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Str. 13». Mittwoch de» 20. Ium 1883.
Meßmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Vureaur Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlshn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Hheil.
Betreffend: Feldwege-Anlage u. s. w. in der Gemarkung Staufenberg.
B e k a n n t m a i > ,
Der Ortsvorstand von Staufenberg hat den Antrag gestellt, das in der unten )h, ... „Summarischen Darlegung" näher angegebene Unternehmen
in Ausführung zu bringen. Auf Grund des Gesetzes vom 18. August -urTl (Regierungsblatt S. 309) und der Instruction vom 7. November 1876 (Regierungsblatt S. 531) werden das Original dieses Antrages und die Listc Stimmberechtigten vier Wochen lang, nämlich vom 7. Juli bis 4. August l. I. auf der Großherzoglichen Bürgermeisterei Staufenberg zur Einsicht der offen gelegt.
Die Abstimmung findet Samstag den 4. Aug von Vormittags 10 bis l Uhr Nachmittags, und zwar getrennt über Flur VI und Flur XIV in dem Ratybause zu Staufenberg statt.
Es wird dazu bemerkt, daß nur diejenigen Grundbesitzer, welche im Grundbuche und damit auch in der Liste der Stimmberechtigten eingetragen stehen, oder deren Erben, Stimmrecht haben, daß jedoch bei zeitigem Ant. je das Ab- und Zuschreiben noch bis zum Ende der oben bemerkten Offenlegungsfrist erwirkt werden kann.
Diejenigen, welche im genannten Termine weder in Selbstperson, noch durch gehörig legitimirte Bevollmächtigte abstimmen, werden als für die Ausführung des Unternehmens stimmend angesehen. Cs müffen daher nur diejenigen in dem Termin erscheinen, welche gegen den Antrag ganz, oder theilweise, stimmen, oder sonst etwas zur Sache Vorbringen wollen.
Schließlich werden noch alle jetzt oder künftig auswärts von Staufenberg Wohnenden aufgefordert, sich Bevollmächtigte in dieser Gemeinde zu bestellen, da alle in vorliegender Angelegenheit weiter nöthig werdenden Handlungen nur in der genannten Gemeinde auf ortsübliche Weise, aber nicht mehr jedem Betheiligten besonders bekannt gemacht werden.
Gießen, den 16. Juni 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
Summarische Darlegung.
In Flur VI der Gemarkung Staufenverg, soweit solche zwischen der Staatsstraße von Gießen nach Marburg, sowie dem Vicinalwege von Staufenberg nach Odenhausen einerseits und der Grenze der Flur V dem Damme der Main-Weser-Bahn und der Ruttershäuser Gemarkungsgrenze mit Ausschluß der Pfarrwiesen, gelegen ist, nämlich für die Grundstücke Nr. 5,5 bis 63,8, sodann Nr. 67,8 bis 86 und von Nr. 91 bis 127, sodann in Flur XIV, soweit folche einerseits an der Gemarkung Mainzlar von dem grünen Feldweg herzieht und anderseits an Flur XV den Wald und grünen Weg begrenzt, nämlich für die Parzellen Nr. 192 bis 374, soll eine bessere Anlage von Feldwegen und die Ausführung sonst möglicher Verbesserungen stattfinden.
Im Einzelnen wird dazu Folgendes bemerkt: v
1) Der Bedarf an Gelände für die neuen Wege und Gräben rc. wird an der Gesamtzahl der betheiligten Grundstücke abgezogen, wahrend Die alten Graben rc- in die Masse fallen;
2) Zur Bestreitung der erforderlichen Kosten nimmt die Gemeinde Staufenberg ein Kapital bei der Landescultur-Rentenkasse auf.
3) Die Kosten werden in Gemäßheit des Flächengehalts der betheiligten Grundstücke auf deren Eigenthümer ausgeschlagen. tr ,
4) Die Betheiligten sollen die neuen Parzellen möglichst wieder in denselben Bonitätsklassen erhalten, in welchen dermalen die Grundstücke liegen.
5) Zur Feststellung des jetzigen Eigenthums eines jeden Betheiligten ist eine parzellarische Vermessung nach den vorhandenen Grenzzeichen, oder in deren Ermangelung nach dem Besitzstände vorzunehmen. _____________________________________________
Politische Ueberficht.
Gießen, 19. Juni.
Der Kaiser hat am Freitag Abend mit größerem Gefolge seine diesjährigen Sommerreisen angetreten, welche ihn vorläufig nach Ems und erst später nach Mainau und schließlich nach Gastein führen. In Wiesbaden, wo die Ankunft am Sonnabend Vormittag erfolgte, erlitt die Reise eine mehrstündige Unterbrechung, da der Kaiser es sich nicht nehmen ließ, den zur Zeit in Wiesbaden weilenden fremden Fürstlichkeiten einen Besuch abzustatten. Die Ankunft des Kaisers in Ems ist in den Nachmittagsstunden des genannten Tages erfolgt.
Auch der Reichskanzler gedenkt nunmehr seine Sommerkur anzutreten, und zwar wird derselbe noch im Lause dieser Woche in Kissin- gen eintreffen, wie man wenigstens aus dem fränkischen Badeorte meldet. Bereits sind daselbst die Hof-Equipagen angelangt, welche die Courtoisie Königs Ludwig dem Kanzler bei dessen Kissinger Aufenthalte jedesmal zur Verfügung stellt. Darüber, ob Fürst Bismarck direct von Berlin aus seine Badereise antritt, oder sich zuvor erst nach Varzin begiebt, ist noch nichts bekannt.
Auf parlamentarischem Gebiete ist nach Schluß der Reichstags-Session eine größere Ruhepause eingetreten, denn das preußische Abgeordnetenhaus wird erst kommenden Donnerstag seine Thätigkeit wieder aufnehmen und das Herrenhaus hat sich auf unbestimmte Zeit vertagt. Die zur Vorbe- rathung der kirchenpolitischen Vorlage eingesetzte Commission des Abgeordnetenhauses hat demnach das Feld für seine Verhandlungen vollständig frei und dieselben auch soweit gefördert, daß die zweite Lesung des genannten Gesetzentwurfes bereits beendigt worden ist.
Die Frage, wer nach dem Rücktritte Bennigsens die parla- lamentarische Führung der nationalliberalen Partei übernehmen soll, ist begreiflicherweise in nationalliberalen Kreisen Gegenstand lebhafter Erörterungen. Dem Vernehmen nach soll die Leitung der Partei in die Hände des ehemaligen Preuß. Finanzministers Hobrecht gelegt werden; ursprünglich war dieselbe dem Abg. Miquel angetragen worden, doch scheint Herr Miquel unter Hinblick auf seine als Oberbürgermeister von Frankfurt a. M. schon vielfach in Anspruch genommene Thätigkeit abgelehnt zu haben.
Der französisch-chinesische Conflict bezüglich Tongkings hat «ine friedlichere Wendung genommen, wenigstens sollen die Verhandlungen zwilchen dem französischen Gesandten in Peking, Tricou, und dem leitenden chinesi- Ichen Staatsmanns, Liang Chang, derartig befriedigend verlaufen, daß man auf «einen gütlichen Ausgleich zwischen Frankreich und China hoffen darf. Ein friedlicher Ausgang dieser Angelegenheit muß der französischen Negierung um so erwünschter sein, als die Dinge auf Madagaskar mehr und mehr ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Unter den dortigen Eingeborenen herrscht schon seit längerer Zeit eine nicht unbedenkliche Gährung gegen die Franzosen,
die sich seit der Beschießung der Stadt Majunga nur noch vermehrt hat, in Folge dessen der französische Commissar Baudais die Königin und die Mnister für alle Schäden und Unannehmlichkeiten verantwortlich machte, die etwa für die Europäer entstehen könnten.
Der in London gegen Wilson und Genossen geführte Dynamit- proceß ist unter dem persönlichen Vorsitze des Lord-Oberrichters in voriger Woche zu Ende geführt worden. Nur zwei der Angeklagten, Ansburghe und Bernard Gallagher, wurden auf Grund des Verdictes der Geschworenen freigesprochen, die übrigen, Wilson, Thomas Gallagher, Whitehead und Curtin, wurden für schuldig erkannt und vom Richter zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurtheilt. — Im Zulugebiet (Süd-Afrika) ist ein deutscher Missionär, Schröder, von den Wilden erschlagen worden.
Eine Nachlese zu dem Einzuge des russischen Kaiserpaares nach der Rückkehr von den Moskauer Krönungsfeierlichkeiten fördert recht eigenthümliche Dinge zu Tage. Darnach ist es nicht wahr, daß sich der Einzug der gekrönten Majestäten in Petersburg unter den begeisterten Zurusen der Bevölkerung vollzogen hat; es herrschte vielmehr eine fast beängstigende Stille. Ganze Regimenter waren aufgeboten worden, um die Volksmenge vom kaiserlichen Zuge entfernt zu halten; zahlreiche Kosakenpikets durchstreiften die Stadt, wobei ihnen starke Gensd'armerie-Patrouillen assistirten und aus den Plätzen und größeren Straßen-Kreuzungspunkten lagerten Jnfanterie-Abtheilungen, die Gewehre schußbereit. Unter solchen Verhältnissen konnte von emem Aufflammen begeisterter Regungen keine Rede sein und lautlos gehorchte das Publikum, als dasselbe um 11 Uhr Abends aufgefordert wurde, stch nach Hause zu verfügen. Allerdings ein greller Contrast zu der Begeisterung der Dtoskauer Krönungstage!
Das belgische Ministerium Fröre-Orban befindet sich augenblicklich in einer wenig günstigen Situation. Der Grund zu dieser mißlichen Stellung des Ministeriums liegt in dem neuen Wahlgesetz, durch welches neben den Wählern auf Grund der Steuerleistung auch Honorattoren-Wahler, jedoch nur für die Provinzial- und Communalräthe, seschaffen werden sollen. Die Radikalen in der Deputirteukammer erklären diese Ausdehnung des Wahlrechtes für unzureichend und wollen gegen die Regierung stimmen. Es lst sehr wahr- cheinlich, daß sie hierbei aus taktischen Gründen von der Rechten unterstützt werden, in welchem Falle die Niederlage der Regierung und nn Wettern der Sturz des liberalen Ministeriums Fr^re-Orban entschieden wäre. - Bei dm Ersatzwahlen zur holländischen Deputirtenkammer sind nn Ganzen 45 Liberale und 40 Antiliberale gewählt worden; erstere haben demnach zwei Sitze eingebüßt.
Die türkischen Bataillone, welche unter Hafiz Pascha zur Unterwerfung der alisständischen albanesischen Bergstämme ausgesendet worden waren, sind in eine arge Klemme gerathen. Hafiz Pascha ist nämlich mit seinen


