Ausgabe 
25.2.1883 Erstes Blatt
 
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Mr. 47. Erstes Blatt Sonntag den 25. Februar

1883.

Meßmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

8hire<iu : Sch ulstrape 7.

Erscheint tLglich mit Ausnahme des MontagK.

PreiK vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil. Bekanntmachung.

SawStag den 3. März L I., Bormittags 10 Uhr, findet in dem Regierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des Kreistages des Kreises Gießen statt.

Tagesordnungi 1) Aufstellung des Voranschlags der Kreiskaffe für 1883/84.

2) Beschlußfassung über zwei Zuschriften des Provinzial-Ausschusses betreffend:

a. Unterhaltung der Kreisstraßen pro 1882/83.

b. Neubau einer Kreisstraße von Grüningen nach Lang-Göns.

3 ) Die Verwendung des seiner Zeit noch auf Rechnung des Kreises erhobenen Brückengeldes über die Lahn bei Ruttershausen.

4) Anträge einzelner Gemeinden auf Erbauung folgender Kreisstraßen: Leihgestern - Gießen, BellersheimBettenhaufen bezw. Langsdorf, AllertshausenBeuern, HungenSchotten, MuschenheiniTrais-Rttmzenberg, TroheWieseck, HausenAnnerod, GöbelnrodBeltershain, GöbelnrodGrünberg.

5) Wahl eines Mitgliedes des Kreisausschuffes zum Ersatz fiir den aus gesetzlichen Gründen sein Amt niederlegenden Großh. Bürgermeister Lang von Wieseck.

Gießen, am 20. Februar 1883. Der Vorsitzende des Kreistages des Kreises Gießen.

Dr. Boekmann.

Gefundene Gegenstände:

1 goldene Brille, 1 Wagenkette, 1 Tabakspfeife.

Gießen, am 24. Februar 1883. Großherzogliches Polizeiumt Gießen.

F r e s e n i« s.

Feutschlauv.

Darmstadt, 23. Februar. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Mergnädigst geruht:

Am 10. Februar den evang. Pfarrer Robert Weihrauch zu Achtels­bach im Großh. Oldenburgischen Fürstenthuln Birkenfeld zmn Lehrer an der Realschule zu Mainz zu ernennen, mit Wirkung vom 1. April 1883 an;

am 23. Februar dein Stadtbaumeister der Provinzial-Hauptstadt Mainz Eduard Kreyßig den Charakter alsBaurath" zu verleihen.

Darmstadt, 23. Februar. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 17. b. Mts. Mergnädigst geruht: den Kreisassessor bei dem Kreisamt Worms Konrad v. Grolman zum Kammer­herrn zu ernennen.

Arankreich.

Paris, 22. Februar. In der in der Kammer verlesenen Minister- Erklärung heißt es nach Ankündigung der Anwendung des Gesetzes vom Jahre 1834, daßkraft dieses Gesetzes den Prinzen ihre militärischen Posten entzogen werden würden. Wir glauben, daß ini Augenblicke nichts weiter zu thun ist, daß die Republik sich nicht in Gefahr befindet und daß dieselbe, wenn sie eines Tages auf ernste Verschwörer stoßen sollte, in den ihr zustehenden höchsten Rechten, in der Entschlossenheit derjenigen, die für ihre Geschicke verantwortlich sind und selbst in der Mitwirkung aller derjenigen, die an ihrer Gründung mit arbeiteten, die Gemalten finden würde, die einer regulären Regierung niemals gefehlt haben." (Beifall der Linken).

England.

Xondou, 22. Februar. Die Abendblätter veröffentlichen nachstehende Mittheilung des augenblicklich sich in Paris aufhaltenden Generals Macabarriü, welcher verdächtigt worden war, daß er die geheimnißvolle Persönlichkeit sei, die unter der BezeichnungNumero Eins" an Der Spitze des irischen Complottes gestanden habe: Ich bitte die bezüglich des irländischen ComplottS wider mich erhobene infame Beschuldigung aus das Nachdrücklichste zu dementiren, ich habe heute um Einleitung einer Untersuchung durch die englische Botschaft gebeten und unverzüglich Maßregeln ergriffen, um die Quelle dieser grausamen Ver­leumdung zu entdecken.

Spanien.

Madrid, 22. Februar. Brieflichen Nachrichten aus Manila zufolge hat aus einem Dampfer, welcher zwischen den verschiedenen Philippinen-Inseln Den Verkehr vermittelt, eine Explosion stattgesnnden, in Folge bereu gegen 100 Personen umft Leben gekommen sein sollen.

Italien.

Rom, 22. Februar. Die Uebertragung des Herzens Pius IX. von feinem provisorischen Aufbewahrungsorte nach der Gruft der vatikanischen Basilika hat heute Abend ohne Feierlichkeit stattgesunden.

welche auSrctdjen,

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Correspondenr-Brrreau.

Berlin, 23. Februar. Abgeordnetenhaus. Fortsetzung der Cultusberathung. Auch Reicher.,pergrr mißt der Regierung Schuld bet an dem Abbruch der Verhand­lungen mit Rom. Stöcker wünscht die baldige Beilegung des Culturkampfes eine um­fassende Umwandlung der Stmultanschulen in konfessionelle nnd die Beseitigung der kirchlichen Verwahrlosung Berlins durch Staatshülfe. Schorlemer verthetdigt Windt- 1)01,1 gegen die gestrigen Ausführungen des Ministers und versichert, daß sich das Centrum von Windthoist ird)t trennen werde. Cremer wirft dem Centrum vor, daß es prmcipttnlod fei und nichts thue, um den Frieden zu erreichen. Nach Windthorst's Entgegnung, welcher auf die Frage der Mischehen zurückkommt, bemerkt Hänel, das Schweigen se ner Pariei habe seinen Grund im Dunkel der Situation Der Cultus- minister weist den Vorwurf zurück, daß die Regierung den Frieden nicht wolle, das Centrum thue nichts, um ihn zu erreichen; alle Bemühungen der Regierung, zu irgend welcher Regelung m Sachen der Anzeigepfltcht zu gelangen, feien fruchtlos geblieben, die Regierung habe ein ganzes Tablet voll Offerten dargereicht, bis jetzt sei aber nichts davon angenommen worden. Wmdthorst verlangt nochmals eine genaue Antwort, ob der letzte Papstbrief beantwortet sei. Der Cultusminister erwidert^ der Briefwechsel werde fortgesetzt, der Papstdrtef sei beantwortet. Weiteres könne er aber nicht angeben. Die Courto sie verbiete, den Inhalt bekannt zu geben, bevor der Empfänger ihn selbst kenne. Reichenspergcr meint, dann könne man sich gedulden, da man den Inhalt m einigen Tagen in den Blättern lesen werde.

Das Haus bewilligte schließlich nach unerheblicher Debatte mehrere Positionen des Cultusetats und vertagte sich dis auf morgen.

Berlin, 23. Februar. DieNordd. Allg. Zig." publicirt die Note Jacobtni's vom 19. Januar, die in der Uebersetzung lautet:

Aus den Gemächern des Vatikan, den 19. Januar 1883. Das Antwortschreiben Seiner Majestät des Kaisers von Deutschland an den heiligen Vater vom 22. v. M- ist mit ganz besonderem Wohlgefallen aufgenommen worden. Es bekundet das,elde nicht nur von Neuem die versöhnlichen Absichten gebier Majestät und Allerhochstdessen Negierung, sondern ist auch ein neuer Schritt zur Bereinigung- Die Hauptschwterig- kett, welche der letzteren entgegensteht, ist die preußische Gesetzgebung in deniemgen Punkten, welche im Widerspruch stehen mit der göttlichen Institution der kachobschen Kt'che. Da nun jetzt Seine Mafeftät zu erklären geruht haben, Allerhöchstdesten mächtige Mitwirkung eintreten lassen zu können, damit die genannten Gesetze von den gesetzgebenden Faktoren von Neuem in Betracht gezogen werden, fobald die Anzeige- pflicht gewährt würde, so läßt sich nicht verkennen, daß! Zwischen^den^Wünschendes beflißen Stuhles und den -'Ibsfchicn der Regierung in Berlin sich eine Annühemnß vollzogen Ii.it. Der heilige Baier hatte schon in dem bekannten Schreiben an den Elz- bsichos von Köln an4ßiiprod)en daß er die «nzeigepflicht geitatten wolle, wenn aus dem Gebiet der Gesehßtt'ung die entsprechenden Resormen pi ^tavde gerominen waren. Um nun jetzt zu btzeugen welch hohen Werth toeinc Helligkeit auf die in dem kaiserl. Schreiben enthaltenen siiedlichen Erklärungen legt und wie lebhaft er denWunsch hegt,

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e?°e an die Reglung der neuen Mnlare aller der jetzt vakanten Parochien, welche in dieselben mit kanonischer Institution eingesetzt werden müßten, sobald nach an die aesettmbenden Körperschaften erfolgten Vorschlag von Maßregeln, welche auSreichen, uni wirksam zu gewährleiften die freie Ausübung der kirchlichen Jurisdiktion, sowie die Fieihtttt der Erziehung und Instruktion des Cleru« - diese gesetzgebenden Körper- scha tcn ihre Zustimmungkundgegeben haben würden. Die Anzeige, welche für jetzt zeitweilig begrenzt fein würde auf den Fall der faktischen Vakanzen, wird einen ständigen Charakter für die Zukunft gewinnen unter Formen, welche durch gemeinsames