Pascha in Friedrichsruhe und Wien u. A. auch die alten Klagen der Pforte betreffs der bulgarischen, egyptischen und armenischen Angelegenheit zu erneuern und zu motiviren hatte. JmUebrrgen hat sich der Specialgesandte des Sultans Seitens des Fürsten Bismarck, wie des Wiener Hofes einer ausgezeichneten Aufnahme zu erfreuen gehabt, was nur von Neuem für die guten Beziehungen spricht, welche zwischen Deutschland und Oesterreich einer- und der Pforte andererseits herrschen. Am Sonntag Nachmittag hat Mukhtar Pascha Wien wieder verlassen und die Reise nach Konstantinopel fortgesetzt.
Die auswärtige Politik ist in Frankreich gegenüber den Vorgängen, welche sich in jüngster Zeit bezüglich seiner inneren Politik abspielten und noch abspielen, fast ganz in den Schatten gerückt worden. Die diplomatischen Verhandlungen zwischen Frankreich und China scheinen aber auch ganz aus einem Flecke stehen zu bleiben, denn seit Wochen hat man hierüber nicht mehr das Geringste gehört und auch aus Tongking selbst sind seit dem Rückzüge der „Schwarzen Flaggen" auf das linke Ufer des Rothen Flusses keine Nachrichten von Belang mehr eingelaufen. Dagegen liegen jetzt aus Madagaskar- neue Mittheilungen vor, die ziemlich bedrohlich lauten. Ihnen zufolge steht die Wiedereröffnung der Feindseligkeiten zwischen den Franzosen und den Howas in naher Aussicht und befürchtet man namentlich ein abermaliges Bombardement der Stadt Tamatave durch die französische Flotte.
In England befindet man sich am Vorabend einer parlamentarischen Campagne, die sich allem Anschein nach sehr bewegt gestalten und dem Cabinet Gladstone mancherlei Verlegenheiten bereiten wird. Vor Allem dürste die Session eine Auseinandersetzung zwischen dem Ministerium und den Radikalen bringen. Die Letzteren fordern die unverweilte Berathung des in Aussicht gestellten Gesetzes über die Ausdehnung des allgemeinen Wahlrechtes, während Herr Gladstone die betr. Bill als den letzten Punkt der parlamentarischen Tagesordnung betrachtet wissen will. Nach dem Willen Gladstone's sollen zunächst die Vorlagen, betr. die Reform der Londoner Municipal-Verwaltung und diejenige der Grafschafts-Verwaltung, sowie einige kleinere Gesetzentwürfe, be- rathen werden. Die Forderung der Radikalen würde demnach in nicht unbedenklicher Weise die parlamentarischen Dispositionen der Regierung durchkreuzen und darf man daher gespannt sein, wie sich Mr. Gladstone mit seinen radikalen „Freunden" abfinden wird. Uebrigens sind auch die Conservativen für die Wahlreform, nur wünschen sie, daß dieselbe mit einer Neueintheilung der Wahlbezirke verbunden werde, da sie hiervon für sich Vortheile besonders in den irischen Bezirken hoffen; jedenfalls wird die Wahlreform-Angelegenheit im englischen Unterhause zu eingehenden Debatten führen.
In Lissabon ist eine partielle Minister-Krisis ausgebrochen. Der Minister des Innern hat seine Entlassung genommen wegen im Schooße des Cabinets ausgebrochener' Meinungsverschledenheiten über die demnächst vorzunehmenden Municipalwahlen. Es verlautet, daß noch weitere ministerielle Veränderungen bevorstehen. Ob die Municipalwahlen es allein gewesen find, welche zu Differenzen im portugiesischen Ministerium geführt haben, möchte fast bezweifelt werden, wenn man an den republikanischen Putschversuch der Bauern in der Provinz Alemtejo und an den Aufruhr in der Stadt Villanova denkt. Indessen scheint es in der That, als ob diese Vorgänge von der oppositionellen Presse arg übertrieben worden sind, wenigstens haben sich die Unruhen in den betr. Districten bis jetzt nicht wiederholt.
Der jüngste österreichisch-rumänische Zwischenfall geht seinem Ausgleich entgegen. Bekanntlich waren im Vulkanpaß (Karpathen) an der siebenbürgisch-rumänischen Grenze einige rumänische Grenzwächter von unga
rischen Gensd'armen verhaftet worden, die man indessen bald wieder freiließ. Von der Oesterreich übelwollenden radikalen Presse Rumäniens war über diesen angeblichen Gewaltakt Oesterreichs ein großes Geschrei erhoben worden, glücklicherweise, ohne die Bukarester Regierung zu beeinflussen. Letztere hat den Vorschlag gemacht, zur Untersuchung des Zwischenfalles eine österreichisch-rumänische Commission zu ernennen, welcher Vorschlag von Oesterreich auch angenommen worden ist.
Der Friedensvertrag zwischen Chile und Peru ist nach einer Depesche des „Reuter'schen Bureaus" aus Valparaiso endlich unterzeichnet worden. Die öffentlichen Gebäude in Lima und Callao, welche zur Zeit noch von chilenischen Truppen besetzt sind, sollen nach und nach geräumt und den peruanischen Behörden übergeben werden. Der Präsident von Peru, General Iglesias, beabsichtigte am 21. d. Mts. in Lima einzutreffen.
Vermischte H.
Bremen, 20. October. ^Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.) Rettung aus Seegefahr. Herr Hafenmeister Polack aus Cuxhaven berichtet:
Am 18. October gegen 7^2 Uhr Morgens erblickten wir zwei kleine Fahrzeuge mit Nothflaggen aufkommen und sandten denselben sofort das Rettungsboot „Köln" zu Hülfe. Es stürmte stark aus N-W. mit schweren Hagelböen und Gcwilterschlägen. Während es dem einen Fahrzeuge gelang, in der Nähe von Cuxhaven und in Sicherheit zu kommen, wurde das andere zu Norden von Kratzsand getrieben, jedoch in bedrängter Lage von unserem Rettungsboote erreicht, welches die ans zwei Personen bestehende Besatzung rettete und in Cuxhaven landete. Das verunglückte Dch ff war der deutsche Kahn „Hedwig", Schiffer Monje, mit Oelkuchen von Altona nach Strohhausen bestimmt; dasselbe ist als total verloren zu betrachten.
Inzwischen waren auch die Schleppdampfer „Kronprinz" und „Stromboli" zur Hülfeletstung ausgegangen, welche jedoch in der Nähe des obigen Fahrzeuges so colli» dtrtcn, daß der „Stromboli" nach ungefähr 10 Minuten sank und nur der Cap'tän von dem „Kronprinz" gerettet werden konnte. Trotzdem der unter Dampf befindliche Staatsdampfer sofort ausltef und sich ca. eine Stunde zwischen den treibenden Trümmern aufhielt, wurde keiner der Unglücklichen entdeckt. Fünf Personen hatte das Meer verschlungen.
Das Rettungsboot „Köln" ging darauf im Schlepptau des Staatsdampfers nach einem, mit Verlust des Fockmastes, in den Norder Gründen sich befindenden Schuner.
Heber den Verlauf dieser Rettungsfahrt ist ferner berichtet:
In die Nähe des Schuncrs gelangt, sah man auf demselben keine Nothflogge; es schien vielmehr, als ob der Schuner keiner Hülfe bedürfltgt wäre, weshalb die „Köln" gegen Mittag zurückkehrte. Gegen V/2 Uhr zeigte der Schuner jedoch Noth- flagge, worauf die „Köln" mrt der Ebbe zum zweiten Male hinausging. Trotz furchtbarer Sturmböen erreichte das Rettungsboot das verunglückte Schiff, nahm die aus vier Personen bestchende Besatzung auf und landete gegen 6 Uhr m Cuxhaven. Es wehte z. L ein heftiger W-N.-W- Sturm mit schweren Hagelböen und Gewitter; die See stand so hoch, daß einige derselben über die Gaffel der „Köln" hinwegschlugen. In einer Boe brach das Lick der Fock und mußte man die an Bord befindliche Sturmfock anschlagen. Dies geschah sehr schnell und es war eme Lust vom Lande aus zu sehen, w'.e die „Köln" in der hohen See arbeitete und förmlich durchhmflog.
Das verunglückte Schiff war der Deutsche Schuner Capitän Larsen, in
Ballast von Itzehoe nach Drammen bestimmt.
Schiffsnachrichten.
Bremen, 22. October. (Per transatlantischen Telegrapb-j Der Postdampfer Elbe, Capt. W. Willigerod, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 10. Octover von Bremen und am 11. October von Southampton abgegangen war, Ist am 20. October 1 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.
Bremen, 20. October. fPer transatlantischen Telegraph-^ Der Postdampfer Ohio, Capt. G. Meyer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 3- October von Bremen abgegangen war, ist heute wohlbehalten in Baltimore angekommen-
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