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Erscheint täHlich mit Ausnahme des Montags.

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sächlich den Krieg gegen Anam eröffnet, indein er verschiedene feste Punkte auf anamitischem Gebiete mit französischen Truppen besetzte. Es ist einfach die alte Geschichte: Die Franzosen haben in der zu Anam gehörigen Provinz Tong- king mehrere Colonien angelegt und wollen nun einen geringfügigen Conflict mit dem Herrscher von Anam benutzen, um die ganze Provinz Tongking zu annec- tiren. Hiergegen hat aber China, was seinerseits Suceränitätsrechte auf Tongking besitzt, Widerspruch erhöbet! und eine kriegerische Verwickelung der französischen Regierung mit demhimmlischen Reiche der Mitte" erscheint des­halb nicht ausgeschlossen.

In England blickt man mit Spannung auf den Ausgang des Dubliner Mordprocesses. Derselbe hat für die des Doppelmordes im Phönixparke An­geklagten eine ernste Wendung genommen, seitdem sich der mitangeklagte Carey bereit gefunden hat, den Verräther an seinen Genossen zu machen. Carey's Aussagen sind für die Angeklagten höchst gravirend, er erklärte auch, daß die sog.Bande der Unüberwindlichen" 22 Male die Ermordung Forsteris, des früheren Staatssecretürs für Irland, geplant habe und gab auch Details von andern Plänen zur Ermordung verschiedener höherer Beamten an.

Die Verhandlungen der in Konstantinopel tagenden sog. Libanon-Confer enz wollen gar nicht recht vom Flecke rücken. Am vergangenen Montag sollte eine weitere Sitzung stattfinden, in welcher die Frage bezüglich der definitiven Neubesetzung des Gouverneurpostens des Libanons erledigt wer­den sollte. Aber weder der Vertreter Rußlands noch derjenige Englands hatten hierüber von ihren Regierungen Instructionen empfangen, so daß die Versamm­lung, ohne daß eine Discussion stattgefunden hätte, vertagt werden mußte. Von der türkisch-persischen Grenze kommt die unheimliche Kunde, daß im Grenz­orte Dschranera die Pest ausgebrochen ist. Die türkische Regierung hat unverzüg­lich die erforderlichen Vorsichtsmaßregeln ergriffen, so daß der ungebetene Gast den Grenzen Europas hoffentlich fern bleiben wird.

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Deutschland»

Darmstadt, 19. April. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 1 t. April den Pfandmeister bei der Obereinnehmerei Worms Georg Lauckharv auf sein Rachsuchen und unter Anerkennung seiner treu getesteten Dienste in den Ruhestand zu versetzen.

Berlin, 19. April. Die Nachrichten über das Befinden von Schulze- Delitzsch sind neuerdings solche, daß auf Genesung leider kaum mehr zu hoffen ist. Der Kräftezustand ist so gesunken, daß dem Ableben in den nächsten Tagen entgegenzusehen ist.

Politische Ueberfkcht.

Gießen, 20. April.

Der Reichskanzler Fürst Bismarck wurde am Dienstag vom Kaiser in längerer Audienz empfangen und dürfte sich dieselbe der Hauptsache nach wohl auf die für die nächste Zeit zu treffenden parlamentarischen Disposi­tionen bezogen haben.

Die dreitägige Pause, welche in den Verhandlungen des Reichstages aus deffen Sitzung vom Samstag folgte, hat Gelegenheit zu lebhaften Erörterungen über die kaiserliche Botschaft gegeben. Indessen scheint auch auf liberaler Seite die anfängliche Erregung, welche diese Kundgebung hier hervorgerufen hatte, einer sachlicheren und ruhigeren Beurtheilung dieses Ereignisses Platz gemacht zu haben, denn die Fortschritts-Fraktion und die liberale Vereinigung haben von der geplanten Beantwortung der Botschaft durch eine Adresse Abstand genommen, nachdem von der nationalliberalen Partei eine Betheiligung hieran abgelehnt worden war. Der Reichstag ist denn auch am Donnerstag sofort in die zweite Lesung des Krankenkassen-Gesetzes eingetreten, ohne erst seine ohnehin kostbare Zeit mit der Erörterung unnützer Fragen, wie die parlamentarische Behandlung der kaiserlichen Botschaft vergeudet zu haben. Was nun den in letzterer ausgedrückten Wunsch, auch den Etat pro 1884/85 alsbald zu berathen, anbelangt, so wird sich der Reichstag hierüber baldigst schlüssig zu machen haben, da der Vundesrath den Reichshaushalts-Etat pro 1884/85 in seiner Sitzung vom vergangenen Montag bereits genehmigt hat, und zwar sowohl sämmtliche Specialetats, als auch den Hauptetat.

Das preußische Abgeordnetenhaus ist in dieser Woche für den Rest seiner diesmaligen Session wieder zusammengetreten. Am letzten Montag beschäftigte sich das Haus mit den zahlreichen gegen die Vivisection eingelause- uen Petitionen und nahm nach einer im Allgemeinen sehr sachlich verlaufenden Debatte den Antrag des Abg. v. Minnigerode an, die Regierung zu veranlassen, daß sie die Frage der Unentbehrlichkeit der Vivisection und die Maßregeln gegen die Mißbräuche derselben in Erwägung ziehe. In der Dienstags-Sitzung geneh­migte das Haus den größten Theil der Secundärbahn-Vorlage, welche für die Erbauung einer größeren Anzahl neuer Secundärdahnen und zur Erweiterung des Fahrparkes einen Credit von ca. 97 Mill. JL. verlangt, fast durchweg nach Den Commissions-Anträgen, die sich überall mit den Wünschen der Regierung deckten. Der noch restirende Theil der Vorlage wurde auf die Tagesordnung der Sitzung vom 19. April gesetzt.

Die feierliche Beisetzung der Leiche des Großherzogs Friedrich Franz^II. wird am Samstag, den 21. April, in der Fürstengruft der Schwe­riner Domkirche stattfinden. Viele fremde Fürstlichkeiten haben sich zur Theil- nahme an den Trauerfeierlichkeiten bereits angemeldet; die deutsche Kaiserfamilie wird hierbei durch den Kronprinzen, das russische Kaiserhaus durch Großfürst Wladimir vertreten sein.

In Oesterreich wird gegenwärtig die allgemeine Aufmerksamkeit durch die Verhandlungen des Reichsrathes über die vielgenannte Novelle zum Volks­schulgesetz vollauf in Anspruch genommen. Die in der Novelle ausgesprochene Erniedrigung der Schulpflicht von 8 auf 6 Jahre und die Wiederherstellung des confessionellen Charakters der Volksschule ist durchaus nicht nach den Wün­schen eines großen TheileS der österreichischen Bevölkerung, aber die so geformte Novelle gehört nun einmal mit in das Regierungs-Programm des Grafen Taaffe, für deren Durchsetzung Graf Taaffe auch alles Menschenmögliche gethan hat. Am Dienstag ergriff der Unterrichtsminister Baron Conrad das Wort und betonte, daß die Schulnovelle keinen politischen Charakter habe und vom Standpunkte praktischer Wirksamkeit beurtheilt werden müsse. Der Mini­ster versuchte hierauf, die von den Gegnern der Novelle gemachten Einwendun­gen zu widerlegen und betonte schließlich unter dem lebhaften Beifalle der Rechten, daß der Inhalt der Novelle unleugbar im Interesse des Staates, der Bevöl­kerung, Familie und der Kirche liege. Namens der Tyroler Abgeordneten erklärte sodann der Abg. Giovanellft daß seine Lanvsleute für die Vorlage unter Vorbehalt einer weiteren Resolution der Majorität des Tyroler Land­tages stimmen würden, worauf zur Genugthuung der Regierung der Majoritäts- Antrag auf Schluß der Generaldebatte mit 153 gegen 143 Stimmen ange­nommen wurde. Es darf demnach mit Sicherheit vorausgesetzt werden, daß die Novelle, wenn auch nur mit wenigen Stimmen-Mehrheit, die Zustimmung des Abgeordnetenhauses finden wird.

Die französischen Kammern sind am Donnerstag nach Ablauf der diesmal ungewöhnlich langen Osterpause wieder zusammengetreten. Sie finden nach mehr als einer Richtung hin die Verhältnisse Frankreichs in ziemlich bedenk­licher Weise verwickelt vor. Was die innere Lage anbelangt, so herrscht im Cabinet Ferry durchaus nicht mehr dieselbe Einigkeit vor wie bei Beginn der parlamentarischen Ofteiferien und wie es scheint, ist die Affaire Thibaudin- Galliffet nur der Vorläufer weiterer Differenzen im französischen Ministerium gewesen, so daß sich auch die Gerüchte über den bevorstehenden Rücktritt des Kriegsministers Thibaudin und des Finanzministers Tirard auf der Tagesord­nung erhalten. Außerdem ist der große Arbeiterstrike in Marseille, wo 22,000 Arbeiter feiern, mcht unbedenklich, da Marseille neben Paris der Hauptsammel- punkt der revolutionären Elemente des Landes ist. Was die auswärtigen Ver­hältnisse des Landes anbelangt, so finden die Kammern Frankreich im Begriff, fich abermals in ein überseeisches Abenteuer zu stürzen. Der Commandant der französischen Escabre in den ostasiatischen Gewässern, Capitän Riviöre, hat that-

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Oesterreich.

Wien, 18. April. Gestern Abend sollte zu Ehren der Studenten Dasect und Bahr, nhlü)t wegen der bekannten Vorfälle auf dem Wagnercommers relegirt worden sind, eine von Pernersdoifer, dem bekannten Gesinnungsgenossen Schönerers, einbe­rufene geschlossene Festkneipe statlsiuden, welche, obgleich Reden auf dem Programm standen, nicht behördlich angemeldet war. Die Polizei erhrelt Kenntniß von der Sache; Der Comnussär Prttner erschien um 9 Uhr und untersagte die Abhaltung des Com- merses. Der Abg. Schönerer fuhr den Commtssär barsch an, warf ihm UeberschreUung seiner Amtsgewalt vor uno drohte, thn aus dem Saale entfernen zu lassen. Plttner ging, um nach einer halben Stunde mit 20 Wachleuten wieder zu erscheinen. Da Schönerer und die Studenten sich weigerten, den Saal zu verlaffen, löste die Poltzet den Eommers g waltsam aus und führte Schönerer aus dem Saal- Der Vorfall er­regt natürlich das größte Aufsehen und wird Veranlassung zu einer Interpellation im Retchsralh bilden- Diese lärmenden Kundgebungen, welche sich jetzt sehr oft wieder­holen, beweisen jedenfalls, daß es dem System des Grafen Taaffe gelungen ist, das deutsche Nationalgesühl in wetten Kreisen bis zu einem Fanatismus zu erhitzen, der feine Rücksichten mehr kennt- r , ..

Das Präsidium der Wiener Polizeidtrectton erklärte in einem Erlaß an die Commissariate Sammelbüchsen für den deutschen Schulveretn in Gasthäusern für un­statthaft und befahl deren Entfernung.

Schweiz.

Luzern, 19. April. Betreffs der heute in Berlin coursirenden Gerüchte über ein Effenbahn-Ungluck auf der Gotthardbahn theilt die Direction genannter Bahn mit, daß von einem Unglücke nirgends etwas bekannt sei, und bezetchnet die Gerüchte als Vörsenulanöver.

Aranstreich.

Marseille, 19. April. Der Strike ist beendigt. Heute arbeiteten wieder 2034 Arbeiter und morgen werden die meisten andern die Arbeit wieder au,- nehmen. Es ist auch die höchste Zeit. In Genna ist so viele Laa^ au ge­schifft worden, daß die Quais wie hier überfüllt sind und weil nicht genug Waggons vorhanden sind, um die Waaren zu laden und dieselben nach dem Norden via Gotthard zu befördern.

England.

London, 18. April. Die in Liverpool vorgenommene Verhaftung des Wt- Su9ot^üTb£ni^ä4^£SneL^±näoI8eift P. W alias Nr. 1- durchaus nicht außerhalb des Bereiches der englischen Hascher- Die Polizei glaubt vielmehr im Stande zu fein, jeden Augenblick ihre Hande aus ihn legen zu können. Ader sie iaub«teinmal roeil sie ihn fernerhin beobachten und einen Theil feiner ihr noch unbekannten Spießgesellen entdecken will, und dann, weit sie wahrschetnUch hofft, ihn durch Geidangebote zur Sprache bringen zu können. Denn es handelt sich für de irifche Exekutive anscheinend darum, das Anktagematcriat gegen mehrere hochgestellte

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Ar. «L. Samstag den 21. April 1883

Gießener Anzeiger