Entfernung von 400 bis auf 180 Meter von dem Manne mit Schilde 55, von dem ohne Schilde 67 Schüsse abgegeben worden, beide mit gle'cher Treffwirkung. Auf 150 Meter wurde hierauf der Schild mittelst Hinterlader beschossen und erwies sich dabet als widerstandsfähig. Dus genannte Blatt bemerkt dazu: Am 21. December 1870 vor Paris, bet dem Ausfall von Le Bourget, sollen die Franzosen ähnliche Schilde mit sich geführt haben, wo dieselben von wesentlichem Nutzen gewesen sein sollen. Bei der jetzigen Belastung des Infanteristen erscheint jedoch eine Mehrbelastung nicht durchführbar, um so weniger, da bet der Ausbildung der Fußlruppen ein wesentlicher Werth auf findiges Suchen und Etnnehmen von Deckung gelegt wird, und jeder gut ausgebildete Infanterist die leiseste Bodenerhebung sich zu Nutze zu machen versteht. Nur wenn es sich im Kampfe um befestigte Positionen handelt, dürfte vielleicht ein praktisch construtrter Schild nicht ohne wesentlichen Nutzen sein. Auch in Belgien hat man sich schon früher mit derfilben Frage beschäftigt.
Von der Fulda, 17. April. Ein prächtiger elf Pfund schwerer Auerhahn wurde gestern morgen in aller Frühe vom Herrn Amtsrichter Koch aus Sontra in der Berlep'schen Waldung bei Rothenburg geschossen
— [@tn Millionärs-Ball.j Von dem großen Maskenfeft, welches Frau William K- Vanderdilt am zweiten Osterfetertage in ihrem Palais in der fünften Avenue in Newyork veranstaltete, berichten die Zeitungen ganz fabelhafte Dinge. Sogar die „©dfroere* der dort versammelten Personen ist genau taxirt worden. Die Vanderbilt's allein, welche, das Haupt der Familie, Will'am H an der Spitze, sämmtl'ch zugegen waren, wurden bet dieser Schätzung auf 250 M llionen taxirt; die ebenso vollzählig erschienenen Astor's auf 200; Rüssel Sage, der größte Pfandleiher, wenn auch nicht von Harlem, so doch von Wallstreet, auf 50; George Pullmann, der m«t seinen Schlafwagen offenbar noch besser gefahren ist, als das ganze amerikanische Publ kum, auf 15; Cyrus W- Field, der Hochbahn-Mann, den man eben in Albany durch den mißlungenen Versuch, den Fahrpreis seiner Bahnen auf 5 Cents herabzusetzen, so schändlich hat berauben wollen, auf 10; Sidney Dillon von der Union Pac'ficbahn gleichfalls auf 10; etwa 1 Dutzend auf 5 und den Rest zusammen auf 200 M lltonen. Danach wären etwa 800 Millionen unter dem gastlichen Dach der Frau Vanderb'lt — immer noch geborene Smith — versammelt gewesen, was Wunder, daß der vorsorgliche Wirth eine ganze Schwadron von Polizisten entboten hatte, welche während des Abends sein in eine complete M llionärs-Menagerie verwandeltes Haus von Außen hüteten. Für das Innere hatten sechs Detecitvs genügt. Wenigstens gab die „Sun" am Schluß ihres spaltenlangen Berichts vom nächsten Morgen ausdrücklich diese bescheidene Zahl an und hat somit auch die Verantwv'tung dafür zu tragen. Ebenso für den folgenden Nachsatz, mit welchem ihr sonst, namentlich im Punkt alles Schnetderischen und Putz- machenschen, bewunderungswürdig ausgearbeiteter Bericht überhaupt schließt. „Diese Detcctios waren auf dem Anstande nach verdächtigen Charakteren, — aber sie fanden keine " Soll dieses ausdrückliche „aber sie fanden keine" ein Compl'ment für die Gesellschaft oder für die bewährte Findigkeit b-r Newyorker Polizei sein?
— sWo ist das Brautpaar?^ Krin Vexirsptel, sondern die Pointe einer wahrhaftigen Begebenheit, die sich in allerjüngster Zelt in Berlin W. — im Potsdamer Viertel — zutrug. Der Sachverhalt ist folgender: Der Bräutigam, wahrscheinlich ein ungewöhnlich selbstständiger Character, erachtete es als sein gutes Recht, daß das Hochzeitsmahl in feiner neu eingerichteten Wohnung eingenommen werde. Die
Schwiegermutter zählte es zu den von Alters her verbrieften Schwiegermütterrechtev, daß die Hochzeit in ihrem Hause ausgerichtet werde. Darob große Auseinandersetzung, die aber bet der Hartnäckigkeit der feindlichen Parteien zu feiner Einigung führte. Schließlich kam es so weit, daß die Schwiegermutter ihre, der Bräutigam seine Verwandte als Gäste in die Schwiegermutter-, bezw. in bie Bräutigamswohnung luden. Die Gäste folgten den bezüglichen Etlabungen; beide Parteien hielten die Anwesenheit des Brautpaares als etwas Selbstverständliches. Die kirchliche Trauung war vorüber, das Brautpaar fuhr nach seiner neuen Wohnung; in der der Schwiegermutter wurde es natürlich mit Bestimmtheit erwartet Die Gäste harrten hier wie dort, die Schüsseln dampften dort und hier. Die Mutter hält ihre Gäste mit zuckersüßen Trostworten hin: die lieben Kinder hätten sich so vieles zu erzählen und mancherlei sei zu arraNgiren und sie würden sicher gleich kommen. Auch die in der Wohnung des Bräutigams versammelten Gäste trösteten sich mit ähnlichen G'ünden: das Brautpaar müsse doch erst bei der Schwiegermutter vorsprech.n und würde bald zum Vorschein kommen. Als aber die Zeiger der Uhr immer weiter vorrückten, die Gesichter länger wurden, setzten sich schließlich beide Hochzeitsgesellschaften ohne die Neuvermählten zu Tische. Jede Partei glaubte natürlich, das Brautpaar sei bei Der andern und hielt sich für zurückgesitzt. Die beiderseitige Mißstimmung löste sich jedoch in allgemeine Heiterkeit auf, als es sich herausstellte, daß das Brautpaar — bet keiner Partei dinirte, sondern es vorgezogen hatte, unmittelbar nach der kirchlichen Trauung sich auf die Hochzeitsreise zu begeben.
Rom, 14. April. Plakate an den Straßenecken kündigen an, daß die Nichte des Papstes P us IX., Gräfin Mastai-Ferrett, in ihrem Palaste die von ihrem verstorbenen Oheim hinterlassenen Kostbarkeiten und Kleinodien öffentlich versteigern lassen werde. Unter diesen Kleinodien befinden sich auch viele Kreuze, Tabaksdosen und Uhren, die Pius IX. von Souveränen oder fürstlichen Persönlichkeiten zum Geschenk erhalten hat, auch einige Paar kostbare Pantoffeln u. dgl.
Pefth, 16. April. In der T'sza-Eszlarer Affaire wurde die Anklage ber Oben ftaatsanwaltschaft genern dem Gerichtshöfe in Nyiregyhaza zugesendet. Der Antrag erstreckt sich auf 14 Personen, von denen 4, und zwar der jetzige Schächter von Tisza- Eszlar, Salomon Schwarz, der Jbranyer Lehrer Abraham Buchsbaum, ber Ubvarer Schächter Leopold Braun und bei Bettler Hermann Wollner, der unmittelbaren Thäter- schaft des Mordes an Esther Solymossy angeklagt sind. Bei allen Vieren wird die voraus gefaßte Absicht, einen Mo« d zu begehen, als erwiesen angenommen. Als Theil- nehmer am Morde erscheinen angeklagt Joseph Scharf, Adolph Jünger, Abraham Braun alias Brenner, Samuel Lustig und Lazar Weinstein. Des Verbrechens ber Vorschubleistung du'ch Leichenschmuggel in dieser Angelegenheit sinb angeklagt Amsel Vogl, Junkel Smilovits, David Herschko, Martin Groß und Ignaz Klein. In ber Anklage wirb dieVorlabung von nahezu 200Personen als Zeugen zur Schlußverhandlung beantragt.
** Die häufigen Klagen über die Erfolglosigkeit einer Annonce unb bas bafür weggeworfene Gelb würden verstummen, wenn man von Haasenftein & Vogler in Frankfurt (Main) über die Form, den Inhalt und die geeigneten Zeitungen zuvor fachmännischen Rath einholen möchte. 962
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