15 Vereinen und 950 Turnern; 12. Gau „Lahn-Dill" mit 12 Vereinen und 842 Turnern. Demnach beträgt die Zahl der einem Gau und dem Kreis angehörenden Vereine 275, die Zahl der Mitglieder ca. 22,000. Rechnet man die sogen, isolirten Vereine, welche keinem Verband angehören, hinzu, so erhalten wir im Mittelrheinkreis weit über 300 Turnvereine mit etwa 23,000 Turnern. Die Zahl der practischen Turner beträgt ca. 11,000, die Zahl der Zöglinge 2820, die Zahl der Vorturner 1215. Eigene Turnplätze haben 56 Vereine, eigene Turnhallen 27 Vereine. Winterturnen haben 204 Vereine, die übrigen turnen nur so lange, als es die Witterung im Freien gestattet. Wenn man Alles zusammenrechnet, turnten im vergangenen Jahre in runder Summe 600,000 Turner an 25,000 Abenden, ein deutlicher Beweis, welchen Einfluß das Turnen aus das Leben unseres Volkes hat. 200 Mitglieder und darüber haben folgende Vereine: Turnverein Frankfurt 550 Mitglieder, Turnverein Offenbach 500 Mitglieder, Turngemeinde Darmstadt 500 Mitglieder, Turnverein Gießen 418 Mitglieder, Turnverein Butzbbach 209 Mitglieder, Turngemeinde Bessungen 230 Mitglieder, Turnverein Castel 300 Mitglieder, Turnverein Mainz 275 Mitglieder, Turngemeinde Rieder- Ingelheim 203 Mitglieder, Turngemeinde Ober-Ingelheim 200 Mitglieder, Turngemeinde Worms 207 Mitglieder, Turnverein Wiesbaden 350 Mitglieder, Männer-Turnverein Wiesbaden 280 Mitglieder, Turngesellschaft Wiesbaden 200 Mitglieder, Turnverein Oberstein 300 Mitglieder, Turnverein Idar 244 Mitglieder, Turn- und Fechtclub Frankfurt 321 Mitglieder, Turngemeinde Hanau 300 Mitglieder, Turngemeinde Frankfurt 270 Mitglieder und Turnverein Sachsenhausen mit 200 Mitgliedern. Den weitaus größten Theil des Mittelrheinkreises stellt Hessen mit seinen drei Provinzen, auch hat es die beiden größten Gaue und nach dem Frankfurter Turnverein die größten Vereine. Möge der blühende Mittelrheinkreis auch fernerhin blühen, wachsen und gedeihen und noch immer mehr Segen verbreiten!
Mainz, 31. Mai. An die Feier der Eröffnung der „Neuen Brücke" reihten sich am Abend die von Seiten der Stadt Mainz veranstalteten Festlichkeiten in der Stadthalle an. Wenn auch der mittlerweile eingetretene Regen, der glücklicher Weise nicht lange anhielt, die Festesfreude etwas herabdrückte, so bot doch die Stadthalle, die Umgegend derselben und besonders die „Neue Brücke" ein so lebhaftes Bild, wie es nur durch ein so bedeutungsvolles Ereigniß veranlaßt werden konnte, tausende und abermals tausende von Menschen wogten in einer unabsehbaren Menge über die Brücke nach Kastel, welches ebenfalls, dem Ereignisse würdig, im schönen Festschmuck erschienen war. Das Nachmittags um 5 Uhr in dem Garten der Halle abgehaltene Festconcert war sehr gut besucht, aber nicht im Vergleich zu den Eoncerten, welche am Abend in dem Saale der Stadthalle durch die städtische Kapelle und in dem Garten veranstaltet worden waren. Die Räume, zu welchen Jedermann freien Zutritt hatte, waren geradezu überfüllt und alle Stände und Berufsklassen vertreten. Gegen 9 Uhr fand von der Mainspitze aus die electrische Beleuchtung der neuen Brücke und der Stadthalle, ebenso* des ganzen ausgedehnten Rheinufers statt, wodurch, durch die Wiederspiegelung in den Fluthen des Rheines, prachtvolle Effecte erzielt wurden; nach 9 Uhr begann das Feuerwerk auf einem kleinen Rheindampfer, welches, wenn auch bescheiden, doch einen sehr guten Verlauf nahm und eine beifällige Aufnahme fand, besonders wirkungsvoll war die bengalische Beleuchtung der Stadthalle von der Straßenbrücke aus gesehen; wie ein Feenpalast aus Tausend und einer Nacht hob sich der imposante Bau, in zartes Roth, Blau oder Grün gehüllt, aus dem dunklen Häusermeer empor. Erst um Mitternacht kam die Festlichkeit in der Halle zum Abschluß.
Marburg, 30. Mai. Sicherem Vernehmen nach sollen die Vorarbeiten zu dem Neubau der Aula (östlicher Flügel des Universitäts-Gebäudes) nach dem von Professor Schäfer in Berlin ausgearbeiteten Project jetzt hier so gefördert werden, daß die Einstellung der Bausumme in den nächstjährigen Etat ermöglicht wird. Durch die Vollendung dieses Baues wird unser Universitätsgebäude zu den hervorragendsten Bauwerken der Gegenwart gehören und als stilvoller Kunstbau eine Bedeutung ersten Ranges erhalten.
Berlin, 27. Mai. (Mysteriöser Tod.j Der langjährige Mitarbeiter der ^berliner Gerichtszeitung", Richard Jüterbock, ist in der Nacht vom Montag zum Dienstag unter geheimnißvollen Umständen plötzlich verstorben. I. wurde Morgens 3 Uhr mittelst Droschke nach dem Hause Waldstraße 23 gebracht und von einigen Herren, welche sich mit ihm in der Droschke befanden, vor genanntem Hause in besinnungslosem Zustande niedergelegt. Andere Passanten wurden auf die davonfahrende Droschke aufmerksam, gewahrten den in bewußtlosem Zustande vor dem Hause liegenden I. und brachten denselben nach seiner Wohnung. Nach Verlauf von einer Stunde war I. eine Leiche; die goldene Uhr fehlte, das Portemonnaie des I. war leer. Die Criminalpolizei recherchirt eifrig nach dem Führer der betr. Droschke, sowie nach den Insassen derselben. Die Beerdigung des I. ist vorläufig auf Samstag Nachmittag festgesetzt, nachdem es keineswegs ausgeschlossen ist, daß auf Requisition der Staatsanwaltschaft eine gerichtliche Obduction der Leiche erfolgen wird. Nach Aussage des sofort herbeigerufenen Arztes ist die Annahme, daß I. vor seinem Tode in heftigster Weise narkotisirt wurde, gleichfalls nicht ausgeschlossen.
— Bei Beginn der Badesaison dürften einige Winke für Badende, die von einem erfahrenen Praktiker herrühren, allgemeine Beachtung verdienen. Im Hamburger Verein für öffentliche Gesundheitspflege stellte nämlich gelegentlich eines Vortrages Badeaufseher Krüger in Steinwärder folgende Regeln für Schwimmer und Badende auf: 1) Den Weg zur Badeanstalt lege in mäßigem Tempo zurück. 2) Bei der Ankunft erkundige Dich zunächst nach der Strömung und den Terramverhältnissen. 3) Entkleide Dich langsam, geh' dann aber sofort ins Wasser. 4) Springe mit dem Kopf voran ins Wasser, oder tauche wenigstens schnell ganz unter, wenn Du das erste nicht kannst oder magst. 5) Bleibe nicht zu lange im Wasser, zumal wenn Du nicht sehr kräftig bist. 6) Kleide Dich nach dem Baden schnell wieder an. Vor dem Baden warnte Redner in folgenden Fällen: 1) Bei heftigen Gemüthserregungen; 2) nach durchwachten Nächten; 3) bei Unwohlsein; 4) nach Mahlzeiten und besonders 5) nach Genuß geistiger Getränke.
Echternach, 28. Mai. Vorgestern fand hier die weltbekannte Springprocession in althergebrachter Weise statt. Dem „Schw. Merk." wird über dieselbe Folgendes geschrieben: Gegen 8 Uhr Morgens sammelte sich die aus allen Richtungen der Windrose herbeigekommenc Menschenmenge in der Nähe der Sauerbrücke, um die im Freien in deutscher Sprache gehaltene Predigt anzuhörcn. Unmittelbar nach Beendigung
derselben intonirten die zahlreichen in der Menge vertheilten Musikcorps die bekannte Melodie: „Adam hatte 7 Söhne", worauf sich sodann die Procession in Bewegung setzte; voran eine Anzahl von Fahnenträgern und Geistlichen, an welche sich gegen 2000 Sänger und 8000—9000 Tanzende anschlossen; den Beschluß machten etwa 1500 Beter. Die Tarnenden fassen sich an den Händen zu vierer: oder fünfen und Hüpfen nun in mehr oder weniger grotesken Sprüngen 5 Schritte vor rind 4 zurück. Die über 60 Stufen zählende, zur Pfarrkirche hinaufführende Steintreppe unterbricht keinen Augenblick den Tanz, der sodann durch die Kirche um das Grab des hl. Willibrod geht und jenseits der Kirche an einem Holzkreuze seinen Abschluß findet.
Newyork, 27. Mai. Wieder hat ein Mann — derselbe heißt Fleischer — den Versuch gemacht, durch einen Sprung von der hohen Brooklyn-Brücke sich das Leben zu nehmen. Eine Untersuchung ergab, daß die Familie des Mannes sich in größter Noth befand. Dieselbe wurde sofort mit Lebensmitteln auf 3 Wochen versorgt. Man fürchtet, daß sich eine förmliche Spring-Manie entwickeln wird. — In Colgate-Street, Jersey City, stürzte heute ftüh bei Tagesanbruch ein von 5 Familien bewohntes Haus ein. Von den 27 Insassen wurden 4 getödtet und 8 verwundet.
GchiffSu ach richt en.
Bremen, 1. Juni. sPer transatlantischen Telegraph.j Der Postdampfer Elbe, Capt. F. Hamelmann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 20. Mai von Bremen und am 21. Mai von Southampton abgegangen war, ist am 30. Mai, 5 Uhr Nachmittags, wohlbehalten in Newyork angekommen.
Handel und Derkedr.
Gießen, den 2. Juni. Auf dem heuttgen Markt toftete Butter per Pfund JL 0.70—0.80, Hühnereier 2 Stück 9—0 Enteneier St. 5—6 X Gänseeier 00—00 4, Käse pr. Stück 5—10 Käsematte 2—3 X Erbsen pr. Liter 22 X Linsen 32 4 Tauben per Paar 0,50—0,70 H, Hühner per Stück JL 1.00—1.50, Hahnen pr. Stück JL 1.00—1.70, Enten per Stück 200—2.20, Ochsenfleisch per Pfund 68—00 4. Kuh- und Rindfleisch 56—60 X Schweinefleisch 50—60 H, Hammelfleisch 64—70 4, Kalbfleisch 50—54 -4, Kartoffeln per 100 Kilo 3.00—4.00, Milch per Liter 12—16 4, Zwiebeln ver Centner JL 9.00—10.00, Kirschen per Pfund v4L 0.50—0.60.
Grünberg, 30. Mai. (Fruchtpreise.) Weizen Jü 18.30, Korn 17.70, Gerste 16.10, Hafer JL 15.50, Erbsen JL 00.00, Linsen JL 00.00, Lein «H. 00.00, Samen JL 00.00, Kartoffeln J4 3.80, Wicken 00.00.
Frankfurt, 1. Juni. Der heuttge Viehmarkt war stark befahren. Ange- trieben waren 372 Ochsen, ca. 10 Bullen, ca. 391 Kühe und Rinder, ca. 218 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. 64—66, 2. QuaÜ 58—62, Kühe und Rinder 1. Qual. JL 54—56, 2. Qual. Jl. 45—48, Kälber 1. Qual. JL 58—60,2. Qual. JL 50—55 per 100 Pfund Schlachtgewicht.
Frankfurt, 1. Juni. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer xM* 19,00—00,00, fremder JL 19,00—19,25, Roggen eff. hies. 16,75—00,00, fremder JL 15,50-16,75, Gerste effektiv hiesige und Wetterauer JL 17,50—18,50, fremde vtt* 18,75—20,00, Hafer eff. hies. JL. 15,25—15,75 fremder JL 15,00—16,25. — Nüböl, eff. ohne Faß hies. in Parthien von 50 Ctr. JL 29,00. Branntwein eff. ohne Faß JL 39.
Herborn (an der Köln-Gießener Eisenbahn), 1. Juni. Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht: 377 Stück Rindvieh und 962 Stück Schweine. Der nächste Markt ist am Montag den 29. Juni d. I. (zugleich Wollmarkt).
— Von der in Plakatform hergestellten „Uebersicht der Postcurse im Großherzog- thum Hessen vorn 1. Juni ab" werden Privatexemplare zum Preise von 15 Pfennig für das Stück an das Publikum abgelassen. Bestellungen sind an das hiesige Kaiserliche Postamt zu richten.
— Es ist im Publikum noch wenig bekannt, daß Reisende, welche durch plötzlich eingetretene Zwischenfälle verhindert werden, das bereits gelöste Eisenbahnbillet zur Fahrt zu benützen, oder, im Besitz eines Tagesbillets an der Rückfahrt verhindert werden, den für das Billet gezahlten Betrag (bei Tagesbillets natürlich nach Abzug des vollen Tourpreises) zurückerhalten. Zu diesem Behufe ist es nothwendig, oas qu. Billet, nachdem es von dem betreffenden Stationsvorstande mit einem entsprechenden Vermerk versehen worden, dem zuständigen Betriebsamt einzusenden, welches darauf den Betrag durch die Stationskasse des Wohn- resp. Aufenthaltsortes des Reisenden zahlen läßt.
Farbige und schwarzseidene Grenadine# Mk. 1.55 per Meter bis Mk. 14.80 Pf. in 10 verschied. Qual, ver- sendet in einzelnen Roben und ganzen Stücken zollfrei in's Haus das Seiden-Fabrik- D6pöt von 6. Henneberg lKönigl. Hoflieferant) in Zürich. Muster umgehend. Briefe kosten 20 Pf. Porto nach der Schweiz. 491
Temperatur in Gießen.
Mai 1885.
Niederste ....... 0,0 °R.
Mittlere.......-V 8,53 „
Mittel früherer Jahre + 10,06 „
Mittel 1874 .......+ 7,91 „
Höchste........+ 23,8 „
Niederschlag an 18 Tagen .... 2,53 Par. Zoll.
„ im Mittel früherer Jahre an 14 Tagen 2,01 „ „
Temperatur der Lahn und der Luft
nach Reaumur gemessen am 2. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags. Wasser 13V-?, Luft im Schatten 12°.
L. Ehr. Rübsamen, Turn- und Schwimmlehrer.
Allgemeine
Die akadentisclie Olirenhlinik io liessen 4o9g wird am Samstag den 6. Joni eröffnet.
Dieselbe befindet sich im 2. Stock des alten Schlosses und können Ohrenleidende daselbst am Dienstag, Donnerstag und Samstag von 11 — 12 x/2 Uhr ärztliche Behandlung erhalten.
Photogr. Anstalt«G. Backofen
Giessen. Berlin.
Vom 4. —12. d. Mts. bin ich persönlich zu Aufnahmen in Gießen. 4105
r Anzeiger.
Unser Geschästslocal ist Mittwoch den 3. d. M. wegen des Unterverbandstages der Erwerbs- und Wirtbfchafts-Genossenschaften in Cassel geschloffen
Greffen, den 1. Juni 1885.
Gewerbebank zu Greffen, E. G.
4075 H. Wagner. Carl Vogt II.
Nachdem Herr Ph. Rabenau in Großen Buseck von der Vw waltung unserer Agentur entbunden worden ist, haben wir solche dem Herr»
Wilhelm Althaus in Groffen Buseck
übertragen.
Rachen-Leipziger Uersichermigs-htien-Geselischaft.
Die Directton:
Th» Grosse.
Bezugnehmend aus Obiges, empfehle ich mich zum Abschluß von Veo sicherungen gegen Feuerschaden, Blitzschlag und Explosion zu festen und mäßige i Prämien und bin zur Ertheilung jeder gewünschten Auskunft gern bereit. 4106 Wilhelm, Allhaus.


