzen, ^atz man bei wärmerer Temperatur des Wassers unbeschadet länger im Bade verweilen kann, als wenn es kälter ist, versteht sich von selbst. Nie sollte man aber so lange im Gaffer bieiben, bis man anfängt zu frösteln. Unbestritten ist, daß, je kürzere Zelt man im Wasser bleibt, es um so besser bekommt. Die Gewohnheit namentlich jüngerer Leute, wie Schüler re., ganze Nachmittage sich in der Badeanstalt herumzutreiben, bald ins Wasser und bald wieder herauszugehen, ist, wie Jedem einleuchten muß, ganz zweckwidrig und in gesundheitlicher Beziehung höchst nachtheilig. Gewissenhafte Eltern sollten daher streng darüber wachen, daß ihre jungen Söhne dies nicht thun.
— sAilf dem Scheibenstand.) Ein netter Schütze. Das „Schwiebuser Jntbl." erzählt eine ergötzliche Episode vom letzten Pfingstfeste in Schwiebus, mcldx geeignet ist, auf die Kraft der während der Festtage verabreichten Getränke, bezw. die Strapazen, die solch ein Fest im Gefolge hat, einen Schluß ziehen zu lassen. Es soll nämlich vor- gekommeu sein, daß am 2. Schießtage einer der Herren Schützen mit aufgelegter Buchse nm Schießpfahl eingeschlummert ist.
— Eine jener schwindelhaften Annoncen, welche „lohnenden Nebenverdienst" gegen Einsendung einiger Postmarken verheißen, wurde dieser Tage der Köder für einen Frankfurter Neugierigen. Er sandte das Gewünschte ein und erhielt als Antwort den Rath- 1. mit flüssigem Leim hansiren zu gehen, 2. Regenwürmer auszugraben und an Fischangler zu verkaufen und 3. — es ebenso zu machen, rote der Inserent, das heißt, die Leute auf gleiche Weise anzuleimen'. „Die Welt will betrogen sein."
lienische Depulirtenkammer auf unbestimmte Zeit vertagt hat, konnte Herr De- pretiS derselben noch keine bestimmte Mitlheilungen über die Losung der Eabinetskrisis machen. Er erklärte aber, daß auch die neuen Minister den liberalen Principien huldigen würden und meinte, die Politik Mancini'r verthei- diqeud daß er in Zukunst nach Umftänben mit äußerster Vorsicht rorgehen werde; sein Alter bürge dasür, daß er sich nicht in gewagte Unternehmungen einlaffen werde, wenn man gegen ihn stimme, würde er wissen, war er zu thun habe.
Die clericale Welt ist durch die von Paris ausgegangene Nachricht der Papst beabsichtige, sich mit Italien auszusöhnen, in nidjt geringe Spannung versetzt worden. Diese Nachricht hat scheinbar durch den Rücktritt der gesummten Redaction des päpstlichen „Journal de Rome", welcher durch den Wunsch des Papstes nach einer gemäßigteren Leitung des Blattes veranlaßt worden sein soll, eine Verstärkung erfahren, aber die Ansprache, welche Leo XIII. am Dienstag beim Empfang des Comite's für die Centenntalfeter Gregor'S VII. gehalten hat, kann nicht als ein Symptom der ihm zugeschriebenen versöhnlichen Gesinnungen betrachtet werden. Leo XIII. hält in dieser Rede die Fiction von der Gefangenschaft des Papstes aufrecht und hob hervor, daß eine Gefangenschaft des Papstes stets gefährlich für die Freiheit der Völker gewesen fei und daß in den meisten Fällen die Päpste trmmphirt hätten. Diese Aeußerung läßt also schwerlich aus eine versöhnliche Wendung in der päpstlichen Politik Italien gegenüber schließen. c
In England haben in dieser Woche zwei Wahlen stattgefunden, deren Ausgang fast vermuthen läßt, daß sich das neue Torycabinet in der öffentlichen Meinung bereits zu befestigen anfängt. Bei der Ersatzwahl in Launceston ist der neue Generalprocurator Welster mit 417 Stimmen in's Unterhaus gewählt worden, während sein liberaler Gegencandidat Pethik nur 374 Stimmen erhielt. Ebenso wurde in der Grafschaft Ege der conservative Candidat mit 473 Stimmen in's Unterhaus gewählt, sein liberaler Gegner brachte es nur auf 336 Stimmen. Beide Wahlkreise waren bis jetzt liberal vertreten und ihre Eroberung durch die Conservativen darf daher das Cabinet Salisbury als ein beachtenswerthes Symptom dasür betrachten, daß es in der Wählerschaft allmählich Boden unter die Füße bekommt.
Lord Salisbury hatte am Mittwoch Nachmittag eine Unterredung mit Baron Staal, dem russischen Botschafter in London, in der es sich dein Vernehmen nach um die Fortsetzung der Verhandlungen über die afghanische Grenzfrage gehandelt hat. z
Von der Pyrenäen-Halbinsel fehlen seit ewigen Tagen sowohl alle politischen Nachrichten als auch die osstciellen Cholerabulletins. Namentlich ist das Ausbleiben der Mittheilungen über die Choleraepidemie im süd- lichen Spanien nicht geeignet, die Besorgnisse, welche man im übrigen Europa wegen des Fortschreitens der Epidemie hegt, zu zerstreuen, im Gegenthell, man muß befürchten, daß es sich hier um ein Vertuschungssystem handelt, welches entschieden verdammt zu werden verdient. Hoffentlich wird sich das Cabinet Canovas del Castillo endlich entschließen, dem übrigen Europa Aufklärungen über den Stand der Cholera - Epidemie in Valencia, Murcia u. s. w. zu geben. __ __
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