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Nr. 168. Dienstag den 24 Juli 1888
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
- Schulstcaßc 7. Erscheint «ägttch mit Ausnahme des »•*<#*«. 2 ®'“' 2? M >uit Bringerlahn.
Durch bte Post bezogen vre^telzahrUch 2 Mark 50 Pz.
Amtlicher Iheil. Bekanntmachung.
,2 Großherzogltches Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Vorstände des Vereins für Kinderheilstätten an den deutschen ?ct ^te ®r^aupni6 ertherlt, Loose für eine am 15. Januar 1884 in Berlin zu veranstaltende Verloosung von Gold- und Silbergegenständen im
Großherzogthum zu vertreckem Der Remerlds der Verloosung ist zur Erbauung eines großen See-Hospizes für kranke Kinder auf der Insel Norderney bestimmt. Nach dem für Preußen genehmigten Lotterieplane dürfen bis zu 700,000 Loose ä 1 «x ausgegeben werden und ist die Hälfte des Nennwerthetz aller abgesetzten Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden.
Gießen, den 21. Juli 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Dr. Hoffmann, Regierungsrath.
Deutschland.
Darmstadt, 21. Juli. Se. Königs. Höhest der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 16. Juli der am 16. Juni l. Js. durch die Stadtverordneten zu Alzey erfolgten Wahl des Königl. Preuß. Amtsanwaltes Wilhelm Liessem zu Hanau zum Bürgermeister der Stadt Alzey die Bestätigung zu ertheilen.
Berlin, 19. Juli. Die diesjährigen großen Herbstmanöver des 4. und 11. Armee-CorpS vor Sr. Majestät werden auf Allerhöchsten Befehl in Parade, Kriegsmanöver gegen einen markirten Feind und dreitägigen Feldmanövern der Divisionen gegen einander bestehen. Die genannten Armee-Corps haben hierzu aus dem Beurlaubtenstande jo viel Mannjchaften einzuberufen, daß die betr. Truppentheile mit der in den Friedens-Etats vorgesehenen Mannschaftsstärke zu den Hebungen ausrücken können. — Bei der Garde-Kavallerie-Division haben sämmtliche Regimenter zu vier Escadrons zunächst viertägige Brigade-Hebungen im Treffenverhältniß und demnächst unter der weiteren Heranziehung einer reitenden Batterie des Garde-Corps fünftägige Hebungen im Divisionsverbande abzuhalten. Die Regiments-Hebungen werden dafür um zwei Tage verkürzt, auch nehmen die betr. Truppentheile an den Hebungen der Garde-Jnsanterie- Divisionen nicht Theil, zu welchen demnach nur die fünften Eömdrons heranzuziehen sind. — Zu der in den Monaten August und September bei Graudenz abzuhaltenden größeren Belagerungs-Hebung, verbunden mit Minenkrieg, wofür die Dauer von 5 Wochen festgesetzt ist, sind die Mineur-Campagnien des Garde-, Ostpreußischen, Pommerschen, Brandenburgischen, Magdeburgischen, Niederschlesischen und Schlesischen Pionier-Bataillons, sowie eine Feldcompagnie des Ostpreußischen Pionier-Bataillons befohlen. Außerdem werden an diesen Hebungen die Mineur-Compagnien des Königl. Sächsischen und des Königl. Württembergischen Pionier-Bataillons theilnehmen.
— Die Mannschaften des deutschen Panzer-Geschwaders sind mit der Repetir-Mauserbüchse probeweise bewaffnet worden.
Berlin, 21. Juni. Hans Meyer ist zum Nachfolger Mandel's als Lehrer der Kupserstechkunde an der hiesigen Kunstakademie ernannt worden.
Danzig, 20. Juli. Verflossene Nacht um 1 Hhr sind die Anlagen der Schiffswerft- und Kesselschmiede-Gesellschaft mit 30 Maschinen fast total niedergebrannt. Die Vorstadt Strohdeich entging durch die Windrichtung der Gesahr. Die Feuerwehr war saft machtlos. Von der kaiserlichen Werft aus konnte man nicht helfen, da diese selbst in Gesahr war. Die Entstehung des Feuers ift unbekannt. Versichert ist der Schaden bei dem „Phönix."
Kiel, 21. Juli. Bei der Reichstagswahl wurden bis Abends für Hänel 9000, für Reventlow 2885, für Heinzel 6635 Stimmen gezählt. 23 Landbezirke fehlen noch.
Kesterreich.
Nyiregyhaza, 21. Juli. Tisza - Eszlarer Proceß. Der Staatsanwalt überreichte eine an ihn gerichtete Zuschrift des Obergespans, in welcher dieser mittheilt, daß er laut erhaltener Instruction gegen Jeden, der den Gerichtshof, den Ankläger, die Vertheidiger bedrohen sollte, ohne Rücksicht der Person vorgehen werde. Die Zuschrift wurde verlesen und zu den Akten genommen. Die Aussagen der heute vernommenen Zeugen, unter welchen der Eszlarer Ortsrichter Gabriel Farkas, waren belanglos. Letzterer erklärte, daß er nichts wiffe und nichts gesehen habe. Die Beweisaufnahme dürfte Montag geschloffen werden.
Arankreich.
sn 211 Juli. (Senat). Challemel beantwortet die gestrige Anfrage
Brogues. Er sagte: Wir sind nicht in einem erklärten Kriegszustände mit - d^Een bis jetzt an keine Blokade, welche übrigens auch ohne förmliche Kriegserklärung verhängbar ist. Wir werden aber die Blokade sicher eröff- nen , wenn irgend eine Macht Waffen und Munition an Anam liefert. Tuduc erklärte uns nicht den Krieg, versicherte vielmehr, er werde den Vertrag mit un6 Apectiren. Challemel hält das angebliche Schreiben Tuduc's an China um Hulse für apokryph. Frankreich erklärte Tuduc's gegenüber lediglich, es wolle die Niederlassung in Tongking respectirt sehen und die chinesisch-anamiti- fchen Banden an Gewalthaten gegen Franzosen verhindern. Frankreich befindet sich demnach nicht in einem erklärten Kriegszustände; aber die Gesammtheit aller einzelnen Thatsachen, die Sprache Tuduc's, Chinas und dessen Gesandten sei derart, daß Frankreich sich mit Anam im Kriegszustand befindlich betrachten
müsse. Wenn feindliche Banden im Solde Anams stünden, wenn die Ordnung in Tongking nicht herstellbar, dann werden wir unverzüglich den Kammern die nothwendigen Entschließungen unterbreiten. Noch aber handle es sich nicht darum; wir haben gegenwärtig nur tumultuöse Bewegungen zu unterdrücken. Wenn man frage, ob Frankreich gegen undisciplinirte Banden oder eine Regierung Krieg führen wolle, welche dieselben dinge, so komme darauf wenig an. Wir wollen die Beleidigung unserer Waffen, die Beschimpfungen der Leichen unserer Soldaten rächen. (Beifall). Die Anfrage ist damit erledigt.
— Die Kammer nahm den Schluß der Generaldiscussion über die Conventionen mit den Eisenbahn-Gesellschaften mit 206 gegen 166 Stimmen an und beschloß sodann auf Verlangen des Arbeitsministers die Dringlichkeit mit 250 gegen 122 Stimmen.
— Gestern Abend kam es in Roubaix in Folge Anschlagens von Plakaten, in welchen das Volk zum Kampf gegen die besitzenden Klassen ausgereizt wurde, zu einem neuen Auflauf. Die Gensd'armerie schritt ein und zerstreute die Zusammenrottungen.
— Das Zeitungsgerücht von dem Ausbruch der Cholera auf den Balkarischen Inseln wird von der „Agence Havas" für unbegründet erklärt.
England.
London, 20. Juli. Jin Lager von Aldershot ist Befehl eriheilt worden, zwei Batterien reitende Artillerie und zwei Batterien Fußartillerie für activen Dienst fertigzustellen. Die Bestimmung derselben ist unbekannt. — Aus Alexandrien wird von heute gemeldet, daß allen Personen aus dem Innern des Landes verboten ist, die Stadt zu betreten.
— Nach einer Meldung des Pariser „Times-Correspondenten" find Anzeichen vorhanden, daß die Madagaskar-Affaire übertrieben und leicht beigelegt worden ist. Der Hmstand, daß der englische Botschafter, Lord Lyons, Paris für zwei Monate verlassen habe, zeige, daß keine dringende Angelegenheit zwischen Frankreich und England zu erledigen sei. Seit 14 Tagen sei der Ton genügend verändert, um alle Bitterkeit zu besänftigen, wenn nicht die herzlichen Beziehungen wieder herzustellen.
London, 21. Juli. Hnterhaus. Der Hnterstaatssecretär Lord Fitz- maurice erwiederte auf eine Anfrage bezüglich der Cholera, Dr. Hunter fei nach Egypten abgegangen und werde dort von Dr. Mackie und dem englischen Mitglieds des egyptischen Gesundheitsrathes unterstützt werden. Der Vertreter Englands sei angewiesen, einen Druck auf die egyptische Regierung auszuüben, um derselben begreiflich zu machen, daß gesundheitliche Reglements zur Hnter- drückung der Cholera weit wichtiger seien, als Cordons, Lazarethe und Quarantänen. *
Mekgien.
Brüssel, 21. Juli. Die Kammer berieth das Branntweinsteuer-Gesetz. Sie lehnte mit Stimmengleichheit den ersten Paragraphen des Art. 1 ab, welcher die Erhöhung der Branntwein-Accise ausspricht.
Ilakien.
Rom, 21. Juli. Das Gerücht vom Auftreten der Cholera in Genua wird amtlich dementirt und dazu bemerkt, daß die Gesundheitsverhältniffe in ganz Italien ausnahmslos höchst befriedigend wären.
Spanien.
Madrid, 21. Juli. Der Senat genehmigte gestern den deutsch-spanischen Handels- und Schifffahrts-Vertrag vom 12. d. M. Der Vertrag gelangt heute an den Congreß.
Rußland.
Petersburg, 21. Juli. Aus Taschkent wird gemeldet, daß die Ableitung der Syrdaja in das bisher trockene Flußbett des Dschanydarja bei Perowsk nunmehr fertiggestellt sei. Das Wasser erreichte bereits Jrkibai. Der Zweck der Ableitung ist die Bewässerung der Steppe Kisilukum.
Petersburg, 21. Juli. Wie die deutsche „St. Petersb. Ztg." erfährt, wäre ein in's Ausland gereistes Mitglied der Judencommission vom Grafen Pahlen, dem Präsidenten "der Commission, beauftragt worden, sich genau über die Frage der bürgerlichen Rechtsstellung der Juden in Deutschland, Frankreich und England zu informiren und hierüber eine Denkschrift auszuarbeiten, die auch die historische Seite der Frage berücksichtigen soll.


