Ausgabe 
22.7.1883 Erstes Blatt
 
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lür München bestimmte Ltebigdenkmal am 6. August d. I. zur Aufstellung kommt und , daß nach dem das für Gießen bestimmte gleiche Denkmal in Angriff genommen werde. Ueber die Platzfrage soll in einer späteren Sitzung Beschluß gefaßt werden.

Verwischtes.

Lollar, 20. Juli. Vor jetzt gerade 20 Jahren bestand hier in unserem Lollar ein in bestem Rufe stehender Turnverein, der leider, veranlaßt durch den tödtltchen Sturz eines Mitgliedes vom Reck, plötzlich zusammenbrach. Die Eltern der betreffenden jungen Leute ließen dieselben einfach nicht mehr turnen und so kam der Verfall ganz D°n Seit ungefähr zwei Monaten haben sich jedoch ungefähr 20 junge und ältere Leute zu einem solchen Vereine wieder zusammengethan und wird seit dieser Zett an den für Schulkinder bestimmten Geräthen wacker geturnt. Heute ist bereits ein trans­portabler Barren angeliefert worden-

Hoffentlich kehrt ein echt turnerischer Geist in die Mitglieder des jungen Vereins, damit sie festhallen an den Grundsätzen Vater Jahn's. Bringen wir dem jungen Turn­verein daher einstweilen ein kräftigesGut Heil!"

Büdingen, 17. Juli. Mit Bestimmtheit können wir jetzt mittheilen, daß der Milzbrand unter dem Wtldstande im Büdtnger Walde, Dank der günstigen kühlen Witterung im Abnehmen begriffen ist. Nachdem einige Tage hindurch gar kein ver­endetes W>ld aufgefunden worden, fand man vorgestern einen jährigen Rehbock, der der Krankheit zum Opfer gefallen. Die einzelnen Krankheitsfälle, die in Aulendtebach und Vonhausen unter dem Rindvieh vorkamen, waren Folgen von Fliegenstichen.

Offenbach, 19. Juli. Mectrische Bahn.^ Der Kreistag zu Frankfurt ge­nehmigte in gestriger Sitzung den nut Herrn Bankier Wcymann in Offenbach wegen der Anlage und des Betriebes einer electrischen Straßenbahn auf der kreisständischen Offenbacher Landstraße erweiterten und von dem kreisständischen Verwaltungsausschusse bereits gutgeheißenen Vertrag.

Königs winter, 17. Juli. Der Betrieb auf den Drachenfels ist heute eröffnet worden. Der Andrang des Publikums war trotz der ungünstigen Witterung derart groß, daß mehrere Sonderzüge eingelegt werden mußten. Die Auf- und Abfahrten gingen in jeder Beziehung vortrefflich von statten, die Bahnanlagen lassen, namentlich was Sicherheit anbelangt, nichts zu wünschen übrig.

Vom Niederwald, 16. Juli. Das größte und schwerste Gußstück der Germania-Statue ist heute Vormittag aus das Postament gehoben worden. Der Probe-Auszug gestern Morgen mit 220 Centern Eisenbahnschienen hatte vollständig die Tragfähigkeit des sieben Etagen hohen Gerüstes und der beiden Flaschenzügc bestätigt. Nachdem heute das 8500 Kg. wiegende Gußstück der Statue mittels der Flaschenzüge und des Hebewerkes von dem Wagen gehoben und in die richtige Stellung gebracht war, begann unter der persönlichen Leitung der Herren Holzmann und des Seil- fabrikanten Reutlinger aus Frankfurt der eigentliche Aufzug um 10 Uhr Leider war das Wetter sehr ungünstig; es regnete fortwährend und ein staiker Wind sauste durch den Wald; dennoch stieg der Fuß der Germania-Statue langsam, aber sicher und ohne den geringsten Unfall zu der schwindelerregenden Höhe empor. Schon um 2 Uhr Nach­mittags stand er fest auf der Plattform des Postaments. Die Arbeiter haben mit der größten Gewandtheit, Sicherheit und Pünktlichkeit die vorsichtigen und praktischen An­ordnungen ihres Meisters zur Ausführung gebracht. Das mit Kammrüdern versehene Hebewerk, die beiden Flaschcnzüge, die aus der Höhe des Gerüstes aus Eisenschtenen laufenden Rollwagen zum Schieben und die von Herrn Reutlinger gelieferten Seile haben sich vortrefflich bewährt. Herr v. Miller aus München, aus dessen Gießerei die prachtvolle Statue hervorgegangen, verfolgte den Aufzug mit gespanntester Aufmerk­samkeit. Zugegen waren ferner die Herren Professor Weißbach und Gießereibesitzer Bierling aus Dresden. Letzterer liefert bekanntlich zum Denkmal die Rhein- und Mosel­gruppe und den mittleren Thetl des Haupt-Reliefs.

Austern auf Bäumen zu züchten, das ist eine Procedur, welcher gewiß selbst der an nichts N»ues unter der Sonne glaubende Rabbi Ben Akiba seine Hochachtung kaum versagen dürfte. Die Priorität sowohl, als die praktische Verwirklichung dieses ingeniösen Einfalls gebührt natürlich dem Pankeethum:

Bei den amerikanischen Feinschmeckern genießt die dem Poquonok Rioer ent­stammende Auster desselben Rufes wie die Whitestables in London und Hamburg; schade nur, daß die natürlichen Produktionsbedtngungen so wenig günstige waren, daß die Nachfrage das Angebot stets um das Drei- und Vierfache überstieg. Der Poquo­nok River ein breiter Arm des Sundes von Long Island ist nämlich dermaßen verschlickt, daß sein Bett nur ganz kurze schlammfreie Strecken ausweist, wo die Austern den zur Bildung von Bänken erforderlichen schlammfreien Grund fanden. Da kam vor etwa vier Jahren ein spekulativer Pankee auf die Idee, die Nachthelle der durch Ebbe und Fluth bewirkten Verschlammung für die Austernzuchi' auszugleichen, indem er Massen von kräftigen Birkenstämmen mit voller Zweigkrone in das Flußbett versenkte, Io daß nur ihre Spitzen bei Ttefebbe über den Wasserspiegel sichtbar waren. Die Spekulation bewährte sich bestens, Milliarden von Austernbrut siedelte sich zwischen dem Gewirr der Zweige, Aeste und Stämme an und ihr günstiges Wachsthum versprach rnnerhalb der normalen Frist eine erstaunliche Ernte. Dos Beispiel des Erfinders sand bei den sämmtlichen Flußanwohnern Nachahmung und binnen Kurzem glich der Poquo­nok River einer Ansiedelung von Pfahldauern. Nun fügte es aber die Tücke des Schicksals, daß <n der Nachbarschaft des Flusses unter den Kindern eine bösartige Scharlach- und Diphtheritis-Epidemie ousbroch und daß die Behörde auf den Einfall gerieth, am Ende möchte die Verfilzung des Wasserlaufes durch die unzähligen Birken- stämme an dem Ausbruch der Seuche schuld seien. Kurz, auf obrigkeitllche Anordnung mußte die ganze Anlage brevi manu beseitigt werden, wodurch natürlich die ganze lmmense Austernernte und die daran geknüpfte Hoffnung auf glänzenden Gewinn zu Grunde ging. Die geschädigten Besitzer haben in Folge dessen einen Proc<ß gegen die Lokalbehörde angestrengt, der, nach Lage des Thatbestandes, sowohl unter dem juristischen als dem sanitären Gesichtspunkte interessant zu werden verspricht.

sEin Priester getheert und gefebert] Im Städtchen Franklin in Penn- sylvanien prügelte vor Kurzem der deutsche Methodistenprediger August Blyute feine zehnjährige Tochter wegen einer geringfügigen Ursache in der grausamsten Weise, worüber seine Gemeindemitglieder dermaßen in Unwillen geriethen, daß sie den unmensch­lichen Vater in eine Scheune zerrten, ihn auszogen und ihn der bekannten Procedur des Theerens und Federns unterzogen. Darauf wiesen sie ihn aus der Stadt und bedeuteten ihm, sich nicht sobald wieder blicken zu lassen.

Der Director einer Münchener Brauerei sagt:Es ist nicht genug, gutes Bier in die Welt zu schicken, man sollte auch jedem W'.rth und Trinker die Behandlung lehren! Neun Zehntel der Wirthe verstehen nicht etnzuschenken und neun Zehntel der Trinker verstehen nicht zu trinken ! Dem Biere muß seine Kohlensäure erhalten werden bis zum Munde des Trinkers. Durch die Kohlensäure nur bekommt uns das Bier gut. Wird sie durch verkehrtes Verfahren dem Biere entzogen, so hat cs einen widrigen faden Geschmack und liegt wie Blei im Magen, macht Kopfschmerzen und allerlei Uebelbefinden. Durch mehrmaliges Umgießen verflüchtigt sich auch die Kohlensäure, desgleichen auch durch Erwärmung. 1) Also Bedingung ist: Berührung des Bieres mit der Lust und Erwärmung zu vermeiden soviel als möglich; 2) das Bterglas muß dickt unter dem Hahne gehalten werden. Verkehrt ist aber: Das E'nschenken unterm Hahne und Aus- und Niederfahren des Glases oder gar Luft nnzuspritzen, wodurch die Kohlensäure geradezu gemordet wird; durch dergleichen Verfahren kann Schlimmeres und Thönckteres dem Biere nicht angethan werden. Die meisten Trinker, die kein Verständniß halun, wollen aber viel Schaum sehen. Wirth und Trinker sagen bet viel Sckaum:Das ist ein Bier!" Der Verständige sagt aber :Das ist kein Bier!"

Handel und Ber-ehr.

Gießen, den 21. Juli. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund <X 1.101.25, Hühnereier per Stück 56 Käse Stück 59 H, Käsematte 3 Erbsen per Liter 20 H, Linsen 28 H, Tauben per Paar 6580 Hühner per Stück 0.901.30, Hahnen per Stück «X 0.501.10, Enten pr- St. -A 1.401.70,

Ochsenfleisch per Pfund 70 Kuh- und Rindfleisch 5660 Kalbfleisch 45 bis 50 A, Schweinefleisch 6064 Hammelfleisch 6270 H, Kartoffeln per 100 Kilo «A 911.00, Kirschen per Psd. 611 H, Milch per Liter 1318 Gänse pr. St. 0 JL

Zwiebeln per Ctr. 8

AraMfurt a. M., 21. Juli, Nachmittags 2 Uhr Min. (Telegraphischer Coursdericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactien 250V2, Staatsbahnactien 277'/4, Galizier 251, Lombarden 134%, Rord- westbahnactien 172%, Gotthardbahnactien 113, Darmstadter - Baukactien 154%, Disconto Commandit 1951/4, Oefterr. Silberrente 67%%, 4% Ungar. Goldrente 75%, 40/0 1880er Russen 727/8, 5% 1877r Russen 92%, 2. Orient-Anleihe 57%, 4% Spanier 633/ie, 0% Rumänische Rente 93%, 4% Unific. Egypter 72%, 5% Türken 11%, Marienburger, Hess. Ludwigsbahnact. 10713/iß. Tendenz: still.

Witterungskunde.*)

22. Juli. Sonntag. Morgens schön, Mittags und Nachmittags zerstreut wolkig und gewitterhaft veränderlich mit Aufhellung kurze Zett Nachmittags, Abends besser bis schön.

23. Juli. Montag. Morgens dunstig mit Neigung zur Aufheiterung, Vormittags zerstreut wolkig, Nachmittags kurze Zeit besser, Dann wieder zunehmend wolkig und etwas windig, Abends aufgebellt, Nachts Niederschläge; nach Osten zu strichweise früh­morgens und einige Zeit Nachmittags klarer, sonnig, überhaupt länger dauernde Aufhellungsperioden frühmorgens bis spätnachmittags. Im Allgemeinen sommerlich schön.

*) Aus vr. L. Overzter's Wetter-Prognose für den Monat Juli, abgeschlossen am 15. Juni (Verlag der M. Lengfeld'schen Buchhandlung in Köln, Preis 1 J4). Nachdruck verboten.

Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen.

Aufgebote.

Juli. 17. Schreiner Heinrich Sauer mit Wilhelmine Löffert zu Gießen. 19. Metzger Heinrich Karl Martin Schmall mit Wilhelmine Hofmann, geb. Selig, Wittwe des Metzgermeisters Konrad Hofmann zu Gießen.

Eheschließungen.

Juli. 14 Dfi'nstmann Karl Heil, Wittwer, mit Anna Elise Fuchs, Tochter des verstorbenen Ackermanns Konrad Fuchs zu Gießen. 20. Kutscher Johann Georg Simon mit Margarethe Keller, Tochter des Derftorbeneu Maurers Ferdinand Keller zu Gießen.

Geborene.

Juli. 11. Dem Kretsbauaufseher Heinrich Eichler eine Tochter, Emilie Fanny 12. Ein Sohn von auswärts. 14- Dem Schuhmacher Karl Käs ein Sohn. 14. Dem Taglöhner Ludwig Mandler eine Tochter. 15. Dem Kutscher Jacob Ferber ein Sohn, Jacob. 15. Dem Bierbrauereibesitzer Johann Förtsch ein Sohn. 16. Dem Gymnasial­lehrer Nathan Levy ein Sohn, Joseph. 20. Dem Fuhrmann Heinrich Münker eine Tochter, Luise Katharine.

Gestorbene.

Juli. 13. Wilhelm, 9 Jahre alt, Sohn des Kaufmanns Anton Fangmann. 14. Karoline, 3 Jahre alt, Tochter des Schuhmachers Johann Karl Kühl. 14. Emma Hanstein, geb. Kratz, 25 Jahre alt, Ehefrau des Kaufmanns Friedrich Hanstein. 15. Christine Zimmermann, geb. Plank, 76 Jahre alt, Wittwe des Metzgermetsters Philipp Zimmermann. 16. Margarethe Ferber, geb. Roth, 46 Jahre alt, Ehefrau des EisenbahnarbetterS Georg Ferber. 16. Maurer Ludwig Daubertshauser, 37 Jahre alt, von Krofdorf. 17. Kaufmann Franz Emil Pimper, 67 Jahre alt. 18. Marte, 5 Monate alt, Tochter des öerftorbemn Taglöhners Friedrich Volk. 19. Ein Sohn von auswärts, Heinrich, 8 Monate alt. 19. Dem Bureaugehilfen Christian Petri IV. ein Sohn, 18 Tage alt. 19. Ackermann Johann Philipp Löber, 73 Jahre alt, von Rodheim a. d. Bieber. 19. Geheimerath August Völker, 82 Jahre alt.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Den 14. Juli. Karl Heil, Dtenstmann zu Gießen und Anna Elise Fuchs, Tochter des verstorbenen Ackermanns Konrad Fuchs von Weickartshain.

Getaufte.

Den 15- Juli. Dem Dachdecker Emil Noll ein Sohn, Friedrich Georg Ludwig, geboren den 27. Mai.

Denselben- Dem Schreiner Karl Seybtcke ein Sohn, Gustav Ernst Wilhelm, geboren den 18. März.

Denselben. Dem Schreiner Ludwig Rohrbach eine Tochter, Elise Philtpptne Marie, geboren den 4. Mai.

Denselben. Dem Postschaffner Wilhelm Heinrich Veite ein Sohn, Karl Wilhelm, geboren den 15. Juni.

Denselben. Dem Maschinenschlosser Franz Josef Mäder eine Tochter, Henriette Auguste, geboren 14 Juni.

Denselben. Dem Bahnarbeiter Fritz Büchner eine Tochter, Anna, geboren den 6- Juni.

Denselben. Dem Schlosser Georg Lampus ein Sohn, Georg, geboren den 3. Juni.

Denselben- Dem Stuhlmacher Philipp Henkel ein Sohn, Wilhelm Julius Johunnes, geboren den 18. Mai.

Den 16. Juli. Dem Bureaugehilfen Christian Petri ein Sohn, Ludwig Heinrich, geboren den 1. Juli.

Den 19. Juli. Dem Kaufmann Friedrich Hanstein eine Tochter, Pauline Marie Emilie Henriette Bertha, geboren den 3. Juli.

Denselben. Dem Wirth Johann Thoma eine Tochter, Hermine Christine Emilie, geboren den 20. Juni.

Beerdigte.

Den 16. Juli. Emma Hanstein, geb. Kratz, Ehefrau des Kaufmanns Friedrich Hanstein, all 25 Jahre, starb den 14. Juli.

Den 17. Juli. Margarethe Ferber, geb. Roth, Ehefrau des Bahnarbeiters Georg Ferber, alt 46 Jahre, starb den 16. Juli.

Denselben. Christine Zimmermann, geb. Plank, Wittwe des Metzgermeisters Philipp Zimmermann, alt 76 Jahre, starb den 15. Juli.

Den 18. Juli. Franz Emil Pimper, Kaufmann, ein Wittwer, alt 67 Jahre, starb den 17. Juli.

Wafserwärme der Lahn.

Am 21. Juli, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: + 13%° R-, Luftwärme + 16° R L. Chr. Rübsamcn.

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