Telegraphische Depeschen.
WoLff'S telegr. Correspondenz-Bureuu.
München, 21. October. Der Botschafter Fürst Hohenlohe ist heute Vormittag nach Schillingsfürst abgereist, wo er seinen Bruder, den Kardinal, besucht. Von dort reist der Botschafter morgen zu dreitägigem Aufenthalt nach Berlin und begiebt sich dann auf seinen Posten nach Paris zurück. — Der altkatholische Bischof Reinkens ist heute Vormittag zur Einweihung der altkatholi- fchen Kirche hier eingetroffen.
Greifswald, 21. October. Bei der Reichstags-Ersatzwahl im Wahlkreise Greifswald-Grimmen wurden bis jetzt für Graf Behr-Behrenhof (cons.) in der Stadt Greifswald 4100 Stimmen, in den Städten des Kreises Greifswald 1392 Stimmen, für Senator Schwarz (liberal) in der Stadt Greifswald 4384 Stimmen und in den Städten des Kreises Greifswald 3072 Stimmen abgegeben.
Bremen, 21. October. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Elbe" ist gestern Nachmittag 1 Uhr in New-Jork eingetroffen.
Pesth, 21. October. Die „Ungarische Post" bezeichnet die Nachricht, daß der Nuntius Vanutelli bei dem Ministerpräsidenten Tisza gegen den Gesetzentwurf, betr. die Ehe zwischen Christen und Juden, Einwendungen erhoben habe, als pure Erfindung.
London, 21. October. Nach bei Lloyds eingegangener Meldung 1 (ift der Hamburger Dampfer „Aline Woermann" bei Terschilling gestrandet und total Wrack.
Konstantinopel, 21. October. Der „Vakit" veröffentlicht einen anscheinend inspirirten Artikel, in welchem er sich zu Gunsten der Verleihung von Conressionen für öffentliche Arbeiten ausspricht. Das Blatt bestreitet, daß die Pforte Ausländern, welche sich um solche Concessionen bewerben, Hindernisse bereite und behauptet, daß die Türkei stets geneigt sei, zu allen Kapitalien ohne jeoen Unterschied ihre Zuflucht zu nehmen, um die Reichthümer des Landes zu entwickeln.
X X Luther in Morms.
Oratorium von Ludwig Meinardus.
Zu einer würdigen Feier des Lutherjubtläums wird dieses musikalische Werk, das einen großartigen künstlerischen und zugleich volksthümltchen Charakter tragt, nicht am wenigsten beitragen, und so darf der folgende Versuch, ein möglichst klares Bild seiner textlichen und musikalischen Gestaltung zu geben und unsere Leser im Voraus über die Schönheiten dieses gewaltigen Stoffes zu ortentiren, em allgemeines Interesse beanspruchen.
Der Komponist hat die bedeutsamste Episode aus Luther's Leben gewählt: Seine Fahrt nach Worms und sein Bekenntntß vor Kaiser und Reich. Das Werk beginnt mit einem großartigen gesungenen Prolog. Nach drei vom ganzen Orchester fortissime geführten wuchtigen Schlägen auf dem v-äur-Accord bricht der Chor — zuerst unisono — in die Worte aus: „Höret zu, ihr Könige, merket auf, ihr Völker; Alle, die leben in dieser Zeit! — denn es ist böse Zett". Es wird damit die Stimmung des Volkes vergegenwärtigt, welche der Reformation den Boden bereitete. Durch die e nzelnen Sätze des ersten Thetles dieses Chores tönt immer wieder das aufjauchzende: „Es ist böse Zeit". Mit den Worten „Mache Dich auf zur That in Kraft" beginnt die abschließende mächtig anschwellende Fuge.
Hierauf beginnt die eigentliche dramatische Entwicklung mit Luther's Fahrt nach Worms. Das Geleit gibt ihm eine Schaar von Jüngern, Freunden und Anhängern, welche der dem neuen Bekenntmtz mit jugengltchem Feuereifer zugethane Justus Jonas führt. Man hört den Pilgerzug, wie auS der Ferne, anfangs leise und nur in einzelen Momenten und Stimmen; nach und nach zieht er näher heran. Der erste Vers „Wir fahren hier in Gottes Hut" wird nur von Einzelnen gesungen. Die Melodie ist dcm in jener Zett entstandenen Choral „Ach, Gott vom Himmel sieh darein" frei nachgebildet. Der ganze, aus zwei Versen bestehende Pilgergesang kann als eine werthvolle Bereicherung dieser jetzt so spärlich gepflegten Litteratur gelten.
Angesichts der Stadt Worms ermuntert Jonas die Seinen, der drohenden Gefahr muthig entgegen zu gehen:
Ihr Freunde richtet empor den Muth;
Das Ziel ist nah-
Das ist die Stätte, das ist Worms.
Wir sind am Ziel.
Angstvoll fallen die Pilgernden ein, indem sie mit den seiner Arie entnommenen Motiven die Worte wiederholen „Errette uns von der Hand der Fremden". Aber Justus Jonas weiset sie nachdrücklich auf Gottes Schutz hin, indem er mit einem Thetl der Getreuen (Tenöre und Bässe) gleichzeitig die alte Ktrchenweise anhebt „Wo Gott, der Herr, nicht bei uns hälft* (Dichtung von Justus Jonas). Diese herrlichen Klänge richten die Kleinmüthigen mehr und mehr auf; zuerst gesellt sich eine Gruppe von Knabenstimmen diesem cantus firmus zu, aber schon den zweiten Vers singt der ganze Chor, während die Figuration nur im Orchester hier uno da aufflackert.
In scharfem Gegensatz hierzu ertönt, von Frauenchor a capella gesungen, das Miserere des römischen Rituals aus einem nahen Nonnenkloster. Justus Jonas per-, kündet den Nonnen die neue Botschaft des Propheten von Wittenberg:
Ihr werdet nicht gerecht
Durch diesen oder jenen Stand:
Sondern allein durch Christi Verdienst;
Durch sein Verdienst
Und durch den Glauben an ihn.
Die Nonnen werden für die neue Lehre gewonnen und schließen sich den Pilgern an. Die Nonne Katharina findet für ihre Worte:
Wer da suchet Heiligkeit
Und christliche Vollkommenheit, Der entsage der Welt Und wähle das Klosterleben.
in den alten Kirchentönen den richtigen musikalischen Ausdruck, während der Chor sein ,Doktor Marttnus, der Held des Herrn", so recht frisch ertönen läßt. Vom Hauche warmer Empfindung beseelt ist die Sopran-Arie mit Frauenchor:
Meine Seele verlanget zu hören Die Worte des Heiles, So der Mann Gottes verkündigen wird.
Sie bereitet den Entschluß der Nonnen vor, Luther zu folgen. Mit der schon früher gehörten Choralweise, die jetzt von allen a capella gesungen wird, schließt diese äußerst wirksame Exposition des Oratoriums harmonisch ab. Auf diesem Grunde erhebt sich nun die leuchtende Gestalt des Reformators.
( Fortsetzur-.g folgt.)
Lokale-*
Gießen, 22. October. (Theater.) Mein Leopold von L'Arronge. lieber das Stück selbst etwas zu sagen, hieße Eulen nach Athen fragen. es ist eins der hervorragendsten Erzeugnisse auf dem seinem Verfasser eigenthümlichen Gebiete des Volksstückes. Das ganze Interesse conccntrirt sich auf den Darsteller der Rolle des Gottlieb Weigelt- Ist dieser seiner Partie gewachsen, so ist dem Stücke der Erfolg gesichert und dann erst kommt das Spiel der andern Darsteller in Betracht, die den Erfolg zu einem vollen machen oder ihn beeinträchtigen, ie nachdem ihre Lelstungen befrtebtaenb ftnb ober nicht. Herr F. Brautiecht war gleich vortresflich im komischen, wie im tragischen Theil seiner Rolle, er wußte die Zuhörer ebenso zum Lachen zu reizen wie in Betrübniß zu versenken; er zwang sie zu ftder Gemüthssttmnmng, bte feine Rolle mit sich brachte und verstand es, seinem Gottlieb Welgelt bie Sympathie des
Zuhörers bis zum Ende zu erhalten. t ... r , .
Die andern Darsteller haben keinen geringen Anthetl an dem günstigen Erfolge des Stückes. Wir nennen Fräulein Pögner II. als Lehrjunge, der nur allzufrühe vom
Schauplatz verschwand, Fräulein K ohrsen II, die eine gelungene Leistung als Dienstmädchen Minna bot, Herrn de Valdez (Clavrerlehrer), Fräulein P ö g n er I. (Clara), Herrn Peter s (Starke), F> äulein Hoffmann (EmmaZermkow) und Herrn Schreiner ^Kaufmann Schmalbach). Am wenigsten gerecht wurde seiner Rolle Herr Schönwasser als Leopold. Wir vermißten die freie degagirte Haltung. Das Zusammenspiel war zuweilen etwas flügellahm-
Nun noch eine Aeußerlichk-st! Der Theaterzettel verheißt uns stets das Ende um 10 Uhr. Wir werden aber erst um halb elf oder noch später entlassen. Könnte diesem Uebelstande nicht abgeholfen werden?
WesKrifchLE-.
Reiskirchen, 19 October. Gestern fand dahier die Betgeordnetenwahl statt. Trotz sehr eifriger Gegenbemühungen wurde der aufgestellte Candrdat Johannes Wagner mit 58 Stimmen zum Beigeordn-ten für die hiesige Gemeinde gewählt.
Darmstadt, 20.October. (Militärdtenstnachrichien.) v. Sturmfeder, Seconde- Lieutenant vom 1. Magdeb. Jnfanter1k-R<g!ment Nr. 26, m das 2. Großh Hessische Infanterie-Regiment (Großherzog) Nr. 116 versetzt; Hoffmann, Intendantur-Rath vom 10. Armeekorps, zum 11. Armeekorps versetzt.
Mainz, 19. October. Auf der Station Nieder-Flörsheim hat sich gestern Abend ein schrecklicher Unglücksfall zugetragen. Der Verwalter der Station gerieth in das Geleise eines gerade abfahrenden Zuges; der Unglückliche wurde von der Locomotive erfaßt und ihm der Kopf vom Rumpf getrennt.
Worms, 18. October. Bei der gestrigen Stadlverordnetenwahl unterlag die Fortschrittspartei Der Wahlkampf war ein heißer, von 1342 Stimmberechtigten erschienen 873. Gewählt wurden die der nationalliberalen Partri angehörigen Herren: Dr. Bitte!, Notar, mit 529 Stimmen, Dr.G. Salzer, prakt. A zt, mit 520, I. Schneider, Director, mit 514, Alb. Goldschmidt, Kauimann, mit 508, G. Altritt, Kaufmann, mit 495, G. Freed, Tünchermeister, mit 493, A. Reißinger, Rentner, mit 491, E. Hofheinz, Fabrikant, mit 474, Schmidt, Ingenieur, mit 457 Stimmen. Die nächstmeisten Stimmen erhielten: Ed. Münch, Apotheker (454), Louis Schlösser, Fabrikant (388).
Marburg, 19. October. Die hiesige Universität hat von der zu Baden-Baden verstorbenen Frau Gräfin Bose, geb. Gräfin Reichenbach-Lessonttz, die sehr ansehnliche Summe von 810,000 Maik zur Förderung wissenschaftlicher Zwecke testamentarisch vermacht erhalten. Vorerst soll die Rente dieses Capitals noch mit einigen Legaten belastet sein.
Marburg, 18 October. Auf Veranlassung des hessischen Geschichtsvereins werden gegenwärtig die Fundamente der von der heiligen Elisabeth erbauten Hospitalscapelle (sogen. Franzlskuscapelle) bloßgelegt, um über die bisher noch unbekannte Ausdehnung und Form des Ostendes derselben endgültigen Aufschluß zu erlangen.
Erfreulicherweise hat der alte Baumeister von St. Elisabeth bie Fundamente nicht
radikal ausgehoben, sodaß diese, soweit sie außerhalb der Kirche liegen, vollständig auf
uns gekommen sind. Bei einer Breite von nur ca. 8 M- im Lichten, hatte der Bau
eine Länge von ca. 38 M- und schloß im Osten mit einer nur wenig engeren halbrunden Chorapsis. Der von Lange seiner Zeit bloßgelegte Wandpfeiler (als Träger eines Gewölbebogens) würde ungefähr in die Mitte des rechteckigen Theils treffen und könnte somit die Eintheilung des Ganzen in einen westlichen Krankensaal und in die östliche Capelle markiren, wobei für letztere nur die übliche Grundgestalt hergestellt würde. Für die Wölbung wenigstens des Capellentheilts mit 2 quadratischen und einem halben Kuppelgewölbe sprechen die bei den geringen Dimensionen enormen Mauerdicken von 2 resp. 1,4 M- Das Grab der heiligen Elisabeth, welches wir an der Stelle des Mausoleums festhaltm müssen, befand sich demnach nicht im Chor der Capelle, d. h. der Apsis, sondern in der Mittelachse derselben, mit seiner Mitte circa 15 M- vorn Ostende entfernt und bietet die Vermittlung dieser Thatsache mit den überlieferten sicheren Berichten eine neue Schwierigkeit in dieser für uns Marburger so interessanten Frage. Es wäre sehr zu wünschen, wenn jetzt, wo sich über die alte Anlage der anderen Ordensgebäude so interessante Aufschlüsse ergeben hoben, das gesammte Areal zwischen diesen und der Kirche im Zusammenhang aufgedeckt und so endlich einmal das Dunkel gelichtet würde, welches die Baugeschichte des Deutschen Hauses noch zum Theil deckt. (O- Z.)
Berchtesgaden. Die Leichen zweier Enzianwurzelgräber, Scharterer und Miteregger von Alm, die vor drei Jahren am Steinernen Meer von einem Schneesturm überrascht wurden und umkamen, sind kürzlich von einem Jagdgeyilfen in der Nähe der W'ldalm aufgcfunden worden. Die beiden Leichen sollen sich im Schnee ziemlich gut erhalten haben.
Nürnberg, 15. October. Unter der Ueberschrift „Zum Kapitel der Todesstrafe" bringt die „Südd. Presse" eine authentische, sehr interessante Zusammenstellung der seit dcm Jahre 1867 bis inclusive 1881, also in einem Zeiträume von 15 Jahren, in Bayern gefällten 183 Todesuttheile. Obenan steht Oberbayern, welches allein 59 Mörder lieferte, dann kommt Niederbayern mit 39, Oberpfalz m t 20, Oberfranken mit 15 und Unterfranken mit 15. Die Pfalz, Schwaben und Mittelfranken lieferten zusammen nur 21 Mörder und hiervon der erstere Kreis 4, Schwaben 8 und Miltelfranken 9.
Witterungskunde.*)
23. October. Dienstag Vorwiegend heiter und trocken, Mittags einige zerstreute weiße bis dunkle Ballen, die Nachmittags wieder abnehmen. Allgemein herbstlich ati» genehm. Stellenweise Abends Bedeckung mit geringen Niederschlägen-
24. October. Mittwoch. Bei Sonnenaufgang graublau bis dunstig bedeckt, zumal nach Westen zu, Morgens aufgeheitert bis sonnig, zumal nach Osten zu, auf Mittag zu leichte Bedeckung, Nachmittags wieder aufgebessert bis schön, Abends bedeckt- Nach Süden zu im Allgemeinen noch herbstlich gut; nach Norden zu dürfte mehr Trübung eintreten, vielleicht im Süden mäßiger Nachtfrost.
*) Aus Dr. L- Overzier's Wetter-Prognose für den Monat October abgeschlossen am 20. September (Verlag der M. Lengfeld'schen Buchhandlung in Köln, Preis 1 JtV — Nachdruck verboten.
a. M», 22. Octbr., Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießens Creditactien 2395/b, Staatsbahnactien 264V4, Galizier 242Ve, Lombarden 121 Vz, Nord- weftbahnactien 158%, Gotthardbahnactien —, Darmstädter - Bankactten 152, Disconto Commandit 187%, Oesterr. Silberrente 663/4, 4% Ungar. Goldrente 73%, 40/0 1880er Russen 703/4, 5% 1877r Russen 90*/2, 2. Orient-Anleihe 55’/i«, 4% Spanier 58, 5% Rumänische Rente 939/i6, 4% Unific. Egypter 685/8, 5% Türken —, Marienburger 1023/4, Hess. Ludwigsbahnact. 1083/<- Tendenz: besser.
Nepertoir der vereinigten Stadttheater ;u Frankfurt a. M.
Opernhaus.
Dienstag den 23. October: Freischütz.
Mittwoch den 24. October geschlossen.
Donnerstag den 25. October: Margarethe.
Freitag den 26. October geschlossen.
Samstag den 27. October: Zum ersten Male: Die Maccabäer. Große Oper in 3 Auszügen von Anton Rubinstein. (Unter persönlicher Leitung des Com- ponisten).
Sonntag den 28. October: Oberon-
Schauspielhaus.
Dienstag den 23- October: Zum ersten Male: Elfe. Schauspiel in 3 Auszügen von A- Th- Edgren Leffler. Nach dem Schwedischen von Emil Jonas.
Mittwoch den 24. October: Die Fledermaus. (Abonnement A für den ausgefallenen Freitag.)
Freitag den 26- October: Krisen.
Samstag den 27. October: Zum ersten Male wiederholt: Elfe. Hierauf zum ersten Male: Frau Harron. Lustspiel in 1 Aufzug von Emil Granichstädten. (Letzte Vorstellung im k-Abonnement.)
Sonntag den 28. October: Zopf und Schwert. (Abonnement A für den ausgefallenen Dienstag.)
Mittwoch den 31. October: Zum ersten Male: Graf Königsmark, von Paul Heyse.
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lillfflod) den 24.
Nachmittags 21! 2 in der Flett'sch Barzahlung versteigei Dreschmaschine mitLoc Pene Möbel, 1 vollst Nanino u. A.
W, den 21. Oktober 1 Geißh Hroßh. Gericht
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