Telegraphische Depeschen.
Wolff s telegr. Correspondenz-Burearr.
mm™ m/r n?wr°' S-pt-mber. Se. Maj-stät ber Kaiser begab sich heute Vor- t und ?.om<^e,rä00 ,ü0" ^"balk, dem Kriegsmintster Bronsart t>. Sch-ll-a- ' b b°"> Fürsten Dolgoruky begleitet, abermals mittelst Extrazugs nach Weißenfels
gen und selbstsüchtigen Motiven geleitet, aber die Genugthuung, den französischen Hetzblättern und Revanchepredigern Liebesdienste geleistet zu haben, stehe doch wahrlich nicht im Verhältnisse zu den Früchten, welche die Verblendung der „Times" anderwärts zur Folge haben könnte; denn es könnte sich leicht ereignen, daß Hetzereien Dritter in der öffentlichen Meinung Deutschlands den Wunsch entstehen ließen, eine Verständigung zu suchen, welche vielleicht gar nicht so schwer zu erreichen sein und an welcher die „Times" gewiß noch viel geringere Freude erleben würde, als ihr der momentane Applaus der Boulevard- Presse zu bereiten vermöge. Als ernstes Blatt sollte aber die „Times" sich diesen Erörterungen nicht verschließen und ihren Beruf nicht in der Befriedigung friedensseindlicher Ambitionen suchen, deren Gefährlichkeit sich im gegebenen Falle keineswegs nur auf das von den „Times"-Politikern beabsichtigte Terrain einschränken lassen würde.
Die amtliche „Elsaß-Lo thr. Zeitung" veröffentlicht zwei nicht unwichtige Verordnungen des Statthalters G.F.M. v. Manteuffel. Dieselben setzen die bisherigen Ausnahmen bezüglich der deutschen Geschäftssprache für die Gemeinden Diedenhofen und Metz, sowie für das Amtsgericht und die Gerichtsvollzieher in Metz mit dem 1. Januar 1884 außer Wirksamkeit. ,^ Es wird also an den betr. Stellen das Deutsche vom genannten Zeitpunkte ab die alleinige Geschäftssprache sein.
lieber die Lage in Kroatien verbreiten sich widersprechende Gerüchte. Während osficiöse Meldungen dieselbe als eine wesentlich beruhigtere hinstellen, wird von anderer Seite gemeldet, daß sich die Dinge in Kroatien täglich ernster gestalten und es scheint fast, als ob letztere Auffassung die richtigere sei. Wenigstens sprechen die blutigen Zusammenstöße an der Banatsgrenze nicht für eine Verringerung des Ausstandes, sondern eher für das Gegentheil. Trotzdem hat es aber den Anschein, als ob man es nur mit localen Actionen und Zusammenrottungen zu thun habe, welche bei einem energischen Vorgehen der Truppen wohl bald bewältigt sein werden.
Ueber den jüngsten Zusammenstoß, welcher in den ersten Septembertagen auf der Linie zwischen Hanoi und Sontay zwischen den Franzosen und den „Schwarzen Flaggen" stattgefunden hat, fehlen noch immer eingehendere Nachrichten. Es scheint aber, als ob der Kamps für die Franzosen nicht allzugünstig verlaufen ist; eine Meldung des „Reuter'schen Bureaus" besagt, daß sie sich, nach Einnahme der feindlichen Positionen, wieder zurückgezogen hätten, um Verstärkungen abzuwarten. Die Franzosen geben ihre Verluste in den dreitägigen Kämpfen bei Pallan auf nur 54 Mann an Todten und Verwundeten an, während die „Schwarzen Flaggen" ca. 1000 Mann und außerdem 2 Geschütze verloren haben sollen. Es ist recht merkwürdig, daß die „Schwarzen Flaggen" trotz der starken Verluste, welche sie fortwährend — wenigstens nach französischen Mittheilungen — erleiden, den Kampf noch immer mit ungeschwächtem Muthe fortsetzen. Entweder ist ihre Zahl so groß, daß im Vergleich hierzu die erlittenen Verluste beinahe unbedeutend erscheinen oder die französischen Berichte sind übertrieben und fast möchte man das Letztere annehmen. Einstweilen ist noch keine Aussicht vorhanden, daß der Kampf in Tongking so rasch zu Gunsten der Franzosen enden würde.
Aus Rußland waren in letzter Zeit verschiedene Maßregeln zu verzeichnen, welche auf eine umfassende Reorganisation des russischen Heerwesens schließen lassen. Erst jüngst hat der Kriegsrath beschlossen, daß die Turkestani- schen und Westsibirischen Linien-Regimenter, das Tobolsk'sche, Olmsk'sche, Jrkutskffche, Krasnojarskffche und Semipalatinsk'sche Reserve-Cadre-Bataillon neue Etats erhalten sollen und daß in den Turkestanischen Schützen-Bataillonen außer den andern Chargen bei einem Zugbestande von 42 Reihen je 48 jüngere Unterofficiere, 70 Gefreite und 638 Gemeine zu unterhalten sind. Die Ernennung übercompleter Osficiere in den Turkestanischen Linien-Bataillonen ist künftig zu sistiren; die gegenwärtig übercomvleten Osficiere werden bis zu anderweitiger Verwendung bei ihren Bataillonen belassen. Der betreffende Beschluß ist vom Kaiser bereits vor einigen Tagen sanctionirt unö ebenso der Tagesbefehl, betreffend den Etat eines zu Kriegszeiten zu formirenden Krasnojarsk'schen Reserve-Infanterie-Regimentes zu zwei Bataillonen. Gleichzeitig ist Rußland auch eifrigst auf die Vermehrung seines Flottenmaterials bedacht. Auf den Werften des Schwarzen Meeres sind gegenwärtig vier mächtige Panzer-Fregatten, in Bau, auch in den Etablissements an der Newa sind zwei große Panzerschiffe im Bau begriffen, während zwei andere ihrer Vollendung entgegen gehen. In wenigen Jahren werden sich die 16 Panzerschiffe ersten Ranges, welche die russische Flotte jetzt zählt, um neun gleich große Schiffe vermehrt haben, so daß die maritimen Bestrebungen Rußlands mit den Bemühungen, das Heer immer schlagfertiger zu gestalten, Hand in Hand gehen
In Rom wird am 15. Octover die 7. General-Conferenz der europäischen Grademeffung zusammentreten. Die Frage der Vereinheitlichung der geographischen Längen durch Wahl eines einzigen ersten Meridians wird einen der wichtigsten Verhandlungs-Gegenstände der Conferenz bilden, auch der Vorschlag einer internationalen Zeit für den innern Verwaltungsdienst der Eisenbahnen, Posten und Telegraphen soll eingehend geprüft werden. Die Conserenz kann natürlich keineswegs beanspruchen, maßgebende Beschlüsse zu fassen, sondern es liegt vielmehr nur in ihrer Aufgabe, durch Berathung der wissenschaftlichen Seite der ersterwähnten Frage eine passende Grundlage für die allgemeine Annahme eines gemeinsamen Meridians und einer internationalen Zeit zu liefern; auf diese Grundlage soll dann eine specielle diplomatische Conferenz das weitere Werk ausbauen. Das Project hat bereits bei mehreren Regierungen eine gün» stige Aufnahme gefunden._____________________________________
Darmstadt, 18. September. Se. Königl. Hoheit der Großherzog wohnten gestern in Begleitung des Generalmajors v. Westerweller und des Oberstallmeisters Frhrn. v. Nordeck zur Rabenau den Manövern der Großh. 25. Division bei, welche zwischen Offenbach und Seligenstadt stattsanden.
Die Einwohner von Heusenstamm hatten es sich nicht nehmen lassen, beim Durchpassiren Sr. Königl. Hoheit durch Hochrufen und Fahnenausstecken ihrer Freude einen herzlichen Ausdruck zu geben.
Wolfsgarten, 17. September. Ihre Königl. Hoheiten der Herzog und die Herzogin von Connaught sind heute Vormittag 11'/r zu mehrtägigem Besuch der Großh. Familie dahier eingetroffen._____________________
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l^Dieses Institut hat sich als Hauptziel gesetzt, so viel als irgend möglich dir Geschaststretbenden und Handwerker vor Verlusten zu schützen und eine Organisation durchzuführen, welche geeignet ist, die Fälle, in denen dem fleißigen, strebsamen Manne der Verdienst oft genommen wird, den er durch tage- und wochenlange Thätlgkcch errungen glaubte, auf das geringste Maß zu beschränken.
Dieser Tendenz entsprechend hat der Verein in sein Programm die Punkte ausgenommen, seine Mitglieder durch vertrauliche Mittheilungen vor geschäftlicher Verlusten zu schützen und durch bie Verbindung mit auswärtigen Vereinen gleicher Strebens möglichst sichere Auskunftserthetlung auf dem Principe der Gegenseitigkeit herzustellen.
■■^rieben, richtig M Einträge "ehr,6 i: und Nahrungsim
Lokale».
G. Gießen, 19. Septbr. sSterblichkett in Gteßen.j Die Sterblichkeit in Gießen war wahrend der Woche vom 8. vis 15. September eine sehr geringe, da nur 2 Todesfälle zu verzeichnen waren. Ein Mann starb an Schlagfluß, ein Kind an Gehirnentzündung.
Vermischtes.
Groß-Linden, 18. September. Heute Abend brach in der Hofraithe des Ludwig Keßler Feuer aus, das sich, in den gefüllten Scheuern reichliche Nahrung findend, zu einem gewaltigen Brande entwickelte. Dank der von allen Seiten herbei- geeilten Hülfe gelang es, namentlich durch das kräftige Eingreifen der verschiedenen freiwilligen Feuerwehren, das Feuer nicht nur auf seinen Herd zu beschränken, sondern auch zu löschen. Wie man hört, soll ein Pferd im Feuer umgekommen sein. Dte Dreschmaschine, welche im Hofe stand, ist mit verbrannt.
Aus Hungen. Um den Interessenten an Erbauung einer Zuckerrüben-Fabrik bet Hungen die Möglichkeit zu gewähren, schon vor der etnzuberufenden sammlung sich genau mit den Bedingungen bekannt zu machen, welche die Zuckertaorw Waghäusel ihrerseits für die Ausführung des Unternehmens stellt, hat es dle betrestenoc
um dm zwischen Weißenfels und Naumburg stattfindendm Truppenmanöoern zuwohnm. Den Weg von We'ßenfelS bis Pettstädt legte Se. Majestät zu Waaen mriw °m ..Luftschiff" wurden die Ps.rde besingen. - Das Wetter .ft hübe fm 8 Ubr feiner Regen nieder. '
Weißenfels, 18. September. Se. Majestät der Kaiser traf bei Rraenweii,r auf dem Manöver felde südlich von Pettstädt ein, später jedoch klärte sich öq6 gn, auf. Bet dem heutigen Manöver hatte die Westdioision den Auftrag, von Dobickn» aus über Markröhlitz vorzugehen, um die Ostdivision vom Uebergang über die Sani, abzuschneiden und auf Merseburg zurückzuwerfen. Die Ostdivision führte einen Klopfen marsch von Roßbach über Pettstädt nach den Höhen von Langendes aus gedeckt bin* die kombintrte Kavallertedlwsion auf der rechten Flanke. Das Hauptgesecht fand ne rum dm Höhenzug bei Langendorf statt und endete um 12Vz Uhr. Die Ostdivision baN, früh 7 Uhr ein Detachement zum Brückenschlag nach Uecheritz gesandt, einzelne Truvoen- thetle der Ostdivision gingen später hier über die Saale. Se. Majestät der Kaiser' wiederholt enthusiastisch begrüßt, fuhr nach Beendigung des Manövers nach Weiü^ fels und Merseburg zurück.
Berlin, 18. September. Die „Nat.-Ztg." hört, im Justizministerium werde der Gedanke erwogen, Rechtsanwaltschast und Notariat künstiq in Preußen durchweg zu trennen.
Freiburg, 18. September. Die 56. Versammlung deutscher Naturforscher ist heute durch Professor Claus eröffnet worden. Von auswärts waren etwa 600 Personen anwesend. Die nächste Versammlung soll im Jahre 1884 in Magdeburg stattsinden.
Kopenhagen, 18. September. Der König und die Königin, sowie die Mitglieder der königlichen Familie und alle hier anwesenden Gäste derselben nahmen heute auf Gladstone's Dacht „Pembroke Castle" das Dejeuner ein.
London, 18. September. Einer Depesche aus Hongkong von gestern zufolge soll der französische Cioilcommiffar Harmand den General Bouet des Commandos über die französischen Truppen in Tongking enthoben und dasselbe den Obersten Bichot und Badens übertragen haben. General Bouet wird sofort nach Frankreich zurückkehren.
— Das „Reuter'sche Bureau" läßt sich aus New-Dork melden, der Minister des Auswärtigen von Hawaii habe nach London, Paris und Washington einen Protest gegen Besitzergreifungen Seitens fremder Mächte im Gebiete deö Stillen Oceans gesandt.
— Der Irländer O'Donnell, welcher Ende Juli d. Js. den Kronzeugen Carey unweit Capstadt an Bord eines Schiffes ermordete, wurde heute Nach, mittag, um den Formalitäten nachzukommen, die der Verweisung eines Angeklagten vor einen Assisen-Gerichtshof vorauszugehen haben, vor das Polizeigericht in Bowstreet gestellt. Auf den Antrag des StaatSprocurators wurde Die Verhandlung vor dem Polizeigerichte wegen AbweienSeit mehrerer Zeugen auf 8 Tage vertagt.
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Dieses Ziel wird der Verein zweifellos ausgiebig erreichen, da die Vereine gleicher Richtung ein großes Tätigkeitsfeld beherrschen, also eine möglichst große Ver> breitung haben und da sich an jedem von ihnen vertretenen Platze viele Mitglieder befinden.
Diese Bedingungen sind erfüllt und wird der hiesige Verein in der Lage fein, die ausgedehntesten und zuverlässigsten Erhebungen den Anfragen seiner Mitglieder gegenüber anzustellen und dementsprechende Auskunft zu geben.
Ein weiterer Punkt des Programms lautet: Durch den Druck der Vereinigunt wird der Verein alte und zweifelhafte Ausstände einkassiren.
So lange Aussicht vorhanden ist, auf dem Klagewege eine Forderung non einen solventen Schuldner zu erreichen, wird der Verein weniger in Anspruch genommen werden, die Intervention desselben wird erst dann zu erfolgen haben, wenn die Rechts- mittel entweder bereits erschöpft sind, oder Aussicht auf Erfolg nicht haben, daß vielmehr nur noch der moralische Druck, welchen die Perspective einer weitesten Bekannt gabe der Zahlungssäumigkeit in sich birgt, den Säumigen zur Erfüllung feiner Verpflichtungen drängt. Die Erfahrungen, welche bet den bereits bestehenden Veremer gemacht worden sind, bestätigen, daß von 100 Fällen in 80 das Ziel erreicht wird Ein durchschlagender Erfolg wird hier um so sicherer sein, wenn sich der Verein unter Berücksichtigung eines etwa vorhandenen nothletdenden Geschäftsganges oder sonstiger ungünstig auf die Zahlungskraft etnwirkender Factoren auf den Standpunkt dcrTheil- zahlung stellt.
Bei dem segensreichen Wirken, welches die in vielen anderen Städten bereits organisirten Vereine für Hebung solider Creditverhältnisse entfalten, müssen wir bem hier gegründeten V-retn bestes Gedeihen wünschen, müssen wünschen, daß vornehmlich der Handels- und Handwerkerstand die Bedeutung des Instituts voll würdige uni dessen reformatorische Thätigkett auf dem (gebiete des Creditwesens durch recht warmes Interesse unterstütze.
Nach dem veröffentlichten Programm ist Herr Bürgermeister a. D. Helm. Bismarckstraße, mit der Leitung der Vereinsangelegenheiten betraut.
— Wie wir vernehmen, wird Sonntag und Montag den 7. und 8. Oktober der deutsche Ruderoerband (vertreten durch die Städte Berlin, Frankfurt a. M, Hamburg Köln, Mannheim, Wien und Gießen) hierselbst eine Ausschußsitzung abhalten, zv welcher die hiesige Rudergesellschaft ihr Vereinslokal, Hotel zum Einhorn, zur Verfügung gestellt hat; wie man uns weiter mittheilt, beabsichtigt die hiesige Gesellschafl gelegentlich der Anwesenheit obiger Vertreter eine größere Festivität und zwar der vorgerückten Jahreszeit wegen nicht an ihrem Bootplatz, sondern im Saale des Gasthofs zum Einhorn zu veranstalten. —h.
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Gießen, 19. September. (Der neue Verein Cr ed i tr efo rm.j Jeder Geschäftsmann, dem es um die Förderung gesunder Creditoerhältnisse zu thun ist, wird vor einigen Tagen nicht ohne Genugthuung die Nachricht vernommen haben, daß auch in hiesiger Stadt unter der Firma: „Verein Creditreform" ein Institut ins Leden getreten ist, dessen Zweck die Anbahnung und Beförderung eines realen Creditwesens ist.
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