Ausgabe 
25.3.1883 Erstes Blatt
 
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Mr. 70. Erstes Blatt Sonntag den 25. März 1883.

Meßmer Anzeiger

Amts- und Anzngcblatt für den Kreis Gießen.

ttreau: Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vie^eljahrtich 2 Mart 20 Pf. mit Bringerlohn.

B Durch bte Post bezogen vierteljährlich 2 Mari 50 Pf.

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«L- Einladung zum Abonnement

auf den

Gießener Anzeiger,

Amts- unö Anzkigektatl für Öen Ureis gießen.

DerGießener Anzeiger^^ erscheint, wie gewodnt, täglich, mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen, tncl. Der BeilageGießener Familienblatter", welche dreimal wöchentlich dem Anzeiger beigelegt werden.

Der Abonnementspreis für den Anzeiger , frei ins Haus geliefert, beträgt 2 Mark 20 Pfg.; für auswärtige Abonnenten, welche nur bei der Post abonniren können, 2 Mark ercl. Postgebühr.

Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, den Anzeiger auch in II. Quartal 1883 zusenven und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lasten.

Wir bitten die neuen Abonnenten, namentlich auswärtige, ihre Bestellungen baldgefälligst aufgeben zu wollen, damit wir vollzählige Exemplare liefern können. Die Expedition.

Amtlicher Hl-ei l.

Bekanntmachung.

In Gemäßheit des § 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat Januar und Februar 1882 veröffentlicht:

Hafer J-L. 13., Heu </#. 5.80, Stroh Jt 3.40 per 100 Kilogramm.

Gießen, den 21. März 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

____________________________________Or. Boekmann.__

Gefundene Gegenstände:

. 1 Scheere, 1 Messer, 1 Portemonnaie, 1 Federhalter, 1 Schelle, 1 Paar Handschuhe, 1 Halstuch, 1 Elsenbeinkette und baares Geld.

Gießen, den 24. März 1883. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Ostern 1883.

Die Osterglocken läuten. Wohl mögen unsere Gedanken zurückschweifen und an die Politik und das Gemeindeleben, an den Segen der Arbeit und die Mühe der Werktage, an das Geschäft und die Familie erinnern, aber diese Erinnerung weicht bald der weihevollen Stimmung der inneren Sammlung und Erhebung; dem Gefühl der Ruhe eines erhabenen Feiertaaes und des inneren Friedens. Fürwahr, es müßte ein verknöchertes Geinüth sein, das an einem solchen Tage nicht Einkehr hält im Herzen; es wäre traurig für uns, wenn wir nicht zu Ostern nut inniger Freude der frommen sinnigen christlichen Lehre von der Auferstehung des Heilands gedächten, wenn wir nicht in der Zeit des Wahres, wo die ganze Natur erwacht, jener Macht der Erneuerung in unserem Leben unterthan würden, die uns auffordert, auch unser Herz zu erneuen und durch den Dank für bisher errungenes Glück und durch gute Vorsätze zu wei­terer ehrlicher Arbeit dem heiligen Osterfeste Rechnung zu tragen,

Unsere Altvorderen priesen die Göttin Ostara und brachten ihr Opfer; iie ließen dem heüigen Feste das Freudengelage folgen, um die gütige Natur-' ß.macht, die wärmer strahlende Sonne und das keimende Leben in Wald und Flur zu feiern; wir aber sind emporgestiegen zur geistigen Feier, zur Erhebung des Herzens und Gemüthes:Christ ist erstanden!" so tönt uns der fromme Choral entgegen, und fromme Worte der Erbauung ertönen von den Kanzeln, um uns an die Auferstehung des Heilandes, an das Erwachen der Natur und »n unser Erneuen im Geiste zu ermahnen.

Ja, wir bedürfen in der Hast unseres politischen Lebens, in der Härte des Kampfes urn's Dasein, in dem vielen Elend, das uns umgiebt, in der Noch Der in den Schlagen des Schicksals, die auch den Höchstgestellten nicht erspart bleiben, der christlichen Feiertage als Ruhepunkte, und das heilige Osterfest blerbt der weihevollste^ Wir fühlen die aufrichtende, stärkende Lehre von der Auferstehung, vom Siege des Lichtes über das Dunkel des Grabes, der Reltgron über den Haß, den Triumph der Nächstenliebe über den Egoismus b,C Ablosrgkeit. Das ist auch der Sieg der Sonne der Cultur über die strsteren Machte der Verdummung und des Aberglaubens, der Triumph der -wlgen Wahrheit über die kurze Lüge, des Fortschritts geistiger Entwickelung ilöer den Stillstand, der tödtend und erstarrend wirken würde; und diesen immer neuen Trost verkündet der Menschheit der milde Strahl der Frühlings- s»nne, der sprossende Keim des Saatkorns, die zarte Knospe des Bäumchens; nut Jubelgesang begrüßen die singenden Vöglein die zarten Frühlingsblumen md die schüchternen Falter und Immen, die den Lenz verkünden.

Leben sproßt allenthalben hervor. Neues Leben verlangen wir auch für die Krone der Schöpfung, für die Menschen und für ihre Vereinigun­gen, für Familie und Gemeinde, für Staat und Reich. All' diese Schöpfungen ilniseres gesellschaftlichen und nationalen Zusammenlebens fühlen das Bedür niß Sttrkuns md Erneuung zu fröhlichem Wachsthum und frischem Fortschritt. V«nr Alte sürbt und neues Leben blüht aus den Ruinen; neue Generationen

lösen sich ab, neue Vereinigungen erblühen; neue Formen für das öffentliche Leben erstehen. Nunmer rastet die Zeit, nimmer rastet der Forffchritt. Auch bedrängten Berufszweigen, denen der Markt durch Ueberproduction oder Zoll­kriege verengt wird, auch dem arbeitenden Stande, dem noch Arbeitslosigkeit, schlechte Löhne und Noth das Leben erschweren, auch dem Handel und der In­dustrie, denen noch der rechte Aufschwung fehlt, auch den Armen und Unglück­lichen, denen Hoffnungen und Bemühungen fehlschlagen, ja auch dem ganzen Volke, dem sociale und politische Rückschritte den Fortschritt und die Freiheit für immerdar rauben möchten, ihnen Alle:: tönt einst und hoffentlich bald der erlösende Ruf des Dichters in's Ohr:Der Odem Gottes sprengt die Grüfte! Wacht auf, der Ostertag ist da!"

Und weh'n die Stürme noch so stark, es muß doch Frühling werden! Dieser geistige, sociale und politische Friede, der mit neuer Frühlingskraft im deutschen Reiche einziehen muß, das ist unser Auferstehungsfest. An ihn denken wir, wenn wir unsere Herzen zu Ostern zu Gott erheben; die Osterglocken läuten ihn ein das ist diesmal unsere Hoffnung, unser inniges Vertrauen. Wir haben ja so viel erreicht im Laufe der Jahrzehnte, daß es kleingläubig wäre, zu verzagen. Bleiben wir treu stehen zu Kaiser und Reich, der gütigen Vorsehung vertrauend, weiter strebend in ehrlicher Arbeit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens; strengen wir uns an, rüstig den Ausbau aller edlen Bestrebungen der Cultur zu fördern, ein Jeder an seinem Platze der rech^ Mann, ein Jeder nach seiner Kraft, so wird der Erfolg uns nicht fehlen. Auch in diesem Sinne sei begrüßt, du heiliges Ostern!Der Odem Gottes sprengt die Grüfte! Wacht auf, der Ostertag ist da!"

Deutschland.

Berlin, 22. März. lieber bte Ergreifung des angeblichen Mörders des^ Brief­trägers Kossälh, als welcher der CommtS Ernst Sobbe in Magdeburg z rbü*te l egen folgende Mttthcilungen vor: Da8 rasche Aufftnden eines r dem eines so schweren Verbrechens (stehenden machte ble hiesige aesuwtrn Verson' maßen besorgt über die Identität der m ^aßbeburfl mhLbe»inQe!roffene Protokoll über aber das im Laufe des heutigen Vormittags bereits hier ^ng morden war, sowie das Verhör, datz noch in der Nacht mit dem verhafteten a g f gleichfalls bet- etne dem Protokoll betgefügte neue Photographie des So . zerstreuten alle

"sttMden" Sobkin Ä& ben

ms« BSSS»» mafä --"ä ,?'Ie' en Regierungsbezirk Magdeburg, tn einem Gasthose in« °Ä\h( «mfi* X be?& und de« Namen« d-8 Gasthof« nicht mehr ent- sinnen Nach den Angaben der Wirthssiute Ist der In der Adaldertstraße 23 wohnende Kaur |n her Nacht ,um 11. - Samstag zu Sonntag - Nicht nach Hause gekommen Am Abend de« Samstag kneipte er bei Reinsch in der Adalbertftraße bl« H Uhr und wurde dann später mit einer Prostituirten beobachtet, bet der er wahrscheinlich die