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1883

Samstag den 26. Mai

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Erscheint ILgttch mit Ausnahme des Msntags.

Bureau: Schulstraße 7.

worden sind.

- ^^^gl^Hoheitder Großherzog haben

Darwstadt, 24. Mai.

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Prei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlchn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Politische Ueberficht.

Gießen, 25. Mai.

Aus Moskau sind gegenwärtig die Blicke der gesammten civili- suten Welt gerichtet, wo der Czar Alexander III. nebst seiner erhabenen Ge­mahlin am Dienstag seinen seierlichen Einzug unter Glockengeläute und Kanomn- donner und den brausendell Jubelrufen einer nach Hunderttausenden zähleMen Menge gehalten hat. Nach den vorliegenden telegraphischen Berichten ist der Einzug obne jeden störenden Zwischenfall verlaufen und dies berechtigt zu der Annahme' daß auch der übrige Theil der Krönungs-Feierlichkeiten sich ohne besondere Störungen programmgemäß abwickeln werde. Am kommenden Sonntag wird der Czar sich und der Czarewna in der Uspenski-Kathedrale die Krone aus'S Haupt setzen und erst von diesem großen Momente an wird Alexander IN. dem russischen Volke als sein wahrhaftiger Herrscher erscheinen, da nach den traditionellen Anschauungen des russischen Volkes erst die Krönung den Czaren als wahren Herrscher erscheinen läßt. Auf die Krönung folgt noch eine ganze Reihe glänzender Festlichkeiten, die sich bis gegen Mitte Juni erstrecken, so daß sich das Interesse der politischen wie nichtpolitischen Welt noch für die nächstell Wochen auf Moskau concentriren wird.

Der deutsche Reichstag ist am Dienstagjn den letzten Abschnitt seiner gegenwärtigen ganz außerordelitlich langen Session eingetreten, da die Regierung jetzt, wie bestimmt versichert wird, von einer nochmaligen Vertagung des Parlaments Abstand genommen hat. Es sind in diesem letzten Abschnitte noch hochwichtige Entscheidungen zu treffen, die sich auf das Krankenkassengesetz, die Novelle zur Gewerbeordnung und den Etat pro 1884/85 beziehen und die Vorstände der verschiedenen Reichstags-Fraktionen haben daher ihre Partei­genossen zu möglichst zahlreichem Erscheinen aufgefordert. Vorerst haben aber die Abgeordneten diesem Verlangen nur sehr ungenügend entsprochen, wenigstens wiesen am Dienstag die Bänke des Reichstages große Lücken auf. Der erste Gegenstand der Tagesordnung für diese Sitzung war die Interpellation des Abg. Johannsen (Däne) wegen der Wiederaufnahme dänischer Optanten in den preußischen Staatsverband, deren Beantwortung aber der Vertreter der Reichs­regierung, preußischer Finanzminister Scholz, ablehnte. Als dec Abg. Johannsen das Wort zur Begründung seiner Interpellation nahm, entfernten sich die an­wesenden Bundesraths-Mitglieder und auch nach ihrer Rückkehr betheiligten sie sich nicht an der Besprechung der Interpellation. Im Laufe derselben bezeich­nete Abg. Richter-Hagen die Form der Ablehnung noch vor erfolgter Begrün­dung alsschroff" und Abg. Windthorst erklärte sie sürungewöhnlich", über­einstimmend verwahrten sich beide Redner dagegen, daß dieser Vorgang als Präjudiz für künftige Fälle ausgebeutet werden solle. Von Seiten der conser- vativen Fraktionen traten die Abgg. v. Kardorff und v. Minnigerode für die Haltung des Regierungs-Vertreters ein und bemerkte hierbei Herr v. Kardorff, daß nach seiner Ansicht die Angelegenheit eine specifisch-preußische sei und des­halb nicht vor das Forum des Reichstages gehöre. Schließlich wurde dieser Gegenstand verlassen und trat das Haus in die dritte Lesung des Kranken­kassengesetzes ein. Namens der Regierung erklärte Finanzminister Scholz, daß der Gesetzentwurf für die Regierung unannehmbar sei, wenn der Reichstag die Ausdehnung des Gesetzes auf die land- und forstwirthschastlichen Arbeiter in dritter Lesung aufrechterhalte; trotzdem traten die Abgg. Dirichlet (fortfdjr.) und v. Maltzahn-Gültz (freicons.) für diese Ausdehnung ein. Von socialdemo­kratischer Seite erkannte Abg. Rittinghausen an, daß der vorliegende Gesetz­entwurf, wie er aus der zweiten Lesung hervorgegangen sei, wesentliche Ver- befferungen enthalte, bedauerte aber, daß die von seiner Partei gestellten Amendements so wenig Anklang gefunden hätten.

Dem Präsidenten des Reichsgerichts in Leipzig, Dr. Sim- s o n, ist anläßlich seines 50jährigen Amtsjubiläums vom Kaiser der Rothe Adlerorden 1. Klasse und vom Großherzog von Baden das Großkreuz des Zähringer Löwenordens verliehen worden.

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Allergnädigst geruht: oe£irer an der höheren Mädchenschule zu

Am 4. Mui ven. prov sSchule zu ernennen.

Sieben DnErnst Bet z ^Herzog haben Allergnädigst geruht.

- Sb- W-Äj. Dr. Hermann Siebeck in Basel zum ordent-

Am 24. Marz ,,bji,ggvbischen Fakultät der Landes-Umversttät, mit Mrkun?v°m°1. August i? Js. an, zu ernennen und in der gedachten Eigen­schaft zu berufen.

Das Czechenthum hat der Regierung des Grafen ^aasfe ein neue» wichtiges Zugeständniß abgerungen. Durch ein kaiserliches Patent wird er Landtag des Königreichs Böhmen für ausgelöst erklärt und der ueugewahlte Landtag aus den 5. Juli d. Js. einberufen. Mit dieser Matzregel ist den Czechen ein längst gehegter Herzenswunsch in Erfüllung gegangen, da ste hoffen, durch die bevorstehenden Neuwahlen in der Prager Sanbftube die Maioritat zu erlangen, welche Hoffnung bei dem von czechischer Sette ru seder Hinsicht ausaeübten Terrorismus nicht unberechtigt erscheint. Die böhmischen "Natio­nalen" werden ohne Zweifel ihr Uebergewicht dann zu dem Versuche benutzen, di- ochmische Wahlordnung zu ihren Gunsten für alle Zeiten nmzugestalten, aber in diesem Bestreben werden sie Doraussichtlich auf schwer zu bclugenbt Hindernisse stoßen. Zu einer Umänderung des böhmischen Landtages müssen z>oei Drittel seiner Mitglieder ihre Zustimmung geben und mindestens drei Mertel bei der bett. Abstimmung anwesend fern. Der böhmische Landtag zahlt nun 242 Mitglieder und hierzu werden die Deutschen selbst unter den ungün­stigsten Verhältnissen immer mehr als ein Viertel, also Über 61 Abgeordnete, Men die dann blos die Sitzung zu verlassen brauchen, um bie .Ibanberung

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miteinander in arger Fehde. Den Anlaß hierzu hat der Ausfall der am Nlontaq in Passy, einer Vorstadt in Pans, stattgesundenen Ersatzwahl zur Deputirtenkammer gegeben; w.oer Erwarten fiegte hier er der conserva ive Candidat Calla nut 3036 gegenüber Jemen von Gambet is ischer, je p. ultta radikaler Seite aufgestellten Mitbewerbern, denn der Gambettist Renaud ertne.t nur 1134 bet ulttarabttale Candibat Bouteiller 2999 Stimmen. Wenn nun auch Calla nur die relative Mehrheit erhalten hat, so ist er doch nach den Be­stimmungen des französischen Wahlgesetzes, nach welchem beimi zweiten«WahU ganqe bereits bie relative Mehrheit entscheidet, gewählt und dre Monarchisten lind natürlich ob dieses vereinzelten Sieges in gehobener Stunmung. D e Ultra-Rabikalen aber sind wüthend gegen bie Gamdettisten, erstlich, weil drese üuS tüe noch in letzter Stunde erfolgte Aufstellung eines eigenen Cand.dat n eine Zersplitterung der republikanischen Stimmen herberfuhrter, unddann .El bie Gambettistische Presse ihre Agitation weniger gegenCalloals m ünehr aeaen Bouteiller richtete, bem nicht ohne Grund sehr ehrenrührige «anoimigen vorgeworfen wurden. Möglicherweise gelangt dieseV°rstm-'nung 8« 4en O - betlisten und Ultra-Radikalen bei den nächsten Neuwahlen zur franzosiscyen Deputirtenkammer zu einem verschärften Ausdruck. .. Devutirten- kamnur °üben°bVPoUtik'°des°Cabinets"de

während bet jüngsten parlamentarischen Debatt " sch beS Gesammt-

Folge dessen der Consei^rastdent beim K rg in ber Deputirtenkammer

Cabtnets ernrelchte. Wie de Prettsam D ,rag gjretiä mit der

rnittheilte, ist dasselbe von König Vumb g b^hj g^iben oie Minister Bildung des neuen Cabmets beauftragt Mts. vertagt

auf ihren Posten, während bie Kammern vis zum

Bekanntmachung.

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Gießen, ben 23. Mai 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

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Bekanntmachung.

des Betraas der Stempelkosten der Loose, betragen. . .

Gießen, den 23. Mai 1883. GroßhMM Kreisamt Gießen.

p vr. Boekmann.

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