Landltgtsten, welche durch die Eröffnungen verschiedener Angeber schon bloSgestellt sind, so zu vervollständigen, daß sie wirkungsvoll belangt werden können. Tynan versorgte die Unbesieglichen mit Geld; er selbst war arm, woher bezog er dieses Geld? Zn London wohnte er nicht wett von Frank Byrne, dem Secretär der Nationalliga, dessen Auslieferung jüngst die französische Regierung abschlug, auch ward er häufig in dessen Hause gesehen. Augenblicklich aber stehen beide Häuser leer, Niemand weiß, wo die Insassen geblieben sind. Das 13. Middlesex Fretwtlltgen-Regtment, welchem Tynan zur Zett angehörte und welches eines der flottesten Regimenter ist, will ihn von seiner Liste stretchen, sobald Carey's Beschuldigungen sich bewahrheiten Tynan schloß sich demselben vor ungefähr einem Jahre an, war ein vortrefflicher Rekrut, ein guter Kamerad, dem das Geld nie ausgtng, und erhielt auch bald einen Preis aus den Händen der Herzogin von Westminster, deren Familiennamen das Regiment (The Queen’s Westminster Rifle Volunteers) trägt. Da er kaum über Politik sprach und sich für einen zwar in Dublin auferzogenen, aber in Deutschland geborenen Iren ausgab, erregte er niemals den geringsten Verdacht. Nach dem aber, was wir jetzt von ihm wiffen, benutzte er seine Uniform nur dazu, um ungestört eine Flinte in der Oeffent- lichkett herumzutragen und deren so viele, als ihm beliebte, nach und nach aufzuspeichern. Die Verbündung der Landliga mit den Geheimbünden des Südens und Westens von Irland ist jetzt erwiesen. Ein Mitglied derselben, Tubrtdge, gab darüber in Ennis vor dem Magistrat einen ausführlichen Bericht, der die Ergebnisse der Untersuchungen bestätigt, welche die Polizei seit langem dort hat anftellen lassen.
Dublin, 18. April. Nachdem die Geschworenen ihr Verdict gegen Carley abgegeben hatten, hielt dieser eine lange Rede, in welcher er gegen die Ausführungen des Richters den Geschworenen gegenüber protestirte und sie als ungerecht und parteiisch bezeichnete. Er gab zu, Fenier und Mitglied der Unüberwindlichen zu sein, leugnete aber seine Mitschuld an dem Morde im Phönixparke.
Außlavd.
Petersburg, 18. April. In Kataw -Jwanowskoi (Kreisbezirk Ufa) ist gestern eine Feuersbrunst ausgebrochen, durch welche die Telegraphen-Station, die Poststation, gegen 500 Privathäuser und ein Theil des Hüttenwerkes des Fürsten Belosselsky eingeäschert wurden und große Vorräthe an Kohlen und Brennholz verbrannten. — Nachrichten aus Centralasien zufolge wird daselbst rujsischerjeits Die Anlage von Baumwollenpflanzungen vorbereitet, von denen man sich einen günstigen Erfolg verspricht. — Wie aus BybinSk gemeldet wird, hat der Eisgang Der Wolga im ganzen Laufe derselbe begonnen.
Warschau, 18. April. Die Studenten-Unruhen setzten sich heute sort. Heber 200 Relegirte, denen Der Eingang in das Universitäts-Gebäude verwehrt wurde, bildeten den ganzen Tag über Zusammenrottungen und zerstreuten sich erst gegen Abend, als die Polizei, Gensd'armerie und Kavallerie-Abtheilungen Die Krakauer Vorstadt und die umliegenden Straßen besetzten.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Correspondenz-Brrreau.
Berlin, 19. April. Reichstag. Ein Schreiben des Reichskanzlers, betreffend die Verfolgung Vollmar's auf Grund der §§ 126 und 128 des Strafgesetzbuchs und des § 28 des Socialistengesetzes geht an Die Gefchäftskommifsion. Der Präsident widmet dem verstorbenen Großherzog von Mecklenburg-Schwerin einen warmen Nachruf und sprach das Mitgefühl des Reichstags aus, insofern das Kaiserhaus durch diesen Verlust mitbetroffen sei. Etngegangen ist der Etatsentwurf 1884/85. Bei der zweiten Berathung des Krankenkassengesetzes beklagt Richter den Ausschluß der ländlichen Arbeiter von den Krankenkassen und plaidirt für einen beschränkten Staatszwang gegen die Arbeiter, aber nur durch Ortsftatut. Er acceptire die Ziele der kaiserlich?^. Botschaft vom 17. November 1881, die gegenwärtige Vorlage aber schlage nicht den richtigen Weg em. Er schlug vor, nach der zweiten Berathung des Krankenkaffengesetzes die Hauptgedanken für das Unfallversicherungsgesetz im Pleum zu erörtern, um der Commission eine Direktive für die neue Bearbeitung zu geben. Minister o. Puttkamcr solle für Preußen die Verwaltungsgesctze zurückstellen. Bundescommiffar Scholz erwidert, Puttkamer werde wegen des Zusammcntagens von Reichstag und Landtag die Verwaltungsgefetze nicht zurückstellen. Hertlrng befürworte die Vo'lage und begründete den Antrag, die landwuthschastlichen A> beiter in die Krankenkassen miteinzuziehen. Buhl und d. Wedell-Malchow sprachen für Die Commffsionsiaffung.
Fortsetzung morgen.
— Abgeordnetenhaus. Bei der fortgesetzten Berathung über die Sekundärbahm Vorlage wurde die Posilion für die Erweiterung des Bahnhofs Steglitz abgelehnt. Mtnisler Maybach hatte auf die Nothwendigkeit der Erweiterung zur Beseitigung der Gefahren hingewiesen und betont, er werde eventuell die nötigen Anordnungen auf ^'"<5>?^rantwortung hin treffen. Büchtemann und Tiedemann bestritten das Recht des Minlfters, gegen das Votum des Hauses einseitig Anordnungen zu treffen. Die Position für die Erweiterung des Bahndofs Wildpark wurde genehmigt. In der entstandenen Gesckäftsordnungsdebatte verwahrte der Minister des Innern die Regierung gegen den Vorwurf Rlchler's. daß sie die in der Botschaft des Kaisers dargelegten Absichten nur bedingungsweise unterstützen wolle, die Regierung mache die Unterstützung welche ihre vornehmste Aufgabe sei, von keiner Bedingung abhängig
Fortsetzung morgen.
ri . - " öff-ntl'cht bje cinftmeitige Versetzung in den Ruhe
stand des Direktors der Kaiserlichen Tabakmanusaktur in Straßburg Roller.
. - Di- »Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet, baß das Staatsministerium
beschlossen hab.-, die Austo,ung der Berliner Stadtverordneten - Versammlung lum 1- Januar 1884 herbeizusühren, es sei nicht zu zwetseln, daß der Beschluß die Königlich- Sanktion erhalten werde. 0
— Generallieutenam v. Verdy ist zum Commandeur der 1. Division sKönias- berg) ernannt. v b
, — Die „Provinzialkorrespondenz" sagt bei der Besprechung der Reichstaas-Ver-
handlungen über die Gewerbeordnung, der Antrag Baumbach, welcher das bestehende Recht des Bundesrathes und des Reichskanzlers zur zeitweiligen Ausschließung einzelner Gegenstände zum Hausirhandel beschränken und die Geltung der Anordnungen von der Zustimmung des Reichstages abhängig machen wolle, stelle sick als em sachlich unbegründeter Versuch dar zur Erweiterung der Machtsphäre dcs Reichstages Den Bundesregierungen liege nichts ferner als die ihnen von der Opposition zugeschriebene Absicht, emen künstlichen Conflict herbeizusühren und unbedeutenden Vorkommnissen princip-elle Bedeutung beizumessen. Bei der regelmäßigen Wiederkehr von Voikornm- niffen, wobei es sich um Erweiterung der parlamentarischen Machtsphäre bandle stelle sich aber eine principielle Bedeutung schließlich von selbst ein. '
,, London, 19. April. Die bei der Dynamstaffatre Verhafteten, Wilson Dalton Curtin, Ausburgh, Thomas und Bernard Gallagher, erschienen heute mit dem von Birmingham hierher transportirten Whitehead vor dem Polizeigencht in Bowstreet Der Verhaftete Norman ist Angeber geworden. Der Staatsprokurator legte die Gründe für die Anklageerhebung dar und erklärte, die Verhafteten würden des Hock' und Landesverraths angeschuldigt. yoa? unD
™ — 3Lm P^oceß gegen die des Hochoerraths Angeklagten bezeugt der Angeber
Norman: Das Dynamit-Complott sei durch die Brüderschaft der Fmier in Newnork gebildet, deren Mitglieder Thomas Gallagher und er gewesen. Gallagher habe eine herrschende Stellung in der Brüderschaft eingenommen. O'Donovan Rossa habe eine Zeitlang den Berathungen beigewohnt. Gallagher beorderte ihn (Norman) nach London zu kommen und gab ihm das nöthige Geld. In London angekomme'n, gab Gallagher ihm Instruktionen und sandte ihn nach Birmingham, von wo er nack kann?"zu h"m ^troglycerinschachtel zurückkehrte, ohne den Inhalt der Schachtel ge- s ^verpool. 19 .April' Der des Phönixpark-Mordes imtbeschnldiate m Beglertung von irischen Polizisten nach Dublin gebracht. Die Polizeibehörden versichern, Kingston habe zu den Führern der Nnüberwind-
lichen gehört und an mehreren Verschwörungen gegen den früheren irischen Staatssecretär Forster theilgenommen.
Dublin, 19. April. Heute begann der Proceß gegen Thimothy Kelly, den dritten Angeklagten wegen des Phönixpark-Mordes.
Antwerpen, 19. April. Unter Den Hafenarbeitern herrscht seit einigen Tagen große Aufregung wegen Aufstellung von Getre'delevatoren. Der Stadtrath wieS gestern das Concessionsgesuch der betreffenden Gesellschaft um Aufstellung und Benutzung solcher Elevatoren zurück Während der Debatten darüber oersamm lte sich ein drohender Volkshaufen und warf die Fensterscheiben des Rathhauses ein. Mehrere Personen wurden verletzt und fanden viele Verhaftungen statt.
Lokales.
Gietzen, 20. April. Ihre Majestät die Kaiserin von Deutschland passirte gestern Abend 7i/2 Uhr mittelst Extrazugs die Station Gießen.
— Prinz Heinrich von Hessen Großh. Hoheit, traf zur Compagniebesichtigung heute Morgen hier ein und hat Absteigequartier im„Einhocn" genommen. Hochoerselbe wird heute Abend 8 Uhr nach Schwerin reifen-
Gießen, 20. April. Der zweite Frühlingsbote in der gefieberten Welt, der Kuckuck, t)t etngetroffen. Arn 18. ds. ließ er feinen munteren Ruf im Walde am Bergwerk ertönen. Möge er uns nach dem langen traurigen Winter einen wonnigen Frühling verkünden.
DerMischteS.
Mainz, 16. April. Der Verbandsausschuß der Hessischen landwirthschaftlichen Consumoereine hielt gestern hier im Hotel „Zum holländischen Hof" seine Frühjahrsversammlung ab. Der Präsident berichtete Über die Conferenz in Berlin, welcher er beiwohnte und die den Zweck hatte, die veischiedenen Verbände des Genossenschaftswesens in Deutf chland einander näher zu bringen. Bel Der landw. Ausstellung, im Juli d. I., in Hamburg hofft man die Vereinigung zu Stande zu bringen. Der hessische Verband wird zwei Delegirte dorthin senden. Punkt 2 der Tagesordnung wurde dahrn erledigt, daß ein ständiger Verbandsrev'sor, zugleich Wanderlehrer und Berather der Vereine, angestellt werde. Aus dem weiteren Programm interefftrt größere Kreise noch Nr. 5, Unterstützung der Wasserbeschädigten. Das Centralbureau hat die Saatfrüchte für die Wasserbeschädigten besorgt, es war eine Riesenarbeit, besonders die Aufstellung der Bedarfsliften. Das Bureau hat Tag und Nacht gearbeitet und seine Aufgabe gut gelöst. Das Ministerium hat sich deshalb jetzt wieder an das Central-Bureau gewandt, um für einige Vogelsberger Orte Saatfrüchte und Setzkartoffeln zu b.schaffen. Außerdem besitzt das Centralbureau noch 4450 Ji., welche von dem Verbandsausschuß an Wasserbeschädigte vertheilt werden können. Der Ausschuß Überträgt Die Verthellung an die Specialcommission für die Wasserbeschädigten.
Berlin, 17. April. Einsturz des Stadttheaters. Eine entsetzliche Katastrophe, bei der zwei Menschen sofort getöbtet und fünf lebensgefährlich verletzt wurden, ereignete sich gestern Abend m der achten Stunde beim Abbruch des Stadttheaters in der Lindenstraße. Die Abbruchsarbeiten waren den Baumeistern Stiebitz und Köppchen in Moabit in Pansch und Bogen übergeben worden und hatten diese ihrerseits den Maurerpolier Oito mit Der Ausführung dieser Abbrucktzaibeiten betraut. Unter Aufsicht des rc Otto waren heute Abend gegen einhalb acht Uhr, also nach Feierabend, mehrere Arbeiter damit beschäftigt, einen Der nock stehengebftebenen g'oßen Mauerpfeiler um- zureißen und waren zu diesem Zweck in Höhe von 2Vr Meter mehrere Winden angebracht, die nach der Berechnung des Otto den Pfeiler auf das Gewölbe werfen sollten. Statt dessen drehte sich der Pfeiler plötzlich um nur ca. 25 (Zentimeter und fiel so statt auf das Gewölbe auf das zum Halten dec Seitenmauern aufgeschlagme Sprengwerk. Die weitere Folge war, daß das ganze Sprengwerk mit einer furchtbaren Detonation zusammenbrach, während auch die Mauern in Folge der Erschütterung ins Schwanken geriethen und unter Aufwirbelung einer mächtigen Staubwolke krachend zusammenstürzten, sieben Arbeiter, die sich auf der Mauer resp. neben derselben befanden, unter dem Schult begrabend. Obwohl sofort aus Der nebenan beiegenen Hauptwache unserer Feuerwehr ausreichendste Hülfe vorhanden war, so gelang es doch erst nach einiger Zeit, die Verunglückten nach und nach unter dem Schutt hei vorzuziehen. Zwei von ihnen, die Arbeiter Lchmann und Lewandowski, waren sofort tobt, während die fünf Anderen so schwere innere und äußere Verletzungen baüongetragen, daß sie sofort in ein Krankenhaus geschafft werden mußten. Der Platz wurde sofort polizeilich abgesperrt und Vorkehrungen getroffen um weitere Nachstürze zu verhindern. Die Aufregung in d r dortigen Gegend war eine ungeheure. Hunderte von Neugierigen umstanden bis spät in die Nacht die Unglücksst-lle. Besonders aufregend war der Moment, als eine der Frauen ihren Mann abholen wollte und dort erfuhr, daß derselbe tobt fei. Ohnmächtig sank die Aermste zur Erde und mußte sofort nach dem nächsten Polizeirevier getragen werden. Die Tobten hintei lassen beide Fraurn und mehrere Kinder in größter Hülfsbedürft gfeft. Eine Untersuchung in Betreff der Katastrophe ist sofort eingeleitet worden
London, 17. April. Die große Buchhandlung von Kegan, Paul, Treuch u. Co. in Paternoster Square wurde mitsammt einer Reihe von anderen Häusern in der vergangenen Nacht vom Feuer zerstört. Der Gesammtschaden wird auf mehrere hunderttausend Pfund geschätzt, von denen an 90,000 L- auf die ob ge Verlagsbuchhandlung (welche u. a. die Zeitschrift „N'net-enth Century" herausgibt) fallen. Das Feuer begann in eineM- benachbarten Holzhause, sprang bann auf die Buchhandlung und von da auf ein Möbelgeschäft über, allenthalben brennbares Material antreffenb, so daß diese Gebäude in zwei Stunden in einen Trümmerhaufen verwandelt waren Von dem großen Gebäude der Buchhandlung blieb nur die Mauer stehen und auch diese mußte ihres Schwankens wegen niedergerissen werden. Von großem Vortheile zeigte sich eine soeben aus den Vereinigten Staaten eingeführte Feuerleiter. Die Firma Kegan, Paul, Treuch u. Co. zeigt übrigens an, daß sie ihr Geschäft in einigen Tagen in einer Seiten straße des Paternoster-Square fortfüb'en wird.
731) T-eber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition ~von «f? VOGLER in
Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt
Kirchliche Anzeigen der Stadt Gietzen.
Evangelische Gemeinde.
GottesdienK:
Sonntag den 22. April (Cantate).
Vormittags 9Vz Uhr: Prof. Dr. Gottschrck.
Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst, Pfarrer Dingeldey.
Am Sonntag, den 29. April, findet die Feier des heiligen Abendmahls, hauptsächlich für Angehörige der hiesigen Garnison, statt. Die Beichte wird Samstag zuvor, Nachmittags 2 Uhr, gehalten werden.
Die P f a r r g e s ch ä f t e in der Woche vom 22. bis 28. April besorgt Pfarrer Dingeldey.
Katholische Gemeinde.
4. Sonntag nach Ostern (Cantate).
Von 6 Uhr an: Beichte. 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion. V2IO Uhr: Hochamt und Predigt. 2 Uhr: Andacht.
Gottesdienst in der Synagoge.
Freitag Abend 630 Uhr, Samstag Morgen 7 Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, Samstag Abend 749 Uhr.
Ostern: Sonntag Morgen 8 Uhr, Sonntag Mittag 4 Uhr, Sonntag Abend 7<°, Montag Morgen 8 Uhr, Montag Mittag 4 Uhr, Montag Abend 740.


