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liberaler Sette bezweckt und deren passives Verhalten fei damit erklärbar. Aber für im höchsten Grade bedauerlich hält es dieNorddeutsche" mit Aba. Tiedemann, datz die Negierung bei keiner der nationalen Parteien Unterstützung in ihrem Kampfe gegen die polnischen Bestrebungen findet.

Leipzig, 24- Februar. In dem Patentproceß Pfeffer wider Professor Scheibler, welcher das Melasse-Entzuckerungüverfayren durch Strontiantt zum Gegenstände hat, stand deute auf die Berufung deü schon in erster Instanz mit der Nichtigkeitsklage ab­gewiesenen Klägers Pfeffer Termin vor dem Reichsgerichte an. In demselben nahm der Berufungskiäger Pfeffer die Berufung zurück und wurde auf Antrag der Verklagten des Rechtsmittels für verlustig erklärt und zur Tragung sämmtlicher Kosten verurtheilt. Die Rücknahme erfolgte, nachdem die von dem Reichsgerichte veranlaßte umfangreiche Beweisaufnahme nicht zu Gunsten des Klägers ausgefallen war. Der Verklagte, Professor Scheibler, und das als Litisdenunziat mit ihm verbundene Consortium der Siationalbant für Deutschland, waren durch dcn Reichsgerichtsanwalt Dr. Neuling und durch den Rechtsanwalt Dr. Alexander Katz (Berlin) vertreten.

England.

Dublin, 25. Februar Gestern wurde im Postamte von Ballydehob ein mit Dynamit gefüllter Brief aufgefunden, welcher an den Bicekönig von Irland avrejsirt lüar.

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Gießen, 27. Februar. Gestern Vormittag wurde amWestphäl. Hof" eine größere Anzahl Herren abgesaßt, welche dottselbst eben eine Pistolen-Menfur erledigt hallen. Wir haben bisher von dieser Sorte Duelle, von welchen beiläufig gesagt seit Neujahr nicht weniger denn neun zum, wenn auch unblutigen, Austrug kamen' keine Notiz genommen und solche mit Stillschweigen übergangen. Wenn aber diese Unsitte so offenkundig wird, daß z. B. Samstags Jedermann, ja jeder Schulbube weiß daß auf demWindhof" eine Pistolenmensur statifindet, dann ist es an der Aeit daß auch die Presse ihrerseits nicht mehr schweigen kann. Die Folgen dieses offenen Treibens sehen wir ja an den Vorgängen und Untersuchungen über Schülerver­bindungen rc. an den höheren Lehranstalten. Dem Vernehmen nach soll von Seiten der Ober-Polizeibehörde ganz energisch gegen diesen Duell-Unfug eingeschritten werden.

W. Das Adreß-Buch der Provtnzial-Hauptstadt Gießen für das Jahr 1883, herausgegeben von Herrn Redacteur A. Scheyda, ist nunmehr erschienen und enthält im Anschluß an das sehr übersichtlich geordnete Straßenverzeichntß ein Namensregister der Hausbesitzer, ein alphabetisches Verzeichnitz der Bewohner und sämmtlicher Geschäfts- und Gewerbetreibenden Gießen«. Es folgt hierauf ein Ver- zeichniß aller Ctvil-, getstlichen und Militär-Behörden, der Lehranstalten, sowie der Wohltdatigkeits- und Sanitätsanstalten, der Handels- und Verkehrsbehörden, sowie oller Vereine. Den Behörden, Beamten, Lehrern und Instituten der Ludwigs-Univer­sität ist ein ausführliches Register gewidmet; desgleichen den Militärbehörden, über bfe eine genaue Rang- und Quartierliste jedwede Information gewährt. Fügen wir noch hinzu, datz auch der Derkehrsanstalten, wie Post. Main-Weser-, Köln-Gießener und Oberhessischen Eisenbahn, sowie sämmtlicher Tarifsätze oller dieser Verkehrsmittel ausführliche Erwähnung gethan ist, so glauben wir, nicht nur Geschäftstreibenden, sondern auch Beamten und Privatleuten das durch eine Fülle von Material aus­gezeichnete Buch bestens zur Anschaffung empfehlen zu können. Auch die Reglements der Locolbehorden sind in dem vorzüglichen Werke ausgenommen und empfiehlt es sich auch den Hausfrauen zur Anschaffung, da es über die Verpflichtungen der Herrschaften und Dienstboten durch einen Auszug aus der Gesindeordnung Auskunft gibt Die Ausstattung der gebundenen Exemplare ist elegant und geschmackvoll, das Werk alfe in jeber Beziehung nur empfehlenßwerth.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Correspondenz-Bureau.

Berlin, 26. Februar. Abgeordnetenhaus. Cultusetat. Reichensperger (Köln) bespricht verschiedene Mißstände auf den Universitäten, wie das Duellwescn, die Ferien- erntheilung, die Cllquenwnthschaft der Profefforen u. a-, und verlangt neben Staats - Universitäten freie Universitäten. Stöcker bringt Dubois' Rede über Darwinismus abermals zur Sprache. Virchow vertheidigt Dubois und bezeichnet Stöcker's Aus­führungen als Ketzergericht Windthorst verlangt, das CultuSministerium solle seine Mißbilligung über Dubois' Vorgehen auSsprechen. Der Cultusminister bestreitet das Vorhandensein der gerügten Mißstände, insbesondere die Beemfluffung des Ministeriums bei der Besetzung der Professuren. Darwin's Lehre sei nicht ohne Widerspruch ge­blieben, zwischen Religion und Wissenschaft bestehe kein Gegensatz, zur Förderung freier Universitäten könne er nicht die Hand bieten, da sie zur Förderung freier Wissenschaft nichts beitragen würden. Bei der Position für bte Universität Halle bringt Majunke Bcnchlag's Brief zur Sprache und klagt über die Ausführungen desselben aegen den Katholicismus. Der Cultusminister entgegnet, er habe die Schrift gelesen, könne aber dem Verfasser derselben nicht zürnen, wenn er in der Schrift Vorstellungen mache, daß die Unterrichtsoerwoltung nicht recht verfahre. Etwas anderes sei es, wie weit er (Minister) denselben Folge zu geben gedenke. Windthorst bedauert, daß die protestanti­schen Professoren nicht mehr kirch?npolitische Fraaen besprechen könnten, ohne Ausfälle auf die Katholiken zu machen. Der vierhundertjabrige Geburtstag Luther's könne, an- tkatt eine Feier der inneren Kräftigung des Protestantismus zu fein, eine lediglich polemische Feier gegen die Katholiken werden. Bei der Position für die Universität Bonn weist Fürth darauf hin, daß Bonns Beliebtheit als Universität in den Rhein­landen wegen unzweckmäßiger Besetzung der katholischen Proseffuren im Abnehmen b griffen sei. Der Minister sagt erneute Prüfung der Beschwerde, eventuell deren Ab­stellung zu.

Fortsetzung morgen.

DieNordd. Allg. Ztg." weist in ihrer heutigen (26.) Abendnummer auf den Unterschied hin, der in der Sprache deS letzten Schreiben? der Curie und in der Sprache der CentrumSführer zu Tage trete. Wenn auch der Inhalt deS Schreibens auf Erzielung möglichst günstiger Bedingungen für die Verständigung berechnet sei, so leuchte doch aus demselben die wohlwollende Höflichkeit des Papstes und Jacodini's hervor, während hn schroffsten Gegensätze dazu die Reden der Centrumsführer den stempel zorniger Grobheit gegen den Minister trügen und den Eindruck machten, als ob man durch herausfordernde Schärfe in der Form der Regierung jedes Entgegen­kommen abschneiden wolle. Windthorst lebe nur vom Kampfe und wolle denselben um jeden Preis. So lange das Centrum Windthorft's Führung folge, könne die Regierung nicht auf Frieden rechnen.

Wien, 26. Februar. Die in der KaminSki'schen Angelegenheit einge­setzte parlamentarische Untersuchungs^Commission beschloß derPolit. Corresp." zufolge, zunächst die Negierung auizusordern, sich über diese Angelegenheit zu äußern und dazu die Erklärungen des gegenwärtig in Wien anwesenden Ka­minski entgegemunehmen.

Paris, 26. Februar. Der Herzog von Chartres bat gestern sein Commando in Rouen niedergelegt. Vorher hatte derselbe einen Regimentsbefehl an die ihm unter­stellt gewesenen Truppen erlassen, in welchem eS heißt: Unterstützet meinen Nach­folger, beweiset durch Euren Eifer, Sure Hing-chu^g und Euren absoluten Gehorsam gegen die Gesetze des Landes und bte militärische Vorschriften, daß bP Lehr n welche ub Euch gab, stets der Ehre und Vaterlandsliebe entsprangen. Der Herzog von Chartrr« ist g-flnn Aberd h^r Hngefroffen-

Brüssel, 26. Februar. Zu der Dynamit-Explosion, über welche gestern berichtet wurde, meldet dieGazette de Bruxelles"' bestätigend, daß eine Be­schlagnahme von^ Koffern stattgesunden hat, welche Briese und Documente, mei- stentheils in russischer und italienischer Sprache, über eine ausgedehnte, von den Anarchisten organifirte internationale Verschwörung enthalten. Seit vorgestern sivd unaufhörlich Depeschen zwischen hier, Paris und Petersburg gewechselt worden.

Petersburg, 26. Februar. Der Herzog und die Herzogin von Edin- burgh sind heute Nachmittag nach Berlin abgereist.

Vermischte-.

Mainz, 23. Februar. In dem gegen den Rentner Marcus Loeb von Worms angestrengten Wucherprozeß wurde heute das Urtheil vublicirt- Dasselbe verurtheilte Loeb xu IVi Jahr Gefängniß, einer Geldbuße von 5000 und 5 Jahre Ehrverlust, abzüglich 6 Monate Untersuchungshaft.

. 3ena, 25. Februar. DerJenaischen Zeitung" entnehmen wir die nachstehende Richtigstellung einer auch von uns gebrachten Nachricht: Die Zeitungen der letzten Tage bringen den Abdruck einer sensationellen Nachricht aus demReichsboten" Über einige in hiesigen studentischen Kreisen vorgekommene Todesfälle in Folge von Mensuren. Diese Nachricht ist zum größten Theil unwahr, zum andern Theil entstellt. Zunächst ist unwahr, daß an einem Tage 21 Mensuren stattgefunden und daß zufällig die zu diesen Mensuren benutzten Schläger nicht gründlich gereinigt gewesen seien! Unwahr ist auch, daß bei fast allen beteiligten Studenten Blutvergiftung eingetreten sei, unwahr ferner, daß drei Studenten gestorben und noch12 hoffnungslos" krank feien. Richtig ist nur, daß bei einer Anzahl von Studenten die Kopffose eingetreten ist, eine Krankheit, deren Vorkommen sich durchaus nicht auf studentische Kreise beschränkt. Richtig ist auch, daß dn Student im Fieberwahn zu dem unheilvollen Schritt gelangte, Strychnin, welches er besessen, zu sich zu nehmen. Bei dem Zweiten wurde der Tod wesentlich durch Herzschwäche berbeigeführt-

Auch ist die aufgetretene Kopfrose überhaupt nicht unmittelbare Folge von Mensuren gewesen (dnzelne Studenten hatten nicht einmal Mensurwunden erhalten), sondern auf eine zufällige Uebertragung von Pilzen (Bakterien) zurückzuführen. An Blutoergiftun- bat feiner krank gelegen und sind sämmtliche übrige erkrankte Studenten nach wenigen Tagen genesen und bereits Alle wieder wohlauf und munter!

Kaisersl autern, 24. Februar. In der BaumwollspinnereiKamperSmühle" bei Kaiserslautern ist eine Feuersbrunst auSgebrochen, welche die alte Spinnerei mit 12,000 Spindeln zerstört hat; die neue Spinnerei mit 8000 Spindeln wurde gerettet-

Paris, 24. Februar. Ein Telegramm des New-Aork Herald zeigt an. daß ein Sturm von zunehmender Stärke sich über den Atlantischen Ocean unter dem 50. nörd- lichen Breitegrade bewegt. Derselbe wird den Norden von Großbritannien und die Südküste von Norwegen gegen den 26. bis 28. d. M. erreichen und Regenfälle unter­mischt mit Graupeln, im Gefolge haben. Auf dem Ocean wird sehr stürmisches Wetter herrschen.

sVacante Stellen für Militäranwärter im Bereich des 11. Armeecorps.j Kassel, Eisenbahn-Betriebsamt, fünf Burcauaspiranten, täglich 2,50 JL Kastel, Straf­anstalt, 2 Aufseher, jährlich 11101410 JL Dietz, Bürgermeisteramt, Ratbsschreiber, 600 J£ Hilchenbach, Bürgermeisterei, Polizeidiener, 750 v4L und freie Wohnung. Jena, Landes-Heilanstalt, Wärter, jährlich 180 JL und freie Station. Jena. Landes-Jrren- Heilanstalt, Pförtner, 15 monatlich. Meiningen, Landrath, Diener, 1200 jährlich. Wehlheiden. Strafanstalt, Bäckermeister, 10001200 JL jährlich.

Handel und Berikedr.

Gießen, 27. Februar. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund JL 1.10-1.15, Hühnereier 2 Stück 911 Käse per Stück 59 4 Kasematte per Stück 3 H, Erbsen 1 Liter 20 Linsen 1 Liter 25 Tauben das Paar 1.101.20, Hühner per Stück 1.501.70, Hahnen per Stück JL 1.70 bis <^2.00, Enten per Stück JL 2.002.20, Ochsenfleisch per Pfund 66-70 4 Kuh- und Rindfleisch 5660 H, Kalbfleisch 5456 Schweinefleisch 6264 Hammelfleisch 6670 Kartoffeln per 100 Kilo JL 7.50-9.00, Zwiebeln per Gentner

JL 57.00, Milch per Liter 1418