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Mittwoch den 3. Ium

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wreant Schulstraße 7.

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noch nicht so weit überwunden zu haben, um ihnen diese Ortsveränderung zu gestatten.

Ueber den Stand der afghanischen Grenzsrage liegt nur eine lakonische Londoner Meldung vor, welche besagt, daß der Gang der russisch­englischen Verhandlungen ein solcher sei, daß gewisse bisher vorgelegene Differenzen als beseitigt erschienen und der Abschluß der Verhandlungen früher eintreten dürfte, als bis jetzt angenommen werden konnte. Jedenfalls giebt die afgha­nische Grenzfrage zu ernsteren Besorgniffen keinen Anlaß mehr und wenn sich vielleicht der endgültige Abschluß der Verhandlungen noch etwas verzögern wird, so ist doch nicht mehr daran zu zweifeln, daß eigentliche Schwierigkeiten hin­sichtlich der Festsetzung der neuen afghanischen Grenze nicht mehr vorhanden und nur noch verschiedene Detalls zu regeln sind. Zur Abwechslung drohen jetzt für England neue Schwierigkeiten in Südafrika. Die Transvaal-Boern, welche sich erst vor einiger Zeit von der eigentlichen Transvaal-Republik abge­sondert und weiter östlich einen jungen Freistaat gegründet haben, protesüren gegen die Besitzergreifung der Santa-Lucia-Bai durch die Engländer und rekla- miren dieses Gebiet für sich, und zwar aus Grund der Erklärungen der Häupt­linge des Zululandes, denen bisher die Oberhoheit über die Santa-Lucia-Bai zustand. Da bekanntlich wegen der Santa-Lucia-Bai noch Differenzen zwischen Deutschland und England schweben, so hat diese Frage durch die Einmischung der Transvaal-Boern eine vielleicht nicht so bald zu beseitigende Weiterung erfahren.

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Politische Ueberficht.

Gieße«, 2. Juni.

Ueber das Befinden des Kaisers sind in jüngster Zeit wiederholt beunruhigende Gerüchte verbreitet worden, die aber zufolge den letzten, von competenter Seite von Berlin ausgehenden Meldungen bezüglich des Gesund- heitszustandes des greisen Monarchen aller und jeder Grundlage entbehren. Die Beschwerden des hohen Herrn machen sich nur noch selten und in geringem Grade fühlbar. Bestimmte Dispositionen bezüglich der diesjährigen Bade­reisen des Kaisers sind auch jetzt noch nicht getroffen, nur heißt es jetzt wieder, > er doch noch nach Wiesbaden gehen werde, ehe er seine anderen Bade­reisen antritt. r r v

Fürst Bismarck trifft, wie wenigstens dieAugsb. Abend-Ztg. aus zuverlässigster Quelle" zu melden weiß, dieser Tage zum Kurgebrauche in Kffsingen ein, wo er, wie gewöhnlich, in der oberen Saline Wohnung nimmt. Seine Abreise nach Kijsingen würde der inneren politischen Situation für die nächste Zeit ihre Signatur aufdrücken, nämlich die der sommerlichen Ruhe und somit ist während derselben eine Entscheidung in den gegenwärtig noch schweben­den Fragen der inneren Politik nicht zu erwarten. Unter ihnen nimmt die braunschweigische Thronsolgefrage nach wie vor das allgemeine Jntereffe in her­vorragender Weise in Anspruch; am Montag ist der Bundesrath nach der Pfingstpause wieder zusammengetreten und wird der Justizausschuß wohl noch Ende dieser Woche in der Lage sein, über den ihm .zugewiesenen preußischen Antrag bezüglich der braunschweigischen Thronsolge Bericht zu erstatten. Es ist nicht zu bezweifeln, daß der Ausschuß die Annahme des Antrages empfehlen und daß derselbe auch im Plenum keinen nachdrücklichen Widerspruch finden wird, wenn vielleicht auch ein paar Stimmen kleinerer Bundesstaaten gegen den Antrag abgegeben werden sollten. Was die Behauptung von einem Proteste des Herzogs von Cumberland anbelangt, welchen er in Form einesRund­schreibens" an die europäischen Höfe versandt haben soll, so ist von einem solchen in Berliner diplomatischen Kreisen nichts bekannt.

Der greise Fürst von Hohenzollern, Karl Anion, dessen schwere Erkrankung vor einiger Zeit gemeldet wurde, scheint sich im Zustande der Auflösung zu befinden. Eines der letzten Bulletins besagt, daß sich der hohe Kranke meist in bewußtlosem Zustande befindet und daß Unregelmäßigkeiten üm Athemholen und in der Herzthätigkeit zu constatiren sind. Fast sämmtliche noch lebende Kinder des Fürstlich Hohenzollernschen Ehepaares befinden sich zur Zeit in Sigmaringen, unter ihnen auch König Karl von Rumänien, welchen seine Gemahlin begleitet hat.

Seit voriger Woche befinden sich die Urwahlen zum öster- lleichischen Reichsrathe in vollem Zuge. Auf die Wahlen der Landgemeinden in Steiermark, Rieder-Oesterreich und Salzburg sind nunmehr diejenigen in den Landgemeinden Ober-Oesterreichs, Krams, Tyrols und Voralbergs gefolgt. Da diese Wahlbezirke eine ausschließliche Domaine der klerikalen Partei find, so hatten die Liberalen gar keine Candidaten ausgestellt und auch der Bauernverein für Ober-Oesterreich begnügte sich mit der Aufstellung bloßer Zähl-Candidaturen. Es find demnach in Ober-Oesterreich 6 klerikale, in Tyrol 8 klerikale, in Vorarl­berg 2 klerikale und in Krain, wo die Slovenen entschieden vorherrschen, 5 jlovenische Abgeordnete gewählt worden. Bemerkt zu werden verdient, daß im 5 Krainer Wahlbezirk, der von Gottschee, in welchem auch viele Deutsche Wohnen, der das vorige Mal gewählte Fürst Windischgrätz (klerikal-slovenisch) dem slovenischen Landgerichtsrathe Hren Platz machen mußte, ein Beweis, daß die Rationalitäten-Bewegung selbst den anscheinend so festen .Besitzstand der klerikalen Partei zu erschüttern droht. Die Wahlen selbst sind allerwärts in größter Ruhe verlaufen.

Das Leichenbegängniß Victor Hugo's hat in Frankreich alle Tagessragen augenblicklich in den Hintergrund gedrängt. Dasselbe hat am Montag unter allgemeinster Theilnahme der französischen Nation und speciell der Pariser Bevölkerung stattgefunden. Trotz des lauten Widerspruches der monarchistischen Parteien ruhen nun die Gebeine beö_ größten zeitgenössischen Dichters Frankreichs im Pantheon zu Paris und ist somit dasselbe seiner ursprünglichen Bestimmung, den großen Männern Frankreichs zur letzten Ruhe­stätte zu dienen, faktisch zurückgegeöen worden. Die französischen Klerikalen be­trachten die Beisetzung der Leiche Victor Hugo's im Pantheon als eine Ent­weihung dieses nationalen Gebäudes, aber da der klerikale Fanatismus den Ge- gieinen des großen Dichters wegen seiner entschieden antikirchlichen Gesinnung, welche derselbe im Leben documentirte, die Aufnahme in jeder anderen Kirche versagt baben würde, so blieb eben der Regierung nichts weiter übrig, als das Pantheon zu diesem Zwecke seiner ursprünglichen Bestimmung zurückzugeben.

Die italienische Expedition am Rothen Meere scheint jetzt 'wenigstens vor einem Angriff der Abyssinier gesichert zu sein, den sie bis in die 'neueste Zeit besürchten mußte. Der von der italienischen Regierung an König Johannes von Abyssinien mit einer Mission betraute Kapitän Ferrari hat nach Rom berichtet, daß er von dem abyssinischen Herrscher freundlich ausge­nommen worden sei und daß letzterer erklärt habe, freundliche Beziehungen mit Italien unterhalten zu wollen. So lange freilich König Johannes den italieni- jschen Truppen nicht gestatten will, das äußerst ungesunde Massauah zu verlassen rund die gesunden Hochebenen von Keren zu beziehen, bleibt ihre Lage eine sehr Mißliche und vorläufig scheint der König sein Mißtrauen gegen die Italiener

Darmstadt, 1. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 30. Mai dem Schloßverwalter Johannes Do eng es in Friedberg das silberne Kreuz des Verdienst-Ordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen.

Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 15. Mai den provisorischen Lehrer an dem Gymnasium und an der Realschule zu Worms, Heinrich Habermehl, zum Lehrer an diesen Anstalten zu ernennen.

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Vermischtes. .

Gießen, 29. Mai. (Statistik des mittelrheinischen Turnverbandes.l Dreier Tage wurde die Statistik des mittelrheinischen Turnverbandes, welche für das ver­flossene Jahr im Januar d. I. durch die Gauvertreter erhoben wurde, durch den Kreisvertrcter und Kreisschriftführer fertig gestellt. In Anbetracht der ungemein hoben Bedeutung, welche das Vereinsturnwesen in unserem deutschen Vaterlande hat und den Turnern in Schule und Heer eine sehr wichtige Stellung einraumt, therlen nur aus der Statistik Folgendes mit: Der Mittelrheinkreis unter den deutichen Turnkreisen der neunte, besteht gegenwärtig aus 12 Gauen; dieselben ordnen stch^ der Große nach folgendermaßen: 1. GauRheinhessen" mit 52 Vereinen und 41o0 Turnern; 2. Gau Hessen", umfassend die Provinz Oberhessen nebst eungen preuWchev.Vereinen, nut 28 Vereinen und 2602 Turnen; 3. GauMaingau" mrt 43 Vereinen und 22o9 Turnern; 4. GauSud-Nassau" mit 27 Vereinen und 2206Turrern; o.Main-Rhemgau" (die Gegend von Darmstadt und Aschaffenburg) mit 20 Vereinen und 1983 Turnern ; 6. GauOffenbach-Hanau" mit 18 Vereinen uni>17/7 Turnern; 7 ®au:$ranffurt mit 6 Vereinen und 1526 Turnern; 8. GauRhem-Moiel" mit 24 Vereinen und 1369 Bumern; 9. GauSaar-Mosel" mit 21 Vereinen und 1255 Turmern; 10. Gau Nahe-Jdarthal" mit 9 Vereinen und 967 Turnern; 11. GauUnter-Nahe mit

Telegraphische Depeschen.

Wolff s telegr. Correspondenz - Burean.

Berlin, 1. Juni. DerReichsanzeiger" meldet: Der Kaiser litt in den letzten Tagen an erneuter Reizung des Halses, die indeß gleicherweise wie die übrigen Krank­heitserscheinungen nach einer guten Nacht wesentlich vermindert ist. Das Allgemein­befinden beginnt sich zu heben, ist indeß nicht derart, daß der Kaiser das Znnmer verlassen kann. Der Kaiser empfing heute den Besuch der Großherzogin von Baden und die Vorträge Wilmowski's und Albedyll's.

Bern, 1. Juni. Die Bundesversammlung trat heute zusammen. Zum Prast- denten des Nationalraths wurde Bezolla (Graubündten, radical), zum Vicepräsidenten Morel (Neuenburg, radical), zum Präsidenten des Ständeraths Zweifel (Glarus, Centrum), zum Vicepräsidenten Bopy (Waadt, radical), gewählt.

Paris, 1. Juni. Die Beisetzungsfeier der Leiche Victor Hugo's wurde zur fest­gesetzten Zeit begonnen. Der Platz bei dem Triumphbogen und alle dahin führenden Straßen waren mit dichten Menschenmassen angefüllt. An dem Katafalk nahm zuerst der Senatspräsident Le Royer das Wort und feierte Hugo als einen Mann, der un­ausgesetzt die höchsten Ideale der Gerechtigkeit und Humanität verfolgt und einen ge­waltigen Einfluß auf die Moral Frankreichs ausaeübt hat. Floquet betonte, daß es sich nicht um ein feierliches Leichengegängniß, sondern um eine Apotheose des Ver­storbenen handele, und bezeichnete denselben als einen Apostel, dessen über das Grab hinaus dauernde Worte zum definitiven Erringen der Freiheit, Gleichheit und Brüder­lichkeit der ganzen Welt führen würden. Der Akademiker Augier sagte, Frankreich erweise heute dem Dichterfürsten Ehren, wie sie Souveränen zukommen. Goblet be­merkte, Hugo werde die erhabene Personification dieses Jahrhunderts bleiben, dessen Geschichte Widersprüche, Zweifel, Gedanken und Bestrebungen er am besten zum Aus­druck gebracht habe; er sei ein tief humaner Character gewesen, der den Geist der Toleranz und des Friedens unter den Mitbürgern repräsenttrte. Nach Beendigung der Reden setzte sich der Trauerzug gegen Mittag in Bewegung.

DieAgence Havas" meldet aus Kairo: Der Unterrichtsmmister Mahmud hat seine Entlassung genommen, voraussichtlich wird der Minister der öffentlichen Arbeiten, Ibrahim, ebenfalls demissioniren. ,

Bukarest, 1. Juni. Der österreichisch-ungarische Gesandte kündigte heute den Handelsvertrag, welcher von Rumänien schon am 6. März gekündigt wurde.

Teheran, 1. Juni. Meldung des Reuter'schen Bureaus.) Der persische Ge­sandte in Konstantinopel, welcher einige Monate in Teheran verweilte, wird sich dem­nächst nach Berlin begeben. r , , ,

Sigmaringen, 2. Juni. (Privatdepesche.j Fürst Karl Anton von Hohenzollern ist heute Vormittag um 10 Uhr gestorben. -------------

Meßmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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