Donnerstag den 25. October
1883
Bureau : Schul st raße 7.
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Betreffend: Herbst - Control - Versammlungen.
Gießen, am 18. October 1883.
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Die diesjährigen Herbst-Control-Versammlungen werden im Kreise Gießen wie folgt abgehalten werden:
1. Im Bezirke der I. Compagnie (Gießen).
1) Zu Gießen am 2. November 1883, Vormittags, im Oswald'schen Garten
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betrachten kann, so dürste das Erscheinen der „Männer der schwieligen Faust" in der communalen Vertretung Berlins weder die Fortschrittler noch die Con- servativen mit allzugroßer Zuversicht erfüllen.
Die Reichsregierung beabsichtigt, in der nächsten Session des Reichstages die Novelle zum Militär-Pensionsgesetze und das Militär-Relictengesetz wieder einzubringen. Wie die „Heeres-Zeitung" vernimmt, würde erstere Vorlage der fortschrittlichen Forderung, die Osficiere mit zur Communalbesteuerung heranzuziehen, nicht entsprechen, dagegen die Bestimmung enthalten, daß die nach dem alten Pensionsgejetze pensionirten Officiere, die während des Kriges 1870/71 dem Heere wieder angehörten, auch der Vergünstigung dieses Gesetzes theilhaftig werden. Das Militär-Relictengesetz hofft die Reichsregierung dadurch zur Annahme zu bringen, daß die Beiträge der Reichs- und Staatsdiener, für die bereits ein solches Gesetz besteht, zur Wittwen- und Waisenkasse überhaupt in Wegfall gebracht und zu diesem Zwecke die disponibel werdenden Mehr-Einnahmen verwendet würden, da dieselben zu einer entsprechenden Erhöhung der Gehälter der Staatsdiener noch nicht ausreichten.
Die Mission Mukhtar Paschas nach Friedrichsruhe sowohl, als auch der zweitägige Aufenthalt, den er auf der Rückreise nach Konstantinopel in Wien genommen, hat der Presse Anlaß zu lebhaften Erörterungen gegeben. Ueber das, was den türkischen Muschir nach dem lauenburgischen Tusculum des deutschen Reichskanzlers und dann nach Wien geführt, kann man selbstverständlich nur Vermuthungen hegen, daß es sich hierbei aber um hochpolitische Zwecke gehandelt hat, dürfte kaum bezweifelt werden. Aus einem Entrefilet der „Nordd. Allg. Ztg." geht nun mit ziemlicher Gewißheit hervor, daß Mukhtar
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Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die G r o st h e r z o g l i ch e n Bürgermeistereien des Kreises.
Die nachstehende Bekanntmachung wollen Sie in Ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise veröffentlichen lassen.
Dr. Boekmann.
Gießen, den 12. October 1883.
Politische Uebersicht.
Gießen, 24. October.
Das Wahlresultat der Berliner Stadtverordnetenwahlen bedeutet in der dritten Klasse einen kleinen Mißerfolg, dagegen in den beiden ersten Klaffen einen vollständigen Sieg der Liberalen. Während in der dritten Waffe nebst 22 Liberalen und 6 Conservativen auch 2 Socialdemokraten gewählt wurden, trugen in der zweiten und ersten Abtheilung der Communal- Wählerschaft die liberalen Candidaten ausschließlich den Sieg davon. Mit «Niger Spannung sieht man den Stichwahlen in der dritten Klasse entgegen, in denen sich die liberale, resp. Fortschrittspartei neunmal mit der Bürgerpartei unb zweimal mit der Arbeiterpartei zu messen haben wird, während sich die beiden letztgenannten Parteien nur in einer Stichwahl gegenüberstehen; ver- wulhlich werden die Fortschrittler bei den Stichwahlen noch einige Sitze an die beiden Gegenparteien abgeben müssen. Wenn bei der Auflösung der Stadtver- «rdneten-Verfammlung auf das Zustandekommen einer neuen Vertretung von wesentlich verändertem Charakter gerechnet worden ist, so hat diese Rechnung »ölig getrogen. Insofern aber haben Die Neuwahlen zur communalen Vertre- diirg der Reichshauptstadt ein bemerkenswerthes Resultat ergeben , als die To cialdemokratie, in den Herren Singer und Tutzauer — denen sich bei den Stichwahlen wahrscheinlich noch ihr Hauptwortführer, Schlosser Görki, an- Ichließen wird — zum ersten Male Vertreter tn die Berliner Stadtverordneten- Aisammlung entsendet hat. Da man die nunmehr zu Ende gegangene Wahl- kroegung in der Reichshauptstadt wesentlich auch als eine Kraftprobe der pol Aschen Parteien zu den im nächsten Jahre stattfindenden Reichstagswahlen
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zwar um 8 Uhr für fämmtliche Reservisten der Infanterie, fowie sämmtliche zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen, um 9 Uhr für sämmtliche Reservisten der übrigen Waffen und die am Schluffe näher bezeichneten Wehrleute.
Hierher gehören die Orte:
Annerod, Burkhardsfelden, Gießen (mit Schiffenberg und Herrnwald), Heuchelheim, Klein-Linden und Oppenrod.,
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2) Zu Lollar am 3. November 1883, Vormittags 9 Uhr, neben dem neuen Bahnhofsgebäude.
Hierher gehören die Orte:
Allendorf a. d. Lda., Alten-Bufeck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen (mit Hof Heibertshausen), Großen-Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, RutterShaufen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda., Trohe und Wieseck.
3) Zu Grünberg am 3. November 1883, Nachmittags IV4 Uhr, an dem Bahnhose.
Hierher gehören die Orte:
Allertshausen, Beltershain, Gellshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle), Hattenrod, Harbach (mit der Kolbenmühle, Sommermühle), Kesselbach (mit der Rabenau'schen Papiermühle), Lauter (mit der Arztmühle, Bingmühle, Georgenharnnrer, Strellesmühle und Walkmühle), Lindenstruth, Londorf (mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmidtmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte), Lumda (Groß- und Klein-), Odenhausen (mit Appenborn-Hof), Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Mddingshausen, Saasen (mit Bollnbach, Veitsberg und Wirberg), Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain (mit dem Hainer-Hof) unb Winnerod.
II. Im Bezirke der II. Compagnie (Lieh).
1) Zu «Hungen am 10. November 1883, Mittags 12 Uhr, am Friedhöfe.
Hierher gehören die Orte:
Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenheim, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen (mit Ringelshausen), Rodheim (mit Hof Graß), Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe und Villingen.
2) Zu Lieh am 10. November 1883, Nachmittags 3 Uhr, am Bahnhose.
Hierher gehören die Orte:
Albach, Allendorf a. b. Lahn, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt (mit Arnsburg), Ettingshausen, Garbenteich, Groß-Linden, Grüningen, Hausen, Holzheim, Lang-Göns, Leihgestern, Lich (mit Albacher-Hof, Kolnhausen und Mühljachsen), Münster, Hof-Gill, Nieder-Bessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach, Watzenborn mit Steinberg.
Es haben aus den genannten Orten zur bestimmten Stunde sämmtliche im betreffenden Bezirke wohnenden Offiziere und Mannschaften des Beurlaubten- standes aller Waffen des deutschen Reiches zu erscheinen, welche zur Reserve gehören, zur Disposition der Truppenthetle beurlaubt oder zur Disposition der Ersatz» Behörden entlassen sind, sowie diejenigen der Landwehr angehörigen Mannschaften, welchen eine besondere Ordre zur Gestellung bei der Herbst-Control-Versammlung vom Bezirksfeldwebel zugegangen ist. — Die Ersatz-Reservisten haben nicht zu erscheinen.
Dispensationen können nur in ganz dringenden Fällen eintreten und müssen darauf bezügliche Gesuche spätestens 8 Tage vor den betreffenden Control- Versammlungen auf dem Dienstwege eingereicht werden.
Die ohne Entschuldigung fehlenden Atannschaften haben sich der gesetzlichen Strafe zu gewärtigen.
Es wird noch bemerkt, daß die Leute mit dem Mllitär-Paß und Führungs-Attest versehen in bürgerlicher Kleidung zu erscheinen haben, und vor dem Beginn der Control-Versammlung Schirme, Stöcke, Pfeifen rc. fortzulegen sind. Frhr. v. Roder,
__Oberst z. D. und Bezirks-Commandeur.
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. 2 K 7" Brm.S-rl°hn.
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Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.


