— Das französische Mittelmeer - Geschwader wird in den ersten Tagen des Mat seine Urbungsfahrt antreten. Die Fahrt geht zuerst nach den italienischen, dann nach den griechischen Küstenzonen. Zu Anfang Juni trifft das Geschwader in den kleinasiatischen Gewässern em und berührt tm Verlaufe seiner Evolutionen der Reihe nach die wichtigsten Plätze der Levante und Syriens. Indessen könnten die Umstände leicht eine Aenderung des hier mitgetheilten RelsetableauS mit sich bringen, wenn nämlich der L'banon zum Schauplatze von Unruhen werden sollte. Nach den Anschauungen der Pariser Politiker stände diese Möglichkeit allerdings zu besorgen, falls die Tendenzen der Verwaltung Rustem Paschas auch fernerhin im Libanon maßgebend blieben. Die Vollmachten des genannten Gouverneurs sind gestern definitiv erloschen und mangels eines regelrecht ernannten Nachfolgers dürste daher heute ein Provisorium Platz gegriffen haben. Bet dem absolutcn Ausbleiben diesbezüglicher Telegramme herrscht über die Details des muthmaßlich geschaffenen Interregnums begreifliche Unklarheit, doch dürfen wir das Eine als sicher annehmen, daß fein einer friedlichen Lösung der Libanonfrage irgendwie abträgliches Arrangement getroffen worden ist.
Irankreich.
Paris, 23. April. In Toulon werden augenblicklich die Transportschiffe so ausgerüstet, daß sie, falls die Mission des Commandanten de Kergaradec bet dem Kaiser Tu-Duc von Anam scheitern sollte, aus den ersten Wink in See gehen könnten. Die gegenwärtige Garnison von Hanoi und Haiphong mit den Schiffen vor Tonktng unter dem Oberbefehl des Capitäns Rtvtere bestehen aus 300 Mann an Bord des „Tilsit", 200 Mann mit 6 Kanonen an Bord des „Homelin", 160 Mann mit 4 Kanonen an Bord des Avisos „Parsival", 140 Mann nut 2 Kanonen an Bord des Avisos „Antilope", HO Mann mit 4 Kanonen an Bord des „Drac", 190 Mann mit 10 Kanonen an Bord der Kanonierboote „Surprise", „Fanfare" und „Leopard", 165 Mann mit 15 Kanonen an Bord von acht Kanonterschuluppen auf dem Rothen Fluß, 135 Mann mit 8 Kanonen unterwegs an Bord der Kanonierboote „Bipere" und „Ly^x". In den Meeren von China und Japan befinden sich unter den Befehlen des Conlce Admirals Meyer ca. 1800 Mann mit 47 Kanonen auf dem Panzersch ff „La Btctorteuse", zwei Kreuzern und zwei Kanonenschiffen. Die Veistälkungstruppen, von denen schon gestern die Rede war, würden vorläufig bestehen aus 3 Bataillonen Marine-Infanterie und 2 Batterien Marine-Artillerie, im Ganzen 3200 Mann, zu denen noch etwa 1800 Mann aus Cochinchina, Einheimische und Franzosen, stoßen würden. Der Feldzug könnte an Ort und Stelle allerfrühestens um die Mitte Juni beginnen, da die Nachrichten über den Erfolg der Sendung des Herrn von Kergaradec nicht vor dem 10. Mat erwartet werden und die Fahrt beinahe einen Monat in Anspruch nähme.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondenr-Bureau.
Berlin, 25. April. Abgeordnetenhaus. Auf der Tagesordnung stehen die Anträge Windthorst, betreffend die Fretgebung des Messelesens und des Sakrament- spendens. Schorlemer-Alst beleuchtet den kirchlichen Nothstand und dessen bedenkliche Folgen für den Staat und wirft der Regierung Mangel an Entgegenkommen vor. Der Cultusmintster betont die Versöhnlichkeit der Regierung und verweist auf die schwebenden Verhandlungen, die durch den gegenwärtigen Antrag erschwert würden. Die Wünsche der Regierung begegnen den Wünschen der Antragsteller, nur bezüglich der Voraussetzungen bestehen Differenzen: der von den Antragstellern etngeschlagene Weg führe nicht zum Ziel. Auf die in der vorigen Woche etngelaufene Note der Kurie faßte der Reichskanzler in vollem Etnverständntß mit der Regierung die Antwort ab, die jetzt dem Kön'ge vorliege. Dieselbe mache positive Vorschläge, welche hoffentlich die Möglichkeit der Verständigung bieten und e neu Boden weiterer gesetzlicher R formoorschläge schaffen. Er sei bei seiner Erklärung bis an die äußerste Grenze dessen gegangen, was ohne Verletzung der Rücksichten gegen die Kurie und ohne G.sährdung des Staatsinteresses zulässig erscheine. Die Regerung scheue die Diskussion des Antrags nicht.
Hänel hält die Revision der Matgesetze für unumgänglich, w'll aber der Regierung freie Hand lassen und den Anträgen W ndthorst nicht usttimmen. Er behält sich vor, eventu.ll für die zweite Lesung einen Antrag auf die Tagesordnung zu stellen und spricht die Bereilwilligkeit aus, auf die Intentionen Wtndtholst's einzugchen, Stern (demokratische Volkspartei) spricht fü? die Anträge W'mdihorst, fein; Partei erunhstle stets die Form und Methode des Culturkampfes. ohne die vollständige Trennung des Staates von der Kirche sei der Frieden undenkbar. Zedlitz ist gegen den Antrag- Windthorst und g'gen die von den Conservation beantragte Resolution, welche die Er-^' Wartung aussprtcht, die Regierung werde, sobald die Verhandlungen mit Rom cs an- gezetgt erscheinen lassen, eint organische Reo sion der Matgesetze vornchm n und das Messelesen und Sakramentsp nden von vorweg straffrei machen Marcard spricht für den Antrag Windthorst, eventuell für den Antrag der Conservatw -n; Ey-iern gegen die Anträge bezügl-ch der organische Rev sion, die man der I i.t ative der Regierung überlassen müsse: Richt.-r für die Anträge Windthorst's gegen eine organische R Vision : und gegen den Antrag der Conseroativen, er beantragt Commissionsberathung und klitisirt schließlich die politische Haltung des Centrums. Wmdihorst >i't zwar durch den Gang der Debatte befriedigt, hält aber die Antwort des Ministers für eine dilatorisch: und verklausultrte, nur d<r versöhnliche Ton des Ministers habe ihm zugesagt. Die Verhandlungen zwischen der Kurte und der Regierung ex sti ten fü- ihn nicht. Das Haus sei nur auf Zeitungen angewiesen, authentische Schriftstück: würden bei ihm nicht vorgelegt; er wünsche die einfache Annahme des Antrags, keine Commissionsberathung. Das Centrum habe nie Tauschhandel getrieben, parlamentarische Konstellationen zu benutzen, sei praktische Politik.
Die Commissionsberathung wird abgelehnt. Bei der zweiten Lesung befürwortet Hammerstein den Antrag der Conseroativen, der Cultusminister bittet dagegen, den con- servattven Antrag mit Rücksicht auf die diplomatische Ak.ion abzulehnen Hänel bean- tragt die bereits erwähnte Tagesordnung, Richter beantragt einen Zusatz zum Antrag Windthorst, welcher das Messelesen und Sakramentspenden von den nach dem Gesetz über die Vorbildung der Geistlichen qaalific-rten Geistlichen gestaltet.
Häne! beantragte Uebergang zur Tagesordnung wird abgelehnt, die Anträge Windthorst werden in namenilicher Abstimmung mit 229 gegen 133 abat, lehnt, ebenso wird der Antrag Richter abgelehnt; der Antrag der Conseroativen wird mit 209 gegen 154 Stimmen angenommen, dafür stimmen die Conseroativen, Cntrum und Polen.
Nächste Sitzung Freitag
Kaiserslautern, 25. April Heute früh sand in dem Postwagen des Frühzuges zwischen Zweibrücken und Pirmasens eine durch ein Dynamitpacket verursachte heftige Explosion statt. Der Post-Conducteur ist schwer verwundet, von dein übrigen Zugpersonal und den Reisenden ist Niemand verletzt.
Vremen, 25 April. Zu dem Gerüchte von dem neuerlichen Verluste eines großen Schiffes des „Nordd. Lloyd" gab die bis jetzt nicht erfolgte Ankunft des am 7. April von New-Aork abgegangenen Dampfers „Habsburg" Veranlassung. Man meint hier, zu ernstlichen Besorgnissen liege noch kein besonderer Grund vor.
Stockholm, 25. April. In der gestrigen Versammlnng der Gesellschaft für Anthropologie nnd Geographie wurde die aus Anlaß der Rückkehr der „Vega" gestiftete Vega-Medaille dem Afrikareisenden Henry Stanley zu- ertheilt. Der anwesende amerikanische Gesandte empfing dieselbe für ihn. Der Postdampser „Sofia", welcher Nordenskjöld's Grönlands-Expedition (24 Personen) an Bord nehmen soll, geht am 20. Mai von Gothenburg ab. Ror- denskjöld selbst schifft sich später im nördlichen Schottland aus der „Sofia" ein und hofft im October mit der Expedition zurückkehren zu können.
Rom, 25. April. Dem „Moniteur" zusolge ist der Vatikan direct benachrichtigt worden, daß die Krönung des russischen Kaisers aus den 27. Mai festgesetzt sei.
Paris, 25. April. Im Ambigu-Theater hat heute Abend einige Minuten vor der Vorstellung eine Gasexplosion stattgesunden; etwa 20 Per- lonen wurden verletzt, einige erheblich. Das Publikum verließ das Theater ohne weiteren Unfall.
— Die Finanzcommission des Senats nahm die Convertirungs-Vorlage unverändert an. Die Plenardiscussion findet morgen um 2 Uhr statt. — Die Budgetcommission der Kammer berieth heute den Credit von 5 Millionen für die Tongking-Expedition.
Madrid, 25. April. ES wird eine Ministerkrisis befürchtet, da die Budgetcommission die Reduction mehrerer Credite verlangt, worauf der Kriegsminister und der Arbeitsminister nicht eingehen wollen.
Dublin, 25. April. Während die Jury den Wahrspruch Kelly's berieth, begann der Proceß gegen Fagan, den vierten Angeklagten des Mordes im Phönixpark; Joseph Hanlon fungirt als Angeber gegen denselben.
Die Jury zog sich in zweiter Verhandlung gegen Kelly heute viermal zurück, ohne sich über den Wahrspruch zu einigen. Die Jury wurde schließlich aufgelöst.
Kairo, 25. April. (Havas-Meldung). Dufferin gab das Project auf, die Jurisdiction der einheimischen Tribunale auf die Streitigkeiten zwischen Europäern oder Europäern und Eingeborenen auszudehnen, wenn beide Parteien damit einverstanden sind.
Alais, 26. April. (Privat-Depesches. In einer Grube bei Bessöges fand am Dienstag Abend eine heftige Explosion statt. Bis Mittwoch Abend sind 12Todte, 26 Verwundete aufgefunden. Beim Appell fehlten 127 von den in der Grube beschäftigten Arbeiter. (Bessöges, Stadt in Frankreich, Dep. Gard, hat bedeutende Erzgruben in seiner Umgebung. D. Red.).
© e t w t f d) t tf Ä.
Darmstadt, 25. April. lMllttärdienstnachricht) Durch Verfügung des General-Stabsarztes der Sinnet- wurde Dr. Eichbaum, Unterarzt vom 2. Großh. Jnf.- Regimert (Großherzog) Nr. 116, mit Wahrnehmung einer bet dem genannten Truppen- theil oacanten Assisten.-Arztstelle beauftragt.
Alsfeld, 21. April. M t der Wiederherstellung unseres Rathhauses in seinem ursprünglichen Stil ist gestern b<r Anfang gemacht worden. Das Fachwerk nämlich mit wilchem die eine offene Halle bildenden Gewölbebogen zugemauert waren, wurde eingkschlagen. Leider zeigt eS sich, daß nicht blos die Zeit zerstörend gewirkt hat. Die Gurten sind (wahrscheinlich bet der Vermauerung) fast ganz wiggthauen.
- Der zweite Congreß für innere Medicin ist am 18. April in Wiesbaden eröffnet worden. Erster^Gegenstand der Tagesordnung war das Referat des Gehetm- raths Professor Dr. Rühle aus Bonn, welcher den angekündigten Vortrag über Tubercirlose hielt. Nach dem Berichte des „Rh. Kur." sagte der Redner: Wahrscheinlich werden viele eine Discussion der Stellung der Tuderk<l-Bacillen zur Pdthisis des Menschen für verfrüht halten, da eist ein Jahr seit den epochemachenden Beobachtungen Robert Kochs verflossen ist. Keine Thatsache der neuern med c Nischen Wissenschaft hat so großes Aufsehen erregt wie diese Entdeckung. Das Interesse an derselben ist nicht allein in den ärztlichen Kreiseti geblieben und die Wogen der Erwartung gehen noch immer hoch. Für uns wird es sich empfehlen, die Zukunftsw-'ge anzudeutcn, welche später die Behandlung her Taberculose einzuschlagen hat, bevor wir übereilte Beschlüsse fassen. Die menschliche Schwindsucht wurde zu allen Zeiten als eine übertragbare Krankheit angesehen; von den Forschungen der 40er Jahre aber her datirt erst das große wissenschastlich: Feld, das sich mit der U bertragung der Tuberkulose beschäftigte. Durch Impfung, Fütterung und Inhalation gelang es, bei Thierm Tuberkulose hervorzubringen, die Aufmelksamkeit der Pathologen blieb auf die Jmpfbarkeit der Krankheit gerichtet und die fortgesetzten Beobachtungen erzwangen die Annahme eines Tuberkelgiftes. Den Beweis, dieses Gift in den Tuberkelpllzen gefunden zu haben, hat Robert Koch in seiner bekannten klassischen Arbeit erbracht. Es ist allerdings unmöglich, sich sofort von den eingewu zelten Lehren loszumachen, es bedarf vielmehr Zeit, diese mit der großen Entdeckung Kochs in Emklang zu bringen; aber die Zeiten sind vorüber, wo es als unwahr galt, was zu d m gewohnten Gedankengange nicht passen wollte. Wenn die Erblichkeit der Schvindsuchi wahr ist und wenn der Bacillus die Grundursache der Tuberkulose ist, so müssen beide mit einander verträglich sein. Wahrscheinlich gibt es eine bircch und eine inbuecte Erblichkeit der Tuberkulose, eine bloße >
Disposition zur Aufnahme des Giftes und eine duecte Vererbung desselben; es sind dies nur verschiedene Erscheinungsform n eines und deffelben Giftes. Redner ist davon überzeugt, daß Phthisis und Jmpftuberkulose durch dieselben Ursachen bedingt werden, nämlich durch den Bacillus von Robert Koch. Bezüglich der Uebertragba ke>t der Tuberkulose bemerkt R dner, daß, wenn bei der groß'n Verbreitung des Tuberkelp lzes durch Phthisiker keine größere Ansteckung vorkonm', dies die Annahne nicht wrgitlgen könne daß die Phthisis eine übertragbare Krankheit sei. Auf die Entstehung der Tuberkulose übergehend, beleuchtet RÜHie die Hypothesen, welche dieselbe der Zeugung oder b-r Übertragung des Tuberk-lpilzes tn Wunden zuschreib-m und betont, daß die Annahme, die Schwindsucht entstehe durch das Einaihmen bac Üenhalttger Luft, noch immer der^ Begründung entbehre. Ob die Tuberkulose beim Menschen durch die Aufnahme schädlicher Nahrung, wie das Fleisch perlsüchtiger Rinder, vorkomme, sei gleichfalls noch nicht feststehend; jedenfalls habe sich die hierauf bezügliche Forschung in eingehender Weise mit den sanstären Verhältnissen der Hausthiere zu befassen. Dagegen sei es nicht unwahrsch stnlich, daß durch das Einathmea der Bacille und die Berührung derselben mit wunden Stellen im In lern des Körpers die Tuberkulose erzeugt werde. Bezüglich der Heilung der Tuberkulose bemerkt Redner, daß kein Grund vorliege, zu bezweifeln, daß die Bacillen im thierischen Kö p r zu Grunde gehen können; er möchte fast jenem alten Greifswalder Stabsarzt Recht geben, der die Behauptung aufstellte, daß jeder Mensch einmal in feinem L den ein wenig Tuberkulose gehabt habe; es gibt eben lange Stillstände und oft Heilung im Leben der Bacillen innerhalb des thierischen Körpers. Wie die Bacillen in den Körper gelangen, ist noch zu studtren. Daß der tortgesktzte Ve.kehr mit Sachen, die Schwindsüchtigen angehörten, verderblich sein könne, sei nicht zu leugnm Auch erachte er es als geboten, daß über die Ammen und Kindermädchen eine größere Aufsicht als bisher betreffs ihrer Behaftung mit Tuberkulose ausgeübt werde. Schließlich faßt der Referent seine Ausführungen dahin zusammen, daß er es für erforderlich hält daß die Etkenntniß der menschlichen Tuberkulose als Jnfectionskrankheit allgemeine Anerk nnung finden möge, damit diese Auffassung durch die Aerzte auch in das Bewußtsein der anderen Menschen Übergehe und daß der Bacillus Kochst als Ursache der Krankheit respectirt werde; daß wir einräumen, von den Wegen, auf denen der Bacillus in den Menschen kommt, noch nichts sicheres zu wissen; daß mir die Uebertragung vom Menschen auf den Menschen annehmen, obwohl die Form derselben noch nicht feststeht; daß die Tuberkulose der Thiere mit der der Menschen gleichartig ist, daß eine die andere erzeug-n kann; daß der Beweis noch nicht erbracht 'st, ob auch der Genuß von Fleisch und Milch perlsüchtiger Rinder Menschen tuberkulös macht; daß die Prophylaxis die einzige Therapie ist, die bis jetzt aus dieser Erkenntniß der infectiosen Natur der Tuberkulose resultirt, daß aber bestimmte Formulirungm derselben noch nickt zulässig erscheinen.
, Kassel, 20. April. Ein eigenartiger Betrugsfall, der die gesammte Geschäftswelt interesstren dürste, wurde heute vor dem hiesigen Scköffengerickt verhandelt. Der Chef einer hiesigen renommirten Großhandlung, ein in Handelskreisen angesehener Kaufinanu, Mitglied der Handelskammer, Bezirkseisenbahnrath rc., war angeklagi, den Versuch gemacht zu haben, das Vermögen des Reichsfiskus durch die Vorspiegelung einer falschen Thaisache zu schädigen. Der Sachverhalt ist folgender: Angeklagter batte im December v. I. eine Wechselstempelmarke zu 2 JL 50 irrthümlicher Weise r i.i unb oa er wußte, daß die Post nur verdorbene Wechselstempel umtauscht, bezw- ersetzt, wenn es mindestens 3 JL sind, so hatte er nichts darin gefunden, eine Wechselstempelmarke zu 50 H absichtlich zu entwerthen und beide Marken der Post zum Ersatz zv' präsent ren SDie Manipulation mit der 50 H-Marke räumte er unumwunden e n, als die Postbehorde den Ersatz verweigerte. Auch bei seiner verantwortlichen Ver- nchmung vor dem Strafrichter machte er nicht im Entferntesten ein Hehl daraus, be- Jebo d?s Bewußtsein einer strafbaren Handlung gehabt zu haben. DaS Schöffengericht lehnte denn auch zuerst die Eröffnung des Hauptverfahrens ab. Auf erhobene Beschwerde des Amtsanwalts verfügte die Strafkammer jedoch die Eröffnung des Hauptoeriahrens, da der Angeklagte das AuSschreiben des Reichskanzlers vom Februar 1879 verletzt habe, in welchem ausdrücklich gesagt wird, daß nur bann ein Ersatz der verdorbenen Wechselstempelmarken eintrete, wenn es einmal mindestens für 3 JL sind und zweitens auch noch nachgewiesen wird, daß die irrthümltche Ent-
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|n der ßri des War vertreten durch • Dr. Schwarz, < den Studenten ttu vestreten durch Dr. Dittmar, Ueidigung, hat d aericht zu jur Recht erfannt: 1) Angeklagter
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