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Nr. 1S2. Sanlstag den 4. Juli 186»
Weßmer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. , .. _ . . . __ , Q Breil vrerteljübrlich 2 Mark 20 Pf. mit ©ringerit^
V«re»v r Schulstraß- 7. Erschemt tlgttS, mrt «Mnahme des MsntagS. Durch die'Post bezogen vierteljährlich 2 Mürk 56 Pf.
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Amtlicher Ih eil.
Betreffend: Die Benutzung der Hunde als Zugthiere.
Polizei-Verordnung für den Kreis Gießen.
Mit Genehmigung Grobherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 27. Mai 1885 und unter Zustimmung des Kreisausschuffes wird hierdurch der § 5, Absatz 4, Satz 1 der Polizeiverordnung für den Kreis Gießen vom 19. December 1883 dahm abgeänbert, daß em Hundefuhrwerk nebst Ladung höchstens 100 Kilo und wenn es mit mehr als einem Hunde bespannt ist, höchstens 150 Kilo wiegen darf.
Gießen, den 30. Mai 1885. Großherzogliches Kreisamt Gießen,
vr. B o e k m a n n. ____________________________________
Politische Ueberficht.
Gießen, 3. Juli.
Die über das Befinden des Kaisers aus Ems eingehenden Nachrichten lauten nach wie vor befriedigend und ist demnach die erfreuliche Aussicht vorhanden, daß dem greisen Monarchen auch der diesjährige Aufenthalt in Ems vortrefflich bekommen wird, lieber die Dauer dieses Aufenthaltes sind noch keine endgültigen Bestimmungen getroffen worden und können demnach die Mittheilungen einiger Blätter, denen zufolge Se. Majestät bereits in nächster Zeit Ems verlaffen und nach Gastein weiterreisen würde, jedenfalls als verfrüht bezeichnet werden. — Die strenge Befolgung der Kurvorschriften hindert den Kaiser nicht, sich mit ungeschwächtem Eifer der Erledigung der laufenden Regierungsgeschäste zu widmen und es vergeht kein Tag, an welchem er nicht mehrere Vorträge entgegennimmt.
Der Reichskanzler wird dieser Tage zu einem kurzen Aufenthalte in Berlin eintreffen, um verschiedene schwebende Angelegenheiten zu erledigen. Ob er noch rechtzeitig in der Reichshauptstadt anlangt, um der Bundesraths-Sitzung präsidiren zu können, in welcher die. entscheidende Abstimmung über den braunschweigischen Fall stattfindet, ist zweifelhaft. Sicher wird man aber während der Anwesenheit des Reichskanzlers in Berlin die Entscheidung über andere wichtige Fragen, so über den Zeitpunkt für die preußischen Landtagswahlen, erwarten können. Rach Kissingen kehrt Fürst Bismarck schwerlich zurück, viel- mehr gedenkt er sich für den Rest des Sommers in die ländliche Einsamkeit von Varzin oder Friedrichsruhe zurückzuziehen.
Der in Dresden Jahre hindurch bestandene „Czesky-Club , dem zahlreiche Gewerbs-Gehülfen czechischer Nationalität angehörten, ist wegen der von ihm eifrigst betriebenen socialistischen Agitation von der Polizei ausgelöst und sind die am meisten compromittirten Mitglieder des „Czesky-Club" aus Dresden ausgewiesen worden.
Die Neuorganisation der Vereinigten Linken in Oesterreich hat in der jüngst zu Wien abgehaltenen deutsch-liberalen Partei-Conserenz zwar noch keine bestimmten Formen angenommen, aber man kann die Zweitheilung der Vereinigten Linken schon im Voraus als eine feststehende Thatsache betrachten. Neben einem größeren „Deutschen Club" wird sich eine kleinere deutsch-österreichische „Staatspartei" bilden, die aber keineswegs unbedingt im Fahrwasser der Taaffe'schen Politik steuern, sondern vielmehr in allen princi- piellen Fragen mit dem „Deutschen Club" zusammengehen wird. Man darf mit größter Wahrscheinlichkeit annehmen, daß der „Deutsche Club" der umfassendere sein wird, daß von ihm alle Jnitiativ-Anträge ausgehen werden, da ihm über 80 Mitglieder der ehemaligen Vereinigten Linken, darunter 40 Vertreter der „schärferen Tonart" angehören werden, während die deutsch-österreichische StaatSpartei nur aus etwa 50 Mitglieder zählen kann. Auf Seiten der Rechten ist die Zerfahrenheit indeffen fast noch größer als unter der Linken; die verschiedenen Fraktionen der Rechten, der czechische Club, der Hohenthal-Club, der Liechtenstein-Club (die deutschen Ultramontanen), der Polen-Club und die italienische Gruppe wollen sich diesmal gar nicht unter einen Hut bringen lassen und Gras Taaffe wird seine liebe Roth haben, die so verschiedenartigen Elemente der Rechten wieder zu einer Majorität zusammenzuschweißen, wie er sie unbedingt braucht.
Die französische Deputirtenkammer erledigt in beschleunigterem Tempo die noch vorliegenden Arbeiten. Die Ausgaben-Budgets verschiedener Ministerien, darunter auch dasjenige des Kriegsministeriums, sind fast debattelos erledigt worden, so daß man für diesen Samstag die Beendigung der Budgetberathung erwartet. Was der Kammer dann noch zu berathen übrig bleibt, ist so unerheblicher Natur, daß man dem Schlüsse der Session, der letzten in der gegenwärtigen Legislaturperiode, baldigst entgegensetzen kann.
Eine außerordentliche marokkanische Gesandtschaft ist am Dienstag in Paris eingetroffen und am Mittwoch von Herrn de Freycinet, dem Minister des Auswärtigen, empfangen worden. Der Besuch der Marokkaner in der französischen Hauptstadt läßt auf die Vortresflichkeit der gegenwärtig zwischen Frankreich und Marokko bestehenden Beziehungen schließen, nachdem dieselben durch die kaum verhüllten Sympathieen, welche man in Marokko Bu- Amena, dem Führer der aufständischen Beduinen im südwestlichen Algerien, entgegenbrachte, seiner Zeit eine bedenkliche Trübung erfahren hatten.
Das neue englische Cabinet scheint seine Absicht, den Hebel seiner Action in der egyptischen Frage anzusetzen, wieder fallen lassen zu wollen. Wenigstens glaubt die conservative „Saint James Gazette", daß die Nachricht, die britische Regierung würde beschließen, Dongola neuerdings zu besetzen, unbe
gründet sei. Die Anhänger des Mahdi schienen sich in der Provinz festgesetzt zu haben, und die gegenwärtige Jahreszeit sei für eine Entsendung britischer Truppen in diese Gegend nicht geeignet. Letzterer Grund würde es allerdings einigermaßen plausibel machen, wenn die Regierung Salisbury's aus die Ausführung ihres angeblichen Planes, Dongola durch englische Truppen wieder zu besetzen, vorläufig verzichtete. Früher oder später wird sich aber das conservative Ministerium zu dieser Maßregel entschließen müssen, denn von Dongola aus können die Sudan-Rebellen Ober-Egypten beständig bedrohen und wenn sich die Schaaren des Mahdi einmal erst in Ober-Egypten zeigen, bann wäre auch die militärische Stellung Englands im eigentlichen Egypten in bedenklichster Weise bedroht und wenn es das Cabinet Salisbury bis dahin kommen ließe, beginge es einfach einen Selbstmord. — Die Nachrichten über einen angeblich in Afghanistan ausgebrochenen Aufstand gegen den Emir Abdurrhaman werden von dem anglo-indischen Telegraphen in entschiedenster Weise bementirt, mit dem Hinzu- fügen, daß der indischen Regierung von einer derartigen Bewegung nicht das Geringste bekannt sei. — Manners, der General-Postmeister, hielt am Dienstag zu Meltonmavbray eine Rede, in welcher er-sagte, die Aufgabe der Regierung sei, Ordnung in das Chaos in Egypten zu bringen und der gespannten Lage tn der afghanischen Grenze ein Ende zu setzen, welche so verhängnißvoll für die besten Interessen Indiens sei. — Am Mittwoch sand in London ein Cabinets- rath statt, nad) welchem sich Salisbury zur Königin begab.
Während sich Herr Depretis noch immer ohne ein bemerkens- werthes Resultat abmüht, ein neues italienisches Cabinet zusammenzubringen, dringt ein sensationelles Gerücht über die Alpen: Der Papst soll einen förmlichen Staatsstreich beabsichtigen, indem er mit der traditionellen Politik des Vatikans brechen und sich der italienischen Regierung nähern will, und zwar soll er geneigt sein, den ihm von der italienischen Regierung gewährleisteten Fonds in Anspruch zu nehmen. Die Bestätigung dieser Nachricht, welche darauf schließen ließe, daß Leo XIII. ganz neue Wege in feiner Politik einzuschlagen gedenkt, bleibt allerdings noch abzuwarten.
Aus Kronstadt, dem großen russischen Kriegshafen an der Ostsee, wird gemeldet, oaß die Dacht „Zarewna" mit der Kaiserin an Bord, am Dienstag Nachmittag, geleitet von den Dachten „Slavianska" und „Marevo", in See gegangen ist. Das Ziel der russischen Kaiserin ist noch unbekannt, wenn man sich aber erinnert, daß schon öfters von einem abermaligen Besuche der russischen Kaiserfamilie in Kopenhagen die Rede gewesen ist, so wird man vielleicht nicht irren, wenn man Kopenhagen als das Ziel der „Zarewna" betrachtet.
§eutfchland.
Darmstadt, 1. Juli. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 13 enthält:
1. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That.
2. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, den Ausschlag der zur Bestreitung der allgemeinen Bedürfnisse der eoang. Kirche des Großherzogthums im Etatsjahr 1885/86 erforderlichen Steuern betreffend.
In Ausführung eines zu dem Voranschlag über Einnahme und Ausgabe des eoang. Centralkirchen-FondS für die Periode vom 1. April 1885 bis zum 1. April"1890 von dem eoang. Kirchenregiment mit Zustimmung der Landes- fynode gefaßten und von dem unterzeichneten Ministerium genehmigten Beschlusses soll zur Bestreitung des Bedürfnisses der Gesammtheit der eoang. Kirche des Großherzogthums im Etatsjahre 1885/86 nach den Bestimmungen des Art. 5 des Gesetzes vom 23. April 1875, das Besteuerungsrecht der Kirchen- und Religions-Gemeinschaften betreffend, auf das Communalsteuer-Kapital der Angehörigen der eoang. Kirche ein Beitrag von Einem und sechs Zehntel Pfennig aus die Mark Steuerkapital ausgeschlagen und mit den Communalsteuern der politischen Gemeinden erhoben werden.
Es wird dies hiermit zur Kenntniß der Betheiligten gebracht. Darmstadt, am 23. Juni 1885.
3. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Offenbach, die für das Jahr 1885/86 zur Bestreitung der Communal - Bedürfnisse der Stadt Offenbach zu erhebenden Umlagen betreffend. t
4. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Alzey, bte für das Etatjahr vom 1. April 1885 bis Ende März 1886 zur Bestreitung der Communal-Bedürf- niffe der Stadt Alzey zu erhebenden Umlagen betreffend.
5. Ueberficht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz


