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Paris, 17. März. Die Zahl der gestern verhafteten Anarchisten be­trägt nur drei; weitere Verhaftungen stehen für heute bevor. Es verlautet, Louise Michel sei nach der Schweiz entflohen.

Die Berichte der Präsekten an den Minister des Innern bezeichnen die Stimmung der Bevölkerung als sehr beruhigend. Nirgends sind Anzeichen zur Bedrohung der Ruhe vorhanden. Gleichwohl werden Vorsichtsmaßregeln getroffen.

EinerHavas"-Meldung aus Kairo zusolge erstattete die Commission für die öffentliche Schuld Bericht, in welchem sie die Mißbräuche hervorhebt, welche die Zollfreiheit für die Provisionen der Occupations-Armee zur Folge hatte. Der Bericht führt Beweisstücke an, daß die Zollfrerheit Händlern und Privatpersonen, ja selbst Osficieren zu Gute gekommen sei; die Zolleinnahmen würden dadurch schwer geschädigt.

Paris, 15. März. Wegen der Unruhm im Lyceum Louis-lc-Grand soll nun doch eine Interpellation in der Kammer eingedracht werden, bei welcher Gelegenheit der Leiter der gedachten Anstalt, Herr Gidel, wahrscheinlich recht unangenehme Dinge zu hören bekommen wird, da sich thatsächlich herausgestellt hat, daß die Grundsätze, nach denen er seines Amtes walte, weder pädagogisch zu rechtfertigen noch überhaupt würdig und anständig sind. Die vorgestrige Meuterei hat folgende Vorgeschichte: Als Herr Duvaux noch Unterrichtsminister war, fuhr er einmal, nachdem es stark geschneit hatte, dem Lyceum Louis-le Grand vorbei und war sehr überrascht, als fein Kutscher von Schülern mit Schneebällen geworfen wurde; er stieg sogleich aus dem Wagen, stellte sich der schneeballenden Jugend als Unterrichtsminister vor und hielt ihr eine derbe Strafpredigt. Da nun aber bte Schüler den Minister nicht konnten, so ließen sie eS derartig am erwarteten Respect fehlen, daß sie nun ihre Geschosse gegen den Minister richteten, brr in schleuniger Flucht sein Hess suchen mußte. Dem nunmehr zum Unterrichtsministerium befohlenen Director wurde von Herrn Duvaux der Text gelesen und die Folge davon war, daß der Director, Herr Gidel, nunmehr ein recht häßliches Mittel anwandte, um seine Schüler im Zaume zu halten. Er führte nämlich das Geiselsystem der Commune ein und bezeichnete fünf Schüler, bte, wenn irgenb welche Ungehörigkeit vorfallen würbe, sofort aus der Anstalt entlassen werben sollten, gleichviel, ob sie unschuldig seien oder nicht. Später erhöhte er die Zahl derGeiseln" auf zwanzig. Folgende Geschichte brachte die lange gährende Unzufriedenhcit zum Ausbruch: Zwei Schüler hatten einen Corridor durch Ausdrehen der Lampen in eine egyptiscke Fmstermß getaucht, was zweifelsohne ein Unfug, aber kaum ein Verbrechen ist Sie waren dabei nicht erkannt worden, wohl aber hatte man bemerkt, daß ein dritter Schüler, Philippi, sie beim Ausretßeu gesehen und erkannt habe. Philppi wurde nun zu Herrn Gidel geführt und dieser verlangte, daß er 'hm die Namen der Uebel- thäter mitthnle, wogegen er versprach, diese nicht zu bestrafen. Philippi, welcher zu gab, die Schuldigen zu kennen, weigerte sich, ihre Namen zu nenne , ging aber, vom Director entlassen, zu seinen beiden Kameraden und bewog sie, im Hinblick auf die versprochene Straflosigkeit, sich selbst bei Herrn Gidel zu meldn. Dies geschah, Gidel aber sperrte beide ein, indem er erklärte, die Straflosigkeit habe nur dann zugestanden wenn Philippi die Schuldigen anzeige; da diese sich aber selbst angezeigt hätten, so fei er seines Wortes entbunden! Philippi aber wurde außerdem, weil er seine Kameraden nicht hatte verrathen wollen, aus der Anstalt verwiesen. Nun kam die Bombe zum Platzen. Aui welcher Seite hiernach das moralische Unrecht liege, w>rb jeder Unparteiische sich selbst sagen können. Die Zeitungen, und zwar gerade die ge- mäßigsten, nennen heute schon Gidel's Verfahrenunmoralisch und empörend". (Köln Ztg.)

Italien.

Rom, 17. März. Ragottieri wurde der Anklage, daß er durch Revol- verschüffe auf das Wappenschild des österreichischen Botschafts-Hotels das Land einer Kriegsgefahr ausgesetzt habe, von der Jury für schuldig erklärt und zu dreijähriger Verweisung verurtheilt. Gegen Kardinali, den Verfasser eines den Papst beleidigenden Artikels, wurde auf dreimonatliche Gesängnißhaft untaein Tausend Lire Geldbuße erkannt.

Der Papst empfing mehrere in dem letzten Consistorium geweihte Bischöfe und drückte seine Freude aus, daß er endlich die vacanten Bischofssitze in Polen und Rußland, sowie den Bischofssitz der vereinigter Diöcesen von Lausanne und Gens besetzen konnte. Der Papst sprach die Hoffnung zu Mer- millod, dem neu ernannten Bischof von Genf und Lausanne aus, daß seine Er­nennung den religiösen Frieden in der Schweiz, die er sehr liebe, wieder Her­stellen werde. Nach einerStesani"- Meldung steht jedoch fest, daß die Bundesregierung und die Genfer Cantonregierung dem Vatikan überließen, Mermillod auf eigene Gefahr den Bischofssitz zu verleihen.

Rom, 17. März. DerMoniteur de Rome" veröffentlicht eine Depesche aus Berlin, welche die Ntchtveröffenilichung der Antwort des Kaisers auf bas letzt.' Schreiben brs Papstes, die Verzögerung m der Beantwortung der Note Jacobint's, den Artikelpari passu derProoinnal-Correspondrnz" und die Gerüchte über bi. Eventualität emes neuen Kirchengesetzes als Symptome bezeichnet, welche für bi* Her­stellung des religiösen Friedens wenig günstig erscheinen, worin aber gleichwohl der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß die friedlichen Absichten des Kaisers und des Papstes nicht erfolglos bleiben werden.

Holland.

Amsterdam, 17. März. Amtlicher Mittheilung zufolge findet die Er­öffnung der Ausstellung am 1. Mai durch das Königspaar statt.

Amerika.

New-Uork, 17. März. Die Stadt Forest City in Californien ist durch eine Feuersbrunst vollständig in Asche gelegt worden.

New-Bort, 17. März. O'Donooan Rossa, der Führer der extremen fenischen Richtung, äußerte gegenüber dem Correspondenten eines Blattes, die in London erfolgte Explosion fei durch Dynamit bewirkt und keineswegs auf bloßen Zufall zurückzuführen. Einigen Blättern zufolge soll auch Sheridan erklärt haben, die Explosion sei das Werk der Iren und lediglich der Vorläufer zu weiteren größeren Aktionen.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Correspondenz-Bureau.

Dresden, 18. März. Heute Nachmittag hat hier unter zahlreicher Theilnahme die Legung des Grundsteins zu der neuen amerikanischen Kirche durch den Bischof Littlejohn stattgefunden.

Paris. 18. März. Das Aussehen der Stadt zeigte bis zur Mittags­stunde durchaus nichts Ungewöhnliches, von irgendwelcher Erregung, aus welcher sich auf einen unruhigen Tag schließen ließe, war in den Arbeiter-Vierteln nichts wahrzunehmen. In den Stadtvierteln in der Nähe des Marsfeldes und des Stadthauses herrscht vollständige Ruhe; das Wetter ist sehr schön und ein großer Theil der Bevölkerung begiebt sich aufis Land. Man glaubt allgemein, daß die Anarchisten alle öffentlichen Kundgebungen vermeiden und sich darauf beschränken werden, zahlreiche Bankette abzuhalten.

In allen Theilen der Stadt ist es bis jetzt noch viel ruhiger als ge­wöhnlich , da der erste schöne Sonntag von vielen Bewohnern zu einem Ausflug aus das Land benutzt worden ist. Von der Aufstellung von Militär ober mili­tärischen Patrouillen ist nirgends etwas zu sehen. Die in St. Etienne ge­plante öffentliche Kundgebung ist nicht zu Stande gekommen, es hatten sich nur

wenige Personen zur Theilnahme eingefunden, dieselben wurden, ohne Wider­stand zu leisten, von der Polizei zerstreut.

In den Provinzen ist nach den vorliegenden Nachrichten der heutige Tag bis jetzt ruhig verlaufen. Nur in Roubaix versuchten heute Vormittag einige Personen eine öffentliche Kundgebung, die Polizei zerstreute aber die Ruhe­störer und nahm 8 Verhaftungen vor.

Hier in der Stadt herrscht nach wie vor vollständige Ruhe, auch auf dem Pöre la Chaise, wo man wegen der dort begrabenen zahlreichen Com- munarden eine Demonstration erwartete, ist es jedoch zu einer solchen nicht gekommen.

London, 18. März. Zwei als Frauen verkleidete Männer griffen gestern Abend in Windsor Lady Florence Dixie mit Dolchen an; die Dame kam jedoch unverwundet davon.

Nachrichten aus San Francisco zufolge sind durch die bereits gemeldete Feuersbrunst in Forest City 76 Häuser zerstört worden, nur wenige' kleine Ge­bäude der Vorstadt sind verschont geblieben. Beinahe der gesammte Vorrath an Lebensmitteln ist vernichtet, ein großer Theil der Einwohner ist obdochlos, der ungerichtete Schaden wird aus '/z Million Dollars geschätzt. ____________

Lokales.

Gießen, 19. März. Der Dieb, welcher m den letzten Tagen in Friedberg einen Ueberzieher, m Bad-Nauheim Frauenklelder und am 17 d. Mts. dahier einen seidenen Regenschirm stahl, wurde von hiesiger Polizei vetsolgt und von beifelben gestern in Marburg verhaftet. (Zwei Jacken, darunter eine von Sammet und ein blau und weiß gestre ftes Kleid wurden von dem Dieb, welcher wahrscheinlich diesen Diebstahl hier verübt hat, tn der Neustadt, in einem Dteleulager veisteckt, aufgefunden. Eigenthümer wollen sich auf der Polizeiwache melden.)

Vermischtes.

Darmstadt, 18. März. Der alle drei Jahre stattfindende deutsche Feuerwehr- tag wird oom 7.-9. September d. I m Salzburg abgehalten. Die Feuerwehren in den deutschen Ländern Oesterieichs gehören heute noch zu dem deutschen Feuerwehr- oetbanb und erklärt es sich auf diese Weise, daß der d-esmal'ge deutsche Feuerwehitag in Oester-eich stattfindet. Der hessische Feuerwehrtag wird im Monat Juli d. I. hier in Darmstadt ftattfinben unb wird als Antrag des Landes-Ausschusses ein Gesuch um ErUch eines Feuerlöschgesetzes durch Großherzogtiche StaatSregterung auf die Tages­ordnung kommen.

Drei Musiker von der Infanterie, welche s. Z im Saalbau zu Frankfurt filbein-: Löffel mitgenommen hatten, sind zu inehcmonatticher Festungshaft verurtheilt und dieser Tage zu deren Verbüßung nach Mainz verbracht worden.

In Frankfurt a. M. feierten bas Stenographische Institut und der Steno­graphische Verein bas Fest ihres 25jährigen Bestehens und der vor einem Viertel- jahrhundert durch Dircctor Rudolf Nentwig erfolgten Einführung der Gadelsberger'schen Stenographie in Frankfurt. Professor Or. Z ei big- Dresden hielt die »Festrede, woraus Oberbürgermeister Dr Miquel setner Ansicht über den Gebrauch der Stenographie durch eine Illustration aus seiner eigenen Amtsfüh ung Ausdruck gab. Er könne sein Amt ohne die Stenographie nicht in der Weise verwalten, wie er es für uothwendig halte, die Stenographie sei ihm geradezu unentbehrlich. Dem Chef eines großen Handlungshauses, einer großen Verwaltung, dem Präs eines Gerichtshofes sei die Stenographie genau so un­entbehrlich, wie dem Feldherrn der General ft ab. F. Nentwig, Stenograph des Oberbürgermeisteramts, gab sodann eine Geichichte der Einführung der Stenographie in Frankfurt. Das Parlament 1848 sei der tntellectuelle Urheber, Rudolf Nentwig der aussührende Theil bet Einführung der Stenographie in Frankfurt gewesen Rud. Nentwig habe hier den ersten stenogravhischm Unterricht ertheilt, das Institut g-gründet (als dessen Director er nunmehr 25 Jahre im Ehrenamte fungirt) und auck der Verein fei durch einen Schüler Nmtwig's ins Leben gerufen. Das Institut wirke durch Unterricht, Prsxis, Publicistck, Beschickung von Ausstellungen und Vereinigungen- F. Herbst berichtete sodann über die Thätigksst des Vereins, worauf die akademische Fetei mit einem Schlußgesang des Schuler'schen Männerchors geschlossen wurde. ES ruhte sich hieran Festessen und eine gemüthliche Abendunterhaltung.

Zürich, 17. März. In La Roche ((Santon Freiburg) war ein Mädchen in einem einsam stehenden Hause wädrend der Messe allein mit der Zubereitung des Ess-ns beschäftigt, als ein Räuber m die Küche drang und(Selb ober Blut" verlangte. Das Mädchen ergriff die Pfann voll siedender Butter und warf sie ihm in^s Gesicht; laut aufschrctend machte sich der Missethäter von dannen.

Eine entsetzliche Scme spielte sich am letzten Dienstag in Rom in der Menagerie des Thierbändigers Pernet ab. Pe-nct hatte eben tn Begleitung von Miß^ Noumo, seiner juaendlichen Gehülfin, den Löwenkäfig betreten, um mit den beiden Löwcn vor dem zahlreich versammelten Publikum die Vorstellung zu beginnen. Eine Zeit Lmg arbeiteten" beide Thiere ganz gehorsam, als die Löwin, ein bösartiges Tbter, plötzlich einen Moment benutzte, wo P rnet ihr gerade den Rücken zukehrte, sich auf ihn stürzte und von hinten zu Boden riß. Während die Zuschauer entsetzt aufschrteen, verlor Miß Nouma keinen Augenblick ihre Geistesgegenwart unb schlug mit einem schweren Bietstock bem wüthenden Thier so heftig über die Schnauze, baß es seine Beute fahren ließ. Pernot, obwohl aus tiefen Wunden blutend, erhob sich, ließ sich ein Glas Marsala reichen, bas er tn einem Zuge austrank und wollte bann bte Vorstellung fort­setzen. Das Publikum aber proteftirte so lebhaft, baß bie Vorstellung unterbrochen werden mußte. Der unglückliche Thierbändiger ist noch am Abend desselben Tages seinen Wunden erlegen.

Wenige Mineralwasser sind so weit verbreitet unb werben mit so vftl Erfolg ange * enbet, wte die vor kaum neun Jahren entbeckte Franz Joses-Bitterquelle. Von Sr. Majestät allerhöchst ausgezeichnet, auf sieben Ausstellungen mit dem höchsten Presse für Mineralwasser, Gold- und Verdienst-Medaillen, prämttrt, erfreut sich diese rühmlichst bekannte Bitterquelle der Gunst der medicinische« Welt wegen ihrer unver­gleichlich wohlthätigen sicheren und milden Wirkung. Der außerordentliche Erfolg er­möglicht es, daß man jetzt schon dieses beliebteste natürliche Abführungsmittel unter dem Namen //Franz Josef'Bilterqnelle^in jedem Dorfe kennt und kaufen kann-

Rkpertoir der vereinigten Itadttheater ;n Frankfurt a. M. Opernhaus.

Montag den 19. März, Nachmittags 3^/r Uhr: Kindervorstellung. Neu einfiubirt: Aschenbrödel, oder: Der gläserne Pantoffel. Außer Abonnement. Er­mäßigte Eintrittspreise.

Dienstag den 20. März: Die Nachtwandlerin. Hierauf: DaS Ver­sprechen Hinterm Heerd.

Mittwoch den 21. März: Nachmittags 3V-z Uhr: Aschenbrödel. Außer Abonnement. Ermäßigte Eintrittspresse.

Donnerstag den 22. März: Euryanthe.

Freitag den 23. März geschlossen.

Samstag den 24. März: Rigo letto.

Sonntag den 25 März: Die Hugenotten.

Montag den 26. März: Undine. Außer Abonnement.

Dienstag den 27. März: Neu einltubirt: Fiesko, von Schiller.

Schauspielhaus.

Montag den 19. März: Cato von Eisen. Hierauf zum ersten Male wiederholt: Ätzern er unb sein Sohn. Anfang 7 Uhr.

Dienstag ben 20. März: Der lustige Krieg.

Mittwoch den 21. März: Zur Vorfeier bes Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers unb Königs Wilhelm I: Neu einfiubirt: Das Testament bes großen Kurfürsten.

Donnerstag ben 22. März geschlossen.

Freitag den 23. März geschlossen.

Samstag den 24. März: Die Valentine.

Sonntag den 25. März: Das Testament des großen Kurfürsten- Montag den 26. März: Dora.

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