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1.11.1885 Erstes Blatt
 
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Nr. 2SS. Erstes Blatt. Sonntag den I. November 1885

Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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, . m . a Drei- vierteljährlich 2 Mari 20 Pf mit Vrlngrrie^

Erscheint tL-siÄ mit ««»nähme deS Mont««». $urd) bie PM bezogen vierteljährlich 2 Mark W Pf.

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Amtlicher Hheil.

(Nr. 1624.) Gießen, am

Nr. 29 des Reichsgesetzblatts, ansgegeben den 28. d. M^, enthält:

Verordnung, betreffend die Einberufung des Reichstags. Vom 27. October 1885.

30 October 1885. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann. 7 __________________

Betreffend: Die Volkszählung im Jahre 1885.

Bekanntmachung.

a,,r mnskübrnna der am 1 December l. I. stattfindenden Volkszählung ist eine größere Anzahl qualificirter Personen, welche als Zähler sungirm sollen, dZ-r solche, welche sich dem genannten Geschäfte, sei es unentgeltlich, sei es gegen Bezahlung, unterz,ehen wollen, ansgefordert, sich

binnen 3 Tagen aus dem Bureau Großherzoglrchen Polizeiamts, Weidengaffe, in melden.

Bemerkt wird, daß das Geschäft eine Dauer von 6 bis 8 Tagen haben wiro.

©icfeen, den 30. October 1885. $er Vorsitzende der Zählungs-Commission für die Stadt Gießen.

Fresenius, Polizeirath.

stimmung der serbischen Grenze zu überlassen, da die Grenze an verschiedenen Punkten nicht dem Berliner Vertrag entspreche. .... r

Nisch, 30 October. Officiell wird mttgetheilt^ daß die Bulgaren überall die Grenze abacsperrt und angeordnet haben, jeden von Serbien aus die Grenze Ueber- schreitenden zu tödten. Demzufolge sind die serbischen Truppen angewiesen, entschieden und ohne speciellcn Befehl auf ein derartiges Verhalten nut den Waffen zu antworten. Die bulgarischen Freiwilligenschaaren begannen bereits Orte an der serbischen Grenze mit Überfällen zu beunruhigen. . , . af, m r ,

Belgrad, 30. October. Der König besichtigte die Truppen bn Ak Palanka, Laskova und an der Grenze.

Telegraphische Depeschen.

WoM'S telegr. Korrespondenz-Brrrearr.

Berlin, 30. October. Der Kaiser ist Nachmittags 3«/r Uhr nach Hubertusstock «bgernft # DOn Sachsen, der deutsche Kranprinz, Prinz Wilhelm, Prinz Georg von Sachsen und die übrigen Jagdgäste sind Vormittags 9'/r Uhr zur Jagd nach Schorchaide^abgereist. Commandant Schering, verließ am

29 October Zanzibar. Das Schulgefchmader, bestehend ausStein',Moltke , Sophie" undAriadne", unter- dem Geschwader-Chef Commodore Stenzel traf am 29. ds. in Madeira ein und beabsichtigt am 4. November die Reise fortzusetzen.

Paris, 30 October. Der Attentäter gestand vor dem Polizeiprafecten, er habe die Thar mit Vorbedacht begangen. Gr kannte Herrn von Freycinet nur nach der Photographie und wartete auf der Concordienbrucke auf ihn, «eck er nutzte, derselbe werde bei seiner Rückkehr aus dem Ministerconseil die Brucke passtren. ^^ emen Groll auf Freycinet, weil derselbe ihn in seinem Ansehen, Ehre und Vermögen^ge­schädigt habe. Das gebrauchte Pistol habe er im Augenblicke Verhaftung m die Seine geworfen. Weitere Geständnisse werde er nur in.^genwart seines Advo­katen machen. Name und Persönlichkeit des Verhafteten, den man fetzt für einen Corsen, nicht für einen Italiener hält, sind noch immer "E/sstgestellt.

Newyork, 30. October. Eapitän Jüngst vom Norddeutschen Lloyddampier Rhein" ist, weil er mehr als die erlaubte Anzahl Passagiere befördert hat, zu einer ^Botschafter hielten gestern eine vorbereitende Gonfeie^^nwUiii^ @e-Qnbte t^nte bcr Pforte die Antwort Segens auf die Collectivnotc der Mächte mit, wodurch der serbischen Rcgiermig von aas von der in Sofia am 14. October überreichten Declaration der Botschafter Kennt- niß gegeben worden war. lieber die Antwort Serbiens verlautet noch, daß Serbien seine Befriedigung über den Inhalt der Declaration ausspncht, die Ereignisse m Philippopcl verurtheilt und betheuert, den Berliner Vertrag achten zu zollen. Ser- bien wünscht, daß der Status qao ante gänzlich und entsprechend den souoeranbi Rechten des Sultans und den Erfordernissen des Gleichgewichts der Balkanhalbinsel hergesteM^werd^o Meldung herAg-ur- Havas") Dem V-rnchm-n nach

jell die Regierung der Ansicht sein, einer internationalen Commission die genaue Be-

BermischteS.

Wieseck, 30. October. Am verflossenen Dienstag hatten wir Gelegenheit zu erkennen, welch' einen Antheil die Gemeinde Wieseck an dem Einzüge ihres neuen Marrers und Seelsorgers, Herrn Dekan Wahl von Munzerrbey;, nahm. Am Abend des genannten Tages wogte es nur so durch die Straßen und Gaffen des Ortes und der geräumige Pfarrhof konnte die große Menschenmenge, welche gekommen war, den tief emvfundenen herzigen Worten des Redners und Predigers zu lauschen, nicht mehr af enunbe»MW«irHicft der Mühe, den köstÜchen Anblick des Abends zu ge­nießen. Heller Fackelschein, prächtige Gesänge von SeitenConcordia ,Mannerge­sangverein" undCasino", kernige Reden, begeisterte Hochrufe,, wechselten nur so mit den Dankesworten des Redners und Predigers für reden Verein und die ganze Ge­meinde. Der Worte des Predigers:Der Ehre zuviel ... . . muffen wir noch­mals gedenken. Ein brausendes Hoch und -Gute Nacht!" schloffen die würdige Feier.

Verordnung,

betreffend: die Einberufung des Reichstage».

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen rc. rc. rc., verordnen auf Grund des Artikels 12 dei»Verfassung, im Namen des Reichs, was folgt: , . x.

Der Reichstag wird berufen, am 19. November dieses Jahres in Berlin znsammenzutreten, und beauftragen Wir den Reichskanzler mit den zu diesem Zweck nöthigen Vorbereitungen.

Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigeorucktem Kaiserlichen Jnffegel.

Gegeben Berlin, den 27. Octvber 1885.

(L. S.) gez. Wilhelm.

gegengez. v. Bismara.

Straßburg L G , 30. October. Das heute verkündete Urtheil der Kammer für Handelssachen beim hiesigen Landgericht in Sachen der Tabak- Manufaktur gegen Schaller und Bergmann besagt, daß die Klägerin ausschließ­liches Recht auf das am 6. October eingetragene Waarenzeichen der Hand hat, und daß die Beklagten gehalten seien, innerhalb einer Woche die von ihnen ge­machte Eintragung löschen zu laffen. Ein Drittel der Kosten trägt die Klägerin, zwei Drittel fallen den Beklagten zu. Das Urtheil, welches sich auf Art. 1382 des Code civile stützt, ist gegen Caution von 10,000 JL sofort vollziehbar.

Der Statthalter Fürst Hohenlohe hat in einem Telegramm aus Auffee mitgetheilt, daß er die von der hiesigen Studentenschaft für ihn vorbe­reitete Ovation annehmen werde. A

Theater.

%.* Gießen, 30. October 1885.

So oft wir den Theaterzettel lesen und Shakespeare'sOthello" darauf ver­zeichnet finden, müssen wir an eine Kritik denken, die vor langer Zeit in einer großen Stadt veröffentlicht wurde und einer wunderbaren Stilbluthe wegen noch heute wie eine heilige Reliquie im Archiv des Theaters in jener Stadt aufbewahrt wird. Es heißt darin nämlich:DW'Othcllo des Herrn G. war ein ganzes Meer blutdürstiger Rachewellen, aus denen Me Desdemona der Frau H. wie eme Oase m der Wüste l.ervorfah." Gewiß nicht übel, denn der Othello kann einem wirklich o-urcht einjagen mit seiner blinden Eifersucht, seinem Rasen und seiner Blutgier, er ist ein echter Mohr, das heiße Blut kocht gar leicht und tobt ihm iin Kopfe herum und der Dar­steller hat eine schwierige Aufgabe, deren Lösung vielerlei erfordert und von der das Stück gewissermaßen abhängt.

Ohne Herrn Fiala wäre die Aufführung an unserer Buhne unmöglich ge- ivesen, aber ein Mann, wenn er richtig am Platze ist, kamr alles herausreltzen und mir können Herrn Fiala einGlück auf" zurufen, da er sich unt lemcm - thello au| s Vortheilhafteste bewährt hat.

Elsa u. Walden bemühte sich nach Kräften, als Desdemona zu bestehen, aber die Leidenschaft kam nicht recht zum Durchbruch.

Herrn Halm's Jago war zu wenig Jntriguant, der Othello hatte bet seinem Sniel merken müssen, daß der Gefährliche ihn nur betiog.

P Im Ganzen gelang cs dem Ensemble wenig, nut dem Gaste zu harmo- niren.

Lokale-.

* * GHcfien, 30. October. Das KünstlerttioSchrattenholz" legte auch un­längst in ein«- / bei Franz Liszt Proben seines Könnens ab und zwar war es der Vortrag von Gade's F-dur Trio, welcher den greifen Meister zu lautem Applaus hinriß und ihn zu den schmeichelhaftesten Lobfprüchm veranlaßte. Er küßte die reizenden Knaben auf die Stirne und ermunterte sie zu eifrigem äßeiterftreben. Schon in frühester Jugend ward den talentvollen Kindern das seltene Glück zu Thell, von dem größten Meister des Jahrhunderts die Weihe zu dem edlen Beruf eines Künstlers zu empfangen, Hedwig von Rechenberg wird das Trio eine würdige Unter­stützung finden und dem Publikum eine angenehme Abwechslung geboten werden, da die junge Dame als Concertsängerin schöne Erfolge zu verzeichnen hat und das Sonntagsprogramm mit den besten Perlender Gefangsliterattir schmucken wird.

Wir empfehlen nach dem langen Schweigen unseres Concertverems die bevor­stehenden musikalischen Genüsse dem musikliebenden Publikum aufs Angelegentlichste, a.

--------K-s»°d-n- 1 aolbentt Ohrrmq 1 P-lzkragcn, 1 Rosensch-sr-, 1 Hut, 1 Militärgeldtäschchen mit Inhalt, 1 Kindcrjchiebkarren, 1 Schrotleiter,

1 lStUf,'l in Etm und mehrere Schluffel.

Gießen, am 31. October 1885. Großherzoglrches Polrzemmt Gießen.

Fresenius. , ;