Wafferwärme der Lahn.
Am 19. Juni, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: 4-15« R-, Luftwärme +16« R.
L. Chr Rübsamcn-
Spanien.
Madrid, 17. Juni. Wie das Journal „El Liberal" meldet, wäre nach Berichten von den Philippinen-Inseln das Personal der englischen Gesellschaft, welche von der Nordküste von Borneo Besitz ergriffen hat, von den Ein- gchorenen ermordet worden. ______
Telegraphische Depeschen.
Wolff s telegr. Correspondenr-Vurearr.
Berlin, 18. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." dementirt das Gerücht von dem Uebertritt des Herzogs Paul von Mecklenburg zur katholischen Kirche. Während der Abwesenheit des Herzogs habe die Schwester seiner Gemahlin, Gräfin Mocenigo, ohne Wissen der Wöchnerin die neugeborene Prinzessin durch den Erzbischof von Algier taufen lassen. Der Herzog erfuhr dies nach seiner Rückkehr nach Algier und beabsichtigt Remedur eintreten zu lassen.
Hannover, 18. Juni. Die am Sonnabend von der nationalliberalen Parteiversammlung hier beschlossenen Resolution wurde gestern Herrn v. Bennigsen durch eine Deputation überreicht. Dem „Hannov. Courier" zufolge erwiederte Bennigsen bei der Ueberreichung, er habe die Besorgniß gehegt, daß sein Schritt Erbitterung und Vorwürfe bei seinen Freunden erregen würde, er babe zu seiner Freude aber nur Wohlwollen und Freundschaft gefunden. Zu dem Schritte habe ihn die Ueberzeugung gebracht, daß die von ihm befolgte Politik einer versöhnlichen Richtung jetzt nicht Raum habe für den Erfolgs er b^ffe ans einen Umschlag der Stimmungen. Er werde politisch mit seinen Freunden stets eng verbunden bleiben, namentlich mit denen in Hannover.
Verwischtes.
Frankfurt a.M, 18,Juni. Das „Franks. Journal" schreibt untermHeutige«: Die Btlse'sche Kapelle concerttrte gestern Nachmittag und Abend im Palmengarten vor einem nach Tausenden zählenden Publ kum. Schon die Aufstellung des Programms Iaht den Künstler erkennen, der sich bemüht, se nen Zuhörern nur die gediegensten Musikstücke zu Gehör zu bringen. Sämmtliche Solisten, und es waren N'cht wenige, die gestern vor dad Publikum traten, wurden mit rauschendem Beifall überschüttet, und dieser war wohlverdient. Wir erwähnen Herrn Henry Chauffier, der mit den vom Conseroatorium in Paris mit einem ersten Preise ausgezeichneten zwei reizenden Piecen: „Lob der Thränm" nnd „Jagdscene" für Waldhorn brillirte, sowie Herr Charles Mels mit dem ebenfalls vom Pariser Conservatortum preisgekrönten Corrneval von Venedig, Solo für Flöte. Musterhaft gespielt wurde auch die Polonaise Nr. 2 tn E. — Aus dem Abendconcert nennen wir vor Allem Fantasie aus der Oper „Faust für Violine, vorgetragen von Herrn Concertmeister Johann Smit, unb Fantasie appasianata, voraetragen von Herrn Hugo Türpe, sowie den Hochzeitsreigen von B lse, welch letzterer so stürmisch applaudirt wurde, datz der Direktor sich ausnahmsweise zur nochmaligen Wiederholung bereit finden ließ. Wir dürfen wohl davon absehen, datz Spiel ves Orchesters tn seiner Gesammtwirkung zu besprechen, da ja die Leistungen B-lse s m unserer Stadt noch von der Patent- und Musterschutz-Ausstellung her in bestem Andenken stehen Wir erwähnen nur noch, daß die tn vollendetster Weise zum Vortrage gekommenen größeren Werke die drei Ouvertüren zu Tannhäuser, zu Oberon und zu Wilhelm Tell waren.
Frankfurt a. M. Die Betheiltgung der Frankfurter Turnerschaft an dem vom 14. bis 17. nächsten Monats in Gießen stattfindenden 14. Mtttelrhetnischen Turnfeste wird auf einige hundert Mann zu berechnen sein. Diese, sowie die übrigen Gäste, welche an dem Feste theilnehmen, werden sich am Morgen des 15. Juli vom Weserbahnhof aus per Extrazug nach der Festftadt begeben, um dann dort ihren Einzug zu halten.
Mainz, 15. Juni. Ein Bierbrauer aus Weisenau und ein Bahnwärter von dort begaben sich vorgestern nach Hause; auf dem Wege nach dort gertethen die beiden Leute mit einander in Streit; erst als der Bahnwärter seinem Gegner den Daumen mitten entzweig^bissen hatte, war der Streit beendet. Heute wurde dem Bierbrauer der Daumen amputirt-
— Das Landgericht Darmstadt hat angeordnet, daß M. Löb ans Worms gegen eine Cautton von 6000 Mark aus der Haft entlassen werden solle. Die Caution ist gestern gestellt worden und ift Löb gestern, Donnerstag Abend, 8 Uhr 45 Minutm nach Worms abgeretst. — Der Versandt von Kirschen nach England hot jetzt ganz bedeutende Dimensionen angenommen, täglich gehen von hier aus ganze Dampfboote voll nach England. Trotzdem werden hier auf dem Markte noch immer 15 Pf. für das Pfund bezahlt.
London, 18. Juni. Dem „Reuter'schen Bureau" wird aus Durban von heute gemeldet, daß eine beträchtliche Anzahl Basutos einen Einfall in das Transvaal-Gebiet gemacht hat. _______
Lokales.
Gießen, 19. Juni. Der Gottesdienst der (alt-)katholischen Gemeinde am Sonntag Vormittag, tn welcher der hochwürdigste Bischof Dr. Retnkens die Predigt hielt, zog neben dem Häuflein der an ihrem alten Glauben festhaltenden Katholiken eine große Menge Hörer an, welche andächtig den Worten des d)öerefcrten £)errn Bischofs lauschten. Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, den Inhalt der Predigt zu sctzztren Wer dieselb' gehört, welcher Glaudensrichlung er auch huldigen mag, wird ganz gewiß dieselbe voll und ganz zu würdigen wissen. Der Abend versammelte eine leider nicht sehr zahlreiche Schaar von Besuchern in Wenzels Garten (das Gleibergfeft übte hierauf einen leider sehr störenden Einfluß). Hier, beim gemüthltchen Zusammensein, hielt der Herr Bischof einen längeren Vortrag über daS Wesen der (alt-)kathol'schen Bewegung, sowie über das Verhältniß der Altkatholiken zu den übrigen christlichen Religionsgenossenschaften. Er gab eine ausführliche Erklärung des kirchlichen Begriffes katholisch, wie er sich historisch entwickelt hatte und betonte, daß nach der ursprünglichen Bedeutung dieses Wortes hiernach die Evangelischen ihren Christenglauben mit vollem Recht als einen katholischen zu bezeichnen hätten, und, mit VN- weisung auf die am Morgen gehaltene Predigt, worauf eben der wahre Christenglaube beruhe. Auf die hiesigen Verhältnisse übergehend, wies er auf die Bruderliebe hin, mit welcher die hiesigen Evangelischen, an ihrer Spitze die evangelische Geistlichkeit, den Altkatholiken entgegmgekommen seien und ihnen ihr Gotteshaus zur Mitbenutzung überlassen habe Racker und stürmischer Bestall aller Anwesenden bekundete dem Herrn Blichof, wie s ine Rede warm ausgenommen worden. Herr Pfarrer Dr. Naumann sprach hierauf in begeisterter Rede die Sympathie der Evangelischen zu den Altkatholiken aus und betonte namentlich die Berechtigung derselben zu ihrem Vorgehen und des Beharrens auf dem eingenommenen Standpunkte als den allein richtigen der römisch- katholischen Kirche gegenüber. Auch hier wurde dem Herrn Redner der reichliche Dank der Anwesenden bekundet. Sichtlich angenehm berührt verabschiedete sich zu später Stunde der Herr Bischof von den Anwesenden mit dem Versprechen eines baldigen Wiederherkommens. ,, c „
— Der in voriger Woche coursirenden Liste zur Unterzeichnung der hiesigen Colonial-, Delicatessen- und Eisenwaarenhändler, anbahnend, bte Geschäfte an Sonntagen Nachmittags zu schließen, haben sich mehrere derartige Geschäfte nicht angeschlosien; es wird deshalb vorerst beim Alten verbleiben. ~~~s-
Eingesandt.
Es ist schon verschiedentlich darauf hingewtesen worden, daß es ein dringendes Bedürfniß sei, die Thüren an Theatern, Kirchen und Schulen so einzurichtcn, daß solche sich nach außen öffnen. _ L .
Schon wieder meldet der Telegraph einen schrecklichen Unglücksfall aus Sunderland, wo in der Victoria-Halle in Folge mangelhafter Einrichtung der Ausgänge und Thüren 186 Kinder erstickten.
In unserer Nachbarstodt Wetzlar hat man vor Kurzem ebenfalls die Thüren der Kirche umgeändert; sollte dieses bet uns in Kirchen und Schulen nicht auch möglich sein? c- S.
Witterungskunde.*)
20. Juni. Bei Sonnenaufgang dunstig, mittelheiter, nachher zunehmend bedeckt und regnerisch, Mittags besser, Nachts Niederschlage. Das Temperaturminimum liegt noch tief. Bei örtlich günstigen Lagen, wie zum Beispiel im niederrhetnischen Gebiet, ist die Abkühlung weniger fühlbar. In Süd- und Mitteleuropa sind Mittags und In der Nacht Gewitter zu erwarten. Winde aufgefrischt.
21. Juni. Frühmorgens ziemlich heiter, Vormittags zunehmend bedeckt, Nachmittags gewitterhaft, dann besser bis schön, spätabends und Nachts noch Niederschläge Die Temperatur ist namentlich in Süddeutschland Morgens noch ziemlich niedrig, doch steigt im Allgemeinen die Temperatur, so daß sie im Binnenlande mehr dew Monatsmittel entspricht. In Süddeutschland sind noch Gewitter zu erwarten mit ziemlich ergiebigen Niederschlägen; doch nehmen die Niederschläge im Allgemeinen ab. Die Wasserstände fallen.
22. Juni. Im Allgemeinen kühl tn der Nacht, tagsüber wolkig und veränderlich- Während nach Nordosten zu die Wetterlage mehr trocken, namentlich frühmorgens besser ist unb die Insolation Wärme bringt, ist es im Westen und Süden mehr bedeat mit stellenweise ergiebigen Niederschlägen. Die Spätnachmittage sind im Allgemeinen noch ziemlich heiter.
*) Aus Dr. L. Overzier's Wetter-Prognose für den Monat 3utiL abgeschlossen am 15. Mat (Verlag der M. Lengfeld'schen Buchhandlung in Kol«, Preis 1 «X). — Nachdruck verboten.
Truppen von den Albanesen total eingeschloffen worden und auch der Ruckzug nach Scutari ist ihm zu Lande verlegt. Es bleibt daher den Türken kein i anderer Ausweg, als derjenige über den See von Scutari übrig, aus welchem ■ ihnen eine kleine Flotille znr Verfügung steht. ~
Deutschland.
Darmstadt, 16. Juni. In gestriger Sitzung der zweiten Kammer stimmten für Aufrechterhaltung des bei der ersten Lesung des Kaprtalrenten- Steuergesetzes gefaßten Beschluffes, wonach diese Steuerkapitalien zur Herabminderung der Grund- und Gewerbesteuer-Kapitalien verwendet werden sollen, die Abqq. Frank, Geyer, Grünewald, Haustein, List, Matthai, Möhn, Pitthan, Pfannstiel, Racke, Schade, Schönberger, Schröder, Stephan, Stvrmsels, Wasserburg, Veith, Weyrauch und Wolz. Dagegen stimmten: Arnold, Böhm, Diehl, Dittmar, Ellenberger, Falk, Haas, Jöckel, Jost, v. Jungenseld, Küchler Maurer Metz, Möllinger, Osann, Schaum, Tecklenburg, Theobald, v. Wedekind, Weitzel, Wolfskehl, Heinzerling und Muhl. , , . n
Berlin, 16. Juni. Auch in den Veremigten Staaten werden allgemein Vorbereitungen zu einer würdigen Feier des 400jährigen Jubiläums unseres großen Reformators Dr. Martin Luther getroffen. Zum dauernden Ge- dächtniß des evangelischen Glaubenshelden soll bekanntlich eine Lut Herstatue errichtet werden, deren Kosten aus freiwilligen Beiträgen bestrttten weroen. Rach dem Bericht des Denkmal-Comitäs sind an solchen bis jetzt 2446 Dollars m New-Aork allein gezeichnet. Die Berichte aus den anderen Staaten lauten schr günstig. In New-York wird die Feier des eigentlichen Geburtstages, der auf den 10. November fällt, mit einer zehntägigen Vorfeier eröffnet. Die Hauptfeierlichkeiten werden am 31. October und 10, November in Steinways Hall stattfinden und aus Festreden und musikalischen Vorträgen bestehen. In der Zeit vom 31. October bis zum 10. November werden die einzelnen lutherischen Gemeinden Festgottesdienste abhalten.
— Allem Anscheine nach dürften die Conjuncturen des deutschen Petroleum-Marktes in nicht allzuserner Frist durch gesteigerte russische Zusiihren eine wohl nicht eben unvortheilhafte Modification erfahren. Wie man uns nämlich mittheilt, werden die russischen Petroleum-Quellen immer ergiebiger, so daß fort und fort neue Verkehrswege geschaffen werden müssen, um dem Brennstoffe Absatzgebiete zu eröffnen. Neuerdings ist der Anfang gemacht worden, das Petroleum in Barellwagen bis Eydtkuhnen zu schaffen, dort umzuladen und weiter über Königsberg imch dem Westen zu transportiren.
— Wiederholt wurde scbon auf Bie Anstrengungen hingewiesen, bie seitens Über- feeifcber Länder gemacht werden, um deutsche Einwanderer heranzuziehen. Das Unterhaus der australischen Colonie Neu-Süd-Wales hat 150,000 Pfd- Sterl. (3 Mlll. Mark) zur Einwanderung bewilligt. Ein hierbei aestellter Antrag, von dieser Summe 25 000 Pfd zur birecten Emwanderung von Deutschland über Hamburg zu genehmigen, wurde zwar abgelehnt; er beweist aber, in welchem Maße gerade auf Deutschland aerechnet wird- Es versteht sich von selbst, daß von der bewilligten Summe sowieso ein großer Posten für deutsche Einwanderung zur Verwendung gelangen wird- In der Debatte, die sich zu dem erwähnten Anträge entspann, wurde die Thatigkett, Nüchternheit, Ehrenhaftigkeit und Nützlichkeit der Deutschen übrigens allgemem anerkannt, unb wenn der Antrag abgelehnt wurde, so geschah es nur, um dem Agent- General nicht die Hande zu binden. Die südamerikamschen Staaten fahren gleichfalls fort, ihre Fangnetze nach deutschen Auswanderern auszuwerfen. Die RegierunKwon Paraguay hat nach einer Mittheilung der „Deutschen Ztg." in Rio zur Gründung einer deutschen Colonie am See Jpacarcy am Abhänge der Cordilleren folgende Der- günstigungen für Ansiedler festgesetzt: Jede Familie erhält unentgeltlich ein Stück Land von fünfzig Morgen, jede unverhetrathete Person die Hälfte, ferner freien Unterhalt für 6 refp 12 Monate, eine Milchkuh unb einen Arbettsochsen ober ein Pferd unb endlich Ackergeräthe unb Samen. Das klingt recht verlockend, aber die Medaille hat auch ihre recht düsteren Kehrseiten. Gerade aus deutschen Ansiedelungen in Paraguay sind in letzter Zeit vielfache Klagen darüber eingelaufen, daß die Bodenproduclwn in einem schreienden Mißverhaltniß zu der darauf verwendeten schweren Arbeit steht, lieber die Zukunft, welche die deutschen Einwanderer in Brasilien erwartet, liest man hin und wieder in deutschen Blattern glänzende Schilderungen. Gewiß hat bas weite brasilianische Kaiserreich Gebiete, welche alle Vorbedingungen für glückliche Ansiedelungen bieten; aber welche Garantie hat der deutsche Auswanderer dafür, daß ihn sein Geschick gerade in eine so gesegnete Gegend verschlägt. • Auf die Anpreisungen des Auswande- rungsagenten kann er sich nicht verlassen, denn Tausende, die es gethan, sind in bitteres Elend gekommen. Einen Beleg dafür bietet eine Petition an den Kaiser Dom Pedro, in welcher deutsche Ansiedler von Mucury um schnelle und kräftige Maßregeln zum Schutze ihres Lebens und Eigenthums gegen bie Ueberfälle, Morbe und Räubereien der Indianer bitten. Als das Land ben Ansieblern überlassen wurde, hieß es, es sei dem Bogen des Indianers und der Herrschaft der wilden Thiere entrissen. Thatsächltch haben die Ansiedler seit zwanzig Jahren gegen die Indianer kämpfen müssen und es ist dabei nicht besser, sondern schlimmer geworden, so daß sich die Bewohner unter einer wirklichen Schreckensherrschaft befinden. In der Petition werden die Greml- thaten der Indianer aufgezählt; wir führen hier nur folgenden Fall an: Ermordung des Michael Ant- Anna tn dem Gebüsch des Ernst Neumann, wenig hundert Meter vom Hause des Ernst Jordan; sie schleiften ihn in den Wald, wo sie-ihn mit Pfeilen durchlöcherten, schnitten ihm Fleisch und Fußsohlen ab und nagelten letztere an einen Baum und spießten ihn dann noch mit Pflöcken an die Erde an. Derartige Bilder geben ein eigenthümliches Pendant zu den farbenreichen Schilderungen des Auswanderungsagenten.
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