Reglement, betreffend Öns Einernten des LWes.
§ 1. Die Einerntung der Zwetfchen, Aepfel und Birnen darf -nicht vor dein von dem Bürgermeister, bezw. dem Lokalpolizeibeamten mit Zuziehung mehrerer der bedeutendsten Baumstück-Besitzer bestimmten Tag begonnen werden.
§ 2. Wer deshalb, weil sein Obst früher zur Reife gekommen, dasselbe vor dem allgemeinen Termin ernten will, hat um Erlaubniß hierzu bei dem Bürgermeister event. Localpolizeibeamten nachzusuchen, welcher, insofern er es für nöthig hält, durch einen oder nach Umständen zwei bis drei der im § 1 erwähnten Besitzer einen Augenschein darüber einnehmen läßt, ob das Obst den uöthigen Grad der Reife erreicht hat und ohne Nachtheil des Eigenthümers nicht bis zur allgemeinen Ernte hängen bleiben kann. Wird die Ernte gestattet, so hat der Bürgermeister, event. der Lokalpolizeibeamte zugleich einen Terinin festzufetzen, bis zu welchem dieselbe beendet sein muß.
Von der ertheilten Erlaubniß hat der Bürgermeister (Lokalpolizeibeamte) die Feldschützen zu benachrichtigen und für geeignete Aussicht Sorge zu tragen.
§ 3. Von dein Zeitpunkt an, wenn das fallende Obst als Viehfutter verwendet werden kann, ist das Auslesen des Fallobstes außerhalb der von deni Bürgermeister (Lokalpolizeibeamten) nach Maßgabe der Lokalverhältnisse hierfür wöchentlich zu bestinmienden Tagen und Stunden verboten.
Der Zeitpunkt, von wann an die vorstehende Bestimmung bezüglich des Lesens des Fallobstes eintritt, wird von dem Bürgermeister (LokalpolizeibeamtenI festgesetzt und bekannt gemacht.
Kinder, welche das Alter der Schulpflichtigkeit noch nicht überschritten haben, dürfen nur unter Aufsicht von Erwachsenen das Geschäft des Lesens verrichten.
§ 4. Von den Bestimmungen der §§ 1 bis 3 sind ausgenommen: alle rundunr eingefriedigten und an den Wohnhäusern oder innerhalb des Orts an der Ortsstraße liegenden Grundstücke.
§ 5. Uebertretungen der §§ 1 bis 3 des vorstehenden Reglements werden nach Art. 69 des Feldstrafgesetzes bestraft.
Betreffend: Wie oben. Gießen, den 20. November 1883.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien, beziehungsweise Localpolizeibeamten.
Sie wollen sich nach dem vorstehenden Reglement bemessen.
Dr. Boekmann.
Gefundene Gegenstände:
1 Strohhut, 50 Pfennige, 1 Sack Kartoffeln, 2 einzelne Kinderhandschuhe, 1 unächter Ohrring, 1 leerer Geldbeutel, 1 Pickel, 1 Henkelkorb und Regenschirm, 1 schwarze Shawl, 1 Pincenez, 1 Taschenmesser, 1 Hundehalsband mit der vir. 891, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken.
Gießen, den 24. November 1883. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.
— (Telegramm der „Agence Havas.") Der Abzug der englischen Truppen soll keine Verzögerung erleiden, die Räumung Kairos wird in 14 Tagen bewerkstelligt sein. Es verlautet, daß unter den Ministern Meinungs-Verschie- denheit bestehe bezüglich der im Susan zu treffenden Maßregeln; der englische Generalconsul Baring soll empsohlen haben, den Sudan zu räumen.
Telegraphische Depeschen.
Wolfl'S telegr. Corrrspondrm-Burrau.
München, -23. November. Der Landtag beschloß heute, gemäß dem Anträge des Ausschusses, über die Petition des Landesausschusses der deutschen Volkspartei um Einführung des allgemeinen directen Wahlrechts zum Landtag zur Tagesordnung überzugehen. — Der hiesige Magistrat hat mit 20 gegen 11 Stimmen 630,000 JL Zuschuß für die Erbauung von drei katholischen, einer protestantischen Kirche und einer Synagoge bewilligt.
Genf, 23. November. Bei Thonon am Genfer See sind heute Nachmittag 5 Uhr zwei Schiffe zusammengestoßen. Soweit bekannt wurde, sollen 20 Personen ertrunken sein.
Paris, 23. November. Die Kammer setzte die Berathung des Cultus- budgets fort und nahm zwei Anträge des Radikalen Roche an. Der eine setzt den Gehalt des Erzbischofs von Paris von 45,000 auf 15,000 Frcs. herab, der andere hebt die Stipendien für die Seminarien auf. Der Justizminister hatte beide Anträge bekämpft.
— Die Tongking-Commission verhandelte heute Vormittag mit Ferry und Peyron; Letzterer theilte einen detaillirten Bericht Vouree's über die militärische Lage mit. Die Commission hört Montag Bouroe unter Theilnahme Ferry's.
— Dem „Temps" zufolge commandirt die Streitkräfte de's Mahdi ein Franzose, Namens Soulier, welcher nach dem Bombardement Alexandriens nach Khartum ging und das Vertrauen des Mahdi gewann.
London, 23. November. Alle Zeitungen bedauern die Niederlage der Egypter im Sudan und sprechen sich für eine Hinausschiebung des Räumungs- Termins aus.
London, 23. Novbr. Wie ein Neuier'sches Telegramm aus Syanghar von ocstern meldet, soll durch kaiserliches geheimes Dekret Lin das Obercom- uimibo in Tongking erhalten haben. Die chinesische Regierung werde Geldmittel und Munition an die in der südwestlichen- Grenzprovinz Jünnan befindlichen Truppen abgehen lassen, welche den Befehl erhalten hätten, sofort an die Grenze zu rücken, um sich mit den „Schwarzen Flaggen" gegen die Franzosen zu Bereinigen. In den übrigen südlichen Provinzen des Reiches sollen die dort vorhandenen Streitkräfte nur die Grenze decken, ohne sie zu überschreiten.
London, 23. November. Die Polizei hat gestern Abend in einem Hause am Vincent Square, Westminster, einen Mann verhaftet, in dessen Besitze sich zwei Höllenmaschinen von großer Zerstörungskraft befanden. Di- Voruntersuchung ist tm Gange.
— Der wegen Besitzes von Höllenmaschinen Verhaftete heißt Wllüelm Wolff und ist einer der Führer der deutschen Soctal sten. Es wird ihm die Absicht zugeschrieben, die deutsche Botschaft in die Lust ju sprengen. Der Verhaftete, Nachmittags unter der Anschuldigung, Explofionsstoffe zu gesetzwidrigen Zwecken in Besitz gehabt zu haben, vor das Polizeigericht in Bow-Street gestellt, verlangte die Zuziehung eines deutschen Dolmetschers. Das Gericht vertagte die weitere Verhandlung, um erst über das Vorleben des Angeklagten weirere Erkundigungen einzuziehen. Unter den in Wolff's Wohnung saistrten Schriftstücken befindet sich ein in deutscher Sprache mit rother Tinte geschriebener Brief an den hiesigen deutschen Botschafter, unterschrieben: „Das Proletariat". Darin steht: „Wenn ihr die Freiheit wollt, müßt ihr uns auch die Gleichheit geben."
— S-it heute früh befindet sich die deutsche Botschaft unter polizeilicher Schutzwache. Di- Polizei machte der Botschaft heuie früh die erste Msttheilung von einem angeblichen Anschlag gegen dieselbe. Der Botschafter Graf Münster ist gestern zum Besuchs Lord Sudeley's nach Toddingion abgereist. Ec wurde heute benachrichtigt und kehrt in einigen Tagen zurück- lttber die Nationalität des Verhafteten, der sich Wilhelm Wolff nennt, circuliren widersprechende Angaben.
Petersburg, 23. November. Gegenüber der Meldung der Blätter, daß mehrere Moskauer Gymnasiasten wegen thätlicher Beleidigung eines Lehrers nach Turkestan verschickt worden seien, constatirt eine Mittheilung des Unterrichtsministeriums auf Grund eingezogener authentischer Auskunft, daß der angegebene Vorfall sich gar nicht zugetragen habe.
Kairo, 23. November. Der englische Contreadmiral Hewett hat angeordnet, daß das englische Geschwader im Rothen Meer zum Schutze der egypti- schen Interessen durch mehrere Kanonenboote des Mittelmeer-Geschwaders verstärkt werde.
— Im heutigen Kriegsrathe, welchem der Präsident des Ministerrathes, der Kriegsminister Abdel Kader Pascha, Rieger Pascha und Baring beiwohnten, sollte die militärische Lage geprüft und eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob Khartum, resp. andere noch südlicher gelegene Punkte noch zu halten seien. Ein Beschluß wurde jedoch noch nicht gefaßt.
Der deutsche Kronprinz in Spanien.
Valencia, 23. Nov-mb-r.
Beim Diner im PulaiS b<3 Generalkapitäns nahm dec Kronprinz den Platzin der Mitte der Tafel ein, zur Reckten die Generäl« Salamanca und Mischke, fomit der Bürgermeister von Valencia, zur Link.» Graf Solms, d-r P>äscki, der EPnbohn- direktor und der Präsident des GeneralrathS. Dem Kronprinzen gegenüber saß General Blanco, zu d ssen Rechten General Blumenthal und der P-äsident des Tribunals von Valencia, Nyvenhcim, und daran schlossen sich zu be-.deu Seiten die übrig!n Vertreter der Behörden. Bet der Tafel erhob sich btt Kronprinz und brachte e tun Toast aus auf den König von Span en und auf die Stadt Valencia, welche tum einen so freundlichen Empfang bereitet habe. Der Bürgermeister erwiderte dankend mit e mm Toast auf Deutfchland, den Kaiser und den Kronprinzen und sprech Wünsche aus für die Ekhaltung freundschaftlicher Bez'rhungen zwischen beiden Ländern. Nach dem Diner besuchte der Kronprinz das Theater, wo er wiederum Gegenstand b-geist-rtir Kundgebungen war. Nach dec Beendigung des zweiten Aktes nahm der Kronprinz bie von dec Municipalität und dem Generalrathe dargebotenen Erfr'schung-n. an, verlieb alsdann, geleitet vom Präfekten und vom Bürgermeister, das Theater unb te.iab sich nach dem Bahndofc, um die Reise nach Madrid fortzusetzen. Bei der Verabschiedung Dox den B-Hörden äußerte der Kronprinz wiederholt seine lebhafte Befriedigung über die warme Ausnahme in Valercea. Das Journal „Provincicrs" sagt, noch kein parst sei in Valencia so herzlich empfangen worden, als der brutsche Kronprinz.
Von Valencia auS Hai der deutsche Kronprinz ein Telegramm an den König Alkons gerichtet und darin seiner Freude über den ausgezeichneten Empfang daf.Idst Ausdruck gegeben. Der König hat alsbald telegraphisch geantwortet Und seinen erlauchten Gast herzlich willkommen geheißen. ^^,r.
Der königliche Extrazug, mit welchem der deutsche Kronprinz die Reise von Valencia hierher zutücklezte, traf Punkt 11*/» Uhr ein. Auf ollen Bahnhofen, an »m WärterhSusern und das Bahngeleste der ganzen Wegstrecke von Valencia bis hierher entlang standen Doppelposten der Nationalgarde in Parade und erwiesen dem Kronprinzen während dir Vordeisahrt die Honneurs. Der hiesige Bahnhof war mit Gum landen und Wappen auf das Reichste geschmückt. Als der Zug in den Bahnhof ernties, brach die nach vielen Tausenden zählende, nm Bahnhof versammelte Menschenmenge n brausende Hochrufe aus, während die Musik der auf d-m Bahnhofe ausgestellten, aus einer Compagnie Infanterie mit der Fahne bestehenden Ehrenwache die preuMhe Nationalhymne intonirte. Der König Alfons, welcher die Uniform seines preußstchen Ulanenregiments und das Band des Schwarzen Adlerordens trug, eilte, von einer glänzenden Suite gewitzt, auf den Wagen zu, in welchem sich der Kronprinz ^efastv- Der Kronprmz hatte die große preußische Generalsunisorm angelegt und trug das Band des Schwarzen Adlerordens und den O-.den vom goldnen Vließ. Als ocr Kronprinz den Wagen verlassen hatte, umarmten und küßten der König und v Kronprinz sich wiederholt, herauf erfolgte die Vorstellung deS beiderseitigen Gefolges. Im Gefolge des Königs befanden sich der preußische Gmerall'tubnant und (Sentia- abjutant von Loö, die Generaladjutanten des Königs und die obersten Hofchargcn, dem Kronprinzen befanden sich der deutsche Gesandie Gras Solms und d r ipawL Ehrendienst. Nachdem der Kronprinz mit dem König die F-or.t der Ehrenwache ad- geschritten batte, begaben sich die hohen Herrschaften, unter Vortritt des Obersthof. meisterS, durch die prachtvoll dccorirten Wartesäle nach dem am Ausgang vorgcfah-enen königlichen Galawagen- Tie am Bahnhof- zusawmengcstrow.tcn Menichenmasten ve- grüßten den Kronprinzen erneut mit Willkommcnrufen, die in Madrid leornce Deutschen brachten unausgesetzt stürmische Hochs und Hmrahs auf denselben au», bw Trompeter eines Kürassierregiments bliesen eine Fanfare. Als der offene Wagen, in welchem der Kronprinz und d-r König Platz genommen hatten, stw ' Bewegung setzte, schwenkte eme Escadron Kürassiere als Escorte ein. Die Mort,gwg unter unausgesetzten jubelnden Zurufen der Bevölkerung den von dichten Äffischem massen besetzten Prado entlang, bei der Deputtrtenkammcr vorbei und durch die mu Fahnen und Teppichen auf das Reichste geschmückten Straßen nach bem Palacio m , wo die Königin den Kronprinzen begiüßte. Auch her war eine Ehrenwache aufg.steu . Während des Einzugs war prächtigster Sonnenschein. hi.
Morgen findet ein großes Banket statt, zu welchem an die Minister, an dw Mitglieder des diplomatischen Corps, an die Gemralcc.pstäne, an die Ritter vom goldenen Vließ und an die Präsidien des Senats und der Kammer Einladungen er, gangen^ Kolonie (etwa 120 Personen), der deutsche Consul °n der Spchsi begrüßte den deutschen Kronprinzen bei der Ankunst ebenfalls. Zwei Deut!ck .
einer Dame überreichten dem Kronprinzen auf der Fahrt nach dem konigl-chenPa । BlnmenbouqueiS. Der Kronprinz wurde bei seiner Ankunft im Palast "Uch v fämrntlichen Mitgliedern des Königshauses begrüßt. Nachmittags machten der Kron prinz und der König in offenem Wagen eine Spazierfahrt fn Buenreti.o und w von der M-nge enihustasttsch begrübt. Fast alle Hauser sind festlich geflaggt, im Stabt Centrum finden sich auch deutsche Fahnen-
Dcr Jifoniniem . jjjtie der Hc Munger auf dem fP* ytlö tine Allwnz oder der ßt
D-e 1 Mrend di! nii-cht-, da jun»en hab!
Nach jeinbfel^: MiliiSryche, Munter ai jch-n Eolor giinz und । gneekannf.
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