Paris, 21. März. Ein Telegramm des „Univers" aus Rom demen- lirt die Nachricht, der Papst werde die Ceremonien der Charmoche in Sanct Peter öffentlich celebriren.
Die „Union" will wissen, der nächste Mnisterrath werde sich mit den englisch-russischen Vorschlägen wegen internationaler Maßregeln gegen die Nihilisten und Anarchisten beschäftigen.
— Der Handelsvertrag mit Serbien wird den Kammern nach den Osterferien vorgelegt.
— Unterhandlungen schweben wegen eines analogen Vertrags mit Griechenland und Holland, da die holländischen Kammern den früheren Vertrag abge- iehnt haben.
Bordeaux, 21. März. Brazza ist heute früh nach dem Congogebiet auf dem Dampfer „Precurfeur" abgereist; die Mission besteht aus etwa 30 Personen, wovon 15 Marine-Freiwillige sind.
London, 21. März. Einer Meldung der „Saint James Gazette" zufolge empfing Aubyn, der Abgeordnete für Helston, einen anonymen Brief, augenscheinlich von weiblicher Hand, mit der Warnung, sich zur Zeit der Wiedereröffnung des Unterhauses nach Ostern nicht dort einzufinden, da eine Bande irländischer Mörder entschlossen sei, das Parlaments-Gebäude in die Luft zu sprengen.
Lokales.
Gieße«, 21. März. Wie in den vorderen Jahren, so wird auch in diesem Jahre am Charfrettag Abend in der Stadtkirche ein liturgischer Gottesdienst unter Mitwirkung des Evangelischen Kirchengesangvereins gehalten werden. Derselbe wird auch musikalisch insofern ein besonderes Interesse bieten, als sämmtliche Chöre — mit Ausnahme des herrlichen: „Wenn ich einmal soll scheiden", aus der Bach'schen Matthäuspassion, daS an keinem Charfreitag fehlen sollte und das sicherlich in allen Hörern von der neulichen Aufführung her noch nachkltngt, — der »Historie vom Leiden und Sterben unseres Herrn Jesu Christi" (Passion) von Heinrich Schütz (1585 — 1672), dem berühmten Vorgänger von I. Seb. Bach, entnommen find. Der Evangelische Ktrchengesangverein beabsichtigte ursprünglich, das ganze Werk, das auch neben den Bach'schen Compositionen noch seinen etgenthümlichen hohen Werth und Reiz besitzt, auszuführen, verschob cs aber, als der Akademische Gesangverein die Bach'sche Passion in Angriff nahm, auf das kommende Jahr. Aber auch die nun dargebotenen Schlußchöre aus dem genannten Werke werden in ihrer hohen Kraft und Schönheit eines tiefen Eindrucks sicherlich nicht ermangeln.
Gieße«, 22. März. Die von uns kürzlich gebrachte Notiz, betr. Abhaltung des ersten deutschen Rudertages in Nürnberg, wird heute dahin rektifictrt, daß der erste deutsche Rudertag bereits voriges Jahr am 12. August in Frankfurt a. M- stattgefunden und der zweite vergangenen Sonntag, den 18. d. M., in Cöln a. Rh. abgehalten wurde; der in Nürnberg projectirte Rudertag wird nur von bayerischen Ruderveremen besucht werden. —
Auf dem Sonntag den 18. März Morgens lOVz Uhr, im Saale des Gürzenichs zu Cöln abgehaltenen Rudertag waren 34 Vereine mit 63 Stimmen (Berlin, Bern- caftel, Bingen, Coblenz, Cöln, Creuznach, Düsseldorf, Frankfurt, Gießen, Hamburg, Heidelberg, Ludwigshafen. Mainz, Mannheim, München, Offenbach, Stettin, Danzig, Wien, Wetzlar rc. rc.) vertreten; große Debatten rief die Amateurfrage hervor und wurde der betr. $ 8 der allgemeinen Wettfahrt-Bestimmungen in folgender Abfaffung mit bedeutender Stimmenmthrheit angenommen:
„Amateur ist, wer das Rudern lediglich zu seinem Vergnügen und mit eigenen „Mitteln betreibt. Ausgeschlossen ist, wer sich als Arbeiter von seiner Hände „Arbeit ernährt, oder beim Bootbau in irgend welcher W ise beschäftigt ist."
Nachdem das vorgelegte Grundgesetz durckberathen und einstimmig angenommen war, wurde zur Wahl der Ausschußmttglteder geschritten, welche folgendes Resultat ergab :
Vorsitz: Ad. Burmeister (Hamburg), Heyter (Frankfurt a. M), Weiß (München), BÜxenstein (Berlin), Dr. Forregger (Wien), Schmidt (Frankfurt a. M), Dr. Patton (Coln), I. Kirch (Gießen), Vetter (Mainz), Kayser (Mannheim), Langsdorfs (Hamburg).
Hiermit war der „Deutsche Ruderverband" constituirt und erhoben sich nach einer begeisterten Ansprache des Vorsitzenden die Vertreter von den Sitzen, um der nunmehr lang geplanten und endlich gelungenen Vereinigung ein kräftiges hipp hipp hnrrah auszubrmgen. — Schluß der Sitzung Abends 10 Uhr. —h.
Vermischtes.
Friedberg. Zu der diesjährigen Aufnahme-Prüfung des Schullehrer- Seminars, welche in den letzten Tagen ftattgefunden, hatten sich 16 Präparanden eingestellt. Davon sind 13 bestanden, 12 für die Unter- und 1 für die Mittelklasse. Aus der Präparandenanstalt zu Lick werden voraussichtlich 26 Schüler in die Unterklasse des Seminars etntreten.
Baden-Baden, 20. März. Bet der Untersuchung, welcher die Eingeweide des Fürsten Gortschakow unterzogen wurden, sind keine Anhaltspunkte für die Annahme gewonnen worden, daß ein Verglftungsfall vorltege.
Offenbach, 20. März. Nach angestellten Ermittelungen erfreute sich das in Bürgel beim ersten Hochwasser verunglückte Dienstmädchen, die am 15. December^l865 geborene Marte Dorothea Eisenbach von Rothenkirchen, Kreis Hünfeld, des besten Leumundes. Das Htlfscomtt^ hat, nach dem „D. T. A " beschlossen, einer dortigen Vertrauensperson den Betrag von 250 Mark zu überweisen, aus welchem den kleinen Geschwistern der Verunglückten Kleider, Schulbücher rc. angeschafft werden sollen. In Bürgel selbst sind bereits Beiträge gesammelt worden, um auf dem Grabe der Verunglückten einen Denkstein zu errichten. Bei diesem Anlaß sei erwähnt, daß die Marte Dorothea Eisenbach, bis an die Brust im Wasser watend, in das bereits wankende Haus eindrang und die darin befindlichen drei Kinder aus dem oberen Stockwerk herabholte. Währenddessen stürzte das Haus ein und man fand in dessen Trümmern das Mädchen mit den Kindern, von welchen sie das Kleinste an sich gedrückt hielt, alS Leichen auf.
Berlin, 20. März. Die Feuerwehr wurde heute früh unter dem Signal „Groß Feuer" nach dem Schlesischen Bahnhofe olaimbt Die zuerst eintreffenden Mannschaften fanden den Dachstuhl über dem Gebäude und zwar über dem Wartesaale dritter Classe und der Prtvatwohnung des Restaurateurs Franke in Hellen Flammen, während die angrenzenden Räumlichkeiten in größter G fahr schwebten und das Feuer thetlweise bereits nach unten durchgebrannt war.' Es wurden sofort zwei Dampsspr tzen und mehrere große Hauddruckspt itzen von der Fruchtstraße, der Koppen- und Breslauer- straße in Thättgkeit gesetzt, denen es nach cinstündrger ununterbrochener Thätigkeit und nachdem allerdings der Dachstuhl zum größten Tbeile ausgebrannt und auch die Wohnung des Restaurateurs, sowie die Dicke des Wartesaales starken Schaden gelitten hatten, gelang, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken, lieber die Entstehungsursache läßt sich etwas Bestimmtes nicht ermitteln; anscheinend hat die auf dem Boden befindliche Heizanlage die Entstehung des Feuers veranlaßt. Die Aufräumungsarbeiten zogen sich bis 12 Uhr hin; eine Verkchrsstörung ist nicht entstanden.
— Wie der „New Aork Heralb" mttthetlt, überschreitet eine gefährliche atmosphärische Strömung das atlantische Meer und wird zwischen dem 20. und 22 ds. den Norden Englands und die norwegische Küste erreichen, mit südlichen bis nordwestlichen Stürmen. Das Wetter wird überhaupt auf dem Meere in der Nähe detz 40. Breitegrads diese Woche hindurch sehr stürmisch sein.
Pfaffenwiesbach. An der Nachricht, daß hier ein Gärtner Ernst erfroren fei, ist kein wahres Wort. Die betreffende Notiz wurde zuerst vom „Rhein. Courier" gebracht und ging von da in eine Menge anderer Blätter über. Ein Gärtner Ernst wo:nt überhaupt hier nicht und weder auf hiesiger Bürgerme-sterei noch am Amt in Usingen ist bekannt, daß in unserer Gemarkung irgendwer Anderer erfroren ist. Der Schnee liegt allerdings hier tief genug dazu, so daß es hätte Vorkommen können. Wie das Gerücht überhaupt entstanden, ist hier Jedermann ein Räthsel.
Würzburg, 17. März. Das hiesige Landgericht hatte gestern über zwei Fälle studentischer Paukereien nach dem neuen Strafmodus zu b.finden. Im ersten Falle wurde der stad. med. Emanuel Glaser-, 22 Jahre alt, von Laurahütte, wegen einer M niur mit üdl chen Bandagen zu 3 Monaten Festungshaft verurtheitt- Sem Part, der etud. med. Ernst Kronur).r aus We ßerburg t. E., war nicht richtig geladen und wird erst später abgemtheitt werden Im zweiten Falle erschien ders Ibe Student Glaser, sowie der etud med Wilhelm F ldmonn. 28 Jahre, und das W rthsehepaar Hahn vom Restaurant Aumühle hiers löst, wegen einer Paukerei, die am 13 Januar stattsand. Dem Wirth formte kein Vorwissen nachgewiesen werden und wurde er frei: gesprochen, seine Frau hingegen, welche die Polizei zu täuschen versucht hatte, bekam hierfür 20 «AL Geldstrafe, eventuell 4 Tage Haft, der Student Feldman« w-gen der Paukerei 3 Monat Festungshaft und Glaser unter Anrechnung der ersteren Strafe ins- gesammt 4 Monate Festung. Wohlgemerkt handelt es sich nur um eine einfache Paukerei mit Anwendung aller Schutzmittel. Die Anklage lautete auf Vergehen des Zweikampfes.
— (Kurz und gut) An Kürze und Deutlichkeit läßt die nachfolgende Gerichtsverhandlung nichts zu wünschen übrig. Präsident des Schöffengerichts zu dem mit wahrer Armesündermiene auf der Anklagebank Harrenden: Sie sind der Arbeiter Schälicke? — Angekl.: Ja! — Päs.: Kennen Sie den Z<mmergesellen Stamer? — Angekl.: Ja! — Präs.: Sie haben demselben ein Bleiloth gestohlen? — Angekl : Ja! — Präs.: Im Werlbe von 1,25 JL? — Angekl.: Ja! — Präs: Und verkauft? — Angekl.: Ja! — Präs.: Das Geld haben Sie für sich verwandt? — Angekl.: Ja! — Staatsanwalt: Eine Woche Gefängniß. - Präs.: Der Gerichtshof erkennt auf drei Tage Gefängniß Sie können nach Hause geben — Angekl-: Ja!_________________
EchiffSbericht. M'tgetheilt von dem Agenten detz Norddeutschen Lloyd iv Bremen, C- W. Dietz Nachfolger, Gießen.
Bremen, 21. März. Der Postdampser Neckar, Capt R- Bussius, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 10. März von Newyork abgegangen war, ist heute 3 Uhr Morgens wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post und Ladung 5 Uhr Morgens die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 103 Passagiere und volle Ladung
anbei und Verkehr.
Frankfurt, 21. März. Aus dem heutigen Markt koste-e der Centner He« «AL 2.80—3.50, Stroh .AL 1.70—2, Eier das Hundert 5.20—7.50, Stück 6—7'/rH, Butter
1. Qualität «AL 1.50, 2. Qualität AL 1.40, Kartoffeln per Centner 3.80—4.25. Weißkraut per Stück 12 Kohlrabi 6 H, Wirsing 10—12 Rothkraut 15—30 Capauncn «AL 3.50, Huhn «AL 1.80—2.20, 1 Ente 3.00, 1 Taube 60—70 H, Hahn «AL 2.00.
Limburg, 21. März. Rother Weizen .AL 17.35, Weißer Weizen AL 17.10, Korn «AL 11.80, Gerste AL 8.65, Hafer JL 6.60, Erbsen «AL. —.—, Kartoffeln AL —.—
731) Ueber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von HA de VOLLER in
F rank fort a M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München I zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt
Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.
Katholische Gemeinde.
1. Öfter tag.
Von 6 Uhr an: Beichte. 8 Uhr: Frühmesse und Austhetlung der h. Communion 1/210 Uhr: Hochamt und Predigt. 2 Uhr: Festandacht, nach derselben Beichte-
2. Öfter tag.
Von 6 Uhr an: Beichte 8 Uhr: Frühmesse und Austhetlung der h. Communion.
V2IO Uhr: Hhchamt- 2 Uhr: Feftandacht-
Gottesdienst in der Synagoge.
Freitag Abend 6 Uhr, Samstag Morgen 830 Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, Samstag Abend 7‘° Uhr.
Allgemeiner Anzeiger.
Tafelobst.
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