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2. die Ertragnisse, soweit sie hierzu keine Verwendung finden, alljährlich dem Kapital zugeschlagen werden,

3. die Verwendung der Erträgnisse zu dem unter 1 angegebenen Zwecke dem Großherzoglichen Ministerium des Innern und der Justiz zusteht,

4. vor Verwendung des ursprünglichen Kapitals selbst oder von Theilen des­selben die gedachte Behörde das Gutachten einer Commission einzuholen hat, die durch Wahl je zweier Mitglieder durch die Kreisausschüsse der an den Rhein, Main und den Neckar angrenzenden Kreise zu bilden ist, und

5. die Ergebnisse der Verwaltung alljährlich im Regierungsblatt bekannt gemacht werden".

Straßburg, 23. October. Die amtlichen Nachrichten über die Verbrechen, welche in der vergangenen Nacht hier verübt worden sind, lauten wie folgt: 1) Heute Nacht zwischen 10 und 11 Uhr wurde der Droschkenkutscher Michael Schätzte von drei Männern, welche mit dem Lauterburger Zuge hier angekommen waren, zu einer Fahrt nach Kronenburg engagirt; unter dem Vtaduct am Kronenbergerthor angekommen, veranlaßte ihn ein Klopfen aus dem Innern, zu halten. Nachdem Schätzte abgefttegen und ans Fenster der Droschke getreten war, wurde er von einem der Fremden, welcher mit ihm auf dem Bock gesessen hatte, gepackt, am Halse gewürgt und gegen das Fenster des Wagens gestoßen. Gleichzeitig versuchte ein anderer Fahrgast, ihm ein anscheinend mir Chloroform getränktes Taschentuch an das Gesicht zu drücken. Auf sein lebhaftes Geschrei entflohen die drei Angreifer, ohne ihm etwas geraubt zu haben. 2) Heute Nacht gegen 123/4 Uhr wurde an dem Gehülfen des Apothekers Reeb, Langestraß^^ Namens Franz Ltenhardt, 42 Jahre alt, aus Niederbronn, ein Raubmord verübt. Ltenhardt war, wie festgestellt, von einem Unbekannten herausgeschellt und anscheinend mit der Anfertigung eines Recepls beauftragt worden. In der Apotheke wurde er überfallen und anscheinend mit einem Messer ermordet. Es fanden sich schwere Ver­letzungen an der rechten Hand (welche auf einen Kampf schließen lassen), des Schädels und Stiche in der Herzgegend vor. Die Kassenschublade fand sich erbrochen und ihres Inhalts von 15 Mark beraubt. 3) In der verflossenen Nacht um 1 Uhr wurde von der Ablösungsmannschaft der am Pulvermagazin hinter dem Anatomtegebäude als Posten stehende Musketier Adels der 3. Compagnie 1. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 25 am Kopfe schwer verletzt und besinnungslos am Boden liegend vorgefunden. (Der Tod erfolgte 12 Stunden später.) Sein Gewehr war am Kolben vollständig zertrümmert, mit Hirnmasse beschmutzt. Auch waren die Schloßtheile verbogen. Neben rhm wurde ein oft gebrauchter falscher hellbrauner Bart und ein übrigens nicht mit Blutspuren versehenes Messer mit festem Holzstiel vorgefunden. Der Umstand, daß die von dem Verletzten getragene Uhr fehlt, scheint auf einen Raubmord htnzudeuten. Das Gouvernement hat befohlen, daß von heute ab die Posten mit geladenem Gewehr und aufgepflanztem Seitengewehr aufziehen.

Die ^Straßb. Post" schreibt über die Mordthat in der Storchenapotheke: Es dürfte feststehen, daß der Apotheker Ltenhardt vom den Raubmördern in dem Augenblick überfallen worden ist, in welchem er die von der Straße in die Apotheke führende Thür geöffnet hatte. Er ist dann von dem oder den Raubmördern mit voller Gewalt an die Wand der Apotheke gedrückt worden, denn Gefäße und Kellen, welche an dieser Wand hingen, fanden sich heute Morgen eingedrückt vor. An dieser Wand befindet

sich eine elektrische Klingelleitung, auf deren Knopf zu drücken der Ueberfallene noch die Geistesgegenwart hatte. Bei dieser Gelegenheit muß ihm dann einer der Mörder mit einem scharfen Messer di- Hand von dem ausgestreckten rechten Arm fast abge­schnitten haben. Lienhardt hat sich dann mit der linken Hand gewehrt und so mit derselben in das Messer gefaßt, denn die linke Hand ist tm Innern durchschnitten. Hier sind die Finger fast abgetrennt. Die weiteren Spuren deuten darauf hm, daß der Ermordete gegen eine Thüre hin, welche zum Hinteren Haustheile führte, hat ent­weichen wollen. Hierbei 'st ihm der Streich über den Kopf versetzt worden. Auch wird er, nachdem er zu Boden gesunken war, dort die Stiche in die Herzgegend und an der Schlagader des Beines erhalten baden. Die Kassenlade wurde Vormittags am Desaixftaden leer aufgefunden. Der Kutscher Schätzle hat die drei Männer später, als er auf der Suche nach Schutzleuten war, in der Bahnhofsgasse wtederpesehen. Einer der Mörder muß von Lienhardt verletzt worden sein, denn an dem Tbatort fanden sich ein Papierkragen, ein Stück Hemdenknöpfchen und ein Stück abgerissener stählerner Uhrkette vor. Nach den Blutspuren am Thatort zu urtheilen, sind auch die Mörder mit Blut bespritzt worden.

Heute meldete ein Telegramm, daß in Bischweiler am Bahnhofe eine Frau die Aussage gemacht habe, sie sei heute Morgen mit dem ersten Zuge von Straßburg aus mit einem Manne in einem Coup6 gefahren, der sehr aufgeregt gewesen fei und Aeußerungen gethan habe, bie darauf schließen ließen, daß er in vergangener Nacht in Straßburg Jemand ermordet habe. Weiter tft es der rührigen Polizei hier gelungen, zu ermitteln, daß bei einem hiesigen Kartenmädchen in der Nacht gegm 3 Uhr ein Mann Einlaß begehrt und erhalten hat, der nach des Mädchens Aussage überaus aufgeregt gewesen sei und gegen 63/< Uhr mit Hinterlassung eines Fünfmarkstückes sie verlassen habe. Das Oberhemd des Mannes soll mit Blut befleckt gewesen sein. Weiter wurde heute hier als der That verdächtig ein Mctzgerknecht verhaftet; der Mann war betrunken, als er in das Untersuchungsgefängntß abgeführt wurde. Die Polizeibehörde hat sofort nach dem Bekanntwerden der That die größte Anstrengung entwickelt, um der Thäter habhaft zu werden. Sofort, und zwar gleich nach 21/« Uhr, wurden der Centralbahnhof, der Metzgerthorbahnhof und der Bahnhof in Kehl von Schutzleuten besetzt. Nach 30 verschiedenen Städten ist telegraphirt worden. Den ganzen Tag über sind die Beamten der Polizei, hoch und niedrig, nicht aus dem Dienste gekommen. Daß die beiden Raubmorde die Bewohner Straßburgs >n große Aufregung und Beunruhigung versetzt haben, läßt sich denken. In allen Straßen der Stadt sah man Gruppen von Menschen stehen und sich die grausigen Vorkommnisse der Mordthat erzählen. Die Straße vor der Reeb'schen Apotheke wurde den ganzen Tag über nicht von Menschen leer und drei Schutzleute hatten dort vollauf zu thun. Wie uns weiter mitgetheilt wird, erregt die Ermordung des Lienhardt deshalb unter der Bevölkerung so großes Beileid, weil der Ermordete im ganzen Stadttheil eine sehr populäre Persön­lichkeit war. Besonders bei den armen Leuten hat er sich sehr beliebt gemacht und Tausende sind ihm zu großem Dank verpflichtet. War Jemand und besonders Kinder in der Familie erkrankt und der Arzt konnte oder wollte nicht geholt werden, so wandte man sich nur an denFrancois", der stets mit Rath beistand und sich nicht scheute, bei plötzlichen schweren Erkrankungen in kalter Nacht den Kranken in aufopferungs­vollster Weise zu besuchen. Der Ermordete soll ohne Vermögen und somit seine Familie jetzt bülflos sein.

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Donnerstag den 1, November, Abends 8 Uhr, beginnt die Fortbildung s schule ihren Unterricht. Zum Besuch derselben sind alle diejenigen jungen Leute verpflichtet, die in den letzten drei Jahren aus der Volksschule entlassen worden sind.

Die Prüfung und Eintheilung in Klassen erfolgt Mittwoch den 31. Oetober, 8 Uhr Abends, und zwar für die Vierzehnjährigen im Lokal Nr. 3 des Schulhauses in der 'Mustadt, für die Fünfzehnjährigen im Lokal Nr. 4 des Schulhauses in der Schulstraße und für die Sechzehnjährigen im Lokal Nr. 3 des Schulhauses am Asterweg.

Etwaige Gesuche um Dispensation sind rechtzeitig bei Großherzoglicher Kreis-Schulcommission einzureichen.

Wir ersuchen nunmehr die Meister, Lehrherren und Arbeitgeber, die gesetzlich verpflichtet sind, ihren Lehrlingen, Dienern und Arbeitern die zum Besuch der Fortbildungsschule nothwendige Zeit einzuräumen, diese auf die Wichtigkeit dieses Unterrichts aufmerksam zu machen und zu einem pünktlichen, regelmäßigen Schulbesuch anzuhalten, weil nur alsdann etwas Ersprießliches geleistet werden kann.

Gießen, den 24. October 1883.

Für den Schulvorstamd Gießen.

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