Nr. 193.
Mittwoch den 22. August
1883
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L)urch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Bureau: Schulstraße 7.
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Auf dem tongkingue fischen Kriegsschauplätze steht endlich eine Here militärische Action der Franzosen bevor, die bestimmt ist, den Feldzug Pn die „Schwarzen Flaggen" womöglich zu einem raschen Ende zu führen, 'ö soll in diesen Tagen der Sturm auf Hue erfolgen und hoffen die Franzosen N der Einnahme der annamitischen Hauptstadt eine nachhaltige Wirkung auf Kaiser Phüdac und die ^Schwarzen Flaggen". Indessen ist die Einnahme ■°n Hue gerade kein leichtes Unternehmen, denn die unweit der Meeresküste Pnde Stadt ist theils von dem Flusse H^e, theils von breiten Canälen und Mtgräben umgeben und überdies von französischen Ingenieuren seinerzeit auf >lwPäische Weise stark befestigt worden. Außerdem wird der Fluß vor seiner Andung in das Meer durch eine natürliche Barriere vertheidigt, welche die
König Alfonso von Spanien gedenkt fich, wie nunmehr feststeht, 'A 53. September in Coruna (Nordspanien) nach Havre einzuschiffen, um dann
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Telegraphische Depeschen.
Wolsf's telegr. Corrcsponden,-Bureau.
Darmstadt, 20. August. Se. Kaiser!, und König!. Hoheit der Kronprinz traf heute früh hier ein und stieg sofort am Bahnhofe mit dem Großherzog zu Pferde, um auf dem nahen Exercierplatze die Truppen der Garnison zu besichtigen. Um 10 Uhr fuhren die Herrschaften nach dem Schlosse. Zu Ehren des hohen Gastes ist die Stadt festlich geschmückt. Das Wetter ist prachtvoll.
Potsdam, 20. August. Der König von Rumänien wohnte heute früh 7 Uhr dem (freieren des 1. Garde-Regiments und des Regiments der Garde du Corps auf dem Bornstedter Felde bet. Prinz Wilhelm hatte den König aus dem Orangerie- Gebäude abgeholt und denselben nach dem Exercterplntz begleitet. Eine halbe Stunde später traf Seine Majestät der Kaiser zur Besichtigung der Regimenter ein. Morgen begibt sich der König nach Berlin.
Löwenberg, 20. August. In Wenigrackwitz erhängte der Restbauer Schäfer fünf seiner Kinder und sich; eine Tochter entkam mit ausgerauften Haaren.
Politische Ueberficht.
Gießen, 21. August.
Dem schon so breit einhersluthenden Strome der Conjecturen und Combinationen über den Aufenthalt des Kardinals Howard in Kissingen und dessen angebliche Audienz beim Fürsten Bismarck wird durch ein trockenes i Dementi der „Nordd. Allg. Ztg." ein plötzlicher Damm gesetzt. Das officiöse Aalt schreibt, daß der Reichskanzler gesundheitlich nicht einmal in der Lage sei, Besuche von demselben nahestehenden Personen zu empfangen, geschweige denn politische Geschäfte zu machen oder Verhandlungen zu führen. Die Mittheilung, bfljj Kardinal Howard vom Fürsten Bismarck empfangen worden sei und bei demselben gespeist habe, war in so positiver Form aus Kissingen gemeldet worben und in eine so große Anzahl Blätter übergegangen, daß man an der Wahrheit derselben füglich kaum mehr zweifeln konnte und nun doch nichts damit. Schade um einen so interessanten Stoff.
Die Ersatzwahl, welche sich im 19. Hannoverschen Reichstagswahlkreise für Herrn v. Bennigsen nothwendig machte, hat hier einen äußerst leb- baften Wahlkamps hervorgerufen, dessen Ausgang man mit Interesse erwarten darf. Während hier die nationalliberale Partei sonst nur mit der Welfenpartei in die Schranken zu treten hatte, greifen diesmal auch die Fortschrittspartei und die Socialdemokraten in den Wahlkampf ein, so daß es voraussichtlich zu tiner Stichwahl kommen wird. Auf nationalliberaler Seite ist man begreiflicher Weise wenig erbaut über das Bestreben der Fortschrittler, dem National- dberalismuS einen so alten Wahlkreis streitig zu machen und es müssen sich ^er jene von den nationalliberalen Blättern gar herbe Worte gefallen lassen. Kandidat der nationalliberalen Partei ist Hofbesitzer Hottendorf.
General-Lieutenant Karl Freiherr von Horn, General- Adjutant des Königs von Bayern und commandirender General des ersten Kmee-Corps, beging am 18. August fern 50jähriges Dienstjubiläum. Die : Wesfrische und körperliche Rüstigkeit, deren sich der im 65. Lebensjahre ichende Jubilar erfreut, berechtigt zu der Hoffnung, diesen vielseitig bewährten und in der ganzen deutschen Armee hochverehrten Führer zum Ruhme der -Mischen Armee und zum Vortheile des großen Vaterlandes noch lange er- tolten zu sehen.
In den großen Städten Oesterreichs scheinen die Straßen- Muten in voller Blüthe zu stehen. An die Unruhen in Preßburg, Pesth und Wien haben sich nun auch Exceffe in Agram, der Hauptstadt Croatiens, und I w Prag angeschlossen. Die Tumulte in Agram, bei denen die mit ungarischer Aufschrift versehenen Schilder von mehreren Amtsgebäuden heruntergerissen Mden, charakterisiren sich als eine gegen das Magyarenthum gerichtete Demon- .ration der Croaten und sind ein bedenkliches Zeichen für die zwischen Ungarn ! -nb Croaten sich immer bemerklicher machende Abneigung. Die Erregung in Agram soll noch immer groß sein und wird die Wiederholung der Unruhen -rsürchtet. Was den in Prag am Mittwoch Abend stattgefundenen Tumult Gelangt, so trug derselbe einen antisemitischen Charakter, doch gelang es hier Polizei, die Tumultuanten in kurzer Frist zu zerstreuen und war Die Sache 1 -it einigen Verhaftungen abgethan. — In Wien hat am Donnerstag die 1 Erliche Eröffnung der electrischen Ausstellung durch den Kronprinzen Rudolf ' Atgesunden.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Mnzosen mit ihren Kanonenbooten erst forciren müssen, ehe sie mit denselben ’n Hue selbst heronkommen und die Stadt bombardiren können. Ob aber W mit der Einnahme von Hue der tougkingnesische Feldzug der Hauptsache nach 1 :u Ende sein wird, ist noch zweifelhaft, um so mehr, als China jetzt Miene W, die den „Schwarzen Flaggen" bisher gewährte heimliche Unterstützuag in w offene zu verwandeln. — Der Commandant von Ram-Dinh, Oberst nrl ,^ens, soll einen neuen Ausfall gemacht und hierbei abermals dem Feinde ^ere ^brluste beigefügt haben. — Aus Frohsdorf wird eine leichte Besserung e. i [I ? Befinden des Grafen Chambord gemeldet, doch ist der Zustand des
mtendenten trotzdem noch äußerst besorgnißerregend.
! In England sieht man dem Schluß des Parlaments für Ende dieser i Wotze entgegen, da mit der am Donnerstag vom Oberhause definitiv ange- i ^inrnenen Cholerabill und der schottischen Pachtbill fast alle Vorlagen ihre Migung gefunden haben. Ob das Parlament vor seinem Auseinandergehen
> definitive Beschlüsse bezüglich der Verwaltung Egyptens und der Zurück- Kmng der englischen Truppen aus Egypten fassen wird, ist nicht sehr wahr- I Drillich; einstweilen wird die englische Regierung den Dingen in Egypten ihren Laus lassen.
über Paris seine Reise nach Wien und Berlin sortzusetzen. Die leitenden Kreise in Madrid scheinen demnach den Aufstand für vollständig unterdrückt zu halten, denn sonst würde sich der spanische Herrscher nicht aus längere Zeit außerhalb des Landes begeben. Was den angekündigten Wechsel im spanischen Ministerium anbetrifft, so scheint derselbe vorläufig ausgeschoben zu sein. Man meldet wenigstens in dieser Beziehung aus Madrid, daß vor der Rückkehr des Königs keinerlei Veränderungen innerhalb des Ministeriums zu erwarten seien, und auch erst nach diesem Zeitpunkte die constitutionellen Garantien wieder hergestellt würden.
Die türkische Hauptstadt beherbergt gegenwärtig in der Person des Fürsten Nikita von Montenegro einen interessanten Gast. Zum erstenmale weilt ein montenegrinischer Herrscher in der Hauptstadt des Erbfeindes der Czernagorzen und die Beziehungen zwischen Cettinje und Konstantinopel müssen in der That freundliche, um nicht zu sagen, intime, geworden sein, um diesen Besuch zu ermöglichen. Man will es offenbar in Cettinje wie in Konstantinopel zu vergessen suchen, daß in den wilden Bergschluchten Montenegros viele Tausende von türkischen Schädeln bleichen, und das ist unter den heutigen Verhältnissen aus der Balkanhalbinsel auch das Beste.
Mit dem offenbaren Niedergange der Cholera in Egypten gewinnt das unter dem Einflüsse der Epidemie fast ganz erstarrte politische Leben im Pharaonenlande wieder an Regsamkeit. Als ein Beweis hierfür ist die Meldung des „Reuterffchen Bureaus" aus Alexandrien auszusaffen, wonach in Kairo eine Ministerkrisis ausgedrochen fein soll. Riaz Pascha soll mit der Bildung eines neuen Cabinets beauftragt fein, worin man wohl einen Ueber- gang aus den anarchistischen Zuständen, in denen sich Egypten trotz der Anwesenheit der Engländer gegenwärtig befindet, zu geordneteren Verhältnissen zu erblicken hat.
Darmstadt, 20. August. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog, der Erbgroßherzog, sowie dle 4 Grotzherzoglichen Prinzessinnen trafen gestern Vormittag 11 Uhr 18 Min. hier ein. Die Herrschaften, welche sich jeden offictellen Empfang verbeten hatten, stiegen im Großherzoglrchen Schlosse ad, wo dieselben bis zu der Ende dieser Woche statt- ssndenden Uebersiedelung nach Jagdschloß Wolfsgarken residlren werden.
Der Kronprinz des Deutschen Reichs traf heute früh per Extrazug hier ein und wurde am Bahnhof von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog empfangen und begaben sich dieselben mit ihrer glänzenden Suite sofort auf den Jnfanterie-Exercierplatz, wo die Truppen der Garnison bereits in 2 Treffen mit der Front nach der Allee formtrt standen. Der Kronprinz nahm hierauf die Parade ab, welche von dem Generalmajor v. Radecke commandirt wurde. Es erfolgte zweimaliger Parademarsch und ging derselbe in wahrhaft brillanter Weise von Statten. Nach der Parade wurden von den Truppen verschiedene Exercierübungen ausgefüyrt und manöorirte die Infanterie auch im Feuer, wobei, wie mir hören, das neue Repetirgewehr auch zur Anwendung kam.
Das glänzende militärische Schauspiel hatte eine nach vielen Tausenden zahlende Menschenmenge angelockt. Der Parade wohnte auch der kommandirende General des 11. Armeekorps Freiherr v. Schlotheim bei, sowie eine Anzahl höherer preußischer Osficiere, welche theilweise bereits vor dem Kronprinzen emgetroffen waren. Um 10 Uhr nahmen Se. Kgl. Hoheit der Großherzog und der Kronprinz mit den Herren ihres Gefolgcs ein Frühstück im Osficierscasino in der Artilleriekaserne ein. Morgen wird der Kronprinz in Mainz, übermorgen in Offenbach und am 24. in Gießen in- spiciren, jedoch stets wieder hierher zurückkehren.
Aus Anlaß der Anwesenheit des Kronprinzen waren die särnmtlichen Staatsgebäude, sowie zahlreiche Privathäuser reich beflaggt.
Wie wir nachträglich hören, soll der Kronprinz sich in überaus anerkennender Weise über die Haltung der Truppen ausgesprochen haben.
Berlin. Englische Consulatsbertchte aus derLeoante machen die den großen Londoner Ale- und Porter-Brauereien allerdings nicht sehr erfreulich klingende Mittheilung, daß der Consum der schweren englischen Biere im Orient zu Gunsten der leichteren und deßhalb bekömmlicheren deutschen, resp. österreichlschen Gebräue konstant im Rückgänge begriffen ist. In Smyrna bomtnirt das Drehersche und Pilsener Produkt; nach Konstantinopel selbst, nach Salonichi und anderen Handelsplätzen gelangen größere Quantitäten deutscher, namentlich auch Berliner Biere. Die gleiche Beobachtung läßt sich übrigens in Großbritannien selbst machen. Auch dort haben die „Lagerbiere" deutscher Provenienz festen Fuß gefaßt und bringen, trotz ihres relativ höheren Preises, stetig in das bis jetzt von Baß und Alfopp ausschließlich beherrschte Consumgebiet vor. Die Magnaten des Londoner Brauereigewerbes sehen der „Geschmacksverirrung" ihrer altenglischen Kundschaft mit stillem Grausen zu- Ihre Hoffnung, dieselbe werde doch noch wieder zur Fahne des brown stout oder pale Ale zurückkehren, wird immer hinfälliger. Andererseits sträuben sie sich, der veränderten Geschmacksrichtung des Publikums durch Herstellung eines dem deutschen „lagerbeer“ analogen Getränkes Rechnung zu tragen. Es müßte dann nämlich eine durchgreifende Umwandlung des technischen Betriebes vorhergehen, die mit bedeutenden Kosten verknüpft ist. Schließlich wird ihnen aber doch wohl nichts anderes übrig bleiben, wenn sie sich von der deutschen und österreichischen Concurrenz nicht gänzlich aus dem Felde schlagen lassen wollen.


