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gebührenden Schranken zurückzuweisen gezwungen waren, nicht anstehen wird, uns bei günstiger Gelegenheit wiederum die Waffen in die Hand zu zwingen- Wir wollen keine Angreiser sein, aber auch nicht schutzlos Angegriffene. Und wenn die Zeit kommen sollte, die wir nicht wünschen, aber die wir auch nicht iürchten, dann soll die Erinnerung an den Tag von Sedan in allen deut­schen Herzen lebendig sein, damit sich die Söhne würdig zeigen ihrer Väter.

Auch eine besondere Ehrenpflicht liegt uns an diesem Sedantage ob. Wieder ist Einer von den großen Helden, die Deutschlands Söhne zum Siege geführt, heimgegangen zur großen Armee; Prinz Friedrich Karl, jener ritter­liche Held, der sich einer Popularität in der Armee erfreute, wie solche nur echte Kriegsmänner besitzen, weilt nicht mehr unter den Lebenden. Wie der Held auch mit seiner Kraft und mit seinem siegenden Schwerte eingetreten ist für Deutschlands Ruhm und Ehre, es ist bekannt und das dankbare Volk roirö auch diesen Mann nimmer vergeffen. Auch jenes Mannes, der als Verweser der wiedergewonnenen Reichslande seine Kraft und seinen besten Willen für Deutschland eingesetzt hat, des Feldmarschalls v. Manteuffel, der dem kühnen Prinzen nach kurzer Zeit gefolgt ist, sei heute gedacht.

Und wenn wir am heutigen Tage noch die Blicke den Lebenden zuwenden, so treten aus dem Kreise geschichtlich bedeutender, dem deutschen Volke unver­geßlicher Persönlichkeiten, die unseren greisen Heldenkaiser umgeben, ganz beson» ders zwei Helden hervor:unser Fritz" undunser Reichskanzler." Der deutsche Kronprinz, er steht dem Herzen des deutschen Volkes so nahe, daß ihn keine Macht der Erde daraus zu verdrängen möchte; und der Reichskanzler, er wird ja nicht umsonst dereiserne" genannt. Der Mann, der die Feder wie das Schwert gleich schneidig zu führen verstanden, der dengeographischen Begriff" Deutschland zu einerRation" gemacht hat, er soll an dem natio­nalen Feste nicht vergeffen sein.

Wir Alle aber wollen am Sedanfeste nicht vergeffen. daß wir ein natio­nales Fest feiern, ein Fest, an dem wir uns Alle, ob Jung ob Alt, ob Arm oder Reich, ob Hoch ober Niedrig, mit Stolz als Deutsche fühlen. Und diesen Geoanken wollen wir festhalten für alle Ewigkeit, damit die Antwort in des Liedes Frage:

,,Was ist des Deutschen Vaterland ?"

nie anders lauten möge, als

Das ganze Deutschland soll es sein!"

Aentschland.

Berlin, 30. August. Die Mitglieder der internationalen Telegraphen- Conferenz sind Ende voriger Woche von ihrem Ausfluge nach Bremen, Ham­burg, Lübeck u. s. ro. wieder nach Berlin zurückgekehrt. Es ist den fremden Gästen auf ihrer Fahrt so viel des Schönen und Interessanten geboten worden und man ist ihnen überall mit solcher Liebenswürdigkeit entgegengekommen, daß sie den Ausflug nach der deutschen Nord- und Ostseeküste gewiß mit zu-ihren angenehmsten Erinneruntzen zählen werden. Noch in voriger Woche haben auch die Commissionen der Conferenz theilweise wieder ihre Sitzungen ausgenommen; so hielt die Commission II am Freitag eine Sitzung ab, in welcher verschiedene technische und Reglements-Fragen erledigt wurden.

Hesteneich.

Wien, 29. August. Der Kaiser Franz Josef hat sich von Kremsier birect zu den in der Gegend von Pilsen stattfindenden Manövern begeben. Die Nachricht, daß die russischen Majestäten von Kremsier zunächst nach Gmunden, der Residenz des Herzogs von Cumberland, abgereist feien, war eine irrtüm­liche , sie sind vielmehr ohne Umwege nach Rußland zurückgeteist. Auf der Rückreise hat Minister v. Giers, welcher seinen Souverän bis Trübau begleitete und dann nach Franzensbad zur Fortsetzung seiner Kur zurückkehrte, eine De- pesche an seinen Adjuncten Mangali, der interimistisch die Geschäfte des Peters­burger auswärtigen Amtes leitet, gesandt. Dieselbe spricht aus, daß die russischen Majestäten den besten Eindruck von dem Empfang, den sie in Kremsier gefunden und von dem vollkommenen Einvernehmen, welches sie bei der Zu­sammenkunft zeigte, mit sich genommen haben.

Die Königinhofer Affaire, bei welcher die Teilnehmer an einem deutschen Turnerkränzchen von den Czechen in so brutaler Weise angegriffen wurden, hat unter der deutsch-böhmischen Bevölkerung selbstverständlich von Neuem tiefe Erbitterung gegen die czechischen Gewaltthätigkeiten hervorgerufen. Dieselbe ist namentlich in Reichenberg eine derartige, daß der dortige Magistrat öffentlich die deutsche Einwohnerschaft vor Ausschreitungen gegen die in Reichen­berg wohnhaften Czechen warnt. Charakteristisch ist die Haltung, welche die meisten Czechenblätter den beklagenswerthen Vorgängen in Königinhof gegenüber einnehmen; sie stellen die deutschen Turner als den provocirenden Theil dar, der die friedlichen czechischen Bürger erst gereizt habe. Der Umstand, daß von den beteiligten Deutschen zehn zum Theil sehr schwer verletzt worden sind, während aus czechischer Seite keine einzige Verwundung constatirt werden kann, beweist wohl zur Genüge, wer der provocirende Theil gewesen ist.

England.

London, 29. August. Während sich in der auswärtigen Politik Englands gegenwärtig eine gewisse Ruhe ausdrückt, werden aus Irland wieder einmal bedrohliche Symptome der dort herrschenden Gährung gemeldet. In dem Dorfe Mullinavatt ist es anläßlich der Exmittirung einiger aufsässigen Pächter zu einem blutigen Conflict zwischen der Polizei und dem Volke gekom­men, in welchen: e« auf beiden Seiten zahlreiche Verwundete gab. Diese Vor­gänge illustriren deutlich ßen Geist der Widerspenstigkeit, der sich von der grünen Insel" nun einmal nicht bannen lassen will und es ist sehr leicht möglich, daß weitere Ausschreitungen der irischen Bevölkerung den Entschluß oes gegenwärtigen Tory'Ministeriums, auf die Erneuerung des Zwangsgesetzes zu verzichten, wieder wankend machen werden.

Telegraphische Depesche».

Wolffs telegr. Korrespondenz-Bureau.

Berlin, 31. August. Oberstabsarzt Dr. Börner, Herausgeber der Deutschen mcdiciniichen Wochenschrift und des Reichsmedicinalkalenders, ist gestorben.

Wiesbaden, 31. August. Von dem Afrikareisenden Paul Reichard ist heute hier folgendes Telegramm eingetroffen: Am 29. August in Zanzibar ganze Karawane angekommen; bleibe hier vierzehn Tage.

Regensburg, 31. August. Sc. K. u. K. Hoheit der Kronprinz iraf heute frufr ?Vi Uhr hier ein und wurde von der zahlreichen Bevölkerungsmenge, welche denselben erwartete, mit lebhaften Hochrufen begrüßt. Der Kronprinz stieg m der königlichen Villa ab, nahm dort das Frühstück ein und begab sich bereits 81/i Uhr nach dem Manöverfelde bei Moosham. Aw, . .

Drontyeim, 31. August. Der Prinz von Wales ist gestern Abend auf der YachtOsborns hier angekommen, nahm auf derselben die Begrüßung der hiesigen Behörden entgegen und begab sich später ans Land, um im Britanniahotel Wohnung zu nehmen. Die Stadt hat ihm zu Ehren Flaggenschmuck angelegt.

Toulon, 31. August. Gestern sind hier siebzehn Personen an der Cholera gestorben.

Kiew, 31. August. Der Kaiser und die Kaiserin besuchten gestern Vormittag das historische Petschersk-Kloster, woselbst dieselben dein Gottesdienste beiwohnten, und nahmen alsdann den Thee beim Metropoliten Platon ein. Mittags begaben sich die Majestäten zur Truppenparade, welche glänzend verlief; in's Palais zurückgekebrt, em­pfingen dieselben die Civilbehörden, den Adelgund Damen aus der Stadt. Abends wohnten der Kaiser und die Kaiserin dem schlagen einer Pontonbrücke über den Dnieper durch Militär bei und unternahmen darauf mit einer hierzu geladenen Gesell­schaft eine Dampferfahrt.

Konstantinopel, 31. August. DieAaence Havas" meldet: eir Srunimoub Wolff ist gestern vom Sultan in mehrstündiger Privataudienz empfangen worden, welcher.auch der Minister des Auswärtigen beiwohnte. Tie Unterredung soll bic egyptische Frage nur allgemein berührt haben.

Bordeaux, 31. August. Jules Fern) entwickelte gestern vor einer von etwa 4000 Personen besuchten Versammlung ein Programm, das für diejenigen bestimmt sei, welche aufrichtig den Fortschritt wollten. Er sagte, aus diesem Programm Tür Die nächste Legislatur-Periode müßte jede Verfassungsrevision, sowie die Aufhebung deS Cultusbudgets ausgeschlossen bleiben. Tic Politik der colonialen Ausdehnung sei völlig abgeschlossen. Die Vervollständigung des indo-chinesischen Colonialbesitzes sei ihm inchr durch die Umstände aufgezwungen worden, als in seinen Wünschen gelegen habe^abcr Dank dem in Tongking cingeführten Protectorat, welches ganz wie das für Tunis organisirt sei, werde Tongking bald die Kosten der Occupation zahlen. Ferry zählte weiterhin die anzustrebenden Reformen auf, deren wichtigste darin bestehe, daß die Republik eine wirkliche Negierung sei. Die Republik stehe keineswegs isolirt in Europa da; man befolge Frankreich gegenüber in legaler Weise eine Politck der Nichtintcr- vention, für die Frankreich keinen Preis bezahlt habe. Wenn man Frankreich achte, so geschehe es, weil Frankreich stark sei. Man müsse eine Politik des Vertrauens und der Achtung der Rechte anderer "Rationen befolgen. Dazu aber sei die Stetigkeit der Regierung erforderlich. Einer Republik, welche der Anarchie preiSgegcbcn sei, würde Europa kein Vertrauen schenken.

Lokales.

Gießen, 1. September. Tagesordnung für die Stadtverordncten-Sitzung am Donnerstag den 3. September 1885, Nachmittags 4 Uhr.

1. Definitive Besetzung der 1. Lchrerstelle an der Stadtknabenschule zu Gießen.

2. Der Submissionsholzverkauf aus den Großhcrzoglichen Domanialwaldustgcn pro Wjrthschaftsjahr 1885/86.

3. Die Waldculturarbeiten im Stadtwald pro 1886^

4. Die Anbringung von Schneißenschildern in den Stadtwaldungen.

5. Gesuch des Ludwig Christoph Rübsanien dahier um Ucberlassung eines Kieslagerplatzes auf der rechten Seite der Lahn unterhalb der Lahnbrücke.

6. Gesuch des Kalkbrenners Georg Weiß III. von Großcnlindcn um Uebcr- lassung des überflüssigen Wassers aus dem Bassin am Lutherberg.

7. Gesuch des Jacob Helfenbein dahier um käufliche Ucberlassung eines Bauplatzes an der Licherstraße.

8. Gesuch des Färbers Adolf Vogt dahier um Erlaubniß zum Bauen in der Sonncnstraße.

9. Gesuch der Heinrich Fillmann Wittwe um Erlaubniß zur Anbringung, eines Kellerlichtes.

10. Gesuch des Sigmund Rosenbaum dahier um Erlaubniß zur lieber? brückung des Schoorgrabens.

11. Herstellung des Daches auf dem nördlichen Neuenweger Thorhaus.

Vermischtes.

Hungen, 31. August. Ta in diesen Blättern noch nichts Speciclles über den. im Allgemeinen schon erwähnten Festzyg bei der landwirthschaftlichen Aus­stellung gebracht worden ist. so nehmen wir Anlaß, daraus im besonderen noch den von der Stadt Hungen gestellten W a g t n d e r Ceres hervorzuhcben.

Ein Pflug mit dem Sämanne bildete auf dem Wagen naturgemäß die erste Gruppe, woran sich die Gruppen der Schnitter und der Drescher anreihten, zugleich auch die betreffenden Jahreszeiten darstellend. Auf der Rückseite war auch noch des Gartenbaues gedacht. Neber Allem erhaben strahlte die Göttin Eeres auf einem Throne von Garben, allen ländlichen Segen spendend, in weißem Gewände mit goldenem Gürtel und kornblumenblauem von goldenen Achren gehaltenem Mantel, einem goldenen Aehrenkranzc in goldblondem Haare, von welchem ein weißer Schleier mit cingeftickten Blumen niederwallte. Mit der rechten Hand reichte sie die Sichel einer Schnitterin dar, in der linken Hand trug sie Aehren mit Feldblumen. Weiß und kornblumenblau waren auch die hervortretendcn Farben des reich decorirtcn Wagens, dessen Eckpfosten mit Weizen, Korn, Hafer und Gerste und landwirthschaftlichen Gerüthschaften geschmückt waren. Zu beiden Seiten zeigte der Wagen noch das Wappen der Stadt Hungen. Das Ganze war zart und finnig, von vollendeter Anmuth und macht sowohl den einzelnen Darstellern, als auch denjenigen, welche den Plan durchdacht und ausgeführt haben, alle Ehre.

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und Dcrksdr.

Gießen, 1. September. Auf dem heutigen Markt kostetet Butter per

X 0.800 85, Hühnereier 2 Stck. 110 Enteneier St. 67 H, Käse pr. St. 59 -i», Käsematte 30 H, Erbsen pr. Liter 18 Linsen 28 H, Tauben per Paar 0,40 bis 0,65 Hühner per Stück vft 0 901.40, Hahnen vr. Stück 0.400.75, Enten per Stück .A 1.201.50, Ochsenfleisch per Pfund 6800 H, Kuh- und Rindsteisch 5660 H, Schweinefleisch 5060 H, Hammelfleisch 6470 H, Kalbfleisch 4850 Kartoffeln per 100 Kilo X 5.006.00, Milch per Liter 1216 H, Zwiebeln per Centner JL 6.00-7.00.

Kepertoir der vereinigten Itadttheater;u KranKsurt a. M.

Opernhaus.

Dienstag den 1. September: Fidelio.

Mittwoch den 2. September: Die Hugenotten. Außer Abonnement.

Donnerstag den 3. September: Das Glöckchen des Eremiten. Hierauf: Carnevalsfest (II. Act). Ballet.

Freitag den 4. September: Walküre. Außer Abonnement.

Samstag beii 5. September: Jessonda.

Sonntag den 6. September: Aida.

Schauspielhaus.

Dienstag den 1. September: Die Leibrente.

Mittwoch den 2. September: Emilia Galotti. (Orsina: Fräulein Giers als Antrittsrolle.)

Donnerstag den 3. September geschloffen.

Freitag den 4. September: Arria und Messalina.

Samstag den 5. September: Die Sch ul reit er in. Freund Fritz.

Sonntag den 6. September: Fedora.

Montag den 7. September: Esther. Die Schauspielerin.

Für die Abgebrannten in Appenrod gingen ferner bei uns ein: N. N. 2

Fr. Hensel 5 JL Summa 7 JL Jnsgesammt 54.75 JL

Weitere Gaben werden von der Erped. d. Bl. gerne entgegengenommen.