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Hx. 277, Mittwoch den 28. November LOGA

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Durra«r Schulstrahe 7.

Telegraphische Depeschen.

Wolsf'S triegr. Sorresponvenz-Bueenu.

Breslau, 26. November. Einer amtlichen Meldung aus Zabrze zufolge ist gestern ein Dampfkessel der Nedenhütte explodirt; 4 Personen wurden ge- tödtet, 7 verwundet, der Betrieb ist ungestört.

atrtria 26 November. »Temps" bespricht das Decret Chinas, betreffend die Kriegs^rberettungsm^Er tadelt das Zaudern Frankreichs. Es wäre Zeit, Mretchen e (sstreitfrafte nach Tonakina m senden, um das unternommene Werk zu beenden. Hnsammenfftmna des Verstärkungscorps sei fesigestellt, all s bereit, die sofort h.eizir nesiamrten Trnvven mindestens zwei Regimenter zu je drei, achthundert Mann stark n Bata llonen, etnznschiffen. Gleichzeitig solle man jedes der drei in Tongking strhendeN afrikanischen Bataillone auf achihundert Mann mrsiamih

Politische Ueberflcht.

Gießen, 27. November.

Unter den Jubelrufen der Bevölkerung ist Kronprinz Fried­rich Wilhelm am Freitag in Spaniens Hauptstadt, und an der Seite König Alfonso'ö, eingezogen. War schon der Empfang in Valencia ein äußerst sym­pathischer, so gestaltete er sich in Madrid zu einer einzigen ununterbrochenen Kundgebung für den deutschen Kaisersohn; auf dem ganzen Weg wurde der Kronprinz mit fortwährenden sympathischen Zurusen begrüßt und von den Balcons wehten die Damen mit ihren Taschentüchern. Aus der ganzen großen Strecke von Valencia bis Madrid war dem Extrazuge mit dem hohen Gaste auf allen Bahnhöfen und bei jedem Wärterhause von Doppelposten der National- qarde salutirt worden, eine ganz seltene Auszeichnung. Madrid war bis m Die entferntesten Stadttheile prachtvoll mit Fahnen, Teppichen, Gmrlanden und Wappen geschmückt; das Militär bildete in den Straßen Spalier und unauf­hörliche Ovationen der Bevölkerung begleiteten den Kronprinzen und den Komg während der ganzen Fahrt bis zum königlichen Schloß.

Der Vundesrath hat in seiner am Donnerstag abgehaltenen Sitzung u. A. die Verlängerung des Kleinen Belagerungszustandes über Berlin und Um­gegend bis zum 30. September 1884 beschlossen.

Die kirchenvolitische Frage scheint für die nächste Zeit /'kaltge­stellt" worden zu sein. Die Eröffnungsrede zum preußijchen Landtag enthalt über diesen Gegenstand nicht die geringste Andeutung und so darf man wohl annehmen, daß die Regierung keine Aenderung in den bestehenden tirchenpolltr- schen Gesetzen eintreten lassen will, wenigstens vorläufig nicht. Die Verhand­lungen mit der römischen Kurie nehmen nach den Versicherungen der officiosen Blätter ihren ungestörten Fortgang, was allerdings dabei herauskommen wird, scheint für Berlin wie für Rom em Geheimniß zu sein. Jedenfalls wird aber die kirchenpolitische Frage in dieser oder jener Form im Abgeordnetenhause zur Sprache kommen, sie ist nun einmal zu wichtig, als daß sie so ohne Werteres fallen gelassen werden sollte und darf man wohl diesbezüglichen Anträgen aus der Milte des Hauses entgegensehen. .

Der Münchener Magistrat hat ein bemerkenSwerthes Beispiel von Toleranz gegeben. Im Budget der Stadt München ist neben dem Bau von drei katholischen Kirchen auch der einer protestantischen Kirche und einer Syna­goge vorgesehen und hat der Magistrat in einer semer letzten Sitzungen be­schlossen , den für die genannten Bauten ausgesetzten Zuschuß un Betrage von 630 000 -X zu bewilligen. Aus dem bayerischen Landtage wird gemeldet, daß die Petition des Landes-Ausschusses der deutschen Volkspartei um Einfüh­rung des allgemeinen directen Wahlrechtes abgelehnt worden ist. .

Die Colonialpolitik beider Westmächte scheint in eine bewegte snhafe eintreten zu sollen. Der Ausbruch des Krieges zwischen Frankreich und 66ia S unmMar tum, imb di-Ni-d-rl-g° Sick- P-!ch°. >m Sudan kann nicht ohne Rückwirkung auf die Stellung Englands tn Egypten bleiben. Schwierigkeiten thürmen sich dort wie hier empor, und wenn ffe auch nicht gerade unüberwindlich sind, so sind sie doch groß genug, um,beiden Machtenim schaffen zu machen. Dabei dürsten recht artige Früchte der sog. westmachtlicyen Allianz zu Tage treten. Es ist eine, wenngleich nicht officiell emgestandene Thatsache, daß der treibende Faktor Des zähen chinesischen Widerstandes gegen die französischen Expansivgelüste in Oftasten nicht so sehr der Dunkel und der Fanatismus des chinesischen oder anamitischen Mandarinenthums, als die ent­schiedene Abneigung Englands gegen die Etablirung einesgrvßenranzostschen Colonialstaates an der asiatischen Küste des Großen Oceans ist. Engiland p tendirt die Monopolisirung des gesammten chmepchen Außenhandelsund sieht in der Festsetzung Frankreichs in unmittelbarer Stahe der chinesischen Grenzen eine permanente Bedrohung seiner eigenen dortigenBefi^bungen Es ' daher kein fiwcifel, daß in dem bevorstehenden franco - chinesischen Conflicte Englands Sympathien auf Chinas Seite sich befinden werden. Andererseits hort inan, daß die Truppen des Mahdi, welche das Heer Hicks Paschas vernichtethaben, von einem Franzosen organisirt und befehligt worden find, der unmittelbar nach dem Bombardement Alexandriens sich zum Mahdi aus dm Weg gemach und das Vertrauen desselben (vielleicht durch directe Emp ehlungen M an Mischen Vertreters in Egypten?) gewonnen hatte. Dazu kommt, daß gerade jetzt die mit den Negierungskreisen Fühlung haltenden Pariser Blatter vonl der englischen Politik in Egypten sowohl, wie auch in Syrien wred°r so wegwerfend sprechen als wie je in den Tagen der Enttäuschung, da, England seinen Freund" undBundesgenossen" in so unzweideutiger Weife aus hinauscomplimentirte. Die Katastrophe im Sudan wird von dm französischen Blättern ohne ein Wörtchen des Bedauerns reglstrirt; fa aus der Art und Weise, wie sie von dem Ereigniß Notiz nehmen, merkt man die^msgehelm empfundene Genugthuung heraus, die sich sehrwohlcrkaren atz Ervansiv- Frankreich zum Durchbruch gekommenen Erkenntmß, datz den EN Expansiv Bestrebungen aller Orten und zu allen Zeiten die englische Elfeisucht undMeben buhlerschaft hemmend in den Weg tritt. Alle, künstlich gedrechselten^Freun schaftS-Betheuerungen helfen über den Umstand nicht hinweg, daß Englands un Frankreichs coloniale Interessen collidiren und daß -nthms.b«d« da in Gegensatz zu einander gerathen, wo sie a priori birect gar nicht engag zu sein scheinen. .. .

Der ungarische Reichstag beschäftigt sich migenblicküch mst emem Gesetzentwürfe über die Civilehe zwischen Christen und -juben. Der Minister

Präsident Tisza versicherte hierbei am Donnerstag in sehr nachdrücklicher Weise, daß er den antisemitischen Hetzereien nunmehr mit aller Strenge entgegentreten würde und daß hierbei auch die Möglichkeit einer Unterdrückung der ausge­sprochen antisemitischen Organe durchschimmere; das Haus zollte den Ausfüh­rungen Tisza's lebhaften Beifall. ,

Der französisch-chinesische Conslict scheint sich wirklich zu einem Kriegsfall zuspitzen zu wollen. Die chinesische Regierung hat für ihre un Nor­den Tongkings stehenden Truppen in der Person Lin-Hans einen neuen Ober- besehshaber ausersehen. Außerdem sollen demnächst Geldmittel und Munition an die in der südwestlichen Grenzprovinz Jünnan stehenden Truppen abgehen, und haben dieselben den Befehl erhalten, sofort an die Grenze zu rucken, um sich mit denSchwarzen Flaggen" gegen die Franzosen zu vereinigen. In den übrigen südlichen Provinzen des chinesischen Reiches sollen die dort vorhandenen Streitkräfte nur die Grenze decken, ohne sie zu überschreiten. Diese Maßregeln, verbunden mit der Drohung, China würde den Vormarsch der Franzosen auf Bacninh als einen casus belli betrachten, deuten in der That darauf hin, daß China nicht länger gewillt ist, den müßigen Zuschauer in Tongking zu svielen und darf man gefpannt sein, wie Frankreich diese drohenden Schritte der chine­sischen Regierung beantworten wird. Die französische Deputirtenkammer hat am Freitag zwei antiklerikale Anträge angenommen. Dieselben wurden von dem radikalen Deputirten Roche eingebracht und wird nach dem einen derselben der Gehalt des Pariser Erzbischofs von 45,000 auf 15,000 Frcs. herabgesetzt, nach dem andern werden die Stipendien für die Seminarien aufgehoben; beide Anträge waren vom Justizminister Feuillöe lebhaft bekämpft worden. Schon in der vorigen Session hatte sich die Deputirtenkammer mit dem Anträge be­züglich der Gehaltsverminderung des Erzbischofs von Paris zu befassen, doch wurde derselbe damals abgelehnt; die antiklerikale Strömung tn der Deputir­tenkammer muß demnach bedeutend gewachsen sein. .

Der große Rath von Bern hat den Antrag aus Aushebung der altkätholischen Fakultät an der Berner Hochschule mit 150 gegen 30 Stimmen abqelehnt. Bei Thonon am Genfer See stießen am Freitag Nachmittag ziver Schiffe zusammen, wobei, soviel bis jetzt bekannt, 20 Personen ums Leben ge­kommen sind. _ .. r , . .

lieber die Organisation des feuischen Geheimbundes m Nordamerika hat jetzt ein Mitglied desselben imStandard" interessante Ent­hüllungen gemacht. Die Leiter des Geheimbundes haben über Tod und Leben ihrer Mitglieder Gewalt und besitzen überhaupt eine unbeschränkte Herrschaft, -^der der den Befehl erhält, ein Attentat auszuüben, muß diesem Befehl sofort und mit Hintansetzung aller persönlichen Interessen nachkommen wenn er nicht vom Bunde geächtet werden will. Der Geheimbund erstreckt sich aus alle Kreise der amerikanischen Gesellschaft und selbst unter New-Yorker Postbeamten sollen sich Mitglieder desselben befinden. . ,

Die Lage der egyptischen Regierung ist un Sudan durch dre Vernichtung des gegen den Mahdi ausgesendeten Expeditions-Corps eine sehr kritische geworden. Auf die Vorstellung des Gouverneurs des Sudan hat der Khedive die Räumung der Positionen am blauen und weißen Nil angeordnet. Die Truppen am blauen Nil sollen in Sennaar, die am weißen Nil m Khar­tum concentrirt werden, wodurch die Garnisonen beider Städte sich aus je 4000 Mann erhöhen. Im Nothsalle soll die Garnison Sennaars diesen Ort räumen und sich nach Khartum zurückziehen. Der Gouverneur dieser Stadt wird sich mit den dort befindlichen englischen Functionären über die öertl)eit)u gungS-Maßregeln verständigen.

Deutschland.

Darmstadt, 26 November.. Die erste Kammer der Stände tritt voraussichtlich Dienstag den 11. December für mehrere Sitzungen, hauptsächlich zur Erledigung der Steuergesetze, zusammen.

England.

26 November. DerTimes" wird auS Khartum von Mr. Power netnpihrt Die Katastrovbe im Sudan wird vollständig bestätigt. Araber berichten, bafi eine große Rebell-narmee sich nahe bei Khartum befindet. Der Mühbi hat allen Xrvt rrten tlPrfinfPtT (Sftrctbß Tldd) 1U fdlbCIt» hllOlll HUT |UK CtHCH

Mona^rnnüa^ blos 2000 Mann, nm eine 4 (engl.) Meilen lange

^?rbftihHunrsHnktiuDert&e!bißcn. Die Bevölkerung ist ein schlummernder Vulkan. Di-NückmaSliMe m Lande ist veischlossen und diejenige auf dem Flusse kann morgen hängen, bes.tzt- Oberst Coetlegon leistet dem Pascha Beistand.

r v m . Preis vierteljährlich 2 Mar! 20 Ps. mit Bringerlohn.

Erscheint tirgltch mit Ausnahme des Montags. $urct) bie spcft biogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pt.