Prinz dem Gottesdienste in der evangelischen Kapelle bei, bei welchem Pastor Miedner die Predigt hielt, und begab sich Nachmittags zu dem Stiergefecht.
Non Zeit zu Zeit tauchen Gerüchte über Differenzen aus, welche der Reichskanzler mit diesem oder jenem hochgestellten Beamten haben solle, ohne daß diese Gerüchte den wirklichen Thatsachen entsprachen- Neuerdings wird wieder das Gerücht über ernste Differenzen zwischen, dem Fürsten Bismarck und dem Geheimrath Lohmann colportirt, welcher mit der Ausarbeitung des Gesetzentwurfes bezüglich der Arbeiter-Unfallversicherung betreut worden ist. Nach einer officiösen Mitiheilung sind aber diese angeblichen Differenzen daraus zurückzuführen, daß jQcrr Lohmann dem Reichskanzler erklärt hat, er fei außer Stande, die Vorlage in dem vom Kanzler gewünschten Sinne und entsprechend den früheren Stadien auszuarbeiten. Daraufhin ist Herr Lohmann von der weitern Ausarbeitung des Entwurfes entbunden worden und hat Fürst Bismarck mit dieser Arbeit den Geheimrath Gamp aus dein preußischen Handelsministerium und den Geheimrath Vödicker aus dem Reichsamt des Innern beauftragt. Hoffentlich erleidet die Fertigstellung der genannten, so überaus wichtigen Vorlage durch diesen „Redactionswechsel" keinen Ausschub.
Das ultramontane „Vaterland" hat einen auch von der „Kom. Ztq." vom 2. November reproducirten Artikel über den Altkatholicismus in Böhmen gebracht, welcher zugesteht, daß die Lage sür die römische Kirchs sehr gefährlich sei, daß die Zahl der Altkatholiken immer größer werde und daß der gegen die Altkatholiken geschleuderte Hirtenbrief des Bischofs von Leitineritz keinen Erfolg gehabt habe. Dieser Fortschritt der Reforinbewegung uu nördlichen Böhmen, besonders im Jsargebirge, hat zu einer am 28. October in Warnsdorf im engeren Kreise abgehaltenen Conferenz von Altkalholnen Anlaß gegchen^^ $ Bauer gegen den Brünner Gemeindevorstand in einem Hirtenbriefe aufgetreten, weil derselbe den Gottesacker interconfessionell $ ^Die Londoner Luft scheint ganz besonders zu der „Dynamitmanie" zu disponiren. Ein neuer Beweis hierfür ist das wahnsinnige Unterfangen des verhafteten Wolff, das deutsche Botschaftsgebäude in London in die Lust zu sprengen; das Gebäude ist in Folge dessen unter polizeilichen Schutz gestellt worden. Ueber die Motive, welche in dem Verhafteten diesen verbrecherljchen Gedanken entstehen ließen, ist man noch im Unklaren; vorläufig klingt die Annahme niujt unwahrscheinlich, daß man es mit einem Geisteskranken zu thun habe
Die Mittheilvngen über die angebliche Concentration russischer gruppen an der deutsch-russischen Grenze machen schon seit geraumer Zeit die Runde durch die deutsche Presse und tragen bei uns nicht wenig zur Beunruhigung der öffentlichen Meinung bei. Indessen lassen zuverläsiige deutsche Berichte aus Rußland die Sache in einem ziemlich harmlosen Lichte erscheinen, ^hnen zu- solge haben in der letzten Zeit allerdings bedeutende Truppenanhäufungen m der Höhe bis zu 75,000 Mann in Polen stattgesunden, was aber nut den statt- aefundenen großen Herbstmanövern zusammenhängt, wodurch Fußmärsche, Ean- ionnementswechsel u. s. w. verursacht worden sind. Auch wird in den Berichten darauf hingewiesen, daß die deutsche Armee in Petersburg durch hocygestellte Officiere so vorzüglich vertreten sei, daß größere und bedenkliche Truppenver- schichungen diesen scharfen Beobachtern sicherlich nicht entgehen würden. Schlreß-
lich kann man auch die Entsendung zweier russischer Kriegsschiffe nach Genug zur Begrüßung des deutschen Kronprinzen als einen Beweis dafür betrachten, daß man tu den leitenden russischen Kreisen von dem aufrichtigen Wunsche de-' seelt ist, auch fernerhin gute Freundschaft und Nachbarschaft mit Deutschland zu halten.
Egypten zieht durch die Ereignisse im Sudan und durch den Aufstand der Beduinen von Suakint wieder in erhöhtem Maße die Aufmerksamkeit auf sich. Es bestätigt sich, daß das ca. 5000 Mann starke egyptische Expeditions-Corps unter Hicks Pascha von den fanatischen Heerhaufen des Mahdi bis auf den letzten Mann niedergehauen worden ist und ist durch diesen schweren Schlag der ganze Sudan für die Herrschaft des Khedive vorläufig ver- loren gegangen.
Vermischtes.
Mainz, 24. November. Aus dem Rhein wäre heute Morgen um7U&tbringe (in großes Unglück passtet; ein Schraubendampfer, der mit 4 schweren Schiffen rhein- abwärtS fuhr, gerieth oberhalb der Eisenbahr.be ücke in falsches Fahrwasser, in Folge dessen trieb der Dampfer sammt feinen 4 Schiffen gegen die Eisenbahnbrücke und legte sich quer vor die Durchfahrtsöffnung. Ein großer Schraubendampfer, der bei Weisenau adaeladen hatte, nahm den Unfall wahr und diesem gelang es, bie Schiffe wieder flott zn machen Bei hohem Wasserstaud wäre ein unberechenbares Unglück entstanden, während so die Schiffe nur mit kleinen Beschädigungen davonkamen. — Der zchn- jährige Knabe ein-S hiesigen Arbeiters F. kam gestern in die Wohnung eines frühere» Hausgenossen in RaupelSweg und spielte dort mit einem Hammer, sowie mit einem noch nicht festgestellten Gegenstand (wahrscheinlich ein Sprenggeschoß), das er mitgebracht hatte, Plötzlich gab es einen furchtbaren Krach, daS Kind schrie jämmerlich und als man zusah, war demselben die eine Hand völlig zerschmettert. Wo der Knabe das gefährliche Spielzeug ausgegriffen, ist noch nicht ermittelt.
Frankfurt, 24. November. [5)ie Wurzelbürst-n.j Ein Zeuge war in einem Proceß geladen, in dem es sich um mehrere Dutzend Wurzelbürsten handelte, di-zu verschiedenen Zeiten geliefert worden waren. Der Zeuge hatte in dem ihm ausrrlegtk» Eide wiederholt die Worte „ein Dutzend Wurzelbürsten" zu sprechen. Einmal ging dies, auch daS zweite Mal; alS sich aber dieser Passus wiederholte, stolperte er, tagte Wurzelbüzzel, Würzelbusten und hatte sich fcyließl'ch so verfahren, daß er den Eid nicht zu Ende sprechen konnte und von N-uem beginnen mußte.
Diez, 22. November. fMordanfall im Gefängniß.j Als vorgestern Abend die Gefangenen der hiesigen Strafanstalt noch in der Ciaarrenfabrik beschäftigt waren, v rstchte der Sträfling Strudt von Boppard seinem Collegen Kling, der neben ihm saß, zwei Messerstiche, einen in die Brust, den andern in den Rücken. Beide Stiche, von denen der erste die Lunge verletzt zu baden scheint, sind lebensgefährlich. Ein Grund für diese Schandthat läßt sich absolut nicht angeben; di- ganze Affaire war das Werk einiger Augenblick.'. Strudt hat seiner Zeit seine Geliebte aus Eifersucht ermordet und war deshalb zum Tode v-ruetheilt, i-doch zu lebenslänglicher ZuchchouS- strafe begnadigt worden. Wie wir hören, hat sich Strudt bisher gut geführt, an feinem Leben scheint ihm jedoch nicht viel gelegen zu sein. Kling sitzt wegen Straßenraubs und Mordversuchs im Zuchthaus. (Är.=33l)
Gelnh ausen, 22. November. Gestern verletzte ein Kaufmannslehrling, der mit einer Teschinflinte nach Vögeln im Garten schoß, durch Unvorsichtigkeit den Inder Näh- stehenden Küfer Haldp, dem der Schuß in den Unterleib ging, derart, daß die Verbringung des Mannes in das Landkrankenhaus in Hanau ungeordnet werden mußte. Der Lehrling wurde in Haft genommen.
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Gießen, im Februar 1883.
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