Ausgabe 
25.3.1883 Zweites Blatt
 
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sollen in offenen Kaleschen zur Gruft und wieder nach Hause fahren, damit ihre Auf» fahrt einem coslumtrten Festzuge gleiche."

fZukunftsheizung) Es ist schon ein Projekt aufgetaucht so schreibt die Bresl. Ztg." welches allen Kohlenstaub aus unseren Wohnungen zu entfernen, welches alle Oefen tn unseren Zimmern erübrigen, welches das Emführen von Holz und Kohlen tn unsere Häuser unnöthtg machen soll. Die Gasanstalten sollen uns nämlich statt deS Leuchtgases tn Zukunft billiges Hetzgas zuführen. Friedrich StemenS sagt in einem Bericht, den er an bte sächsische Regierung erstattet hat: ,2)ie Be­dingungen einer guten Verbrennung sind viel l ichter bet gasförmigem Heizmaterial zu erreichen, als bet festem, und es werden alle bei letzterer Feuerungsart angewandten Kunstgriffe unnöthig, weil Gas leicht regulrrbar und auf die passendste Weise mit der Luft gemischt, absolut gleichmäßig und rauchlos verbrennen kann. Gleiches lasse sich allerdings auch vom Petroleum sagen, flüssiger Brennstoff sei aber zu theuer und könne weder mit dem gewöhnlichen Leuchtgas noch mit Wassergas concurrtren. Will man den Rauch wirksam bekämpfen und zugleich den Gasanstalten ein unermeßliches Absatz­gebiet aufschlußcn, so ist es erforderlich, daß in den Städten, wo man drcs anstrebt, ein Hetzgas-Rohrnetz gelegt wird." Man hat eingewendet, daß das unreine Gas die Leitungen schnell zerstören werde. Fr. Siemens nvint, die Ersetzung des festen Brenn-

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Materials durch Gas würde eine so bedeutende E'sparntß zur Folge haben, daß die Anlage des neuen Rohrnetzes in kurzer Zett amorusirt wäre Er habe die feste Ueber- zcugung, daß die Anwendungen der direkten Feuerungen in größeren Städten unzulässig fei, daß diese allgemeine Erkenntntß sich bald Bahn brechen werde und daß man in Zukunft alle Feuerungen mit einem besonders hergestellten Brenngas, durch ein all­gemeines Röhrensystem zugelettet, unterhalten werde. Ein solches System beseitige außer dem Rauch die Unannehmlichkeit der Hanttrung mit Kohle, Asche und Ruß, erspare " Arbeit und Verdruß.

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[Sine lebensgefährliche $ßette.J Aus Paris schreibt man: Eine Wette von cigenthümltcher Kühnbett ist soeben zwischen zwei Cavallerie-Ofsicieren der Garnison in Verfalles eingegangen worden. Es handelt sich darum, den Akt der Tollkühnheit zu erneuern, der im vorigen Jahrhundert von einem Muskekier begangen worden, der über den Aequaduct von Buc ritt. Die Plattform des Aequaduct, welche sich sehr hoch über die Straße von Cheoreuse erhebt, ist nur 2 Meter breit und ohne Schutzgeländer. Es läßt sich daher leicht ermessen, daß es unter dt.sen Umständen kaum etwas Gefähr­licheres gibt, als diesen Ritt, da eine Secunde des Schwindels, der den Reiter er­faßt, ober eine falsche Bewegung des Pferdes hinreichen, uni eine Katastrophe herbei- znführen.

Eine Mordthat, bei der die kalte Berechnung, mit der sie durchgeführt wurde, Entsetzen erregt, wird derKöln. Ztg." von der spanisch-französischen Grenze mit- getheilt. Auf der Mitte des langvorgeftreckten Cap Higuer befinden sich die die ganze Umgegend beherrschenden Ruinen eines alt-n Schlosses. M tten unter dem Schutt der alten verwitterten Umfassungsmauern desselben hat (in armer Ackerbauer seine Hütte erbaut. Der Bewohner, von Gicht und Podogra geplagt, sitzt bewegungslos an dem kleinen Fenster, das den Blick über die KUppen und das brausende Meer freiläßt, und ist nicht wenig erstaunt, tn dieser unwirthsamen Felseneinöde drei modisch gekleidete Gestalten auftauebn zu sehen, welche sich im munteren Gespräche bis an einen steil nach unten zu abfallenden Vorsprung begeben. Während ein Herr und eine Dame sich belust'g'N. Steine m bte Tiefe zu werfen und sich vorbeugen, um den Fall zu beob­achten, hat der Dritte einen höheren Standpunkt gewählt, welcher thm einen Umschau nach allen Seiten gewährt. Die über ihm liegenden Schloßruinen hält er jedenfalls für unbewohnt, da er es nicht der Mühe werth hält, zu ihnen emporzuklimmen. Plötz­lich sieht der alte, gichtgelähmte Mann, daß der mit dem jungen Mädchen zurück gebli bene Mann dieses von hinten unten an den Beinen packt und, von sich stoßend, daffclbe tn die Felsschlucht und das unten brandende Meer hinabstürzt. Der andere kommt zurück und ruhig, als ob nichts geschehen, ziehen beide langsam ihrer Wege. Der alte Bauer ist in Ohnmacht gefallen, aus welcher er erst erwacht, als seine Frau, die in der Stadt gewesen, zurückkehrte. Fiebernd tbeilt er derselben das Gesehene mit und durch diese wird sofort das spanische Gericht tn Fuenterrabia benachrichtigt, welches die beiden Mordgesellen an der Mittagstafel im Gasthof der französischen Grenzstadt Hendaye findet und sie verhaften läßt. Aus den angeftellten Verhören in Bayonne bat sich ergeben, daß einer von den Männern ein französischer Offic er und der andere ein Sergeant desselben Regiments ist. Beide sind in Begleitung des jungen Mädchens von Paris gekomm n. Der Officier soll ein natürlicher Sohn der Mutter des Fräuleins sein, während der Sergeant in sehr vertrautem Umgänge mit der Mutter gestanden haben soll. Die Frau soll viel Vermögen besitzen und man vermutbst, daß den beiden sauberen Herren die Absicht Vorgelegen hat, um eine bedeutende Erbschaft an sich zu reißen, Mutter und Tochter aus dem Wege zu räumen.

sEin brühmter Hundertjähriger.) Professor Cbevreul ist ohne Zweitel der frischeste alte Mann, der je dagewesen. Vor einigen Tagen endete der berühmte Hundertjährige eine Mittheilung 'n der Akademie der Wissenschaften mit den Worten: Ueberdies, meine Herren, ist diese Bemerkung für mich nichts Neues, da ich die Ehre hott'", an dieser selben Stelle am 10. Mai 1812 davon zu sprechen.

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Geldbriefträger trug einen mächtigen Lorbeerkranz mit großer Atlasschleife und speciellen Widmung deS einzelnen Postamts. Hinter den circa 1200 Beamten schloß sich eine unendlich lange Wagenreihe an, darunter die von Postillonen gelenkten Kutschen der -bersten Beamten. Berittene Schutzleute, die an der Spitze des Zuges waren, schlossen auch denselben.

San Sebastian, 11 März. Ein guter Freund aus dem Rheinlande, der sich einige Wochen hier aushielt, ließ sich durch die ausschlagenden Bäume und die linden Frühlingslüfte verleiten, seine warmen Winterkleider einem Armen zu schenken und in frisch von der Elle kommendem Sommeranzuge einherzustolziren. Mit prächtigem Wett-.r reiste er von hier nach Pamplona, wo es am nächsten Tage so schneite, daß über zwei Fuß hoch Schnee in den Straßen lag. Um die erste Noth zu kehren, schreibt mir der arme Kerl, mußte er aus Angst, daß ihm seine langen Stelzen erfrieren würden, zwei Paar Unaussprechliche Übereinanderziehen. So kann es einem braven Deutschen in Spanien ergehen. Aber in ganz Europa ist die Temperalur in diesen Tagen ungehkuer gefallen- Gestern Morgen um 9 Ubr zeigte das Thermometer in llleaburg (Finnland) 16° unter Null, in Nizza1°, tn Paris2°, in Rom +3° und in Palma (Balearen) 4-5°. Nach den officiellen Telegrammen der Madrider Stern­warte fiel das Thermometer vorgestern bis auf7°,5, während gestern der niedrigste Stand +3° und der höchste +7° war. Während des ganzen TageS herrschte hier eine eisige Kälte bei abwechselndem Nord und Südwest und man hatte das seit langen Jahren nickt beobachtete Schauspiel, es bet Sonnenschein schneien zu sehen. Außer in San Sebastian fiel gestern nach den erhaltenen telegraphischen Mittheilungen Schnee in Avila, Barcelona, Coruna, Cuenca, Gerona.Logrono, Oviedo, Pamplona, Salamanca, Santander. Segovia, Tarragona, Valladolid und Zamora.

Frankfurt, 15. März (Eine Frau für zwölf Paar Handschuhe.) Ein Jüngling batte in rnem schönen Mädchen fein Ideal gefunden- Erröthend folgte er ihren Spuren, ohne indeß von ihrem Gruße beglückt zu sein. Es wollte ihm nicht gelingen, sich der Holden za nähern- Schon wollte er verzweifeln, als ihm das Institut der Heirathsvermittlung einfiel. Er wandte sich an eine Frau, betraute sie mit dieser höchst bvlfcaten Angelegenheit und versprach ihr zwölf Paar feine Wiener Glacehandschuhe, wenn sie zwischen dem Mädchen und ihm eine Heirath zu Stande bringe. Die Frau war mit diesem Versprechen um so mehr zufrieden, als sie keine professionSrnäßige Hetrathsvermsttlerin war und eben so viel Zuneigung zu den Wiener Glacehandschuhen hatte, wie der Liebende zu dem Mädchen. Sie arbeitete so geschickt, daß sie dem schmachtenden Seladon bald die Nachricht bringen konnte, er sei geliebt und eS liege nur an ihm, mit einem Heirathsantrage an das Mädchen heranzutreten, um seinen Wunsch in Erfüllung gehen zu sehen. Das ließ sich der Liebhaber nicht zweimal sagen und siehe da, schneller als man ein Paar Glacehandschuh.: verbrauchen kann, war das Mädchen sein Weib- Die Vermittlerin freute sich ihres Erfolges und ersuchte den jungen Ehemann um die zwölf Paar Glacehandschuhe feinster Wiener Sorte. Der aber wollte nichts wissen und wies ihr mit ihrem Anspruch die Thür. Als alle Reclama- tfönen nichts halfen, wandte sich die Frau an bte Gerichte und klagte die zwölf Paar Handschuhe ober 50,50 JL ein. Der Fall kam heute zur Verhandlung, in der sich mancher ergötzliche Zwischenfall abfptelte. Der Verklagte schien geneigt, mit den zwölf Paaren herauszurücken, aber nun wollte die Klägerin nicht mehr und mit den Worten (Selb ist mir lieber" schnitt sie jebe Verhanblung in bieser Richtung ab. 50 JL waren dem Verklagten aber zu viel; e6 wurde ein bischen gehandelt und auf Zureden des Vorsitzenden gab sich die Vermittlerin mit 20 JL zufrieden. So billig ist wohl noch Niemand zu einer Frau gekommen (Fr. I.)

(Ein Mann von (Sifen.J Herr Hornburg, ein geschickter Mechaniker und Ingenieur in Launceston (Tasman'a) hat einen eisernen Mann erfunden, der automa­tisch umhergehen kann. Die Gestalt, die wie ein Diener gekleidet ist, hat 6 Fuß 10 Zoll Höhe und wiegt 160 Pfund. Ihre Bewegungen werden durch eine im Innern ver­borgene zufammengerollte Feder hervorgebracht und sie kann nickt nur gehen, sondern auck mit L ichsigkeit einen kleinen Krankenftuhl greifen und umherfahren.

(Ein Costumeball in einer Gruft ) Wir lesen in einem Lyoner Blatt: Am 18. März v. I. starb hier ein reicher Junggeselle und hinterließ seinen ungeduldigen Erben ein Vermögen von vier Millionen Francs. Der Erblasser hatte aber, wie eS scheint, das Bedürfniß, die Freude seiner Angehörigen, die alle mit großen Summen bedacht waren, durch eine Heine Testamentsclausel abzukühlen, denn am Schluffe des bedeutsamen Schriftstückes befand sich folgender eigenhändig geschriebener Zusatz: Alle diese Legate dürfen nur dann ausbezahlt werden, wenn meine Verwandten sich eidlich folgenden Bedingungen unterwerfen: 1. Die Gruft, in welcher ich beerdigt bin, muß die Größe meines gegenwärtigen Speisesaales haben und alljäh-lich während der Winterszeit, sowie an kalten (Sommertagen geheizt werden Die Wahl des Hrizungs- systems überlasse ich meinem Neffen, der die Technik absolvirt hat. 2 Am Jahrestage meines Todes haben sich alle meine Verwandten in der Gruft zu versammeln, welche mit 66 Lampen zu erleuchten ist. An einer elliptisch geformten Tafel, welche meinen Sarg umgibt, soll ein coupioses Diner servirt werden, an welchem alle Erben nnb zwar tn provencalischer Bauerntracht, theilzunehmen haben. Nack dem Souper H st ein Ball stattzufinden, welcher mindestens !vier Stunden bauern muß. 3. Meine Erben

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