Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Sureaur Schulstraße 7.
d-r öffentlichen Ruhe in dem Fürstlichen Schloßgarten zu Lich und den dazu gehörigen Anlagen folgendes Polizei-Reglement erlassen:
§ 4-
Alles Lärmen ober unanständiges Singen ist in dem Garten verboten.
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Der Besuch des Schloßgartens zu Lich ist dem spazieren gehenden Publikum bis auf Weiteres gestattet, allen noch schulpflichtigen Kindern jedoch nur unter Aufsicht Erwachsener. Für die Nachtzeit ist der Aufenthalt im Schloßgarten während der Monate April bis Oktober von Abends 9’/2 Nhr Hs Morgens 5 Uhr und während der Monate November bis einschließlich März von Abends 7 Uhr bis Morgens 7 Uhr untersagt.
§ 2.
Das Mitnehmen von Hunden ist, wenn sie nicht an der Leine sind, verboten.
Uebertretungen der vorstehenden Bestimmungen werden, — abgesehen von dem zu leistenden Schadenersatz für allenfallsige Beschädigungen oder Entwendungen — nach den Polizei- und Feldstrafgesetzen, und, soweit deren Bestimmungen dafür nicht Platz greisen, mit 1 Mark bestraft.
Das unbefugte Wegtragen von Tischen, Stühlen, Bänken oder sonstigen Geräthschaften von ihrem Platze ist nicht gestattet.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringcrloh' Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Bekanntmachung.
Mit Ermächtigung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 22. l. Mts. wn^d hiermit auf Antrag der Fürstlich Solms- öobensolms-Lich'schen Rentkammer nach Vernehmung der Lokalpolizeibehörde und der Gemeinde-Vertretung von Lich zur Verhütung von freveln und Stör ng
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siebener Anzeiger
Amts- und Anzeisieblatt für den Kreis Gießen.
Personen mit Schubkarren, Handwägelchen, Traglasten, Körben, Säcken, Feld- oder Handwerksgeschirr dürfen den Schloßgarten nicht betreten.
Gieß-en, den 27. August 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
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Potitifehe Uebersicht.
Gießen, 28. August.
Eine ganze Menge von Ereignissen drängt sich jetzt plötzlich zusammen, die geeignet erscheinen, der politischen saison morte ein unerwartetes unb gründliches Ende zu bereiten. Da ist zunächst die morgen Mittwoch, den 29. August, beginnende außerordentliche ReichstagSiession, welche dem bisherigen Stillleben in unsern innern Angelegenheiten ein vorläufiges Ziel gesetzt. Daneben wird in optima forma zwischen der „Nordd. Allg. Ztg." und andern deutschen Blättern einer- und der französischen Presse andererseits eine Preßcampagne eröffnet, zu welcher der bekannte AUarm-Artikel der „Nordd. Allg. Ztg." den Anlaß gegeben hat und welche wohl diesseits wie jenseits der Vogesen die aufgeregten Gemüther noch nicht gleich zur Ruhe kommen lassen wird. Weiter sind die bevorstehende Reise des Königs von Spanien nach Oesterreich und Deutschland, die Begegnung zwischen König Karl von Rumänien und König Milan von Serbien in Wien, sowie der ebenfalls bevorstehende Besuch des letztgenannten Monarchen in Deutschland interessante und politisch bedeutsame Zeitbegebenheiten. Ferner gewinnt die Nachricht von der demnächst erfolgenden Zusammenkunft des Fürsten Bismarck mit dem österreichischen Minister des Auswärtigen, Grafen Kalnoky, in Gastein eine bestimmtere Gestalt, da Meldungen aus Gastein besagen, daß der deutsche Reichskanzler dort am 1. September eintreffen werde. Endlich kommt noch aus Frohsdors die Meldung, daß Graf Chambord, das Haupt der älteren Linie der französischen Bourbonen, am Morgen des 24. August seinen langen Leiden erlegen ist. Da augenblicklich das Ableben des französischen Thron-Prätendenten das meiste Interesse beanspruchen dürfte, so theilen wir gleich an dieser Stelle die hervorragendsten Daten aus dem Lebensgang des Dahingeschiedenen mit: Gras Heinrich Chambord — diesen Titel erhielt der Prätendent indessen erst in späteren Jahren — wurde am 29. September 1820 als Sohn des am 13. Februar desselben Jahres ermordeten Herzogs von Berry in Paris geboren. Der junge Prinz wurde von den französischen Legitimisten als ein „Wunderkind" begrüßt, das aber niemals die auf ihn gesetzten kühnen Hoffnungen verwirklichen, sondern im Gegentheile nur herbe Enttäuschungen erfahren sollte. Als die Juli- Revolution Karl X. in die Verbannung trieb, mußte auch Prinz Heinrich in die Verbannung wandern und nahm, nach einer Rundreise durch die bedeutenderen Länder Europas, seinen festen Wohnsitz zunächst in Görz und dann, nach seiner l847 erfolgten Vermählung mit Maria Theresia, Prinzessin von Modena, in Frohsdorf bei Wien. Hier hat Graf Chambord, von seinen Anhängern stets als der „Roy Henry V." titulirt, eine wahrhafte königliche Haushaltung geehrt, wozu ihm die vom Herzog von Blacas hinterlassene Millionen-Erbschast die Mittel gewährte. Hier hat er die letzten Jahrzehnte verbracht, ohne auch nur einmal einen ernstlichen Versuch zu machen, seine Ansprüche auf den französischen Thron zu realisiren. Da die Ehe des Grafen Chambord kinderlos geblieben ist, so ist mit ihm der einzige noch übrige Vertreter des älteren Zweiges der französischen Bourbonen aus dem Leben geschieden und die Orleans sind nunmehr die alleinigen Repräsentanten des Königthumes in Frankreich. — Das Leichenbegängniß des Grafen Chambord soll gegen Ende dieser Woche in Görz stattfinden, dagegen ist von einer öffentlichen Zeremonie in Frohsdors abgesehen worden.
Die Tagespolitik in Oesterreich-Ungarn wird zur Zeit durch die ungarisch-kroatische Streitfrage beherrscht. Ob dieselbe durch die in Wien 'tattgesundenen Ministerberathungen in einer für beide Theile gleich befriedigenden Weise gelöst worden ist, erscheint mindestens noch ungewiß, wenn auch die Wiener Osficiösen versichern, „daß die gefaßten Beschlüsse geeignet erscheinen, das durch Herabreißen der Wappenschilder in Agram aufgeregte ungarische Rationalgefühl zu beruhigen und zugleich weiteren Agitationen jeden Vorwand
zu entziehen." Jedenfalls handelt es sich bei dem ungarisch-kroatischen Zwischenfall nicht nur um Aeußerlichkeiten, wie es die Frage der gemeinsamen Wappen und der Umschriften auf denselben ist, sondern um eine tiefgreifende Aversion der Kroaten gegen die ungarische Regierungspolitik. Daß die ungarische Regierung selbst die ganze Angelegenheit sehr ernst auffaßt, beweist schon der Umstand, daß der Ministerpräsident Tisza seine Badereise nach Ostende ausge- .schoben hat. — König Milan von Serbien hat gelegentlich seines Wiener Besuches dem Minister des Auswärtigen, Grafen Kalnoky, den Orden des Weißen Adlers verliehen, eine Auszeichnung, die sehr bemerkt wird, da dieser höchste serbische Orden nur äußerst selten verliehen wird.
Die Lorbeern der französischen Waffen in Tongking werden immer dünner und zweifelhafter. Die Ausfallsgefechte des Obersten Badens aus Nam-D nh vermochten die Niederlage von Hanoi nicht wett zu machen und der Erfolg, den die Franzosen durch die Einnahme der Stadt Hai Dsoung errangen, sieht in keinem Verhältniß zu ihrer jüngsten Niederlage bei Phukai. Daß die Franzosen hier unter erheblichen Verlusten ihrerseits von den „Schwarzen Flaggen" zurückgeschlagen worden sind, geht aus den bis jetzt noch sehr lückenhaften Berichten über diesen Zusammenstoß schon zur Genüge hervor. Die militärische Position der Franzosen in Anam wird durch diese abermalige Schlappe sicherlich noch schwieriger, wenn es ihnen nicht gelingt, die letztere durch einen raschen und nachdrücklichen Erfolg, wie z. B. durch die Einnahme der Hauptstadt Hue, zu paralysiren. Naneben kann die Niederlage von Phukai auch auf die Haltung Chinas gegenüber Frankreich einen bedenklichen Einfluß ausüben und es ist nicht unmöglich, daß jene eine Vereinigung der an der Grenze Tongkings stehenden chinesischen Truppen mit den siegreichen „Schwarzen Flaggen" zur Folge hat. — Ueber das Gesecht bei Phukai meldet eme Depesche des Generals Bonet aus Hongkong an den französischen Marineminister, daß dasselbe lediglich Recognoscirungs-Zwecken gedient und daß nach demselben auch der Feind seine Stellungen verlassen habe und zurückgegangen sei. Die Pagode von Phukai werde von den Franzosen besetzt gehalten.
Die Madagaskar-Affaire, welche Anfangs zu einer ernstlichen Trübung der Beziehungen zwischen England und Frankreich zu suhren drohte, scheint friedlich beigelegt worden zu sein. Im englischen Unterhause war diese Angelegenheit in einer der letzten Sitzungen der Gegenstand eingehender Debatten, an deren Schluß jedoch der Premier Gladstone erklärte, daß diese Debatten, die hier heraufbeschworen würden, eine Gefahr für die Freundschaft und den guten Willen zweier großen Nationen seien und daß er es ablehne, m dieser Angelegenheit noch etwas zu sagen. Der lebhafte und anhaltende.Beifall, welcher auf liberaler Seite diesen Worten folgte, beweist, daß die- Maforitat: des. Unterhauses die Anschauungen Gladstone's theilt und somit durfte die Affaire von Tamatave ihre Erledigung gesunden haben, worüber man m ^ondon nue ut Paris nur Befriedigung empfinden wird. — Englische Blätter roer|en den von der „Nordd. Allg. Ztg." erörterten Gedanken eines Bündnisses Wischen England und Frankreich gegln die centralen Mächte des Contments entschieden zuruck, ein solches Bündniß sei unmöglich und ebenso eine Allianz zwischen Frankreich, Englands u^ ^Rußlanb. sich gegenwärtig Alles der größten Ruhe zu
erfreuen. Seit Monaten hört inan nichts mehr von nihilistischen Umtrieben, auch sind in den letzten zwei Wochen keine Judenverfolgungen inscenir worden die Deutschenhetze in den Ostsee-Provinzen ruht ebenfalls und was die russisch Politik anbelangt, so hält dieselbe noch ihre Sommer-Siesta Man kann dies wenigstens dem äußern Schein nad) ^6^, benn unter der Hand sind bie politischen Agenten Rußlands fortgesetzt sicherlich thatig, zumal was die Balkan- Halbinsel anbelangt; man wird kaum daran zweifeln können, daß der Besuch des Fürsten von Montenegro in Stambnl auf die Initiative Rußlands hin


