hülfsbedürstigcn, Arbeit suchenden Reisenden und der arbeitsscheuen, zwecklos Vagabon- direndkN ergibt- Die Letzteren haben es, infolge der Wirksamkeit des Vereins, bereits erfahren, daß in Bonn das Betteln nicht mehr in solcher Weise einträglich ist, wie früherhtn und meiden, wie dies auch von Seiten der Behörden bezeugt wird, unsere Stadt mehr und mehr. Wir können nur wünschen und hoffen, daß durch überall, besonders in den Städten sich bildende derartige Vereine den Vagabunden ihr einträgliches Gewerbe verdorben, den arbeitswilligen Nothletdenden aber eine ausreichende und zweckmäßigere Unterstützung als die durch erbettelte Pfennige gewährt werde." Wir verdanken diese segensreich wirkende Einrichtung der Initiative des Armenvor- ftandes der protestantischen Gemeinde, in dessen Händen sie noch ist. Bei Gründung des Vereins wurde die hiesige römisch-katholische Psarrgeistlichkeit in höflicher Weise zur Mitwirkung aufgefordert; sie lehnte aber ab und ein hiesiges ultramontanes Blatt brachte gleichzeitig einen bissig warnenden Artikel gegen das Unternehmen.
Paris, 14. Mai. Das Palais Royal war gestern Nachmittag der Schauplatz eines mit unerhörter Frechheit autzgeführten Verbrechens. Auf eine noch unerklärte Weise brachen am Hellen Nachmittage mehrere Diebe in den Laden eines Juweliers in der Galerie Montpensier ein. Als auf das verursachte Geräusch die allein in der Wohnung anwesende Dienstmagd berbeietlte, stürzten sich die Kerle auf das schon bejahrte Mädchen, tödteten sie buchstäblich mit Fußtritten und schleuderten sie gegen den Feuerherd, an dem der Schädel der Unglücklichen zerschmetterte. Dann raubten die Diebe ungefähr für fünfzigtausend Franken Goldsachen und entfernten sich ungestört wieder. Erst um 11 Uhr Abends, beim Nachhausekommen von einer Landpartie, constatirte der bestohlene Juwelier den Mord seines Dienstmädchens und den ihm zugefügten Diebstahl. — Wie es scheint, ist der hiesige Crddtt foncier mit den Diensten, welche die weiblichen Beamten ihm leisten, sehr zufrieden, denn ihre Zahl ist seit 1879 von 44 auf 202 gestiegen. Drei Abheilungen sind ihnen da ausschließlich anvertraut: die ernlaufende Briefpost und die Classtfictrung der Schriftstücke, das Secretariat und die Tttelkasse. Außerdem läßt die Abtheilung für Darlehen, sowie diejenige, welche sich mit Hypotheken und Eigenthumsfragen beschäftigt, ihre Correspondenz durch weibliche Beamte analysiren, die sich in kurzer Zeit den erforderlichen rein technischen Sttl aneignen und überhaupt Beweise von rascher Auffassung an den Tag legen sollen.
— Das Jahr 1883 bringt uns im Ganzen nicht weniger als 18 Ausstellungen jeder Art und zwar finden solche in den meisten Hauptstädten statt. Am zahlreichsten sind die Industrieausstellungen; es werden solche in Blois (vom 22. Mat bis 1. August), m Caen und Troyes (vom 15. Mat bis 15. September), in Vannes (vom 12. Mat b's 11. Juni, in Verbindung mit einer Kunstausstellung), in Foix (vom 5. bis 22. Mai) und in Rochefort (vom 26. Mai bis 26. Juli) abgehalten. Die hygteintsche Ausstellung in Berlin und jene von Bronzen in Wien sind bereits eröffnet, <m Laufe dieses Monats folgt noch die landwtrthschaftliche Ausstellung in Lissabon. Die große internationale Fifchereiausstellung in London wurde bereits am 1. April eröffnet und wird bis 1 Juni dauern. In Kalkutta und Nizza werden diesen Winter internationale Ausstellungen ftattfinden. Zum 1. August ist die Eröffnung der internationalen Elettrtcitäts- ausftellung in Wien, nachdem eine ähnliche bereits jetzt in Königsberg in Preußen eröffnet worden; der Monat September bringt die historische, auf die zweite Türken- delagerung Bezug nehmende der Stadt Wien und dl-' internationale Eßwaaren- Ausstellung in Mailand. Die großartige Amsterdamer Ausstellung prangt bereits in vollem Glanze. München eröffnet noch eine solche für schöne Künste und Madrid endlich für Mineralien.
— Ein Leichenbegängniß ohne Leiche ist am ersten Pfingsttage in Wiesbaden vorgekommen. Dort starb eine alte Frau mit Hinterlassung einer Tochter, welche die nöthigen Schritte that, daß die Leiche ins Lctchenhaus gebracht wurde. Zur bestimmten Stunde hatte die Tochter noch Einiges in der Stadt zu besorgen, weshalb sie die Wohnung abschloß und den Schlüssel zu sich nahm. Während dieser 8eit brachte der Schreiner mit seinen Leuten den Sarg in die Wohnung. Da sie jedoch dieselbe verschlossen fanden, stellten die Leute den Sarg vor die Thür, in der Meinung, das Einlegen der Leiche könnte auch von anderer Hand geschehen. Zwischenzeitlich treffen Leichenträger mit Todtmwagen ein; da sie den Sarg vor der Thür stehend fanden, dachten sie, die Leiche sei für sie zum Wegbringen vor die Thür gestellt; kurz, man trug den Sarg bie Treppe hinunter, schob ihn in den Leichenwagen, schloß die Thüre und flugs gings nach dem Todtenhofe zu. Es mochte wohl unterwegs ob des hohlen Tones, welcher sich aus dem Leichenwagen vernehmen ließ, unter den Leichenträgern einiger Zweifel entstanden sein, ob denn auch wirklich der Sarg die Leiche in sich berge. Da man jedoch auf offener lebhafter Landstraße eine Untersuchung nicht anstellen konnte, blieb eben nichts anderes übrig, als den Weg bis zum Letchenhaus fortzusetzen. Dort wurde nun die Untersuchung angestellt, wobei man dann auch fand, daß man einen leeren Sarg nach dem Fnedhofe begleitete. Man sah sich gegenseitig mit langen Gesichtern an, doch es half nichts, man mußte schnurstracks den Rückweg antretm.
— Eine Partie Sckack mit lebenden Figuren wurde am 7. ds. zu einem Wobl- thätigkeitszwecke in Hughe's Cirkus in London gespielt. Der Prinz und die Prinzessin von Wales mit ihren Kindern, der Herzog von Teck, der Herzog von Buccleuch und viele andere Mitglieder der höchsten Aristokratie wobnten der Vorstellung bei, die als eme sehr gelungene bezeichnet werden muß. Die Costüme, im Style des 14. Jahrhunderts, wobei die „Bauern" durch anmuthige Pagen, die „Läufer" durch Hofdamen ersetzt waren, zeichneten sich sowohl durch ihren Reichlhum, als auch durch glückliche 7>arbenzusammenstellung aus und das Ganze bot einen prachtvollen Anblick. Es wurden zwei Partien gespielt, von denen die eine von Herrn Hirschfeldt, die andere von Herrn Hoffer dirigirt wurde. Die Vorstellung wurde wiederholt. Die Darsteller gehören ^^gesammt der königlichen Leibgarde an und wurden vom Obersten Stirling für diese Vorstellung einexercirt.
- Einen ganz ungewöhnlichen Emrahrig-Freiwilligen hat das Kaiser-FraNz Regiment. Körper ich ist er der stattlichste von allen Einjährigen des Regiments uno an Jahren allen seinen Kameraden voraus, denn er zählt deren schon 27- Von Be-uf rer AOg"M^sitzer Marokko, wohrn er in jungen Jahren mit einer preußische Gesandtschaft ging. Um seine Staatsangehörigkeit nicht zu verlieren, mußte er seiner Denn in Marokko kann man unter Umständen des Schutzs des deutschen Reichs bedürfen. Man ist ihm darin jedoch nach Möglichkeit entgegen-. gekommen wdem man ihm langen Ausstand gab und seinen Emttitt außer der Tour Enttete, so daß seine Dienstzeit zu Johanni zu Ende geht. Ein brauner marokkanischer Diener hat seinen Herrn nach Be>lm begleitet und wird zu Hause nicht wenig von dessen Verwandlung in einen preußischen Krieger zu erzählen wissen. Um den Roman vollständig zu machen, hat der reiche Grundbesitzer sich in Berlin eine arme, aber schöne Braut angeschafft, die er als Gattin nach Af.ika heimführen wird.
n.. ~ [toertfanifd)e§.] Newyorker Blätter erzählen: Wie wenig es unter Umständen nützt, unter der Vornahme eines ganz bestimmten Lebens- und Berufszwecks nach einer Stadt zu kommen, m der sich so unzählige Möglichkeiten des Fortkommens bieten, wie in Newyork, das sollte etne junge Ncw-Orleanserin erst in diesen Tagen an sich erfahren. Das sehr hübsche aber religiös überspannte Mädchen hatte ihre Familie verlassen, um sich hier tn ein Kloster, nach dessen stillem Leben ihre ganze Seele dürstete, zu begeben. Sie war aber noch keine drei Tage hier, als sie sich mit einem Clown von Barnums Crrkus verheirathet halte.
ra r Broutfahrt".) Otto Roqueite, der Verfasser des reizenden
Gesanges „Waldmeisters Brautfahrt" sollte, so erzählt das „D.. Mtgs.-Bl" einmal Künstlerfeste auch einem Duodezfürsten vorgestellt werden. Dessen Adjutant hatte Sr. Hoheit, wie das üblich, besonders erwähnenswerthe Momente aus dem Leben A^stellenden berichtet und in dem Augenblicke, als Roquette hinzutrat, der Dir chlaucht schnell, aber wahrscheinlich nicht laut genug, zugeraunt: „Otto Roquette, §,eTf°Sey, 2?°ld°ictsters Brautfahrt." „Freut mich sehr, lieber Roquette,
Buch „Wachtmeisters Brautfahrt" hat mir viel Spaß gemacht; „hab' mal Zarr ahnlichen Kerl im Regiment gehabt." .... Man kann sich das Gesicht des Dichters und der Umstehenden, welche diesem durchlauchtigen Erguß lauschen durften, denken.
— k 7, Ueber die bevorstehende Speisung der bei dem Krönungs-Volksfeste auf dem Chodynsker Felde in Moskau versammelten Menge schreibt die Deutsche „St. Pet. Ata?* Chodynskyplatze sollen sich etwa 400,000 Menschen nicht nur der gebotene« theatralischen und musikalischen Genüsse erfreuen, sondern es soll auch der Appetit ledes Etnzelnen aufs Reichlichste mit Speise und Trank gestillt werden. Jeder einzelne Besucher des Festes soll erhalten: ein: Pirogge (eine Art Pastete) mit Fleisch, eine Pirogge mit Saft gefüllt, jede ein Pfund schwer, einen Sack, der mit künstlerisch in Buntdruck ausgefübrten Initialen , dem Datum des Tages u. s. w. geschmückt ist und Pfefferkuchen, Rüste, Johannisbrod, Carameüen enthält und einen ebenfalls mit dem %rl Hb" Namenszügen rc. ausgestatteten Thonkrug, den er sich, so oft er ww. füllen lassen kann. Hinsichtlich der B^wlrthung sind zweierlei Schwierigkeiten zu überwinden: die bei heftigem Gedränge unvermeidliche ungerechte, ungleichmäßige Vertheilung und die Beschaffung der kolossalen, dem Verderben ausgesetzten Provisionen. Das Backen von einer Million großer Piroggen im Laufe von 24 Stunden in einem » Lokal ist an sich genommen sicherlich nicht leicht zu bewerkstelligen. Um diesen Mißstanden vorzubeugen. bat man folgendes Arrangement getroffen: Der Feftplatz hat zur Vermeidung des Gedränges 225 verschiedene Eingänge erhalten. Diese Eingänge liegen zwiscyen je zwei als Spetsebuffets dienenden hohen viereckigen Einzäunungen. In jeder dieser Einzäunungen stehen, auf Brettergestellen handlich aufgestellt, je 2000 Korbe in welche die Bewirihung, ein Korb für jede Person, eingepackt ist. In jedem Hänschen reichen vier Bäckergesellen den vorüberpassirenden Gästen, Groß und Klein, lebem seinen Korb hin, den diese auf den Feftplatz mitnehmen, um ihn dort allmälig nut Behagen zu leeren. Ist eines dieser primitiven, aber praktischen Buffets geleert, m bcr Strom unwillkürlich zu einem andern Eingang wenden. Da das
Publikum schon um 10 Uhr Morgens zugelassen wird, der Glanzpunkt des Festes aber erst um 2 Ubr beginnt, ist etn besonderes Gedränge kaum vorauszusehen. Der Fall, daß der Eine oder der Andere mit besonders glücklichem Appetit gesegnet seine Piroggen rc. verzehrt, den Platz verlaßt und beim Wiedereintritt sich von Neuem sein Festdeputat reichen laßt, ist vorgesehen. Wenn sich etwa 50,000 Menschen diesen Spaß machen, bringt das die Arrangeure noch nicht in Verlegenheit. Auf solche kleine Un- regelmaßigketten ist gerechnet. Die Lieferung der Piroggen ist der Firma Fil'ppow unter sehr scharfen und schweren Bedingungen übertragen worden. Um es zu ermöglichen, daß die Piroggen allesammt ganz frisch, zum Theil noch heiß in die Hände der Consumenten gelangen, sind an der Westfront des Ausstellungsplatzes 100 Bäckereien angelegt, von denen jede einzelne, bedient von je drei Bäckern, nach den angestellten Proben ohne Schwierigkeiten bis 11,000 Piroggen in 24 Stunden in Fett sieden, resp. -rn Backofen backen kann. So kann ohne besondere Anstrengung das ganze Quantum ln 24®tunben fertig gestellt werden. In der Maschinenhalle findet die Ablieferung und die Verpackung in die vorbereiteten 450,000 Körbe statt-
— (Drei Mal begraben.] Der in Oran erscheinende „Mont-Atlas" erzählt von einem dort niedergelassenen französischen Fleischer Namens Fouques, der „die Ehre hatte , drei Mal cwiliter begraben zu werden Das erste Mal, im Jahre 1848, war gougue§ in einen Todtenschlaf v rfallen, in Folge dessen er eingesargt und nach dem Friedhöfe geführt wurde. Unterwegs kam er zu sich und polterte so lange gegen be« schon angeschraubten Sargdeckel, daß die Verwandten und Freunde ihm endlich zu Hilfe kamen. Achtzehn Jahre später widerfuhr ihm nach einem Cholera-Anfall Aehn- liches und als er kürzlich zum dritten Male starb, wurden alle Mittel der Kunst auf- geboten, um ihn ins Leben zurückzurufen; aber vergeblich. Fouques, der Freidenker hatte endlich allen Ernstes das Zeitliche gesegnet.
Submission auf Ausführung der Erd- und Böschungs- Arbeiten und der kleineren Brückenbauten im Loose I der Eisenbahn untergeordneter Bedeutung von Wabern nach Wildungen. Gesammtbetrag der zu bewegenden Bodenmasse 29960 Cbm. und rot. 420 Cbm. Bruchsteinmauerwerk. Termin:
Montag den 28- Mai 1883, Vormittags 11 Uhr, im Bureau des Regierungs-Baumeisters Plate in Wildungen. Offerten sind dem Regierungs - Baumeister Plate einzureichen. Bedingungen rc. können von demselben gegen Einsendung von 1 Jb. bezogen werden. Auch sind bei demselben die betreffenden Projectstücke zur Einsicht ausgelegt.
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