2NS Drittes Blatt. / Sonntag den 23. December L88S
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Burearrr Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtliche
Betreffend: Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung ;
Bekannt
Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Frühjahr hierdurch ausgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulassung bei Meidung bc spätestens bis zurr bei der unterzeichneten Commission einzureichen.
Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Speciellen das Folo
1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Grohherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthaltsort hat.
2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen.
3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird.
4, Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:
a. Geburtszeugnitz;
b. Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit und^ Fähigkeit, den Freiwilligen wahrend einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen;
lieber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werde Ordn, vom 28. Septbr. 1875 — Reg.-Bl. Nr. 55 von 1tz75) Aufschluß.
Bezüglich des Prüfungs-Termins, sowie des Locals, in welchem die kann nicht gerechnet werden.
Darmstadt, den 15. December 1883.
r HHeit.
)UM einjährig freiwilligen Militärdienst im Frühjahr 1884.
mach « ng.
1884 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden Ausschlusses von dieser Prüfung
1. Februar 1884
mde bemerkt:
c. ein Unbescholteuheitszeugniß, welches von der Polizei-Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist;
(1. einen selbstgeschriebenen Lebenslauf;
Zu pos. b wird noch besonders darauf hingewiesen, daß in dem Einwilligungs-Attest die Erklärung des Vaters oder Vormundes, baß er in der Lage sei, den Freiwilligen während des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen darf und daß die Unter- schrist des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß.
5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (Französisch, Englisch, Lateinisch ober Griechisch) ber sich Meldenbe geprüft sein will.
6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worben, so bleibt bem erneuten Gesuche nur ein Unbefcholteuheits- zeuguiß beizulegen.
., gibt bte Prüfnngs-Orbnnng (Anl. 2 zur Ersatz-Orb. L Th eil ber Wehr-
Zrüfung stattfinbet, erfolgt cv. weitere Bekanntmachung; auf specielle Labung
Broßherzogliche Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige.
Der Vorsitzenbe:
Gros. ,
Wochenschau.
Gieße«, 22. December.
Das frohe glanzfchimmernde Weihnachtsfest steht wieder im Vearisf allüberall, wo Christi Name genannt wird, in die Häuser und in die Serien 'einzuziehen und die Sorgen und Mühen des gewöhnlichen Lebens auf eine kürze Spanne Zeit vergessen zu machen. Gerade Weihnachten ist so recht em Fest des Friedens, des Herzens und der Familie, das seine Strahlen m Palaste wie m Hütten wirst und das auch denen, die nicht auf den sonnigen Hohen des Lebens stehen sondern in seinen Tiefen in Sorge und Noth um ihr Dasein rmgen, einen Schimmer der Hoffnung, einen Augenblick der Freude bringt Das Weih - nachtsfest erscheint daher vor Allem als das erhabene Symbol der christlichen Nächstenliebe und der Versöhnung, emsvrechend ter göttlichen Verheißung, die m dr «weihten Nacht vor - nun bald 2000 Jahren ber Menschheit verkünde mürbe • Friede auf Erden und den Menschen em Wohlgefallen ! Und nicht nur im alltäglichen Leben und nicht nur dem Einzelnen gegenüber ist.dieses oöttlicke Wort bestimmt, zur Geltung zu kommen, sondern es gilt auch für den Nerkebr der Völker mit einander, auch in der Politik hat die Weihnachtsfeier
Mttiion -u vereinen und zu versöhnen, wenngleich hier m einem anderen
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anberseits sein Besuch * ^ster knüvfen unb hierin liegt eine nicht
Sg"aMsch?ag7nde"Bü?gsch°ft fite die Aufrechterhaltung des europäischen Friedens. „ mdäe ben deutschen Kronprinzen von
„Ä »vuAien„T» SÄ” ä haben, haben mit dieser Woche ihr Ende e ch ßetn Weih-
nachts feste un Schooß Aufenthaltes in Spanien ist ein vollstänbiger
Erfolg seines breiwochentlichen ^entyalte ^rsohn bei ber so ernsten unb wohl Niemanb hatte geahnt, b ß morme Aufnahme sinben
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N°mid. B.i°ch
am Dienstag und die Annahme, der Sohn Kaiser Wilhelms werde im Vatikan eine burchaus entgegenkommenbe Aufnahme sinben, istnicht getäuscht worden. Die Nnterrebung zwischen dem Kronprinzen unb Leo XIII. bauerte falt oü Mm., eine bei berartigen Anlässen ungewöhnlich lange Zeit; nach der Unterredung stattete der Kronprinz auch dem Kardinal-Staatssecretär Jakobmt einen viertel- stündiaen Besuch ab. Welche Folgen der Besuch des deutschen Kronprinzen beim Papste für die Ordnung ber kirchenpolitischen Angelegenheiten in Preußen haben wirb, läßt fick noch nicht Vorhersagen; jebenfalls ist derselbe aber em Ereigmß, welches bie öffentliche Meinung noch längere Zeit beschäftigen dürfte.
Die Stimmung der französischen Deputirtenkammer ist bem Cabmet Ferry noch immer günstig, trotz ber steigenden Forderungen für die Tongking-Expeditiou. Ein Beweis hierfür ist die am Dienstag erfolgte Bewilligung des Nachtrags-Kredits für Tongking >m Betrage von^20 Mill. Frc^, man muß hierbei allerdings auch mit der anerkannten Opferwilligkeit der französischen Deputirtenkammer rechnen, die sich zeigt, wenn es gilt, die nationale Ehre und die nationalen Interessen zu wahren. Jetzt handelt es sich darum, die Tongking-Expeditiou unter allen Umständen ehrenvoll für Frankreich ,u Ende zu führen und wohl hauptsächlich unter dem Drucke dieser Erkenntlich bewilligte die Kammermajorität die geforderten 20 Millionen, soll aber. Die e dem ©abinet Ferry freundliche Stimmung anhalten, so muffen bald bestimmte Siegesnachrichten aus Tongking einlaufen; zwar heltzt es daß^die Franzosen Sontay nach nur schwachem Widerstande der »Schwar,-Flaggen und Chinesen besetzt hätten, doch ist diese Nachricht bislang noch, nicht bestätigt.worden.
Der Ministerpräsident Italiens, Herr de Pretis, kann fetzt leichten Herzens die politischen Weihnachtsferien genießen. In der Dienstags- Sitzunq hat ihm die Majorität der italienischen Deputirtenkammer gelegentlich der von ihm gestellten Cabinetsfrage ihr Vertrauen ausgedruckt und sind somit der vereinigten Oppositions-Fraktionen auf die Stellung des Ministeriums für längere Zeit zurückgewiesen.^ - Die am Mittwoch in Rom m Gegenwart des deutschen Kronprinzen stattgefundene Truppenrevue ist glanzend verlauft? und würbe der Kronprinz von der zahlreichen Volksmenge hierbei
be?Eyrenäen-Halbinsel bereiten sich bem Anschein nach wieber ernste Dinge vor. Es verlautet, baß bas spanische Cabmet beim König bie Auflösung ber Cortes beantragen wolle, vielleicht, um Dem Lande durch bie Neuwahlen zu den Cortes Gelegenheit zum Ausdrucke semer wahren Meinung ru geben Auch sollen im Ministerium Posaba selbst Differenzen herrschen unö Kt man von bem bevorstehenben Rücktritte eines ober mehrerer Cabmets-
Khebive von Egypten macht jetzt eine letzte verzweifelte Anstrengung ben Aufstanb des Mahdi niederzuwersen. Eine neue Expedition unter ht>m ^berbefebt Baker Pascha's ist nach Suakim abgegangen und sollen derselben auch die egyptischen Garnisonen in Kairo, Alexandrien, Damiette u. l.w. nrfifnfrtpn ^n ^olae besten hat bie englische Negierung beschlosten, mehreie Regimmftr zur Verstärkung der in Egypten befindlichen englischen Truppen ab-


