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Str. IM. Dienstag den 26. Juni 1888.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Virreau r Schulstraße 7.

Prei- vierteljährlich 2 M«rk 20 Pf. mit Bringerlshn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mari 50 Pf.

Erscheint lätzliH mit Ausnahme des Montags.

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Amtlicher Hheil.

Nr^ 9 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 21. l. M., enthält: sNr 1496 ) Gesetz, betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter. Vom 15. Juni 1883.

Gießen, den 25. Juni 1883. Großherzogliches Kretzamt Gießen.

in. Boekmann.

Betreffend: Statistische Nachweisungen über das Volksschulwesen. Gießen, am 25. Juni 1883.

Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen

zum 15. Juli an uns eingesendet sind.

an die Schulvorstände des Kreises. _

In Kürze werden Ihnen die Formulare, betr. die Statistik über das Volksschulwesen zugehen, 2 Formulare für die Volksschule, 2 für sdre Fo>U- blldungsschule und 2 für Gemeinden, in welchen Erweiterte Volksschulen bestehen. Es liegt weiter bei eine Anleitung, nach der genau zu verfahren ist, und die Statistik aus dem Jahre 1877, um die für dieses Jahr nöthigen Einträge machen zu können. . . _ri nY r c~

Sie wollen dafür Sorge tragen, daß nach Anleitung § 3 die statistischen Verzeichnisse in doppelter Ausfertigung nebst allen Anlagen unfehlbar bis

Dr. Boekmann. nm «gwagsKaai saCBwra&vo

Deutschland.

Darmstadt, 23. Juni. Das Amtsblatt des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Section für Justizverwaltung, Nr. 12, enthält Aus­schreiben d. d. 14. Juni, betr.: die Strafvollstreckung, hier insbesondere die vorüber­gehende Vorführung von Strafgefangenen an Gerichts- und andere Behörden.

Nachdem in Folge irriger Auslegung unseres General-Ausschreibens Nr. 41 vom 11. October 1882 dasselbe eine die Vornahme nothwendiger Amtshand­lungen in mißständiger Weise verzögernde Anwendung gefunden hat, finden wir uns veranlaßt, ausdrücklich hervorzuheben, daß jenes General-Ausschreiben sich auf solche Fälle nicht bezieht, in welchen Strafgefangene zur Erfüllung be­stimmter gesetzlicher Verpflichtungen einer zur Erzwingung dieser Verpflichtungen zuständigen Behörde unter Verhältnissen vorgesührt werden sotten, üi welchen eine wirkliche Unterbrechung des Strafvollzugs nicht stattfindet, der Gefangene vielmehr, wie z. B. bei Vernehmungen am Sitze der Strafanstalt, unter dem Gewahrsam der betr. Strafanstalts-Verwaltung verbleibt.

Eine Ausnahme von der Regel des erwähnten General-Ausschreibens muß ferner in solchen Fällen eintreten, in welchen Gefahr im Verzüge vorliegt, wie z.B. im Falle sofort nothwendiger Vernehmung eines Strafgefangenen in öffentlicher Gerichts­sitzung an einem anderen Orte als dem Sitze der Strafanstalt, wenn diese bei vorheriger Einholung einer Genehmigung der Vollstreckungsbehörde unmöglich oder in mißständiger Weise verzögert werden würde.

In allen solchen Fällen hat die betr. Strafanstalts-Verwaltung den des- fallsigen auf Vorführung von Gefangenen gerichteten Requisitionen der obge­dachten Behörden ohne besonderer vorgängige Ermächtigung der Vollstreckungs- Behörde stattzugeben.

v. Starck.

Kolb.

Darmstadt, 23. Juni. Die erste Kammer wird in der zweiten Woche des nächsten Monats zusammentreten, um einige dringliche Angelegenheiten, welche die zweite Kammer bei der letzten Tagung erledigte, auch ihrerseits zum Abschluß zu bringen. In erster Linie dreht es sieb dabei um das Gesetz über die Eisenbahnen von localem Interesse und die Straßenbahnen oder, wie die zw.tte Kammer den Titel ohne Beanstandung der Regierung zweckmäßig geändert hat, über dieNebenbahnen", so dann aber um verschiedene finanzielle Vcn lagen, darunter die Vorlage wegen Ge- Zählung einer weiteren staatlichen Hülfe für die Ueberschwemmten im Betrage von 725,000 X, die Vorlage wegen Erbauung eines Kreisamtsgebäudes in Offenbach UN) diejenige über die Bewilligung einer Z'nSgewühr für eine Actienunternehmung zur Herstellung und zum Betriebe der Dampf-Ketlenschleppschiffsahit auf dem Main für die Strecke Mainz-Aschaffenburg. Gewiß ist, daß die drei Steuerreformgesetze vorerst nicht, sondern erst im Herbst zur Behandlung gelangen. Um die gleiche Zeit steht auch der zweiten Kammer eine längere Arbeit bevor, da dann außer den diesmal zur Plena! - verhandlung zwar vorbereiteten, aber nicht zur Erledigung gelangten Anträgen über bie Aenderung der Wahlgesetzgebung und dem Entetgnungsges.tz auch der Bericht üoer den Gesetzentwurf, betreffend die Erbschaftssteuer und dre Einführung einer Schunkungs- stmer abgeschlossen sein wird.

Berlin, 23. Juni. Das Abgeordnetenhaus nahm heute nach unerheb­licher Debatte den Rest der Kirchenvorlage in zweiter Lesung nach den Com- ntissions-Beschlüssm an. Im Verlaufe der Debatte erklärte der Cultusminister, daß, wenn auch die von dem Abg. v. Ritter beantragte Wiederherstellung des Art. 4 der Regierungsvorlage principiell richtiger sei, die Regierung dennoch aus Annahme des Art. 3 der Commissions-Beschlüsse keinen Anlaß zu entschei­dendem Widerspruch gegen die Beschlüsse des Hauses ableiten werde. Das Gesetz, betr. die westholstein'sche Eisenbahn wurde in erster und zweiter Lesung, das Gesetz über die Schulversäumnisse in zweiter Lesung unverändert angenom­men. Montag: Dritte Lesung der Kirchengesetze und Schulversäumniffe.

DieNordd. Allg. Ztg." theilt mit, der Reichskanzler set vor 8 Tagen an heftigem Magenkatarrh, verbunden mit Gelbsucht, erkrankt; er sei dadurch von jeglichem Geschäfte ferngehalten. Seit gestern ist eine Wendung zum Bessern eingetreten, der Fürst ist aber immer noch an das Krankenzimmer gefesselt.

Wie man hört, hat die Waffersnoth in den schlesischen Städten solche Dimensionen angenommen, daß demnächst eine Ministerial-Commission die am meisten heimgesuchten Orte bereisen wird. Der Kaiser wie dessen hohe Ge­mahlin bringen den Beschädigten bie wärmste Theilnahme entgegen und lassen sich stets eingehend über die Sachlage insormiren.

Neisse, 23. Juni. Die Neiffe ist im weiteren Fallen begriffen. Die Biele in der Stadt ist ohne Wasser, da der Biele-Aquadukt zerstört ist, dagegen der Wallgraben noch mit Wasser angefüllt. In Roßhof, Neiffe, Nothhaus und Briessen haben Dammbrüche stattgefunden. Seit heute früh regnet es wieder ununterbrochen. ,, C1 _ ,

Aus Schlesien, 22. Juni. Die Verwüstungen, welche die Hochwasser unserer Gebirgsflüsse m Den letzten Tagen angerichtet haben, überbieten nach ollem, was bis jetzt bekannt geworden ist, bei Weitem die Schäden, welche die Ueberschwemmungen des Queis und der Neiffe im Jahre 1880, der Oder 1881, des Bober und Zacken 1882 ge­bracht hatten. Die Höbe des Wasserstanbes hat vielfach die b sher der lebenden Gene­ration bekannten Maße überholt und wenn nicht, wie bet früheren Ueberschwemmungen, zahlreiche Menschen und Gebäude Opfer des wülhenden Elements geworden find, so ist das lediglich dem Umstande zu verdanken, daß die Meldungen des kommenden Hock- wasi-^s diesmal meist recht zeitig einqetroffen sind, die anhaltenden Regengüsse der vor- ung'egangenen drei Tage die Flußanwohner auf bevorstehendes Hochwasser vorbereitet harten und die freiwilligen Feuerwehren, welche sich in den letzten Jahren in den meisten Ortschaften des Gebirges gebildet haben, energisch Hand anlegten, wo es zu retten aalt. Soweit bis jetzt bekannt ist, hat auch das Militär diesmal rechtzeitig Ver­wendung gesunden; einer der zur Hülfe nach Aremberg bet Jauer abgesendeten So!> baten. Unterofficier von Frankenberg, hat durch Umschlagen des Kahns mit dem Wirth- schaftstnspektor des Rtdelhofel'schen Guts zusammen den Tod gefunden. Ein trauriges Bild der Verwüstung bietet das Quetsthal von Lauban aufwärts, in dem die durch Wolkmbrüche im Jser- und R.esengebirge angeschwellten Fluthen des Flusses alles unter Wasser gesetzt hatten, so daß nur die Spitzen der Sträucher und die Baume daraus hervorragten. Schon am 19 , Abends, kam die Meldung an die bedrohten Ort­schaften und Etablissements, daß Hochwasser komme, und so wurden denn retchtzeitig umfassende Vorsichtsmaßregeln getroffen, dennoch ist der Schaden durch die Wegführung des Heues, durch Verschlämmung der Mesen, Felder und Gärten, sowie durch Zerreißung der Wege und Stege immerhin ein bedeutender. Die Bewohner werden in diesem Jahrzehnt thetlweise nun schon zum drittenmale von Ueberschwemmungen beimgesucht und dos macht die diesmaligen Verluste besonders empfindlich. Die Lausitzer Neisse, deren Nebenflüßchen, namentlich die Wittig, übergetreten waren, hatte bet Gorl.tz schon in voriger Nacht ihre größte Höhe erreicht, die hinter der der beiden vorigen Ueber­schwemmungen zurückblieb, und hat mit Ausnahme der Fortführung von Heu Schaden n cht ^^cht^^ 2$ Ium. Der Wasserstand erreichte gestern Abend 10 Uhr mit 218 Cm. über Null die größte Höhe. Dann trat ein Fallen des Wassers ein. Heute Vormittag 11 Uhr betrug der Wasserstand 184 Cm. über Null.

Oesterreich.

Wien, 20. Juni. Höher und höher steigern sich die nationalen Leidenschaften, welche das Cabmet Taaffe entfesselt hat, und es wird immer fraglicher, ob die unruhigen Geister, die der Versöhnungsgraf gerufen, seinem Zauberworte auch weichen werden. Die Spannung der Gegensätze macht sich mehr und mehr n

flößen Lufi. So führte heute im niederösterretchtschen.Landtage eine^^er^hnungs rede des Untversitätsrectors Maaßen zu einer Skandalscene. Es handelt sich um die czechische Schule in Wien. Der katholische Mccklenburger, für dessen StandpunktseS bezeichnend ist, daß er das Czechische mit hartnäckiger Voshett a s d^^hmische mit Auszeichnung behandelte, dieser Mann, der also, une ^"gst em Jungczeche m der Narodnt Ltsty, Böhmens Deutsche als einen zum Schmelzen bestimmten Eisklumpen zu betrachten scheint, warf den bösen Deutschen ihrenu°twnalen Hochm^ v mehr auf d e deutsche Zunge als auf die deutsche G'rech gke t achte s naiv m Föderalismus meinte der Rector, es fei unmo«, b«n: Wahonen. Wt öeuw »wäre spräche aufzuzwingen, und selbst wenn es möglich fei, fei E wünschensw rth wei ungerecht. Schließlich machte der Redner einen-Ausfall aufWien, den grov n mantsationskcssclWien", meinte Maaßen, .ist die Hauptstadt emes grov n, votrer bindenden, vielsprachigen Reiches. Alle Nationen sch h q-orfrommen finden

«am rÄaÄ I?« LL» ZU lassen; und sie thun es twe ww i b(e Worte Dantes zu - Sie ent- dubei kein en Sch oben leid .91 , ben Sprache bediene (Heiterkeit), aber es ist die schuldigen, daß ick Mich g . r nivina commedia: Lasciate ogni speranza.

italienische die_Worte D fl n(^t bie Entwickelung ihrer National'tät ge-

Sa,r S unter M°n vergißt, die Jugend daraus hlnzuwelsen, dah die brau», hnren b^Mibaren Metalle tief in der Erde liegen. Man sagt bloß:Sott schwimmt!"

% Va't man aber nie frfle Mauern gebaut, die einen Schutzwall de« Staate« bilden^ und wenn man solche Princchien anwendet, dann ISßt man ein erbtlrmlichetz Geschlecht von üatalen und Castraten heranwachsen; das sind die Persönlichkeiten, btt