Erstes Blatt
Erscheint LäMH mit Ausnahme des MsntirgÄ.
London, 27. Juli. (Oberhaus). Morley theilt mit: Im Ganzen sind mer den britischen Truppen in Kairo an der Cholera -erkrankt 2 Officiere und M Mann, davon gestorben 2 Officiere und 23 Mann, seit gestern 1 Lieutenant und 8 Mann.
(Unterhaus). Baron de Worms kündigt zürn Amendement Norwood lolgendes Amendement an: Angesichts der jüngsten Correspondenz zwischen -epeps und Gladstone sei eS nöthig, daß die Kammer voll ihre Urtheilsfreiheit betreffs der Wasserverbindung zwischen Mittelmeer und Rothen Meer wahre, mke antwortet, daß keine asiatische Cholera in Europa sei. Die Sterblichkeit !h er ^olera sei in England in diesem Jahre hinter dem gewöhnlichen Ech^chnttte zurückgeblieben. In der letzten Woche wurde nur die Hälfte des gewöhnlichen Durchschnittes constatirt. — Fitzmaurice erwidert: Außer von der Mrte jei von keiner Macht eine Mittheilung über ein provisorisches Suezkanal- nrrangement eingegangen. Gladstone erklärt, er habe keine Bestätigung der unonymen Anklagen gegen den Khedive erhalten, es liege also Nichts vor, um lem Vertrauen in denselben zu erschüttern.
t. — $c5, General Fenwick Williams, welcher die Stadt Kars im Krim- knege vertheidigte, ist gestern Abend hier gestorben?
<, _ 27. Juli. Der Bundesrath hat Italien den Vorschlag gemacht,
. ^scheidung über den Conflict, betreffend die schweizerischen Freiplätze im Collegium Borromäum zu Mailand, einem internationalen Schiedsgericht 3« übertragen.
Rom, 27. Juli. Das nächste Consistorium tritt nach den bisherigen Wrmmungen am 9. August zusammen.
Petersburg, 27. Juli. Ein Dekret des Ministers des Innern ergänzt die letztgetroffenen Schutzmaßregeln gegen die Cholera und ordnet an, daß direct ms Egypten ohne Zeugniß über unterwegs absolvirte Quarantäne kommende Schiffe in baltische Häfen nicht einlaufen dürfen; alle aus anderen nordafrika- nijchm Küstenorten in baltische Häfen einlaufenden Fahrzeuge sind sanitärer Besichtigung und in zweifelhaftem Falle einer sechstägigen Quarantäne zu .mteaziehen.
Baut Kanäle.
Nachdruck verboten-
In unseren Industrieländern haben, um der Coneurrenz genügend begegnen zu können, die Kapital sparenden Klassen in der letzten Zeit mehr und mehr ihre Ueber- schüsse zu Anlagen aller Art verwenden und demnach sich mit geringerem Gewinn begnügen müssen. Es isi bekannt, daß eine solidere Verwendung der heimischen Ersparnisse für die Volksmirthschaft im Allgemeinen und für die arbeitenden Klassen im Besonderen mit den wohlthättgsten Folgen begleitet ist. Namentlick in Europa stehen dem Ackerbau, dem Handel und den Gewerben die Betriebsmittel reichlicher und billiger zu Gebote, sind die Verkehrswege erleichtert und verwoblfeilt, als irgendwo, und dadurch sind die Vreise der Lebensbedürfnisse und der Fabrikwaareu ermäßigt, die Arbeitslöhne aber in Folge der dadurch wieder erwachten Unternehmungslust in langsamem, aber sicherem Steigen begriffen. Wenn wir unseren Kapitalien ein engeres Anlage- gebiet geben, als dies in der Schwindelperiode der Fall war, wird die Lösung der socialen Frage um ein Bedeutendes näher gerückt und eher zu ermöglichen sein, als durch alle Universalheilmittel soclalistischer Quacksalber zusammengenommen. @ine'ber:: artige neue und gute Kapitalsanlage ist der Bau von Wasserstraßen, von Kanälen.
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"endem V-kdiM, ur von im deutschen 1 Statteten Staats« Moosen auf Theil- m Provision und angestellt.
len ;u richten an die lnkvereeniging Grün t'uri a. M. 5095
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Aegypten.
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Q-U A J1 HA 1 56, in Chibrn-el-Kum 48, in Mehallet 20 in Mansurab 12 In
£ D'miette 9, in Alexandrien 2, in der Provinz ©Sie 67,' in
^.0' davon 120 Personen in Bulak an der Cholera gestorben. Unter den in ftorbcn® nVrbeiKn be^anben 85 5Itere Personen und 24, die im Hospital ge- !!" »?"•", 'SMS S SS
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, ^^rin, 27. Juli. Die Königin von Portugal ist nach der Schweiz aogereist. Die königliche Familie geleitete dieselbe nach dem Bahnhof, wo die Behörden und eine zahlreiche Volksmenge erschienen waren.
xn>?.» 5!: $ul(' lTisza-Eszlarer ProceßO Der Staatsunwalt Szetffert
öffnet die Reche der Plaidoyers durch eine Rede, in welcker er zunächst den laut ge- ^rwurf zurückweift, als habe er zu Beginn der Verhandlung nur entlastende Momente angeführt. Jetzt nach Abschluß des Beweisverfahrens müsse er erklären, daß iinriAH67 U*!?n9 ^^ft nur entlastende Momente zu Tage gefördert habe. Es sei eine hpn Uf.nbk» 0e?Aen verstoßende Auffassung, daß der Staatsanwalt nur
i“ c.? bJe Angeklagten belastende Momente aufzudecken. Der Staats- bJe des rituellen Mordes fallen und bemerkt, daß die Aussagen des n ?$ar un5Qtt6ar seien. Auf d n Dadaer Leichenfund übergehend, spricht er hPt«n%G^er^U?Un0 ba§ Bestimmteste dahin aus, daß die gefundene Leiche diejenige ^^rSol^ossyfei Der erste ärztliche Befund sei ihm kein Beweismittel, die Veite Kritik diel es Besundes habe einer der Aerzte durch die offene Erklärung geübt: Arenn wir gewußt hätten, welche Consequenzen die Sache haben würde, dann hätten °f«er9 ßrTarpL Das Gutachten der Pesther Universitüts-Pl ofesforen acceptirt tsanwa^lt als Beweis und hebt hervor, daß es diesen gelungen fei, die Wahr- ..L,aQo ?en bringen. Die Esther Solymoffy könne unmöglich in der Weise um s^Leben gefommen sein, wie Moritz Scharf angibt, und nachdem in diesem Falle rem Substrat habe festgeNellt werden können, entfalle der Verdacht der Vorschubleistung
Der Redner schließt folgendermaßen: Nach meiner Ueberzeugung ist hier ie Gesch chte der Jrrthümer um einen Fall reicher geworden, den ich im Interesse der * älz auf das steifte beklage. Ich wünsche, ich könnte jenes Blatt aus der Geschichte heran, reißen, auf welchem dieser Fall verzeichnet steht. Nach meiner Ueberzeugung sind ,, £ ^ter anwesenden Angeklagten unschuldig an den ihnen zur Last gelegten Thaten und diese meine Ueberzeugung lasse ich von Niemandem entasten. gleichwie ich die memige Niemandem aufoctroyiren will. Wenn aber der Gerichtshof meine Ansicht über das Beweismaterial dieses Proceffes nicht theilt, wenn derselbe vielmehr die im taute der Schlußverhandlung gegen die Angeklagten aufgetauchten Daten als aus- reichende und begründete Beweise anerkennt, so möge er sich durch meinen Antrag nicht deschranken lassen, sondern mit dem Gesetze in der Hand und mit dem Rechtsgefühl cS 'einetP bigenen weisen Ermessen ganz unbeirrt das Urtheil sprechen.
In diesem Momente sind die Blicke des ganzen Landes, ja der ganzen gebildeten Welt aus uns gerichtet. In diesem Momente trachte Niemand, die Last, die ihm zugemeffen ci ^f^ultern Anderer zu wälzen Thue Jeglicher von uns, was ihm die Pflicht gebietet, und Jeder von uns besitze den Muth, die Verantwortung dafür zu übernehmen, was er gethan. Ich halte die Angeklagten für unschuldig und beantrage, dieselben von der Anklage und deren Folgen freizusprechen.
Nach dem Staatsanwalt ergreift der Advokat Szalay als Vertreter der Wittwe Solymoffy das Wort und beklagte zunächst das Verhalten des Staatsanwalts, welcher dre Belastungszeugen stundenlangen Torturen durch seine Fragen unterzogen habe, wahrend er die falschen Entlastungszeugen sorgfältig schonte. Szalay wurde im Laufe seiner Rede so erregt, daß der Präsident sich gezwungen sah, ihn zur Mäßigung zu malmen und vor persönlichen Invektiven zu warnen. Szalay suchte sodann nachzu- weffen, daß ein ritueller Mord nicht nur denkbar sei, sondern in der Geschichte oft dagewesen fei und von den jüdischen Gesetzen und heiligen Büchern geboten werde. Auch möcht? ße8Cnroärti0en ^lle liege er vor, wie sehr ihn auch jüdisches Geld vertuschen
. Dte Auslassungen Szalays wurden alsbald wieder so heftig, daß der Präsident ?? 1 'sünuHebßnffe erklärte, er werde nicht weiter dulden, daß der Redner von der Sache abweiche, ben rituellen Mord betone und Religionshaß predige. Das Publikum begrüßte diese Erklärungen des Präsidenten mit Eljenrufen, was der Präsident rügte, tnbern er zugleich drohte, er werde den Saal räumen lassen. Szalay schloß seine Rede mit der Aufforderung, nicht das Schächtermesser gegen das Kreuz siegen zu lassen.
ir an r b<öer Funtak betonte, man müsse schamrotb werden, wenn man sehe, wie viele Menschen sUbft unter den Gebildeten an das Märchen von dem rituellen Mord glaubten, in den breiten Schickten des Volkes habe es freilich keinen Glauben gefunden. Funtak wies nach, daß die Beschuldigung des rituellen Mordes niemals erwiesen worden sei so oft auch in vergangenen Zeiten von den Angeklagten durck Torturen ein Gestandniß erpreßt wurde. Noch niemals habe ein Konvertit etwas über eine derartige Blutbeschuldigung zu verratben gewußt. Keine europäische Regierung würde Juden dulden, wenn ein Wort davon wahr wäre, nur im ungarischen Parlament habe dieses unglückliche Wort ausgesprochen werden müssen. Redner wies auf die traurige Lage hin, in welche sein Klient Salomon Schwarz durch die Anklage gerathen sei, betonte die Haltlosigkeit der Aussagen Moritz Scharfs und plaidirte für Freisprechung.
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Gefundene Gegenstände:
1 Regenschirm, 1 SonnenMrm, 1 Kinderschuh, 1 Handschuh, 1 Recbenbuch, 2 Taschentücher, 1 Portemonnaie mit Inhalt, mehrere Schlüssel und Hunde- ^Gkeßek^dm 28 Ä S“* 1 3°ld°n° Armspange, 1 goldenes Armband.
B oen ^uU lbö3- Großherzoglrches Polizeiamt Gießen.
——___i—Fresenius.
Nr. 173 Erstes Blatt. Sonntag den 29. Juli 1888
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Amts- tmb Anzeigeblatt für ben Kreis Gießen.
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’ .27‘ Julü Der Gesandte ö. Schlözer begab sich heute Nach- nirttag nach Potsdam und wurde dort vom Kronprinzen empanaen. Gestern empfing der Kronprinz den Afrikareisenden Lieutenant Wißmann.
x anT<?Ut^n' Der Generalverfammlung des allgemeinen
„Richard Wagner-Verems wohnten die Vertreter von 65 Städten, der Verwaltungsrath und mitwirkende Künstler bei. Nach einem warmen Nachruf an Wagner theilte der Verwaltungsrath Groß mit, dem bestimmten Willen Waq- solg-nd bleibe der „Parsisal" auch künftig Bayreuth erhalten. Die nächst- Mhngen Aufführungen feien defimtw beschlossen und gesichert. Die Versammlung genehmigte die bisherigen Staturen. Die Hauptaufgabe des Vereins bleibt die Fortführung Der Buhnenfestspiele für alle Zeiten.
, . Paris, 27. Juli. Die Kammer nahm den Antrag Rousseaus, wonach em Deputtrter, der einen Posten im Verwaltungsrathe einer Eisenbahn-Gesell- Ichaft annimm(, als des Mandats verlustig anzusehen ist und sich einer Neuwahl unterwerfen muß, an. Sie genehmigte ferner mit 340 gegen 134 Stimmen die Convention mit der Lyoner Eisenbahn.
Brüssel, 27. Juli. Die Kammer nahm mit 71 gegen 66 Stimmen den ersten Artikel der Vortage über die Erhöhung der Tabaksteuer mit dem ämendement an, wonach der Eingangszoll für unsabricirten Tabak und Tabakblätter statt 100 nur 75, für Cigarren und Cigarretten 300 (wie in der Vorlage), für andere Tabake statt 130 nur 100 Frcs. beträgt.
— Die Kammer nahm die ganze Vorlage über die Erhöhung der Tabaksteuer, lowle verschiedene Amendements mit 71 gegen 66 Stimmen an, desgleichen ein Amendement, wonach Tabaksendungen, welche bei Eir:brülgung des vorliegenden Gesetzes bereits unterwegs waren, von dem neuen Eingangszoll gänzlich befreit m sollen.


