1883
Sonntag den 27. Mai
Zweites Blatt
Nr.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
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Preis vierteljührlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Anträge einzelner Gemeinden auf Erbauung folgender Kreisstraßen r Leihgestern-Gießen, Bellersheim-Bettenhaufen bezw. Langsdorf, Attertshaufen-Beuern, Hungen-Schotten,
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Die Verwendung des feiner Zeit noch auf Rechnung des Kreises erhobenen Brückengeldes über die Lahn bei Ruttershausen.
Der Vorsitzende berichtet zunächst, daß die in der letzten Kreistagssitzung für Aushebung des fraglichen Brückengeldes durch den Kreis gestellte Voraussetzung, daß
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aus Groß-Linden;
die Kreisausschußmitglieder:
Rechtsanwalt Dr. Gutsleisch aus Gießen, Bürgermeister Zimmer aus
(fffte öffentfidje Sitjung öes -Kreistages i)es Kreises gießen Mär; 1883.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Villingen;
4) der Kreisingenieur Gnauth;
5) der Protokollführer Döring.
Als Urkundspersonen fungiren die Herren: Bürgermeister Mengel, Commerzienrath Roll.
Nachdem der Vorsitzende die Sitzung eröffnet hat, wird in die Tagesordnung ringetreten:
Aufstellung des Voranfchlags der Kreiskasfe für 1883/84.
Der Vorsitzende verliest die einzelnen Positionen des Voranschlags und ersucht die Mitglieder, in deren Händen sich der Voranschlag nebst Erläuterungen Bereits «druckt befindet, sich zum Wort zu melden, falls irgend etwas zu erinnern sen
Zu Rubrik 26, „Kreisunterstützungen", beantragt Bramm, dahm wirken zu wollen, daß der Landarmenverbaud auf den Staat ausgedehnt werde.
Der Vorsitzende bemerkt, daß er bereits bei Erstattung der Jahresberichte für 1879 und 1881, welche verlesen werden, deßfaüsigen Antrag bei hohem Ministerium gestellt habe, daß aber bis jetzt eine Verfügung hierauf nicht ergangen sei.
Bramm zieht hiernach seinen Antrag zuruck und bittet, die Sache bet Grotzh. Ministerium des Innern und der Justiz in Erinnerung zu bringen, womit der Kreistag einftitninig einverstanden ist. , „
Der Voranschlag wird hierauf ohne Veränderung genehmigt.
Beschlußfassung über zwei Zuschriften des Provinzialausschnsses, betr.: a. Unterhaltung der Kreisstrafzen für 1882/83.
b. Neubau einer Kreisstratze von Grunrngen nach Lang-Göns.
Die Zuschrift ada wird verlesen. Danach hat der Provinzialtag die sammtlichen Anforderungen des Kreises Gießen für Unterhaltung der Kreisstraßen mit Ausnahme derjenigen für die Strecke von der Staatsstraße Gietzen-Grünberg nach Oppenrod genehmigt, da die letztere nach Absatz 4 des Art. 7 des Gesetzes über den Bau und die Unterhaltung der Kunststraßen von derUeüernahme als Kreisstraße hatte ausgeschloffen werden müssen; andrerseits hat der Provinzialtag beit, Beitrag der Provinz zur Handarbeit der Straßenwarte um 2 Jt. pro Kilometer erhöht.
Der Vorsitzende empfiehlt, von emer Beschwerde gegen den ablehnenden Beschluß des Provinzialtaqs abzusehen, da die Differenz eine unbedeutende fei und zudem mit der am 1 April d. I. bevorstehenden Uebernahme weiterer Strecken von Oppenrod
aus erledigt fein werde.
Dieser Antrag wird genehmigt. . , r , , . . r.
Nach der Zuschrift ad b, welche ebenfalls verlesen wird, hat der Provinzialtag bie nachgesuchte Zustimmung zum Neubau einer Kreisstraße von Grüningen nach Lang- Göns ^ohne Angabe von Gründen oder sonstige Specialdiskusston" versagt, während die fünf anderen vom Kreis beantragten Straßenneubauten genehmigt wurden.
Der Kreisausschuß beantragt erneute Vorlage des fraglichen Prozectes zur nächsten Sitzung des Provinzialtags. — Der Vorsitzende begründet diesen Antrag durch Berufung auf den Werth, den der Kreistag gerade auf dieses Prozect gelegt habe, indem er es an die Spitze der sechs von ihm befchlofseiren Projecte gestellt habe, und auf den Mangel an Gründen für den ablehnenden Beschluß des Provinzialtages.
Velten glaubt, die Straße Grüningeu-Lang-Göns könne unterbleiben, falls die beabsichtigte Straße von Gießen nach Leihgestern gegen Holzheim fortgesetzt würde.
Der Kreisingenieur widerspricht dieser Ansicht, da die beiden fraglichen Straßen sich kreuzen, wonach die eine nicht den Zweck der andern erfüllen könne.
Nachdem Lei dich wiederholt die Nothwendigkeit der Grümngen-Lang-Gönser Straße dargelegt, Gail sich den Ausführungen des Kreisingenieurs angefchloffen und Hirschhorn sich überhaupt gegen einen Modus verwahrt, wonach die Genehmigung Projects von dem Verhalten gegenüber einem andern abhängig gemacht würde, Kreistag dem Anträge seines Ausschusses bei.
Gegenwärtig: der Vorsitzende Großh. Provinzialdirector Dr. Boekmann. die Kreistagsmitglieder: Bürgermeister Bopp aus Bellersheim, Bürgermeister Bramm Gießen, HÜttenbesitzer Buderus aus Lollar, Bürgermeister Dern Hausen, Fabrikant Ferd Gail aus Gießen, Carl Geißler aus Lollar, Beigeordneter Heß aus Gießen, Rechtsanwalt Hirschhorn aus Gießen,
Fabrikant Homberger aus Gießen, Carl Kliebe aus Londorf, Bürgermeister Lang aus Wieseck, Rechner Lei dich aus Grumngen Bürgermeister Mengel aus Hattenrod, Rechtsanwalt vr. Muhl auo Gießen, Commerzienrath Noll aus Gießen, Bürgermeister Ranft auo Beuern, Bürgermeister Nonthaler aus Langd, Heinrich Velten ni.
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arich die Gemeinde förmlich aus den weiteren Beziig desselben verzichte, sich inzwischen erfüllt habe; es handelt sich sonach nur noch um die Verwendung des zwischen Uebernahme der Brücke auf den Kreis und Aufhebung des Brückengeldes auf Rechnung des Kreises erhobenen Betrages von 234,67 <M. Der Kreisausschuß beantragt, zur Vermeidung einer Entscheidung über die formelle Berechtigung des Kreises zur Forterhebung des Brückengeldes und um den fraglichen Betrag doch im Sinne jener Erhebiing zu verwenden, denselben bei einer vom Kreisingenieur für demnächst erforderlich erachteten, im Ganzen zu 452,30 «X veranschlagten, größeren Reparatur des Brückenbelags sammt Reinigung der Brücke mit zu verwenden-
Geißler beantragt, das Geld der Gemeinde Ruttershausen in Anbetracht ihrer früheren Ovfer für fragliche Brücke zu überweisen.
Nachdem der Vorsitzende ein solches Vorgehen lediglich als eine Schenkung ms der Kreiskasfe an die Gemeinde bezeichnet und Homberger sich gegen eine derartige willkürliche Gnadenbewilligung ausgesprochen, zieht Geißler seinen Antrag zurück, worauf derjenige des Krersausschusses einstimmig angenommen wird-
Muschenheim - Trais-Münzenberg, Trohe-Wieseck,
Haufen-Annerod,
Göbelnrod-Beltershain,
Göbelnrod-Grünberg. „ m . .
Der Vorsitzende bemerkt einleitend, daß bezüglich der genannten Projecte keinerlei definitive Beschlüsse zu fassen sind, daß es sich vielmehr lediglich darum handelt, zu bestimmen, in welcher Reihenfolge die einzelnen Projecte auszuarbeiten stnd. Der Kreisausschuß beantragt, es sollen zunächst baufertige Projecte für dre drei erstgenannten Strecken ausgearbeitet werden. „ „ £, _ r m
Hirschhorn fragt, ob eine Beschränkung auf die Ausarbeitung einzelner Projecte etwa dadurch geboten fei, daß es andernfalls eines besonderen Credites für deren Bearbeitung bedürfte. — Der Kreisingenieur bejaht dies Mit Hinweis darauf, daß es bei den verfügbaren Kräften der Bezirksbauaufseher nicht möglich sein werde, in einem Jahre mehr als die Ausarbeitung dreier größerer Proiecte neben den laufenden Arbeiten zu erlangen, und daß sonach, falls man rascher und mehr projectirt haben wollte, weitere Kräfte zu bestellen sein würden. ,
Ku Leihgestern-Gießen referirt der Kreisingenieur, daß die große Gemeinde Leihgestern derzeit noch einer chaufsirten directen Verbindung mit Gießen entbehre, dorthin vielmehr nur auf dem Umweg von wenigstens emer halben Stunde über Groß- Linden gelangen könne. Wenn ein derartiges Verhältniß schon an sich für eme Gemeinde lästig fei, so treffe dies noch mehr hier zu, wo es sich um den Verkehr mit dec Provinzialhauptstadt handle; außerdem würde die Straße zugleich als Held- und Holzabfuhrweg nützlich werden. .... ..
M e ngel fragt, ob diese Straße einen TheU emer weitergehenden Route bilde und sieht verneinenden Falles nicht ein, weshalb man einem jeden Dorfe seme besondere Kreisstraße bamn molle. ^lle diese Straße schon mit Rücksicht darauf bauen, daß
die Stadt Gießen, welche so große Beiträge zu der Kreiskasfe zu leisten habe, bei diesem Project^betl)eiligt^fei^rEt, ^er Mtrag nuf Erbauung der Straße nicht von Gießen, sondern von Leihgestern ausgegangen sei. 3 ,,
Gail weist auf die sthr starke Frequenz des setzigen schlechten Weges hm.
Ku Bellersheim-Bettenhausen bezw. Langsdorf bemerkr der Vorsitzende, daß man hier bei der Srraßensührung zwischen den zwei durch ihre Endpunkte bezeichneten Richtungen werde zu entscheiden haben, und daß darum eine Proiectirung der beiden Richtiingen geboten sei.
+ B o p p behält gleichfalls die Wahl vor, bis man genau beurteilen könne, welche der beiden Richtungen die zweckmäßigste sei. , <
Der Kreisingenieur erläutert, daß der, fragliche Straßenbau von Lich- Langsdorf aus eine directe, zur Zeit fehlende Verbindung m das Her^J bein abgeben würde und daß deshalb der geraderen und weniger stark steigenden Richtung direct von Langsdorf nach Bellersheim der Vorzug zu geben sei daß aber andererseits das dabei abseits bleibende Bettenhausen ine billigere Straßenfuhrung Langsdorf- Bettenhausen-Bellersheim mit Ausbau der letzteren ^heckstrecke vorziehe Endgültig lasse sich eben nur auf Grund baufertiger Proiecte und Voranschläge urtheilen.
Ku Allertshausen-Beuern weist der Kreisingenreur darauf daß rur Keit jede Verbindung zwischen dem oberen Theile des Lumdathales und dem Busecker Tbal fehle daß das Straßennetz des Kreises gerade in dieser Gegend eme ganz besonder., aroße Masche aufweise, was durch Einfügung einer Querverbindung zu verbessern sei. Als solche empfehle sich diejenige von Beuern über Allertshausen nach Londors mehr als der früher in Betracht gezogene von Beuern über Climbach nach^Allendorf a. d. Lumda. eventuell Uisse ^sich voii der ersteren mit einem entsprechenden Mehraufwand eme Abzweigung nach Climbach anbriiigen; schließlich sei die Beihulse de^^ ^ists gerade bei raglichem Straßenbau schon deshalb sehr zu wünschen weil das arme Alleitshausen, bei einem durchschnittlichen Commimalsteuerausschlag des Krei es von 42—43 Pf. aus den GuldenRormalsteuercapital, mit seinen 83 Ps.
Kreises sei und so zu einem weiteren Straßenbau aus eigenen Kräften ma-r woyi fähig wDarre*gJhiI)t bält bje Verbindung Allertshausen-Beuern sogar für eine der wichtigsten ^^pM^sic^gegen eine besondere Abzweigung nach Climbach aus.
Die Ausarbeitung der drei vorgenannten Prozecte wird hierauf vom i - ö Wah? eines Mitgliedes des KretsansschuffeS MM ^rgermeistc "sang gesetzlichen Gründen sein Amt nicderlegcndcn Grotzh. Bnrg
Als KrUusschußmitgli-d ivird^ Bürgeimeister Bopr °°n B-ll-rsh-irn mit 13 Stimmen gewählt. .
Die Anschassnng eines Petr-lenmprohers.^^ b£g Sunern
Der Vorsitzende verliest eine Emma ausgesprochen wird, daß
und der Justiz vom 30. Ium v. in welche! die H ffnung g Ip^b auf Kosten der Provinzialtag der Provinz Obcrhessen. sich b«ei findenn ^schaffen, am der Provinzialkasse einen oder mehrere W°l scktz! »NtEM Ortc aufznstellen und
'l ': ..lii ... j UL'. U! möglichen Fall, dlltz jchlfchan clnkn
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Interessen des Kreises. . sich die Herren Noll, Hirschhorn,
In der folgenden Dlsc-ussion, an - Nothwendigkeit der Anschaffung
Dr. Gutsleisch und Or. Muh K'emetn anerkannt lind hieraus der Antrag eines Petroleumprobers für den Kre t Die Ausführung, insbesondere auch die des Kreisausschilsses einstimmig gcn h ugt Private sur Erstattung eines Gut.
^Icun " Novsitzende: Die Urkundspersonen:
Dr Boek Ni a n il. Adolph Noll. Mengel.
Der Prototollsuhrer:
Döring.


