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Sachsen-Koburg entschieden widerlegt worden. Daß übrigens Herr v. Ben­nigsen trotz seines Rücktrittes von der Leitung der nattonalkberalen Parte: durchaus nicht gesonnen ist, auf seine politische Thätigkeit gänzlich zu verzichten, geht aus der Antwort hervor, welche er auf die ihm jüngst überreichte Resolu­tion seiner hannovercmischen Parteigenossen ertheilt hat. Herr v. Bennigsen betonte, daß er auch fernerhin mit seinen politischen Freunden eng verbunden bleiben werde, und zwar gerade mit denen in Hannover, wo ja die Wurzeln seiner Thätigkeit und seiner in Gemeinschaft mit den hannoveranischen Partei­genossen erlangten Erfolge sich befänden.

Die Nachricht, daß der Oberpräsident von Posen, v. Günther, m Folge der von Berlin aus angeordneten Zurücknahme seiner Verfügungen vom 7. und 27. April d. Js. bezüglich des Religions-Unterrichtes in deutscher (gpradje seine Entlassung eingereicht habe, wird von competenter Seite für durchaus unbegründet erklärt. , r L ,

Die aus noch unbekannten Gründen erfolgte Verhaftung des m Dresden lebenden polnischen Dichters Kraszewski derselbe befindet sich zur Zeit in Dresden in Untersuchungshaft erregt auch in Oesterreich großes Aufsehen. Der galizische Landmarschall, Dr. Zyblikiewicz, soll sich eigens nach Wien begeben haben, um in einer Audienz beim Kaiser um dessen Verwendung für den schwer bedrohten Dichter nachzusuchen.

Je mehr der Tag der Wahlen zum böhmischen Landtage heranrückt, mit desto größerem Interesse blickt man in Oesterreich aus den bevorstehenden Entscheidungskamps zwischen Deutschen und Czechen. Denn diesen Charakter trägt die gegenwärtige Wahlbewegung in Böhmen unzweifelhaft, für die Deutsch-Böhmen gilt es, der herandrängenden slavischen Hochfluth gegenüber Stand zu halten und jeden einzelnen Posten muthig zu vertheidigen, für die Czechen handelt es sich darum, endlich die so lang angestrebte Majorität in der Prager Landstube zu erlangen. Allenthalben sind die Deutschen mit Festigkeit und Unerschrockenheit in die Wahlbewegung eingetreten und da andererseits die Czechen mit allen Mitteln agitiren und außerdem offenbar die Regierung aus ihrer Seite haben, so wird die Wahlschlacht jedenfalls eine sehr heiße werden. Als ein gutes Omen für die deutsche Sache kann man es vielleicht betrachten, daß die vom Großgrundbesitz in Krain gewählten Abgeordneten zum krainischen Landtag durchweg der deutschliberalen Partei angehören.

Die Tongking-Expedition scheint unter den Männern der fran­zösischen Regierung schon ihr Opfer fordern zu wollen. Herr Challemel- Lacour, der Leiter der auswärtigen Angelegenheiten Frankreichs, soll sich mit Rücktritts-Gedanken tragen, da die Tongking-Frage nicht den gewünschten glatten Verlauf nimmt und glaubt man vielfach, daß der gegenwärtige Aufenthalt Challemel-Lacour's in dem Badeorte Vichy nur der Vorläufer zur Demission des Ministers ist. Seltsam berührt es allerdings, daß der Minister des Aus­wärtigen gerade in dem Augenblick, wo Marquis Tseng, der Vertreter Chinas bei den Cabineten von Petersburg, Paris und Rom, in der französischen Haupt­stadt eintrifft, eine Badereise antritt und somit anscheinend den doch so noth- wendigen Auseinandersetzungen mit dem Vertreter Chinas über die Lage in Anam und Tongking aus dem Wege geht; vorläufig hat der Ministerpräsident Ferry die Leitung des auswärtigen Amtes übernommen.

In England waren in den letzten Tagen die Augen der-.politi- schen Welt auf John Bright, das bekannte radikale Parlaments-Mitglied für Birmingham, gerichtet. John Bright feierte kürzlich sein 2ojähriges Abge- ordneten-Jubiläum und hielt bei der ihm zu Ehren von seinen Birminghamer Wählern veranstalteten Feier eine fulminante Rede gegen die Widersacher des Kanal-Tunnelprojectes, die in ganz England großes Aufsehen erregt hat. Mit ächt angelsächsischer Derbheit bezeichnete Bright die Gegner des Kanal-Tunnels als Narren, denn Narren seien alle die, welche meinten, daß acht Millionen erwachsene Engländer nicht im Stande wären, ein Erdloch von 20 Fuß Weite zu vertheidigen. In Folge, dieser Aeußerungen beantragten die Conservativen im Unterhause, welche bekanntlich dem Kanal-Projecte nicht sonderlich geneigt find, ein Tadelsvotum gegen den Jubilar von Birmingham wegen Verletzung der parlamentarischen Privilegien, doch wurde dieser Antrag mit großer Majo­rität abgelehnt.

Die italienischen Irredentisten sind durch einen Urtheilsspruch, den ein österreichischer Gerichtshof gegen einen Italiener gefällt hat, abermals in Aufregung gegen Oesterreich versetzt worden. Sabadini, welcher im Septem­ber v. Js. den Attentäter Oberdank von Udine aus über die österreichische Grenze gefahren hatte und später verhaftet worden war, ist vom Innsbrucker Geschworenengericht des Hochverraths für schuldig erklärt worden. In Folge dieses Wahrspruches verurtheilte der Triester Gerichtshof Sabadini zum Tode.

Die Franzosen machen aus Madagaskar immer größere Fort­schritte. In den letzten Wochen haben die französischen Landungstruppen unter Admirol Piere die Städte Tamatave, Mohambo und Tanarino besetzt, ohne Widerstand zu finden. Die Hauptaction auf Madagaskar gilt hiermit als beendigt. Im Süden von Tunesien ist ein Marabut (Priester, Heiliger) auf­getaucht, welcher den heiligen Krieg gegen die Franzosen predigt und schon starken Zulauf gefunden hat. Von den zunächst gelegenen französischen Garni­sonen sind starke Militärabtheilungen mit einigen Geschützen in Eilmärschen nach dem aufständischen Gebiete aufgebrochen.

Aeutschland.

Görlitz, 21. Juni. Das Hochwasser in Meiffe ist das höchste seit 1829, in Jauer seit 1860, in Löwenberg seit 1863, in Lauban höher als 1880. Die Stadt Lähn ift völlig, Glatz, Jauer, Neisse, Schweidnitz, Frankenstein, Landshut, Löwenberg sind theilweise überschwemmt. In Schweidnitz, Leutmannsdors und im Zackenthale sind Häuser eingerissen. Menschen sind in Jauer und Hermsdorf ertrunken- Die Poft- und Bahnverbindung ist mehrfach unterbrochen. Auf der Strecke Konradsthal-Fell- hammer ist das Geröll 80Ctm. hoch. Die Zackenbrücken sind sämmtlich, die Wetstritz-, Queiß- und Boberbrücken theilweise weggerlssen. Der Schaden ist im Htrschberger Thale doppelt so groß wie 1882. (F. Z.)

Frankreich.

Versailles, 20. Juni. Bei der heutigen Einweihung des Ballhaus- Saales hielt der Conseilpräsident Ferry eine Rede, in welcher er der Männer des Jahres 1789 und ihrer Werke gedachte und hervorhob, sie hätten Frankreich gelehrt, daß das Recht und nicht die Gewalt triumphire. Ihr Zusammen­halten habe die Bewegung des Jahres 1789 unwiderstehlich gemacht, Frank- reich müsse wie sie einig sein. Ferry theilte schließlich mit, daß er demnächst o!*1 .oIentwurf vorlegen werde, betr. die Errichtung eines Denkmals im >zayre 1889 zum Andenken an die constituirende Versammlung. Bei dem auf

die Einweihung folgenden Banket protestirte Ferry gegen die Gerüchte von Differenzen nn Ministerium, die Angriffe der Gegner der Regierung bewiesen nur, daß die Sachen gut stehen, auch sei der Senat jetzt eine festere Stütze der Republik geworden. Dian müsse die Constitution verbessern aber nicht brechen, zu diesem Zwecke appellire er an das Zusammenhalten aller Republikaner.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Correspondenr-Birrearr.

Berlin, 21. Juni. Das Abgeordnetenhaus nnhm heute § 1 des Ge­setzes über Behandlung der Schulversäumnisse an. Abg. Mosler erklärte, das Centrum stimme gegen ein Gesetz, welches den Schulzwang stärke, umsomehr, als demnächst die Uebertragung der Aggression von dem Gebiete der Kirche aus das der Schule zu erwarten sei. Die Berathung wurde bei § 4 abgebrochen. Morgen: Zweite Lesung der Kirchenvorlage.

DerReichs-Anz." veröffentlicht das Gesetz über die Krankenkassen für Arbeiter.

Berlin, 21. Juni. Nach weiteren heute früh aus den Ueberschwemmungs- Distrikten etngegangenen Nachrichten stehen der südl che Thetl der Stadt Reichenbach, sowie die Dörfer Ernsdorf, Neudorf und Faulbiück unter Wasser, doch fällt dasselbe gegenwärtig. In dem Dorfe Bromberg sind zwei Manschen ertrunken. Der Verkehr auf der Schmiedeberger Zweigbahn ist unterbrochen.

Nach weiteren hier eingegangenen Mittheilungen aus dem Ueberschwemmungs- gebiet hat das Regenwetter aufgehört. Die Oder steigt noch, während die Glatzer Neffse heute stark gefallen ist. Die Ueberschwemmung erstreckt sich auf die Stromgebiete der Glatzer Neisse, des Bober und der Lausitzer Neisse. Die Communicattonen sind vielfach z rstört, die Vermögensbeschädigungen erheblich.

Sproltau, 21. Juni. Der Bober ist seit Mittag rapide gewachsen und steigt fortwährend, der Wasserstand beträgt jetzt 12 Fuß. Das Boberthal ist ein wogender See, Fischerwerder steht unter Wasser, bei Oberleschen soll ein Dammbruch erfolgt fein. Feuerwehr und Militär sind zur Rettung der bedrängten Bewohner thät'g.

Neisse, 21. Juni. Naclus 12 Uhr brach das Wehr und die Schleuse 1 unter der Wucht der andrängenden Wasserfluth. In einer halben Stunde später war das Wasser um IV2 Meter gestiegen- Die Garnison ist fett Mitternacht an der Arbeit, ebenso die Feuerwehr. Der Damm an der Kaserne 4 wurde gehalten und die Fried­richstadt vor der Ueberschwemmung geschützt. Jetzt fällt das Wasser langsam, seit zwei Stunden ist es um einen Fuß gefallen. Die Noth in einzelnen der überschwemmten Dörfer ist groß.

Prag, 21 Juni. Der Wasserstand ist konstant 150 Zentimeter über normal. Die Hochwassergefahr ist gew'chen, das Wetter völlig heiter.

Nyiregyhaza, 21. Juni. Tisza-Eszlarer-Proceß. Bei dem Beginn der heutigen Verhandlung verlangte der Vertheidiger Auskunft über das Ge­rücht, wonach durch Juden ein Versuch gemacht worden wäre, Moritz Schars zu entführen oder durch Dynamit zu tödten. Der Staatsanwalt erwiderte, er habe die Polizei zur Einleitung einer Untersuchung beauftragt. Hierauf ver­hörte der Staatsanwalt die Mutter Esther's bezüglich der Einzenlheiten des Verschwindens.

Wien, 21. Juni. DerPolit. Corresp." wird aus Innsbruck ge­meldet, daß der dortige Gerichtshof sich zu Gunsten der Umwandlung der über Sabadini verhängte Todesstrafe in eine Freiheitsstrafe ausgesprochen habe. Eine kaiserliche Entscheidung in diesem Sinne sei mit aller Bestimmtheit zu erroar ten.

Unsere Sandsleute in Paris.

In Betreff unserer Landsleute in Parts geht uns folgendes Schreiben zu:

Es wird Ihnen bekannt sein, daß seit Jahrzehnten Tausende von evangelischen Deutschen sich in Paris aufhalten. Im Krtegsjahre vertrieben, sind die meisten früher oder später dahin zmückgekehrt. Hatten sie doch ihre Habe und Geschäft, zum Thetl Familienglieder in der fremden Stadt zurücklassen müssen. Andere werden durch Arbeitslosigkeit uno durch die Noth des Lebens in unsere Stadt geführt. Alle unsere Warnungen, sie zurückzuhalten tn der Heimath, sind vergeblich. Neun Zehntel dieser unserer Landsleute und Glaubensgenossen sind arme Straßenkehrer, Lumpensammler, Fabrikarbeiter, hauptsächlich aus Hessen*) und Bayern gebürtig, die aus den Nahrungs- lorgen nie herauskommen, oder kletne Handwerker, die zum großen Theil entschlich ausgenutzt werden, Dienstboten, Lehrer und Lehrerinnen, junge Kaufleute aus allen Gegenden Deutschlands.

Unser Comitö stellt sich die Aufgabe, diesen unfern deutschen Brüdern und Schwestern den Trost des Evangeliums zu bringen, Halt und Stütze tn den vielfachen Versuchungen der Weltstadt zu bieten und sie dem Glauben ihrer Väter zu erhalte», Das Comilö hat zu dem Zwecke angefangen, seine deutschen Glaubensgenossen zu Ge­meinden zu sammeln. Im Zentrum der Stadt hat es die Rädemption-Gemeinde ge­gründet; von ihr aus als Tochtergemeinde die Gemeinde der Vorstadt von La Billette. Die letztere besteht aus circa 3000 armen deutschen Arbeitern. In der ganzen Gl- metnbe haben wir nur drei etwas wohlhabendere Familien, alle andern sind blutarm, haben oft nicht einmal einen Stuhl, ein Belt tn ihrem niedrigen Zimmer, welches für manchmal 68 Personen Wohn- und Schlafzimmer, Küche und Keller zugleich ift Für die Kinder dieser armen Leute haben wir auf dem Hügel (La Billette) deutsche Schulen errichtet, die von 360 Kindern besucht werden. E>ne ähnliche Schule in ben IV2 Stunden entfernten Quartier St. Marcel zählt 70 Schüler. Die armen Eltern schicken ihre Kinder trotz der Gefahr, der sie auf den belebten Straßen ausgesetzt sin>, oft 3/4 ja IV2 Stunden weit in unsere Schulen, weil sie fühlen, daß nur diese ih« Kinder der Familie erhalten können, während die Heranwachsenden Kinder ihnen sorst oft schon mit fünfzehn Jahren davonlaufen und ein Leben beginnen in Sünde urd Schande. Unsere Schulen sind deßhalb in hohem Maße nicht nur Bildungs- und Erziehungs-Anstalten, sondern auch Bewahr-Anstalten für die Familie, für die evangi- lische Kirche.

Für die jungen deutschen Männer, Kaufleute und Handwerker, ist seit dm Jahre 1879 eine wohleingerichtete Herberge zur Heimath mit vorläufig 30 Betten gi- schaffen, die stets überfüllt ift. Von den Anschaffungkosten her lastet aber noch ein Deficit von 3500 Frcs. auf uns.

Eine ähnliche Anstalt möchten wir für die alle Jahre zu Hunderten nach Paris strömenden jungen Mädchen gründen. In den kleinen Hotels, die zum Theil wah« Lasterhöhlen sind, gehen unzählige zu Grunde. Wir halten es für unsere, für dis evangelischen Deutschlands Pflicht, ihnen ein sicheres Unterkommen und mit ihm guten Rath und Unterweisung zu schaffen. Mit dieser Mägdeherberge wünschen wir ein Heim für deutsche Erzieherinnen, von denen sich alljährlich gegen 600 in Parts aufhaltm mögen, zu verbinden. Die Engländer haben hier zwei solche Anstalten, wir Deutsche feine. Ein Eapital von 26,000 Frcs. ist von uns für diese Zwecke gesammelt, aber mindestens 100,000 Frcs. sind uns nöthig für den Bau dieser Doppelanstalt.

Ebenso bedürfen mir der Unterstützung für unsere armen Arbettergemeinden und unsere Armenschulen. Fonds haben wir gar nicht, Staatszuschuß für unsere Kirchen und Gemeinden nicht einen Centime, für unsere Schulen durch die Gnade unseres Kaisers und des Grotzherz'ogs von Hessen 5000 Frcs. Aber wir haben für die Schulen allein circa 12,000 Frcs. nöthig, von dem Gehalt unserer Geistlichen und sonstigen Kirchendiener, das wir vollständig aufbringen müssen, gar nicht zu reden. Dem gegenüber fehlt es hier nicht an Opferwill^gkeit. Für unsere Kirchen und Schulen sind im letzten Jahre in Paris über 12,000 Frcs. aufgebracht worben; für kirchliÜt Armenpflege außerbem ca. 3000 Frcs.

Aber von den verhältnißmäßig wenigen wohlhabenden evangelischen Deutschen m hiesiger Stadt allein kann nicht alles geschehen. Wir müssen die Hülfe der Heimath in Anspruch nehmen, bitten einen Jeden, der ein Herz hat für seine Brüder im fremden Lande, helft uns an unserem Werk, helft uns, baß Diejenigen, die nicht Fremde,

*) Bet Weitem die meisten kommen au8 dem Kreise Gießen.

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Dienstag den 11 Uhr Concen und iiirnfpiele, Schauli Tanz und Volksbeü

Fahrpreiserm Mwigsbahn-Geieü Mrksahrt dis 17. Murbillete vom flehenden Bahnen Preisermäßigung.

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