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Samstag den 20. Octobcr

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1883

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureau: Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

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des Conkerenz-Bezirks Gießen am 24. October, Vormittags 10 Uhr, zu Gießen.

Gießen, dm 18. October 1883. Büchner, Kreisschulinspector.

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Politische Ueberskcht.

Gießen, 19. October.

Der Herb st aufenthalt unseres Kaisers in Baden-Baden neigt sich seinem Ende zu, da nach den vorläufigen Dispositionen Kaiser Wilhelm Haden-Baden am kommenden Sonntag zu verlassen gedenkt, um direct nach Berlin zurückzukehren. Hiermit würden seine größeren Reisen für dieses Jahr voraussichtlich ihr Ende erreicht haben und nur die alljährlich um diese Zeit beginnenden Jagdausflüge werden den Kaiser wiederholt zum zeitweiligen Ver­lassen der Reichshauptstadt bewegen. Das Befinden des greisen Monarchen ist fortdauernd ein äußerst günstiges und haben die Anstrengungen der letzten Manöver und der hiermit in Verbindung stehenden Festlichkeiten in keiner Weise nachtheilige Wirkungen bei ihm geäußert.

Für den gegenwärtigen Stand unserer innern Politik könnte man recht gut den Börsc-lausdruck flau oder matt gebrauchen, denn es herrscht^ in der That auf diesem Gebiete ein absoluter Mangel an hervorragenderen Ereig­nissen, welchem wohl erst die Landtags-Campagne in Preußen abhelfen wird, die wahrscheinlich in der ersten Hälfte des November ihren Anfang nimmt. Nur der Bundesrath hält mit ziemlicher Regelmäßigkeit wöchentlich eine oder swei Plenarsitzungen ab, in welchen die für die nächste Reichstags-Session be- Itimmten Vorlagen zur ersten Berathung gelangen; ein allgemeineres Interesse haben indessen die bisherigen Sitzungen des Bundesrathes nicht beansprucht. Zn dieser Zeit der politischen Stille tritt ein Ereigniß doppelt hervor, welches vielleicht in bewegteren Zeiten nicht so ganz die ihm unstreitig gebührende Auf­merksamkeit in weiteren Kreisen gefunden haben würde die Neuwahlen zur Berliner Stadtverordneten-Versammlung am 18. October. Schon Monate lang ist von den in Frage kommenden Parteien, den Liberalen, den Conservativen Deutsche Burgerpartei^' und den Socialdemokraten oder der Arbeiterpartei, wie sich wohlklingender nennen, in dieser Angelegenheit auf über die Maßen heftige Weise agitirt worden, was genugsam den weit mehr politischen als com- munalen Charakter der Neuwahlen zur städtischen Vertretung Berlins kenn- ;eichnet. In gegenseitiger Verketzerung ist hierbei von den betr. Parteien das Menschenmöglichste geleistet morden und giebt dies einen keineswegs angenehmen Borgeschinack zu den im nächsten Jahre stattfindenden Reichstagswahlenwas den tegang der Stadtverordnetenwahten in der Reichshauptstadt anbelangt, so Dürften Meßen sowohl der deutschen Bürgerpartei, wie der Arbeiterpartei eine Ent­täuschung bereitet haben.

In den nächsten Wochen stehen verschiedene Reichstags-Ersatzwahlen evor, die mit dazu dienen werden, über die in Den innern Angelegenheiten herrschende Oede hinwegzuhelfen. Im Wahlkreise Forchheim-Erlangen hat für ven bisherigen fortschrittlichen Vertreter, Landesgerichtsrath Herz, in Folge der Beförderung desselben zum Landesgerichts-Präsidenten eine Ersatzwahl stattzu- inden, während die Reichstags-Mandate für Marburg und Greifswald-Grimmen mrch den Tod ihrer bisherigen Inhaber, Professor Arnold (conservativ) und Senator Stoll (fortschrittlich) erledigt sind. Mit besonderer Spannung sieht pQn der Wahl in GreifSwald-Grimmen entgegen; hier hatte Senator Stoll Men Sieg gegenüber dem conservativen Candidaten wesentlich der thatkräftigen Unterstützung der Nationalliberalen zu verdanken, ob letztere aber ebenso für Den ?eilen fortschrittlichen Candidaten eintreten werden, ist in Hinblick auf die be- «en Vorgänge im früheren Reichstagswahlkreise des Herrn v. Bennigsen k pit zu bezweifeln.

Eine erfreulichere Thatsache, als es bisher die Bauernrevolten \ ^denverfolgungen waren, lenkte in dieser Woche den Blick auf das Land er Magyaren. In Gegenwart des österreichischen Herrschers feierte die Stadt - n das Fest der Wiedererstehung aus den Ruinen, in welche sie vor o Jahren durch die große Theiß-Ueberschwemmung verwandelt worden war und *n d^er verhältnißmäßig kurzen Zeit ist das so schwer geprüfte Szegedin glän- Mder als je aus feinen Trümmern erstanden. Am Sonntag hielt Kaiser Franz . s»ef feinen Umzug durch die festlich geschmückte Stadt, lebhaft begrüßt von der Iigen Volksmenge; in seinen Zimmern empfing dann der Monarch nicht Emger als 25 Deputationen aus dem ganzen Alsöld, Denen gegenüber er feine /fceuöe über den Wiederaufbau der Stadt Ausdruck verlieh. In Agram hat mi Dienstag in Gemäßheit der Beschlüsse des ungarischen Reichstages die Er-

Bekanntmachung.

Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat der KriegerkarueradschaftHasfta" die Erlaubniß ertheilt, zur Vergrößerung ihres Fonds, aus welchem bedürftige Kameraden und Wittwen und Waisen von Kameraden unterstützt werden, auf Grund des vorgelegten Lotterieplans Ende März 1884 eine Verloosung von Gold- und Silbergeräthen, sowie von anderen Gegenständen der Kunst-, und Industrie, zu veranstalten, und zwar unter der Bedingung, daß höchstens 60,000 Loose ä 1 ausgegeben werden dürfen und der Werth der Gewinngeqenstände mindestens 6ü0/fi des Brutto- erlöses aus dem Verkauf der Loose betragen muß.

Es ist der Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet morden.

Gießen, am 17. October 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

_________________________ Dr. Boekmann.

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

setzung der Wavpenschilder mit doppelsprachiger Umschrift durch solche ohne Um­schrift stattgefunden. In der ungarischen Hauptstadt macht wieder einmal eine Scandal-Affaire von sich reden. Der Redacteur desFueggetlenseg", der Abg. Julius Verhovay, und dessen Bruder, Ludwig Verhovay, sind unter Der Anklage, die für die Csango-Magyaren gesammelten Gelder im Betrage von nahezu 3000 Guloen unterschlagen zu haben, verhaftet worden.

: In Frankreich wird der bevorstehende Wiederbeginn der parlamen­tarischen Campagne aller Voraussicht nach zu einem ernsten Zusammenstöße zwischen dem Cabinet Ferry und den Radikalen führen. In Den Programm- Reden, welche von Dem Ntinisterpräsidenten Ferry jüngst zu Rouen und Havre gehalten worden sind, hat derselbe Den RaDikalen offen den Fehde-Handschuh hingeworfen, welcher von den Anhängern Clemenceau's und Rochefortts auch entschlossen ausgenommen worden ist. Wie dieser Kampf enden wird, ist noch ungewiß, jedenfalls wird sich aber Herr Ferry nicht nur mit der äußersten Linken, die ihm namentlich wegen des Rücktritts Thibaudin's grollt, auseinander- ietzen müssen, sondern auch die Angriffe seiner versteckten Gegner in den Reihen der .gemäßigten Republikaner zurückzuweisen haben und es muß sich hierbei zeigen, ob die Gan.bettistische Partei im Stande ist, Herrn Ferry unb seinem Ministerium einen sichern Rückhalt zu gewähren. Was die Tongkmgfrage an­belangt, so ist dieselbe noch unverändert, wenigstens in Bezug auf den Stand der französisch - chinesischen Verhandlungen. Neuere Nachrichten aus China be­richten von der Absicht der chinesischen Regierung, die an der Tongkingnesischen Grenze concentrirten Truppen zurückzuziehen.

Nach mehr als zweimonatlichem Aufenthalt in Der dänischen Hauptstadt weilt der russische Herrscher seit Sonntag wieder auf heimathlichem Boden, in dem von ihm so bevorzugten Peterhosi Kaiser Alexander findet bei der Rückkehr in sein Reich in dessen inneren Verhältnissen nichts verändert vor, das politische Leben scheint in dem Czarenreiche seit geraumer Zeit gänzlich zu stagniren, freilich nur, bis vielleicht ein heftiger Sturm plötzlich Die anscheinend so ruhige Oberfläche aufwühlt. Bereits geht denn auch das Gerücht, daß dem Czaren noch vor seiner Abreise von Kopenhagen eine Proklamation des nihili­stischenExecutiv-Comitös" ^(gegangen sei, welche ihm sein Todesurtheil ver­kündigt habe, Da die ihm gestellte Frist zur Anbahnung von Reformen in Ruß­land nunmehr verstrichen ist; ob an dem Gerüchte etwas Wahres ist, hat sich noch nicht feststellen lassen.

Aus Die spanischen Militär-Pronunciamentos im verflossenen Sommer ist in Dem benachbarten Portugal eine Bauern-Revolution gefolgt. Etwa 3000 portugiesische Bauern in Der GegenD von Valenzo De Mino haben Pflug und Spaten bei Seite geworfen und die Republik proklamirt, eine gegen die Empörer abgesendete Truppenabtheilung wurde von denselben zum Rückzug genöthigt. In Den Lissabonner politischen Kreisen mißt man inDessen der ganzen Bewegung keine Bedeutung zu, welche Auffassung sich zum Heile des Landes hoffentlich bewahrheiten wird.

In Unter-Egypten ist während Der letzten 14 Tage weder ein Er- krankungs- noch ein Todesfall an Cholera mehr vorgekommen und kann man daher Die Epidemie in diesem Theile des Landes als erloschen betrachten; nur in Ober-Egypten kommen hin und wieder noch vereinzelte Cholerafälle vor. Die Aufgabe der deutschen Commission zur Erforschung Der Ursachen der Cholera ist daher in Egypten in der Hauptsache beendigt. Die Commifsion hat sich in Diesen Tagen von Alexandrien nach Kairo begeben, von wo aus sie nach etwa einer Woche die Reise nach Indien antritt, um hier weitere Studien über die Cholera zu machen.

Telegraphische Depeschen.

Wolff's telegr. Correspondenr-Bureau.

Berlin, 18. October. Anläßlich des Geburtstags des Kronprinzen hatten alle öffentlichen Gebäude und viele Privathäuser glflaggt. In den Schulen halten bte Lehrer entsprechende Ansprachen. Die Kr-egervereine veranstalteten größere Festlich­keiten, auch tn den Kasernen wurde der Geburtstag gefeiert.

DieNordd. Allg. Ztg." kann den Meldungen der9^owoje Wrcmja" über die Mission Mukhtar Pascha's gegenüber aus sicherster Quelle erklären, daß die Mukhtar untergeschobenen Anerbietungen an Deutschland Erfindungen sind, ebenso wie auch die angebliche ablehnende Antwort des deutschen Cabinets. Mukhtar habe zu Niemanden ein Wort von einer Garantie der Integrität gesprochen, sich vielmehr daraus bcfdjvänL